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Gutenberg > Titus Maccius Plautus >

Der Goldtopf (Aulularia)

Titus Maccius Plautus: Der Goldtopf (Aulularia) - Kapitel 5
Quellenangabe
typecomedy
booktitleDie Lustspiele des Plautus, Dritter Band
authorPlautus
translatorJohann Jakob Christian Donner
firstpub1865
year1865
publisherC. F. Winter'sche Verlagshandlung
addressLeipzig und Heidelberg
titleDer Goldtopf (Aulularia)
pages121-200
created20060214
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Dritter Act.

Strobilus, der Knecht des Megadorus, kommt mit allerlei Vorräthen vom Markte zurück. Anthrax undCongrio, Köche. Phrygia und Eleusium, Flötenspielerinnen.

Strobilus. Nachdem der Hausherr eingekauft, die Köche dann
Und hier die Flötnerinnen auf dem Markte sich
GedungenVor dem Jahre Roms 580 gab es keine Köche zu Rom; nachher aber waren sie ordentlich zünftig daselbst. Sie waren Sklaven, und wenn man ein Gastmahl anstellte, so wurden sie von denjenigen, die nicht bemittelt genug waren, sich eigene Köche zu halten, auf eine gewisse Zeit gedungen. Sie hatten ihren eigenen Plaz auf dem Markte, oder einen eigenen Markt (forum coquinum, vgl. Pseudol. 3, 2, 1.), wo man sie antreffen konnte, wenn man sie suchte. Auch Flötenspielerinnen konnte man hier finden und dingen, um bei feierlichen Gelegenheiten aufzuwarten. , da gebot er mir, hieherzugehn,
Und all die Küchenspeisen in zwei Hälften hier
Zu theilen.

Congrio.           Mich, das sag' ich offen, theilstDas Wort »theilen«, dividere, steht hier mit einer schmuzigen Nebenbedeutung, was besonders aus V. 8 hervorgeht. Das erstemal konnte es auch unschuldig verstanden werden, und mit einer wizigen Anspielung auf den Namen Congrio, welcher, von conger abgeleitet, einen Fisch (Meeraal), folglich gleichfalls etwas Eßbares bezeichnet. Köpke. du nicht.
Soll ich wohin geh'n ganz und gar, dann geh' ich mit.

Anthrax. Da seht den saubern, den verschämten Gassenkerl!
Wenn nun dich Jemand wollte, ließest du dich da
Nicht theilen?

Congrio.                 Anthrax, was ich sagte, meint' ich nicht
So, wie du mir's auslegst.

Strobilus.                                 Mein Herr (ihr wißt es schon?)
Macht heute Hochzeit.

Congrio.                             Wessen Tochter führt er heim?

Strobilus. Die Tochter unsers nächsten Nachbars Euklio.
Der eben nimmt die Hälfte von den Speisen hin,
Den einen Koch und eine Flötenspielerin.

Congrio. Er kriegt die eine Hälfte, und die andre wir?

Strobilus. Ganz, wie du sagst.

Congrio.                                 Was? Konnte denn der Alte nicht
Zu seiner Tochter Ehrentag für eignes Geld
Einkaufen?

Strobilus. (spottend)
                  Pah!

Congrio.                   Was willst du damit?

Strobilus.                                                     Was ich will?
Kein Bimstein ist so trocken, wie der alte Mensch.

Congrio. Ist's wirklich also, wie du sagst?

Strobilus.                                                   Urtheile selbst!
Schleicht Rauch von seinem Herde sich zum Dach hinaus,
So schreit er gleich um Hülfe Gott und Menschen an,
Er sei verloren, ruinirt an Hab' und Gut.
Ja, wenn er Abends schlafen geht, so schnürt er sich
Den Beutel um den Hals.Man pflegte zu Rom, wenn man ausging, den Geldbeutel am Halse zu tragen. Das Lächerliche ist hier nur, daß es Euklio bei Nacht thut, weil er auch im Bette sich vor Dieben fürchtet.

Congrio.                                   Warum?

Strobilus.                                               Damit ihm ja
Im Schlaf von seinem Odem nichts verloren geht.

Congrio. So stopft er wohl sich auch die hintre Kehle zu,
Damit er da von seinem Odem nichts verliert?

Strobilus. Ich muß dir's billig glauben, wie du mir geglaubt.

