Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Titus Maccius Plautus >

Der Goldtopf (Aulularia)

Titus Maccius Plautus: Der Goldtopf (Aulularia) - Kapitel 3
Quellenangabe
typecomedy
booktitleDie Lustspiele des Plautus, Dritter Band
authorPlautus
translatorJohann Jakob Christian Donner
firstpub1865
year1865
publisherC. F. Winter'sche Verlagshandlung
addressLeipzig und Heidelberg
titleDer Goldtopf (Aulularia)
pages121-200
created20060214
sendergerd.bouillon
Schließen

Navigation:

Erster Act.

Erste Scene.

Euklio. Staphyla.

Euklio. (treibt Staphyla aus dem Hause)
Geschwind, heraus, fort! Aus dem Hause mußt du mir!
Du Gafferin mit deinem Falkenauge, du!
(er schlägt sie)

Staphyla. Was schlägst du mich Elende?

Euklio.                                                     Daß du elend bleibst,
Und wie du's werth bist, böse lebst, du böses Ding!

Staphyla. Aus welchem Grunde stäupst du mich zum Haus heraus?

Euklio. Dir, meinst du, soll ich Rede steh'n, du Stachelsaat?
Fort aus der Thüre! Dorthin geh!
(er stößt sie noch weiter)           Seht, wie sie schleicht!
Doch weißt du, was dir werden soll? Bekomm' ich heut
Den Knittel oder Ochsenstachel in die Hand,
So mach' ich größre Schritte dir, Schildkröte du!

Staphyla. O hängten mich die Götter eh' am Galgen auf,
Als daß ich dir in dieser Weise dienen soll!

Euklio. Was murmelt die denn vor sich hin, die Bestie? –
Fürwahr, die Augen kraz' ich dir, du Luder, aus,
Damit du, was ich treibe, nicht belauschen kannst.
Weg, weg! Noch weiter!
(er stößt sie)                 Weiter noch! Noch weiter! Halt,
Hier bleibst du stehen! Wenn du dich von diesem Plaz
Nur einen Zoll breit oder Nagel breit entfernst,
Ja, nur dich umsiehst, ehe dir's geboten wird,
Dann will ich Zucht dich lehren, Mensch, am Galgenholz.
(für sich)
Ein schlimmres Weib, das weiß ich, als die Alte, kam
Mir nie vor Augen, und mir ist entsezlich bang,
Daß sie mich einmal unversehens überschleicht,
Und endlich ausspürt, wo mein Gold verborgen liegt;
Denn Augen hat die Hexe selbst im Hinterkopf.
Nun seh' ich, ob's noch sicher steht mit meinem Schaz,
Der Tag und Nacht mit tausendfacher Angst mich quält.
(er geht in's Haus.)

Zweite Scene.

Staphyla allein.

Staphyla. Bei'm Kastor, welch ein Ungemach ist meinem Herrn
Begegnet, welche Raserei kam über ihn!
Nicht fassen kann ich's: zehnmal oft an Einem Tag
Stößt er mich Arme, so wie jezt, zur Thür hinaus.
Bei Gott, ich weiß nicht, welcher Geist im Kopf ihm spukt!
Die ganze Nacht durchwacht er, und am Tage sizt
Er einem lahmen Schuster gleich in's Haus gebannt.
Auch weiß ich gar nicht, wie ich länger noch die Schmach
Der Tochter ihm verberge, deren Niederkunft
Sich naht. Das Beste, mein' ich, wäre wohl für mich,
Ich machte jezt aus mir ein großes langes I,
Und schnürte mir mit einem Strick die Kehle zu.

Dritte Scene.

Euklio kommt zurück. Staphyla.

Euklio. Nun kann ich endlich vor die Thür mit heiterm Sinn,
Nachdem ich Alles drinnen fand in gutem Stand,
Geh nun hinein, bewache mir das Haus.

Staphyla.                                                       Wie so?
Soll ich das Haus bewachen, daß Niemand es stiehlt?
Sonst zeigt sich ja für Diebe keine Beute hier
Bei uns, denn leere Wände nur und Spinngeweb.

