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Der Geltstag

Jeremias Gotthelf: Der Geltstag - Kapitel 23
Quellenangabe
pfad/gotthelf/geltstag/geltstag.xml
typefiction
authorJeremias Gotthelf
titleDer Geltstag
publisherDiogenes
year1978
isbn325720566X
firstpub1845/46
correctorAlfred Wey
senderwww.gaga.net
created20121029
projectidbff705e7
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Zweiundzwanzigstes Kapitel

Ein wichtig Kapitel vom Keller und vom Kinderwägeli

Wie Eisi diese Nacht verlebte, wissen wir nicht, aber am folgenden Tage sah man es weniger, und wenn man es sah, so mahnte es einen an eine stumme dunkle Wolke, von der man nicht wußte, habe sie im Sinne zu donnern, zu hageln, zu regnen, zu schneien, oder streiche sie nur so für ihre Kurzweil am Himmel herum. Übrigens was versteigert wurde, betraf Eisi weniger. Der Bysluft ging heute minder räß, des Gerichtschreibers Füße mochten das Draußensein besser erleiden, die rechten Leute schienen dazusein, daher gings hauptsächlich an den Keller und was in Tenn, Schopf und ums Haus herum war.

Der Keller in einem Wirtshause ist die geheimnisvolle, wunderbare Zauberhöhle, wo die Geister hausen, von denen man auch selten weiß, woher sie kommen und wohin sie zuletzt fahren, ob in Schweine oder sonstwohin. Wer an einem solchen Keller vorbeigeht, wird selten ermangeln, einen neugierigen Blick ihm zuzuwerfen. Wen aber der Wirt hinunterkommen heißt in seine geheime Zauberwerchstatt, der steigt mit einem Klupf ihm nach, hebt hoch die Beine auf, stellt satt sie wieder ab, stellt sich an der Türe, steht endlich im Gewölbe still, feierlich ists ihm zumut, feierlich spricht er, und wenn er versuchen muß, was in den Fässern ist, so hebt er anders das Glas, trinkt anders, tut alles feierlich. Es ist ihm, wenn er nur ganz wieder draußen wäre, und doch pressiert es ihm nicht, es ist ihm immer, als sollte er noch auf was Besseres warten, als halte ihn jemand. Und wenn er endlich muß, die Treppe wieder sieht, da spürt er die wunderliche Zaubergewalt, die Stufen sind alle um einen guten Fuß höher geworden, und viel, viel haben seine Beine gekurzet, gäb wie er sie hebt, seine Schritte sind immer zu kurz, an allen Tritten stößt er sich und stolpert. Und wenn er endlich oben ist mit dem Kopf voran, hui, wie er da luegen möchte und doch nicht recht kann, wie das glitzert und flimmert, es ist als hätte der liebe Gott die Welt ganz neu angestrichen, die alte Sonne neu angeblasen, daß noch einmal so hell sie scheint. Er glaube, er sei verhext, sagt er, und es wird sein, macht er doch Äugelein so kleine, wunderliche und kömmt er ja da direkt aus einer Zauberküche. Was da unten für Hexenwerk getrieben wird! Wenn die Welt es wüßte, sie würde nicht mehr glauben, es gebe keine Hexenmeister mehr, da ist die alte schwarze Kunst noch in voller Blüte, wo eine Sache verwandelt wird in eine andere, weißer Wein in roten zum Beispiel, wo aus Nichts Neuenburger gemacht wird, ja wo mancher Wirt die wunderbare Kunst täglich übt, guten Wein in schlechten zu verwandeln, Alchimie treibt, Gold in Dreck verwandelt, gute Geister zu bösen macht. Doch empören sich zuweilen die Geister gegen den Meister, dann gehen sie jämmerlich mit ihm um in der Hexenküche. Das hat jener Wirt erfahren, als er vor einem großen Schießet Wein machte. Wie manchen Tag lag der im Bette, wie brannte es ihn am Leibe und wie seelenangst war es ihm, die Geister brächten ihm sein Hexen aus!