Congrio. Ich meinerseits, ich glaub' es.

Strobilus.                                               Nun was Andres noch:
Er weint um's Wasser, wenn er sich die Hände wäscht.

Congrio. Der Alte schenkt uns (meinst du nicht?) wohl ein Talent,
Uns frei damit zu kaufen?

Strobilus.                                 Nein, und wolltest du
Von ihm den Hunger borgen, traun, er gäb' ihn nicht.
Ja, neulich schnitt sein Bader ihm die Nägel ab;
Da sammelt' er und hob sich alle Schnizel auf.

Congrio. Du schilderst uns hier einen sparsam Sparsamen.
Wie kann ein Mensch so gar erbärmlich sparsam sein?

Strobilus. Jüngst stahl ein Weih ihm aus der Schüssel seinen Brei.
Da trollt der Mensch laut heulend sich zum Prätor hin,
Und fordert jammernd, daß es ihm gestattet sei,
Den Weih zu stellen vor Gericht. Ich könnte dir
Noch tausend Streiche melden, hätt' ich Zeit dazu.
Wer ist von euch der flinkste? Das bedeute mir.
Congrio. Ich bin es, bin bei weitem mehr –

Strobilus.                                                             Ich frage da
Nach einem Koch und keinem Dieb.

Congrio.                                                   So meint' ich's auch.

Strobilus. (zu Anthrax)
Was sagst du?

Anthrax.               Ich bin, wie du hier mich sehen kannst.

Congrio. Das ist ein Leichenkoch, der nur den neunten Tag
Zu kochen geht.Am neunten Tage nach der Beerdigung einer Leiche ward zur Ehre des Todten ein Leichenmahl (silicernium) gehalten, bei dem nur wenige und bestimmte Gerichte üblich waren. Für einen Gaumen, der feinere Speisen verlangt, meint Congrio, ist er nicht im Stande, etwas Genießbares zu bereiten. Vgl. die Anmerkung zu Pseudol. 3, 2, 7.

Anthrax. (zu Congrio)   Mensch, deinen Namen schreib' ich mit
Vier Zeichen»Deinen Namen schreibe ich mit vier Zeichen«, nenne dich Dieb. In der römischen Urschrift heißt der Dieb (fur) homo trium literarum. : und du wolltest mich herunterzieh'n?

Congrio. Ich wär' ein Dieb? Ja, Dieb du selbst, Vierviertelsdieb»Vierviertelsdieb«, ein vollkommener Dieb, der Alles stiehlt. !

Strobilus. (zu Congrio)
Still jezt! – Und welches von den beiden Lämmern ist
Das fett'ste –

Congrio. (greift nach einem der beiden Lämmer)
                      Darf ich's nehmen?

Strobilus. (auf das andere Lamm deutend)   Nimm das, Congrio,
Und geh hinein in jenes Haus!
(zu einigen Sclaven)               Ihr – folget ihm!
(zu den andern)
Ihr andern kommt hieher zu mir!

Congrio.                                             Du theiltest hier
Unrichtig; jene haben ja das fett'ste Lamm.

Strobilus. Du kriegst dafür die fett'ste FlötenspielerinDurch die vielen Opfer und heiligen Mahlzeiten, bei welchen diese Personen zugegen waren, wurden sie rund und fett. .
Du, Phrygia, geh mit ihm hinein. Eleusium,
Du gehst mit uns.

Congrio. (zu Strobilus)   Du Falscher, du verstößest mich
Zum alten Geizhals hier in's Haus! Da muß ich mich,
Verlang' ich etwas, heiser schrei'n, bevor ich es
Erhalte.

Strobilus.     Traun, ein thöricht undankbar Geschäft,
Für Einen sorgen wollen, wenn er's nicht erkennt!

Congrio. Wie so?

Strobilus.             Du fragst? Vor Allem hast du keinen Lärm
Und kein Gedräng im Hause dort; und brauchst du was,
Bring's mit von Hause, daß du's nicht zu fordern brauchst.
In unserm Haus ist viel Gedräng, ist viel Gesind,
Hausrath, Gewande, viel Geschirr von Silber, Gold.
Geht was davon verloren, (und ich weiß, du kannst
Dich leicht enthalten, wenn dir nichts vor Augen kommt,)
Dann heißt es gleich: die Köche haben's wegstipizt;
Greift, bindet, schlagt sie, werfet sie in's Kellerloch»In's Kellerloch.« Der römische Ausdruck hiefür ist puteus oder puteum. Puteus bezeichnet zunächst einen Brunnen, und dann ein brunnenähnliches unterirdisches Gefängniß, in welches Sklaven und Diebe, mithin auch nach dem Rufe, in welchem sie standen, die Köche, zur Strafe geworfen wurden. !
Von alle diesem kann dir nichts gescheh'n; es gibt
Dort nichts zu stehlen. Folge mir!

