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Der Goldtopf (Aulularia)

Titus Maccius Plautus: Der Goldtopf (Aulularia) - Kapitel 4
Quellenangabe
typecomedy
booktitleDie Lustspiele des Plautus, Dritter Band
authorPlautus
translatorJohann Jakob Christian Donner
firstpub1865
year1865
publisherC. F. Winter'sche Verlagshandlung
addressLeipzig und Heidelberg
titleDer Goldtopf (Aulularia)
pages121-200
created20060214
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Zweiter Act.

Erste Scene.

Eunomia. Megadorus.

Eunomia. Sei fest überzeugt, wenn ich so rede, Bruder,
Geschieht's nur, um dir mich getreu zu bewähren,
Geschieht's dir zum Besten; denn so ziemt's der Schwester,
Ich weiß, daß man uns Frauen nicht eben wohlwill;
Man hält uns für schwazhaft, gewiß nicht mit Unrecht;
Und daß kein Jahrhundert ein sprachloses Weib nur
Bis heute geboren, behauptet das Sprichwort.
Doch Eins bitt' ich, Bruder, dir stets vorzuhalten:
Wie du mir, bin ich dir auf Erden die Nächste.
Daher ist es billig, daß, was wir einander
Für zuträglich achten, ich dir und du mir gern
Zur Hand gehst in Allem, mir rathest, mich förderst;
Du darfst nichts verbergen, aus Furcht nichts verschweigen,
Mußt mir, wie ich dir, ohne Rückhalt vertrauen.
Deßwegen hab' ich ingeheim dich vor die Thür herausgeführt,
Mit dir von deinem Handel hier ein traulich Wort zu plaudern.

Megadorus. Gib deine Hand mir, beste Frau.

Eunomia.                                                         Wen meinst du da?
Wer wäre diese Beste?

Megadorus.                         Du.

Eunomia.                                   Das ist dir Ernst?

Megadorus. Nun, wenn du's läugnest, läugn' ich's auch.

Eunomia.                                                                       Dir ziemt es nur
Wahrheit zu reden. Eine Beste gibt es nicht;
Ist Eine doch stets schlimmer, als die Andere.

Megadorus. Das mein' ich auch, o Schwester, und ich werde dir
Gewiß in diesem Punkte nie zuwider sein.

Eunomia. Jezt sei so gut und höre mich.

Megadorus.                                           Ich bin zu deinem Dienste: sprich!
Gebiete nur, was dir gefällt.

Eunomia.                                     Was ich zu deinem Heile dir
Für dienlich achte, dich daran zu mahnen komm' ich.

Megadorus.                                                                       Schwesterchen,
Da thust du ganz nach deiner Art.

Eunomia.                                             So thu' ich gerne.

Megadorus.                                                                     Schwester, was
Meinst du denn?

Eunomia.                   Was dir auf ewig heilbringend sei!

Megadorus. Das gebe mir der Himmel!

Eunomia.                                                 Nimm dir eine Frau.

Megadorus.                                                                             O Götter!
Ich bin des Todes.

Eunomia.                       Und warum?

Megadorus.                                         Weil deine Reden, Schwester,
Mir Armen das Hirn ausschlagen; du wirfst
Mit Worten mir da, wie mit Steinen, umher.

Eunomia. Ach ja, du thust doch, was dich deine Schwester heißt.

Megadorus. Wenn mich's gelüstet, werd' ich's thun.

Eunomia.                                                                   Es ist zu deinem Besten.

Megadorus. Doch will ich eher sterben, als ein Mädchen frei'n,
Ja, wüßtest du mir Eine, die mir morgen kommt,
Und übermorgen schon hinausgetragen wird»Die übermorgen schon hinausgetragen wird,« nämlich als Leiche.
Auf die Bedingung geh' ich's ein: auf, rüste mir die Hochzeit!

Eunomia. Ich, Bruder, schaffe dir ein Weib mit großer Morgengabe.

Megadorus. Doch ist sie wohl bei Jahren schon?

Eunomia.                                                               Sie steht im mittlern Alter.
Soll ich um ihre Hand für dich, mein Bruder, werben, rede!

Megadorus. Darf ich eine Frage stellen?

Eunomia.                                                 Frage nur, wenn dir's beliebt.