Ein solcher Keller, doch nicht von den größten einer, stand sperrangelweit offen, und ungeheißen konnte hinunter, wer da wollte. Und doch gingen nicht alle hinunter, Weiber blieben oben stehn. Eine sagte, sie dürfe nicht hinunter, sie förcht dKrotte grusam und dWirte, säg me, heyge dere geng i de Kellere. «Öppis Dumms eso!» sagte eine Andere, «warum wette die Krotte im Keller ha?» «Mi het mr gseit, si bruche se für e Wy z'lütere. Wenn er trüeb werd, su tüeye si e Krott oder zwo is Faß, de werd er wieder schön luter.» «Schwyg doch, du Uflat!» sagte die Andere. «Pfi Tüfel, du chönntisch eym dr Wy für syr Lebtig erleide, aber selb wird notti nit sy.» «Wenn ih se ume nit mueß gseh», sagte die Erste, «su machts mr nüt. Abchust gäbs e keni, u we me geng wüßt, was me esse mueß, su möcht me zletzt gar nüt meh u müeßt Hungers sterbe.» «Schwyg mr jetz», sagte die Zweite, «es krüselet mr scho wege dym Gred. Aber wunger nähms mih doch de, ob de würklich Krotte drin wäre, chumm mr wey ga gugge, ume unger dTüre, dert cha me de scho merke, ob derer Tierer drinne sy oder nit, un isch doch sicher, daß sie eym nit uf dSchueh gumpe.» «Mih nimmts nüt wunger, chumm mr wey e weni im Hus umestürme un erlese, was no öppe da isch, im Keller ist notti nüt für is.» «Göhl wasd bist, z'steigere nit, aber z'vrsueche; wer da niede isch, überchunt, vo wege, mr gsehts nit alle a dr Nase a, ob si biete wey oder nit. Öppe e Teile wohl.» «Jäso, wenn selb isch, su chume ih o, aber ume zvorderist», antwortete die Andere, «wo me wohl gseht, was me uf de Füeße het.»

Unten waren wohl viele Leute, aber mit dem Bieten gings nicht stark. Man schien der Sache gar nicht zu trauen, denn man fing immer wieder von vornen an zu versuchen. «Pfi Tüfel, was het dä für e Chust!» sagte einer, «dä steicht ja fry vor Gräueligi, dä cha me ja nimme für Essig bruche.» «Gib, la luege», sagte ein Anderer, hing seine Nase übers Glas, schwenkte den Mund, trank endlich einen wackern Schluck nach, schüttelte sich, als ob er sFieber hätte, und sagte endlich: «Ih glaube nit, daß das gräuelet syg, es isch sust neuis Vrfluechts, es isch fast, als obs keibeleti.» «Wird gwüß von ere tote Krott sy», sagte unter der Türe eine zu der Andern, «es nähmt mih doch vrflüemeret wunger, was das für e Chust wär?» «Emel mih nit», sagte die Andere, schüttelte sich auch, als ob sie das Fieber hätte, ging indessen auch einen Schritt näher. «Warum nicht gar», sagte ein Dritter, der das Glas neu füllen ließ, «es isch e vrfluechte Gstauch, aber das chunt vo rächeligem Schafuschlig, wo am Teri isch, es git nüt e wüesteri Chust as das, aber das weiß no menge Wirt nit, bsungerbar vo de neue nit. Das sy mr Donnstigs Löhle, es isch mänge, er meint was er syg, u chauft ech Biremost mit Chriesi gfärbt für Taveller, und wenn ihm dr Weltsch agäbti, dWytrübel wüchse by ne uf de Nußbäume, er glaubtis, my armi türi.» «He», sagte einer, «das ist einem neuen Wirtli zu verzeihen, aber daß ein alter Wirt nicht weiß, was das für e Chust isch, selb isch e Schang.» «Weißts de öppe du?» «Ja, selb weiß ih, das isch abgstangene Näftebacher, wo im Aargau niede gmacht wird, dä chunt eym so wunderlig i dNase.»