Congrio.                                               Ich bin bereit.

(Anthrax und Eleusium gehen in das Haus des Megadorus. Congrio und Phrygia folgen dem Strobilus zum Hause des Euklio.)

Zweite Scene.

Strobilus.Staphyla.Die Köche.

Strobilus. (klopft an das Haus des Euklio)
He! Staphyla! Komm, mach die Thür auf!

Staphyla.                                                           Wer ist hier?

Strobilus. Strobilus.

Staphyla.                 Was begehrst du?

Strobilus.                                             Nimm die Köche hier,
Und nimm die Flötenspielerin, nimm auch das Fleisch
Und dies GemüseFür Fleisch und Gemüse steht in der Urschrift obsonium oder besser opsonium (von όπτω, ich koche). Dieses Wort bezeichnet eigentlich Alles, was gekocht wird, steht aber dann vorzugsweise für Fische. für das Hochzeitmahl in's Haus.
Dies übersendet Megador dem Euklio.

Staphyla. Strobilus, soll heut Ceres' Hochzeit sein?

Strobilus.                                                                   Wie so?

Staphyla. Ihr habt ja, seh' ich, keinen Wein uns mitgebracht.

Strobilus. Der wird noch kommen, wenn der Herr vom Markte kommt.

Staphyla. Auch ist kein Holz im Hause.

Congrio.                                                 Doch sind Balken da?

Staphyla. Wohl!

Congrio.             Also habt ihr Holz; zu suchen brauchst du keins.

Staphyla. Wie? Was? Du Schmuzkoch, wenn du gleich den ganzen Tag
Am Feuer stehst»Du Schmuzkoch, wenn du gleich den ganzen Tag am Feuer stehst.« Staphyla will mit diesen Worten die Unreinlichkeit des Menschen hervorheben, an dem selbst das Feuer seine reinigende Kraft nicht bewähren kann. , verlangst du, daß wir unser Haus
Um deines Taglohns willen, um ein Abendbrod
In Flammen aufgeh'n lassen?

Congrio.                                       Das verlang' ich nicht.

Strobilus. Nun führe sie in's Haus hinein.
(geht ab.)

Staphyla.                                                   So folgt mir denn!
(sie geht mit Congrio und den Anderen in's Haus.)

Dritte Scene.

Pythodikus, ein Knecht des Euklio, tritt aus dem Hause.

Pythodikus. (ruft in's Haus zurück)
Bestellt ihr das! Ich sehe, was die Köche thun.
Die muß ich heut bewachen; denn ich müßte sie
Sonst unten kochen lassen, dort im Kellerloch,
Und das Gekochte wänden wir in Körben auf.
Doch, äßen sie schon unten ihr Gekochtes aus,
So müßten wir wohl hungern auf der Oberwelt,
Indeß die Hölle schmauste.»Wir auf der Oberwelt (superi) müßten hungern und darben, während die Hölle (inferi, d. i. die Köche drunten im Kellerloch) es sich schmecken ließe.« Doch ich schwaze hier,
Als gäb' es gar nichts auf der Welt für mich zu thun,
Da doch im Haus so viele Raubgesellen sind.
(er geht in's Haus.)

Vierte Scene.

Euklio. Hernach Congrio.