Euklio. Erzhexe, meinst wohl, daß um deinetwillen Zeus
Mich zum Philippus oder zum Darius macht!Stachelsaat, stimulorum seges, ein eben so kurzer, als bis zur Anschauung mahlender Ausdruck. Er heißt: »Du, die du verdienst, daß auf deinem Rücken eben so die Ochsenstacheln eingegraben da stehen, wie auf einem Kornfelde die Aehren.« Leider erinnert aber auch der Ausdruck an die Barbarei, mit welcher Sklaven und Sklavinnen bei den Römern behandelt wurden. Köpke.
Die Spinnen eben sollst du mir bewachenDer Reichthum des Königs Philipp von Macedonien und des Perserkönigs Darius war im Alterthum fast sprichwörtlich geworden. Vgl. zu 5, 2, 4. . Ich
Bin arm, ich weiß es, duld' es. Was die Götter mir
Zusenden, trag' ich. Geh hinein! Verschleuß die Thür.
Bald bin ich wieder hier zurück. Und hüte dich,
Mir einen Fremden in das Haus zu lassen. Daß
Niemand bei dir nach Feuer sucht, so lösch' es aus;
So ist kein Anlaß, daß dich Jemand suchen wird.
Ja, treff' ich Licht hier, blas' ich aus dein Lebenslicht.
Begehrt man Wasser, sagst du, ausgelaufen sei's.
Beil, Messer, Stößel, Mörser, und was etwa sonst
Die Nachbarn immer gerne leih'n von Hausgeräth,
Da sagst du, Diebe hätten's uns erst jüngst entwandt.
Kurz, wenn ich wegbin, will ich, daß Niemand in's Haus
Hereingelassen werde; ja, ich sage dir,
Wenn selbst Fortuna käme, laß sie nicht herein.

Staphyla. Fortuna, denk' ich, nimmt sich selbst in Acht vor uns;
Noch nie betrat sie unser Haus, so nah sie wohnt.»Die Spinnen eben sollst du mir bewachen.« Die Alten hielten es für ein gutes Zeichen (sie glaubten, daß Geld eingehen würde), wenn eine Spinne sich an ihrem Faden herabließ. Daher duldete man die Spinnen nicht nur in den Häusern, sondern suchte sogar sie zu erhalten. Die weniger abergläubisch waren und geizig, zogen indeß doch die Reinlichkeit vor. Danz.

Euklio. Still! Geh' hinein!

Staphyla.                           Ich schweig' und gehe fort.

Euklio.                                                                           Verschleuß
Die Thür mit beiden Riegeln. Ich bin bald zurück.
(Staphyla geht in's Haus.)

Vierte Scene.

Euklio allein.

Euklio. Die Angst entseelt mich, weil ich fort von Hause muß.
Verteufelt ungern geh' ich; doch ich weiß warum.
Der Viertelsmeister unsrer Zunft»So nah sie wohnt.« Diese Worte werden von den meisten Auslegern auf die Nähe eines Fortunatempels gedeutet. Dies ist unwahrscheinlich, da die übrigen Umgebungen gar nicht wieder auf die Nähe eines Tempels dieser Göttin anspielen, was doch geschehen müßte, wenn dieser Gedanke für uns poetische Wahrheit bekommen sollte. Im Gegentheil ist der Tempel der Göttin Treue (Fides), wie wir nachher sehen, in der Nähe der Häuser, auf deren offenem Straßenraum die Scene ist, und zwei Tempel, so nahe an einander, sind gewiß unwahrscheinlich. Es würde daher mehr für sich haben, wenn man sagte, daß das Theater, auf welchem dies Stück in Rom gespielt wurde, in der Nähe des Tempels jener Göttin gelegen habe, wenn man nicht mit der noch einfacheren Erklärung reichte, daß die Staphyla auf den reichen und begüterten Nachbar des Euklio, auf den Megador, anspiele, welcher ihr als ein Liebling der Fortuna, so wie sein Haus gleichsam als ein Tempel der Göttin erscheint. Köpke. hat kundgemacht,
Er theile Geld aus Mann für Mann. Versäumt' ich das,
Und wollte mir's nicht holen, dann vermutheten
Die Leute gleich, ich hätte Gold daheim versteckt.
Das läßt sich ja nicht denken, daß ein armer Mensch
Das Kleinste selbst verschmähte, wär's ein Dreier nur.
Denn ob ich gleich vor Allen es verheimliche,
So weiß es dennoch, wie mir scheint, die ganze Welt,
Und Alles grüßt mich freundlicher, denn je zuvor.
Man tritt mich an, bleibt stehen, schüttelt mir die Hand,
Fragt, wie ich lebe, was ich treibe, wie mir's geht.
Nun will ich meines Weges zieh'n, und dann sogleich
Mich wieder heim begeben, so geschwind ich kann.
(geht ab.)

 << Kapitel 2  Kapitel 4 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.