Da das niemand glauben wollte, so mußte man begreiflich wieder hingerfür mit dem Versuchen. Was die unter der Kellertüre für lange, lange Hälse machten, um inne zu werden, wie abgestandener Näftebacher rieche. Sie vergaßen Füße und Kröten, rückten näher und näher, bis sie endlich auch zum Glück gelangten, das Glas zu erwischen. «Ja wäger», sagte die Eine, «abgstangne Näftebacher wird das sy u nüt angers.» «Hest du de scho Näftebacher gha?» fragte die Zweite. «Nei», sagte die Erstere, «aber mengist daycht han ih, dr abgstange Näftebacher müeß grad so sy, wie dä isch. Vrsuech o!» Das tat die, trank sittig einen Schluck; «nei aber au», sagte sie, trank noch einen, «e bsungerbari Chust isch das», setzte noch einmal an, trank aus, sagte dann: «Nei, abgstangne Näftebacher traue ih nit, daß es syg. Tüfel, ih weiß, was es sy wird, e abgstangni Krott oder zwo werde im Fäßli sy, mi wird se vrgesse ha drin!»

So werweisete man, und handlich ging das Bieten nicht. Am besten war der Wein allerdings nicht, doch so schlecht, als man ihn machte, war er auch nicht, abgestandener Näftenbacher war keiner da und abgestandene Kröten hätten auch in keinem Fasse sich gefunden. Da es aber im Deutschen umgekehrt ist wie im Weltschen, im Deutschen man geborne Milchmäuler hat, im Weltschen geborne Weinmäuler, im Weltschen jedes Kind einen Weinrichter vorstellen kann, rechtskundig in diesem Fach geboren wird, im Deutschen für rechtskundig genommen wird, wer Wein von Weintrübeln von Bätziwasser unterscheiden kann (überhaupt nimmt mans mit dem «rechtskundig» sövli spitz nit), so wirkte das Ausführen des Weines sehr hemmend auf das Bieten. Wo das Wissen aufhört, fängt das Glauben an, und sehr denkwürdig ist, daß zumeist die, welche am meisten über den Glauben schimpfen, durch und durch und in den gemeinsten Dingen nur im Glauben leben, eben weil sie gar nichts wissen. Dieser Glaube ist aber ein sehr beweglicher, weil er auf nichts Festem und Bleibendem ruht, sondern auf den Urteilen der Majorität um ihn herum, auf der Tagesmeinung. Die Meisten, welche hier im Keller waren, gehörten zu diesen Gläubigen; die öffentliche Meinung, der Kellerglaube, ward durch einige Wissende bestimmt, welche das Verdammungsurteil über die Weine aussprachen. Nun schauderte es die Gläubigen ordentlich darob, um keinen Preis hätten sie darauf geboten, aus Furcht, ihn ds Halb z'teuer zu haben und am Ende ihn nicht einmal brauchen zu können. Es war ein lang Märten, daß doch endlich jemand bieten möchte; endlich ließ sich der eine, der andere nicht der Gläubigen, sondern der Wissenden bewegen, ein Bott zu tun, so gleichsam nur dr Gottswille, vergaß aber nie hinzuzusetzen: «Er isch viel z'tür, viel z'tür, ih weiß wohl; grad Euch, Herr Grichtschryber, zGfalle, daß dr us dem Keller usechömet, süst tät ihs my Sex nit. Ih weiß emel nit, wien ih ne bruche will, ih mischle ne no mit guetem Vierzger Yvorner u will de luege, ob ih ne für Zabewy bruche cha, ih hätt im Sinn, dä Summer neuis la z'baue. Aber die näh mr ne nit, die Murer u Zimmermanne werde neue o afe meisterlosig, de mueß ihs mit de Aargauer Schiffzieher probiere, u sufe mr ne die nit, su suft mr ne ke Hung.«

So entschuldigte sich ein Wirt oder Weingrämpler nach dem andern, und einer nötlicher als der andere. Da ging ein alter Bauer kopfschüttelnd aus dem Keller und brummte: «Die cheu afe rede, as we si ne für nüt wette weder für ne in es Bschüttloch z'tue, fürs nit la z'vrlechne, u we dErndt chunt, su cheu mr de, was si um drei Batze oder zwe chaufe, chum für füf un sechs Batze ga umenäh. Ih chenne die afe, ih weißs. U jetz, wo dSach um e Pris z'ha wär, darf niemere druf biete, mi lat die mache, as ob si alleini ds Recht drzue hätte, u de werde si dFaß o grad drzue welle u o um nüt, ih chenne die Kunde.«