Euklio. Heut faßt' ich einmal mit Gewalt ein rechtes Herz,
Wollt' auf der Tochter Ehrentag mir gütlich thun.
Zum Markte geh' ich, frage da nach Fischen; die
Sind theuer, heißt es, theuer Rindfleisch, Hammelfleisch,
Gleich theuer Kalbfleisch, Schweinefleisch, Seefische – kurz,
Entsezlich theuer Alles, und für mich zumal;
Denn mir gebrach's am Gelde. Zornig geh' ich fort,
Dieweil ich gar nichts kaufen kann. Und also blieb
Den ungeschlachten Kerlen dort durch meine Schuld
Nichts übrig, als mit leeren Händen abzuzieh'n.
Darauf begann ich unterwegs mit mir zu Rath
Zu gehen: »hast du was verthan am Feiertag,
So kannst du Werktags darben, weil du nicht gespart.«
Nachdem ich solche Gründe wohl erwogen und
Dem Herzen und dem Magen alle vorgelegt,
Trat mein Verstand auch meines Herzens Wunsche bei,
Die Tochter nur höchst spärlich auszustatten. Nun
Erstand ich Weihrauch und die Blumenkränze hier:
Die leg' ich unseres Hauses Gott auf seinen Herd»Die leg' ich unsers Hauses Gott auf seinen Herd.« S. die Anmerkung zum Prolog V. 26. ,
Daß er der Heirat meiner Tochter gnädig sei.
Doch was erblick' ich? Offen ist mein Haus, Geräusch
Im Haus. Bestohlen werd' ich Unglückseliger!

Congrio. (im Hause, hinter der Scene)
Du, nimm dir einen größern Topf, wenn's möglich ist,
Hier aus der nächsten Nähe! Der ist viel zu klein.
Du siehst, er kann nicht Alles fassen.

Euklio.                                                       Wehe mir!
Ich bin verloren! Götter, ha! Mein goldner Schaz
Wird mir geraubt, nach meinem Topfe wird gesucht.
Ich bin des Todes, eil' ich nicht alsbald in's Haus.
Apollo, hilf mir, steh mir bei, ich bitte dich!Apollo wird angerufen als αλεξίκακος, als der Gott, der das Böse abwehrte.
Du nahmst dich sonst schon meiner an in solcher Noth.
Durchbohr mit deinen Pfeilen mir die Räuberbrut!
Was aber säum' ich, bis ich ganz verloren bin?
(er stürzt in's Haus.)

Fünfte Scene.

Anthrax tritt aus dem Hause des Megadorus.

Anthrax. (ruft in's Haus hinein)
Schupp' ab die Fische, Dromo; du, Machärio,
Grät' aus den Aal, die Muräne, so geschwind du kannst!
Denn Alles muß, bis ich zurück bin, fertig sein.
Ich will die Pfanne holen aus der Nähe hier,
Vom Congrio. Du, wenn du dich darauf verstehst,
Rupfst uns den Hahn noch kahler, als ein Tänzer ist.»glatter als ein Tänzer ist«, glabrior quam ludius. Ludii oder histriones heißen in der ersten Zeit des römischen Schauspiels alle Schauspieler. S. Liv. 7, 2. Hernach verstand man unter den ludiis eine Art niedrigkomischer Schauspieler, welche mehr mit ihrem Körper, als mit dem, was sie aussagten, figurirten, und daher auch als Tänzer und Springer glänzten. Man rupfte ihnen am Körper die Haare aus, um ihnen länger ein jugendliches Ansehen zu erhalten. Köpke.
Doch welcher Lärm erhebt sich aus der Nachbarschaft?
Die Köche, glaub' ich ganz gewiß, thun ihre Pflicht.
Muß schnell hinein; am Ende gibt's auch hier noch Lärm.
(er geht wieder in's Haus zurück.)

Sechste Scene.

Congrio und einige jüngere Köche kommen mit Geschrei aus dem Hause des Euklio.

Congrio. Liebe Bürger, Landsgenossen, Freunde, Nachbarn und ihr Fremden,
Macht mir Plaz, um fortzufliehen, alle Gassen laßt mir offen!
Heut gerieth ich, um zu kochen, in ein Tollhaus unter Tolle:
Also hat man mich und meine Jungen durchgebläut mit Knüppeln.
Ach, vor lauter Weh vergeh' ich: so zerdrosch mich dort der Alte!
Nie und nirgends hat man mir mit schönerm Kernholz aufgewartet.
Mich und diese, schwerbepackt mit Prügeln, warf er aus dem Hause.
Hu! Ich bin jezt völlig todt: er macht das Tollhaus auf, da kommt er!
Er verfolgt uns; was ich thue, weiß ich wohl: er wies mir's selber.»Er lehrte mich's selbst«, nämlich zu fliehen.

Siebente Scene.

Euklio kommt aus dem Hause. Congrio.

Euklio. Zurück! Wo fliehst du hin? Halt, halt!

Congrio.                                                           Was schreist du, Gimpel?