Megadorus. Wenn ein Mann von höherm Alter eine Frau von mittlerm nimmt,
Und die Alte von dem Alten schwanger wird von ungefähr:
Kannst du zweifeln, daß der Sohn ein NachgebornerNachgeboren»postumus«, ein bei den Römern öfters wiederkehrender Beiname, bezeichnet einen Sohn, welcher nach dem Tode des Vaters geboren ist. Hier steht das Wort als ein etwas Nachtheiliges besagendes und einen Vorwurf für den Vater enthaltendes, als dessen Lebenskraft schon früher erschöpft sein würde, als der Sohn, welcher die Kraft des Vaters beurkunden sollte, geboren wäre. Danz. heißen wird?
Nun, o Schwester, dieser Sorge will ich dich entledigen.
Unsern Vätern und dem Himmel dank' ich's, ich bin reich genug.
Großen Anhang, große Mitgift, stolzes Herrschen, Lärm im Haus,
Elfenbeingeschmückte Wagen, Mäntel, Purpur, lieb' ich nicht.
Führte doch ein solcher Aufwand Manchen an den Bettelstab.

Eunomia. Hast du dir schon eine andre Frau erseh'n?

Megadorus.                                                                 Du kennst vielleicht
Ganz in unsrer Nähe hier den armen alten Euklio?

Eunomia. Wohl, ich kenn' ihn, und es ist, bei'm Herkules, kein übler Mann.

Megadorus. Seine Tochter will ich freien. Schwester, nicht viel Worte jezt!
Was du sagen willst, errath' ich: »sie ist arm!« Ich liebe sie.

Eunomia. Gott gesegne dir's!

Megadorus.                           Ich hoff' es.

Eunomia.                                                   Willst du sonst was?

Megadorus.                                                                                 Lebe wohl!'

Eunomia. Lebe wohl!
(sie geht ab.)

Megadorus.               Nun will ich gleich den Euklio besuchen, wenn
Er daheim ist. Sieh ihn da! Wo mag der Mann gewesen sein?

Zweite Scene.

Euklio. Megadorus.

Euklio. Als ich heut von Hause wegging, schwante mir's, ich geh' umsonst.
Darum ging, ich wider Willen. Denn kein Mensch aus meiner Zunft,
Noch der Vorstand»Der Vorstand«, der magister oder divisor curiae. S. die Anmerkung zu 1, 4, 3. , der das Geld vertheilen sollte, ließ sich seh'n..
Eilends eil' ich heim; denn nur mein Leib ist hier, mein Sinn daheim.

Megadorus. Lebe glücklich, sei gesegnet immerdar, mein Euklio!

Euklio. Megador, auch du.

Megadorus.                       Wie steht es? Geht dir's wohl und stets erwünscht?

Euklio. (bei Seite)
Nicht umsonst ist's, wenn die Reichen gegen Arme freundlich thun.
Weil er weiß von meinem Schaze, geht er mich so freundlich an.

Megadorus. Sprich, befindest du dich wohl?

Euklio.                                                             Nicht meinem Gelde dank' ich es.

Megadorus. Wenn das Herz zufrieden ist, hat man genug, um froh zu sein.

Euklio. (bei Seite)
Sicher hat die Alte dem davon geplaudert. Komm' ich heim,
Schneid' ich ihr alsbald die Zung' ab, kraz' ich ihr die Augen aus.

Megadorus. Freund, was sprichst du da zur Seite?

Euklio.                                                                     Meine Armuth jammert mich.
Meine Tochter ist erwachsen: ohne Mitgift weiß ich sie
Nirgends an den Mann zu bringen.

Megadorus.                                           Schweige doch, sei gutes Muths!
Geben will ich, will dir helfen: brauchst du was, gebiete nur!

Euklio. (bei Seite)
Der will haben und verspricht. Er schnappt nach meinem Golde nur.
Eine Hand hält einen Stein, und in der andern zeigt er Brod.
Keinem Reichen trau' ich, der mit Schmeichelei'n zum Bettler kommt.
Wenn er freundlich dir die Hand drückt, geht er nur auf Schaden aus.
Den Polypen kenn' ich: was er angefaßt, das hält er fest.

Megadorus. Höre mich ein wenig an: ich möchte gern, was dich und mich
Nah berührt, mit dir bereden.