Um den Weinverkauf kümmerte sich Eisi nicht; da seine Hoffnung auf das Dableiben so mächtig erschüttert war, frug es Wein und Faß wenig nach. Erst als man aus dem Keller wieder heraufwar und ein Kinderwägeli zwegschriß, zeigte es sich. Es war ein schönes Wägeli, eigentlich ein Chaischen, hatte einige Dublonen gekostet. Es war mit dem Chaischen eigends zugegangen. Eisi hatte daheim in seiner väterlichen Einsamkeit von einem Kinderwägeli gar nichts gewußt. Erst hatte man die Kinder in einer Wiege liegen, auch in einem Korbe, wie es sich eben traf; sobald sie die Beine regen konnten, setzte man sie auf den Boden hin, hier konnten sie sich tummeln, auf dem Bauche, auf dem Rücken, auf allen Vieren, so viel sie wollten; während dem Kochen nahm wohl die Mutter eins auf den Arm, wenn er grasete, so setzte der Vater zuweilen eins auf die Bähre, und des Sonntags trug wohl eine Jungfer oder manchmal die Mutter das eine oder das andere ein wenig herum. Aber ein Wägeli apart für die Kinder zu haben, daran hatte keine Seele je gedacht. Nicht weit von der Gnepfi, im Heidenloch, wohnte eine Frau Doktorin, die hatte ein Kinderwägeli und noch dazu ein angestrichenes, inwendig rot und auswendig himmelblau, und Kissen darin und gar mit Federn dran. Das erstemal, als Eisi es sah, schlug es die Hände über dem Kopf zusammen, rief alle im Hause zusammen, sie sollten doch kommen und luegen, was das für es Fuhrwerk sei, a dr Diechsle e Jumpfere u drin es King. Solche Bedürfnisse begreifen sich jedoch schnell. Als Eisi ein Kind bekam, war es bereits zur Überzeugung gelangt, daß ein Kinderwägeli ein unentbehrlich Stück sei, aber einen solchen Karren, wie dDoktere, die Blättere, hätte, wollte es nicht, sondern gleich was Rechts; was man einmal hätte, das hätte man. Steffen meinte, sie wollten eins machen lassen beim Wagner, er mach bsungerbar brave Arbeit, und wenn man es ihm recht befehle, so werde er etwas Hoffärtigs auch können. Aber Eisi hatte gehört, daß dDoktere ihres aus der Stadt hätte, darum sagte es, so eine Mistbänne möge es nicht, lieber gar nichts, es wolle seins auch aus der Stadt und enangerenah, un de wüßt er wohl, wie dr Wagner e Lyri und e Dreyßi syg; we me e Sach nit bstell byn ihm, gäb me uf dr Welt syg, su überchömm me se nit, gäb me gstorbe syg. Steffe hatte soweit nichts darwider, es war zu der Zeit, wo man die Geldstücki noch nicht aus den Ecken zusammenkratzen mußte.

Eisi fuhr zur Stadt, wir wissen wirklich nicht, ob auf Bern oder Solothurn. Begreiflich war die Wirtin, wo es einstellte, ebenfalls seine Freundin. «Emel es undeckts chauf nit», sagte die. «Gheyt neuis obenache un ufs King, su schlats drs ztod, gäb es syg im Wägeli oder nit, hergege isch es deckt, su machts nüt; ds Glyche ischs, wenn ds Wägeli umleert, ists nit deckt, su gheyt ds King use u cha de trole, es weiß ke Seel wie wyt, ebesomähr über es Port us in e teufe Grabe ache oder gar is Wasser, hergege wes deckt isch, su mueß es warte, es ma welle oder nit welle. Bsungerbar chumlig aber ischs wegem Schatte u wege dr Sunne; we die schynt, su cha me decke u fürmache, de cha ds King e halbe Tag schlafe, dFleuge mache nüt, dr Luft macht nüt u dSunne erst nit, hergege hesch es undeckts, su leu dr die Kingemeitschi, du weißt wie die Täsche afe sy, am e Ort ds Wägeli stah a dr Sunne, vrklappere sih, u mit eme schöne King sy si furtgfahre, un e Möhr, e Uflat bringe si dr hey, daßd es längs Stück nümme aluege mast. Nei, es vrdeckts chauf, e paar Neutaler meh chosts, aber es treyts meh as ab. Ih chume mit, ih ha neue am e Ort eys gseh, es het mr bsungerbar wohl gfalle.»