Euklio. Ich gebe bei der Polizei dich an.

Congrio.                                                   Warum denn?

Euklio. Weil du ein Messer hast.

Congrio.                                       Ein Koch darf das.

Euklio.                                                                         Du hast mir
Gedroht.

Congrio.       Das macht' ich schlecht, ich sollte dich erstechen.

Euklio. Kein größrer Bösewicht, als du, lebt auf der Erde,
Und keiner, dem ich lieber alles Böse thäte.

Congrio. Das brauchst du nicht zu sagen; denn die Sache selber
Bezeugt's: ich bin von Prügeln weicher als ein Tänzer.
Doch sprich, was rührst du Bettelkerl uns an? Was soll das?

Euklio. Das fragst du noch? Wohl, weil dir nicht genug gescheh'n ist?

Congrio. Laß nur! Du sollst's bereu'n, so lang mein Kopf Gefühl hat.»So lang mein Kopf Gefühl hat«, d. h. so lang ich Bewußtsein habe. Worauf Euklio im folgenden Vers erwidert: jezt hat er's noch, so zerschlagen wie er ist.

Euklio. Ich weiß nicht, was hernach geschieht; doch hat er's jezt noch.
Was hattest du in meinem Hause denn zu treiben,
So lang ich weg war, ohne mein Geheiß?

Congrio.                                                           Das höre!
Wir kamen, um das Hochzeitmahl zu kochen.

Euklio.                                                                     Lump du!
Was geht es dich an, ob Gekochtes oder Rohes
Ich essen will? Bist du zum Vormund mir verordnet?

Congrio. Ich frage: dürfen wir bei dir das Essen kochen?

Euklio. Ich frage: bleibt das Meine in meinem Hause sicher?

Congrio. O daß ich erst das Meine, was ich in das Haus hier
Gebracht, nur sicher wieder hätte! Mich bekümmert
Das Deine nicht, ich wünsche nichts von dir.

Euklio. (spottend)                                                     Ich weiß das.

Congrio. Was ist es, daß du uns im Haus nicht kochen lässest?
Was thaten wir? Was sagten wir, das dir nicht anstand?

Euklio. Dies fragst du noch? Und ranntet ihr nicht alle Winkel
Und alle Stuben durch in meinem Hause, Schurke?
Wenn du am Herd gewesen wärst, wie dir's geziemte,
So hätt'st du keinen blut'gen Kopf. Ganz recht geschah dir.
Vernimm denn, daß du künftig weißt, wie ich es meine:
Wenn du der Thür hier nahe kommst, eh' ich's dich heiße,
So richt' ich so dich zu, daß Deinesgleichen nirgends
Zu finden ist. Du kennst doch jezt wohl meine Meinung?
(er geht in's Haus.)

Congrio. (ihm nachrufend)
Wo gehst du hin? Komm bald zurück! – Soll mich LavernaDie Nymphe Laverna, in deren heiligen Hain die Römer unter Romulus ihren Raub in Sicherheit zu bringen pflegten, kam in späteren Zeiten zu der Ehre, von den Dieben als ihre Schuzheilige angerufen zu werden. !
Wofern du meine Töpfe mir nicht gleich zurückgibst,
So kriegst du heute noch von mir ein KazenständchenPipulo te differam. Der pipulus ist eine beschimpfende Kazenmusik, die gegen die Nacht mit Erlaubniß der Zehnmänner vor dem Hause desjenigen gemacht werden durfte, der wegen einer Betrügerei angeklagt und derselben überführt worden war. .
Was beginn' ich nun? O Götter! Recht zur Unglücksstunde kam ich.
Für zwei Drachmen dung man mich»Für zwei Drachmen dung man mich.« Vgl. Pseudol. 3, 2, 20 f., wo der Koch bemerkt, daß andere Köche sich für eine Drachme Tagelohn verdingen, während er selbst zwei Drachmen (einen nummus) verlange. ; jezt brauch' ich mehr für meinen Wundarzt.

Achte Scene.

Euklio kommt mit seinem Goldtopf unter dem Mantel zurück. Congrio.