Euklio. (bei Seite)                           Jammer über mich! Das Gold
Drinnen ist mir wegstipizt: darüber will er nun mit mir
Sich vertragen: doch ich muß nur gleich daheim nachseh'n.
(er geht eilig fort)

Megadorus.                                                                                 Wohin
Gehst du?

Euklio.             Bin bald wieder hier; ich will nur was nachseh'n daheim.

Megadorus. (allein)
Ich besorge, red' ich ihm von seiner Tochter nur ein Wort,
Daß er sie mir anverlobe, glaubt er sich von mir verhöhnt.
Macht sich doch kein Armer hier mit seiner Armuth breit, wie er.

Euklio. (zurückkommend, für sich)
Gott sei Dank! Noch steht es gut. Gut steht's, weil nichts abhanden kam.
Gar zu bang war mir's. Ich war halbtodt, bevor ich's wiedersah.
(laut)
Willst du was, da bin ich wieder, Megador.

Megadorus.                                                           Ich danke dir.
Laß dich's nicht verdrießen, mir zu sagen, was ich fragen will.

Euklio. Frage mich nur nicht nach etwas, das ich nicht gern sagen will.

Megadorus. Sage mir, aus welchem Hause glaubst du mich?

Euklio.                                                                                     Aus gutem Haus.

Megadorus. Kennst du meinen Ruf?

Euklio.                                               Du bist von gutem Ruf.

Megadorus.                                                                             Auch weißt du wohl,
Wie ich mich bisher betragen?

Euklio.                                             Weder schlecht, noch ungerecht.

Megadorus. Auch, wie alt ich bin?

Euklio.                                             Du bist bei Jahren, weiß ich, und bei Geld.

Megadorus. Immer hielt ich dich für einen wackern Bürger ohne Falsch,
Der von keinem Truge weiß, und thu' es noch.

Euklio. (bei Seite)                                                     Er riecht das Gold.
(laut)
Was verlangst du?

Megadorus.                 Weil du mich denn kennst, und ich dich kenne, Freund,
Möge mir's und deiner Tochter und dir selbst zum Segen sein,
Wenn ich dich um deine Tochter bitte: gib sie mir zur Frau!

Euklio. Megador, du zeigst dich anders, als du dich bisher bewährt,
Daß du mich, den Mittellosen, der doch niemals, weder dir
Noch den Deinen, was zu Leid that, ungescheut zum Besten hast.
Nicht mit Werken, noch mit Worten hab' ich das um dich verdient.

Megadorus. Dein zu spotten kam ich nicht, noch spott' ich deiner, achte dich
Dessen auch nicht werth.

Euklio.                                     Warum verlangst du meine Tochter denn?

Megadorus. Daß es Beiden besser gehe, dir durch mich und mir durch dich.

Euklio. Ich vergaß es nicht, du bist ein reicher, angeseh'ner Mann;
Aber ich bin aller armen Menschen ärmster, Megador.
Geb' ich dir nun meine Tochter, fällt mir ein, du seist der Stier,
Ich der Esel. Bin ich denn mit dir vereint, und kann die Last
Nicht zu gleichen Theilen tragen, lieg' ich Eselein im Koth.
Du, der Stier, wirst meiner nicht mehr achten, gleich als lebt' ich nicht.
Neben dir steh' ich verachtet, und mein Stand verspottet mich.
Nirgends ist ein Stall für mich, wenn zwischen uns ein Zwist entsteht;
Esel weisen mir die Zähne, Stiere bläu'n mit Hörnern mich.
Mißlich ist der Uebergang vom Eselstall zum Stiergeschlecht.

Megadorus. Kannst du wackern Leuten dich in engem Bund vereinigen,
Um so besser! Höre mich, nimm meinen Vorschlag an, versprich
Mir die Tochter.

Euklio.                       Keine Mitgift hab' ich ihr.

Megadorus.                                                         Das braucht es nicht.
Wenn mit ihr die Tugend einzieht, ist die Mitgift reich genug.

Euklio. Das erklär' ich dir nur deßhalb, daß du nicht des Glaubens bist,
Daß ich einen Schaz gefunden.

Megadorus.                                     Laß doch das! Versprich sie nur.