Euklio. (für sich) Der da (auf den Goldtopf unter dem Mantel deutend)
                                soll, wohin ich gehe, künftig immer bei mir sein:
Nimmermehr sei der mir wieder so gefährlich bloßgestellt!
(zu Congrio und den anderen Köchen)
Jezt, ihr Köch', ihr Flötnerinnen, geht ihr all' in's Haus hinein;
Schleppe du, wenn dich's gelüstet, eine Heerde Sklaven mit!
Kochet, schaffet, eilet, treibet jezt, so viel es euch beliebt!

Congrio. Schön, nachdem du mit den Knüppeln uns die Köpfe blutig schlugst!

Euklio. Geh hinein! Zum Kochen dung man, nicht zum Schwazen, euch hieher.

Congrio. Alter, höre! Für die Schläge fordr' ich noch den Lohn von dir.
Ja, zum Kochen, nicht zu Prügeln, hat man uns hieher bestellt.

Euklio. Nun, verklage mich, und – still jezt! Fort, das Abendbrod gekocht!
Oder packe dich zum Geier!

Congrio.                                       Dahin packe du dich nur!
(er geht mit den übrigen Köchen wieder in's Haus.)

Neunte Scene.

Euklio allein.

Euklio. Nun – er ging doch! Gute Götter, 's ist ein rechtes Wagestück,
Läßt der Arme mit dem Reichen sich in einen Handel ein.
Also martert Megador mich armen Tropf in jeder Art;
Stellte sich, als schick' er da die Köche mir zu Ehren her,
Und er schickt sie nur, mir Armen wegzustehlen diesen Topf.
Auch der Hahn im Hause drinnen, den die Alte sich erzieht,
Hätte mich bei einem Haare fast um all mein Gut gebracht.
Wo mein Topf vergraben lag, da fing er mit den Krallen an
In die Runde rings zu scharren. Kurz: ich wurde völlig toll,
Daß ich nach dem Stocke griff und meinen Dieb zur Erde schlug.
Ganz gewiß versprachen ihm die Köche was, geb' er den Ort
Ihnen an. So aber wand ich ihnen aus der Hand das Heft,
Kurz: ein Kampf entspann sich, und mein Feind, der Haushahn, blieb am Plaz.
Aber sieh, vom Markte kommt hier Megador, mein Schwiegersohn,
Ihn vorbeigeh'n kann ich nicht; ich bleibe steh'n und sprech' ihn an.
(er stellt sich auf die Seite.)

Zehnte Scene.

Megadorus. Euklio.

Megadorus. (für sich)
Mit vielen Freunden sprach ich schon von meinem Plan,
Die Tochter unsers Euklio zu ehlichen.
Sie finden's löblich, nennen den Entschluß gescheidt.
Nach meiner Meinung, machten's Alle so wie ich,
Daß reiche Bürger armer Leute Töchter sich
Zu Frau'n erkören, ohne nach der wackern Braut
Mitgift zu fragen, wäre mehr Eintracht im Staat;
Die Reichen träfe minder auch, als jezt, der Neid.
Auch unsre Frauen hielten dann auf größre Zucht,
Und minder Aufwand machten wir, als jezt geschieht.
Dem größten Theil der Bürger wohl gefiele das;
Streit wäre nur noch mit den wenigen Geizigen,
Für deren unersättlich ungemess'ne Gier
Kein Pfleger Schranken sezen kann, kein Volksgesez.
Denn sagst du: räumt man dieses Recht den armen ein,
Wo sollen dann die reichen Mädchen hin? Je nun!
Freit, wen ihr wollet, nur die Mitgift bleibe weg!
Geschähe das, sie brächten sanftre Sitten mit
Anstatt des Heiratgutes. Ich steh' euch dafür,
Daß Mäuler, die jezt theurer als die Pferde sind,
Wohlfeiler würden, als die Mähren Galliens.Die Maulthiere wurden von den römischen Frauen zum Fuhrwerke (für die carruca) sehr gewünscht, und waren daher, wie diese, ein fast allgemeiner Luxusartikel. Die gallischen Wallache (cantherii) standen dagegen in desto schlechterem Credit. Köpke.

Euklio. (bei Seite)
So wahr mich Zeus – dem hör' ich gar zu gerne zu.
Recht artig sprach er von dem Glück der Sparsamkeit.

Megadorus. (für sich)
Dann könnte Keine sagen: »Mann, ich habe dir
Bei weitem mehr, als du besaßest, zugebracht.
So kann ich billig fordern, daß du Purpur, Gold,
Maulthiere, Maulthiertreiber, Kammerzofen mir,
Auch Wagen, um zu fahren, und Bediente schaffst.«

Euklio. (bei Seite)
Wie der die Art der Frauen aus dem Grunde kennt!
Zum Sittenmeister über sie bestellt' ich den.

Megadorus. (für sich)
Jezt, wo du hinkommst, kannst du mehr Fuhrwerk im Haus,
Als auf dem Lande draussen seh'n im Meierhof.
Doch schöner ist's noch, wenn der Mann erst zahlen soll.
Da siehst du Walker, Sticker, Wollarbeiter steh'n,
Goldschmide, Bortenwirker, Hemdenmacher, dann
Die Spizenweber, Färber dann in Gelb und Blau,
Puzhändler, Balsamkrämer, Handschuhmacher, dann
Kaufleute, Schneider, Leineweber allzumal,
Pantoffelmacher und verhocktes Schustervolk.
Dann steh'n die Solenschneider und Rothfärber da;
Der Lockenkräusler will sein Geld, wie Jener, der
Die halben Gürtel fertigt, und der Andere,
Der Kränze flicht und Bänder webt. Und glaubst du die
Bezahlt. so sind sie wieder da und wollen Geld.
Nun steh'n im Vorsaal Hundert noch wie Presser festL.treceni stantceu phylacistae in atriis. :
Man führt die Weber, Falbelmacher, Tischler ein;
Die zahlt man aus. Jezt glaubst du endlich frei zu sein;
Da kommen noch die Safranfärber. Immer ist
Ein Plagegeist zur Stelle, der noch Geld verlangt.

Euklio. (bei Seite)
Ich unterbräch' ihn gerne; doch dann hört er auf,
Die Frau'n zu schildern, fürcht' ich. Darum bin ich still.

Megadorus. (wie vorher)
Wenn jeder PossenkrämerNugigeruli, Possenkrämer, Leute, die dergleichen nichtswürdigen Puz umhertragen. nun das Seine hat,
Dann kommt zulezt der Söldner auch und fordert Geld»Dann kommt zulezt der Söldner auch und fordert Geld.« Ein Soldat zog das Geld, dessen Erhebung in der Versammlung des Volkes beschlossen worden war, für die tribunos ein, die dem quaestor urbanus beigeordnet waren, der die Oberaufsicht über den öffentlichen Schaz hatte. .
Man geht, man schließt die Rechnung mit dem Wechsler abDie Reichen legten ihr Geld bei den Wechslern (den argentariis) nieder, wiesen die Leute, denen sie etwas schuldig waren, an sie, und schlossen dann mit ihnen zu gewissen Zeiten ihre Rechnung ab. .
Indessen steht der Söldner da mit leerem Bauch,
Und hofft und wartet, daß man ihm das Geld erlegt.
Doch wenn die Rechnung mit dem Wechsler fertig ist,
So kommt's heraus, daß dieser noch zu fordern hat.
Man tröstet nun den Söldner auf den andern Tag.
Die Ungebührlichkeiten und viel' andre noch,
Nebst manchem Aufwand, welcher unerschwingbar ist,
Bereitet eine reiche Frau dem armen Mann.
Die, welche nichts hat, bleibt dem Mann stets unterthan;
Die reiche stürzt ihn in Verlust und Ungemach. –
Doch siehe da, mein Schwäher Euklio! Wie steht's?L. quid agis, (wie steht's?) nicht quid ais.

Euklio. Mit großer Gier verschlang ich deine Rede.

Megadorus.                                                               So?
Du hörtest, sagst du?

Euklio.                             Jedes Wort von Anbeginn.

Megadorus. Doch stände dir's nach meiner Meinung besser an,
Dich mehr zu puzen für der Tochter Ehrentag.

Euklio. Puz, wie man's kann; Pracht, wenn's der Ueberfluß erlaubt.
Wer etwas hat, gedenke, welches Stamms er ist.
Mir, Megador, wie jedem armen Schlucker, ist
Der Schaz im Haus nicht größer, als die Welt sich's denkt.

Megadorus. Ei, was! Warum nicht? Und die Götter mögen dir
Das, was du jezt hast, segnen und vermehren, Freund!

Euklio. (bei Seite)
»Das, was du jezt hast.« Dieses Wort gefällt mir nicht.
Der weiß so gut von meinem Topf hier, als ich selbst.
Die Staphyla hat's ihm geschwazt.