Euklio. Wohl, es sei! (er hört ein Geräusch und erschrickt)
                          Doch – große Götter! Ich bin hin!

Megadorus.                                                                   Was ist dir denn?

Euklio. Hörtest du nicht eben? Hat es nicht, wie Eisen, hier geklirrt?
(er läuft fort)

Megadorus. Hier bei mir lass' ich den Garten graben. (er sieht sich um)
                                                                              Doch wo ist der Mensch?
Läuft davon, und keine Antwort gibt er mir; er mag mich nicht.
Weil er sieht, daß seine Freundschaft mir von Werth ist, macht er es,
Wie's die Menschen alle machen. Wenn der Wohlbemittelte
Um die Gunst des ärmern Mannes wirbt, so scheut der Arme sich,
Solches Bündniß einzugehen, und versäumt das eigne Glück.
Ist die rechte Zeit vorüber, wünscht er sie zu spät zurück.

Euklio. (ruft unter seiner Thüre der Staphyla in's Haus zurück)
Reiß' ich heute dir die Zunge nicht bis auf die Wurzel aus,
Sollst du mich verschneiden lassen, rath' ich dir, befehl' ich dir.

Megadorus. Euklio, mir kommt es wahrlich vor, ich sei dir gut genug,
Mich zu foppen, weil ich alt bin. Aber das verdien' ich nicht.

Euklio. Megador, das thu' ich nicht; und wollt' ich's auch, ich könnt' es nicht.

Megadorus. Aber nun? Versprichst du mir die Tochter?

Euklio.                                                                             Unter dem Beding:
Ausgestattet, wie ich dir's gesagt.

Megadorus.                                         Versprichst du sie?

Euklio.                                                                                 Ja wohl.
Segne das der Himmel!

Megadorus.                           Ja, Gott segn' es!

Euklio.                                                               Doch gedenke ja
Des Vertrages: keinen Brautschaz bringt dir meine Tochter mit

Megadorus. Wohl gedenk' ich's.

Euklio.                                         Freilich weiß ich, wie ihr uns das Recht verwirrt.
Ein Vertrag ist kein Vertrag, und umgekehrt, wie's euch beliebt.

Megadorus. Euklio, mit dir zu hadern, das sei fern! Doch könnten wir
Nicht die Hochzeit heute schon begeh'n?

Euklio.                                                             Warum nicht? Ganz gewiß.

Megadorus. Nun, so geh' ich und bestell' es. Willst du sonst was?

Euklio.                                                                                             Nichts als dies.

Megadorus. Mache dir da keine Sorge. Lebe wohl!
(er ruft in's Haus.)                                           Strobilus, he!
Folge mir in aller Eile nach dem Fleischermarkte.
(geht ab.)

Euklio.                                                                             Da
Geht er fort. Ihr guten Götter! Was das Gold nicht Wunder thut!
Sicher hat der Mann von meinem Schaz im Hause schon gehört.
Danach schnappt er, darum wünscht er sehnlich die Verschwägerung.

Dritte Scene.

Euklio. Staphyla.

Euklio. (in's Haus rufend).
He! Wo steckst du, die du allen Nachbarn schon geplappert hast,
Daß ich meiner Tochter Brautschaz rüsten wolle? Staphyla!
Hörst du nicht? Ich rufe dich. Flugs! Geh hinein und spüle mir
Die Gefässe rein und blank. Denn eben hab' ich Megador
Meiner Tochter Hand versprochen; heute wird sie seine Frau.

Staphyla. Gott gesegn' es! Doch es geht nicht an; es kommt mir allzu rasch.

Euklio. Schweig' und geh! Mach' Alles fertig, bis ich heim vom Markte bin.
Schleuß das Haus. Bald bin ich wieder hier zurück.
(geht ab.)

Staphyla.                                                                           Was thu' ich jezt?
Nahe steht das Unheil uns, mir und der Tochter meines Herrn.
Nahe rückt die Niederkunft, und ihre Schande kommt zu Tag.
Was bis jezt verborgen war und heimlich, kann's nicht länger sein.
Geh' ich nun, daß, wenn der Herr kommt, fertig ist, was er befahl!
Denn vor einem Trank, gemischt mit Weh und Wermuth, bangt mir schon.
(ab.)

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