Megadorus.                                           Was schleichst du dich
Allein aus unserm Rathe fort?

Euklio.                                           Ich dachte nach,
Ich könnte dir wohl zürnen, und mit Recht.

Megadorus.                                                       Warum?

Euklio. Das kannst du fragen, da du doch mit Dieben mir
Die Winkel alle vollgestopft in meinem Haus?
Fünfhundert Köche sandtest du mir Armen her,
Und jeden mit sechs Händen, wie GeryonesGeryones oder Geryon war ein Riese, der drei Leiber, folglich sechs Hände und sechs Füße hatte. ,
Die selbst ein ArgusArgus, der hundertäugige Wächter der Io. , welcher doch ganz Auge war,
Der Io Wächter, welchen ihr einst Juno gab,
Nicht hüten könnte; dann dazu die Flötnerin,
Die mir die Quelle bei Corinth, Piren'Pirene hieß eine Quelle, die von dem Berge herabströmte, auf welchem die Burg von Korinth erbaut war. Sie entsprang, fabelte man, aus den Thränen, welche Pirene, die Tochter des Acheloos, um ihren von Artemis (Diana) auf der Jagd unversehens getödteten Sohn Kenchrias weinte. Ihr legen, als einer den Musen heiligen Quelle, Persius und Statius begeisternde Kraft bei; griechische Dichter wissen hiervon nichts, obwohl sie derselben öfters erwähnen. Der Scholiast zu Pindar. Ol. 13, 84 meldet, Bellerophon habe den Pegasus aus dieser Quelle trinkend gefunden, und Statius (Thebaid. 4, 60 f.) weiß, daß auch sie, gleich der Hippokrene, vom Hufschlage des Pegasus entsprang. , allein
Austränke, flösse statt des Wassers Wein daselbst.
Dann noch das Essen –

Megadorus.                           Für ein Regiment genug:
Und auch ein Lamm hab' ich geschickt.

Euklio.                                                         Ja, dieses Lamm!
Noch sah ich nirgends solch ein kummervolles Thier.

Megadorus. Weßwegen nennst du's kummervoll? Das sage mir.

Euklio. Ganz Haut und Bein ist's: also zehrt's der Kummer ab.
Lebendig kannst du, wenn du's in die Sonne stellst,
Ihm die Gedärme zählen; so durchsichtig ist's,
Gleich einer Hornlaterne.

Megadorus.                             Nun, ich hab' es ja
Zum Schlachten hergesendet.

Euklio.                                           Dann bestelle nur,
(Ich rathe dir's,) Jemanden, der es ungesäumt
Bestatte; denn ich glaube fest, jezt ist es todt.

Megadorus. Ich will mit dir heut zechen, Euklio.

Euklio.                                                                   Ich mag
Nicht zechen.

Megadorus.           Auf der Stelle wird aus meinem Haus
Ein Fäßchen alten guten Weins hieher geschafft.

Euklio. Nein, nein, ich mag nicht. Wasser trinken will ich nur.

Megadorus. Dich nez' ich heute wacker ein, so wahr ich bin,Für sed vino ist zu lesen si vivo.
Dich Wassertrinker!

Euklio. (bei Seite)             Was er vorhat, weiß ich schon.
Mich unter'n Tisch zu trinken, darauf steht sein Sinn,
Und was ich habe, wandert dann in fremdes Land.
Dem will ich vorbau'n, will es außerm Hause wo
Verstecken, daß er Müh' und Wein zugleich verliert.

Megadorus. Ich gehe badenMit Baden und Opfern fing man im Alterthum alle wichtigen Geschäfte an. , wenn du sonst nichts willst von mir,
Um dann zu opfern.
(geht ab.)

Euklio.                           Guter Topf, fürwahr, du hast
Viel Feinde, wie das' blanke Gold, das du verwahrst.
Nun ist es wohl das Beste, Topf, ich bringe dich
In's Heiligthum der TreueDie Verehrung der Göttin Treue (Fides) war unter den Römern sehr alt; schon Numa Pompilius hatte ihr einen Tempel erbaut. : da versteck' ich dich.
Du, Treue, kennst mich, und ich dich. Bewähre dich
Werth deines Namens, wenn ich dir den Schaz vertraut!
Auf deine Treue trauend, tret' ich ein zu dir.
(er geht in den Tempel.)

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