Die Beiden gingen nun mit einander und fanden das Chaisli. Es gefiel Eisi auch, die andern Wägeli, welche da waren, sah es gar nicht an. Es frug um den Preis. Der Sattler sagte, es sei ihm leid, aber soeben sei eine vornehme Frau dagewesen, er glaube, es sei die Frau Schultheißin gewesen oder gar dFrau von einem Gesandten, die habe es besehen und gesagt, sie werde nachmittags mit dem Herr wiederkommen, so dürfe er es nicht fortgeben, sie würden sonst denken, was er für einer sei. «Mein Geld wird doch wohl so gut sein als das Geld von so einer Frau, sei ich Schulthessi oder nit Schulthessi», meinte Eisi. Darwider hätte er nichts, sagte der Sattler, und ihr Geld wäre ihm lieb genug; aber Brauch seys, was im Handel liege, nicht weiterzuverkaufen, und sellig Herrschafte, von welchen doch eigentlich der Verdienst komme, mache man nicht mutwillig böse. Selb wär gspässig, ob die alleine zu verdienen gäbten, seiner Gattig Leute brauchten auch Sachen, und dann zahlten sie auch, er brauche keinen Konto zu schicken und sieben Jahr nach der Bezahlung zu laufen, das Geld hätte es auf der Hand. Kurz und gut, das Wägeli gfall ihm und es wells, er söll säge, was es choste söll. Es sei ja noch die Frage, ob die Madame wiederkomme, und komme sie, so könne er sagen, als er nicht daheim gewesen, hätte seine Frau es verkauft. Bar Geld und der Grund, daß die Madame doch vielleicht nicht wiederkomme, denn er hatte es schon mehr als einmal erlebt, daß eine Madame gesagt, sie wolle den Herrn schicken oder mitbringen, aber der Herr war nie erschienen, weder mit noch ohne Madame, leuchteten ihm ein, er tat zwar nötlich, machte aber doch endlich den Preis und zwar einen braven. Aber Eisi stieß sich nicht daran, kaufte und zahlte das Chaischen und brachte im Triumph es heim, mochte nicht warten, bis es dasselbe dem Donnstigs Büntel, der Doktere, unter der Nase herumgezogen hatte.

DSchulthessi heygs welle, so heyg si no keys gseh, heyg si gseit, u zerst heyg dr Sattler schier nit welle, aber wohl, dem heygs es du gseit, u du heyg er sih du gleyt, u zletsch heyg er selber müesse säge, es heyg so schöns Geld as dSchulthessi u de bruch me de no nüt z'warte! Mi sötts nit glaube, aber doch sygs, a de fürnehmste Orte müeß me mengist zechemal heusche, eh me einist zahlt werd. So heyg er gseit, dr Sattler, u wes meh öppis mangli, su sölls ume cho, heyg er gseit, sygs Tag oder Nacht, u was es well, müeß es ha; er wüß, wen er z'ästimiere heyg u wer ihm lieb syg, heyg er gseit. Aber es well usbiete, ob me es selligs Kingewägeli gsehy ds Lang uf, ds Lang ab. Schmöcke chönn dä Donnstigs Büntel, dDoktere, jetz dra, bis si dNase voll gnue heyg.

So hatte mit dem Chaischen Eisi sich gebrüstet. Das waren selige Tage gewesen, als es breit auf der Straße stund und der Magd, die mit dem Chaischen spazieren fuhr, nachsah und denken konnte, jetz werde si bi ds Dokters vorbyfahre, «jetz schmöck, du Büntel, bis dNase voll hesch!»

Jetzt stund das Chaischen auch vor dem Hause, aber wie! Es hatte das Sonntagskleid ausgezogen, es war vernachlässigt, verliederlicht worden dem Übrigen gleich, niemand hatte es gebürstet, niemand gesalbet, niemand geplätzet, und doch gefiel es den Weibern vo wege dem Verdeck bsungerbar. Was das kommods sei, man glaubs nicht, sagten sie. Möglich auch, daß sie dachten, wenn sie jetzt ihre Kinder in kleinen Chaischen herumzögen, so sei das eine gute Vorbedeutung, daß dieselben später in großen fahren könnten, es heiße ja im Sprüchwort: Jung gewohnt, alt getan. Die guten Weiber brauchen die Sprüchwörter zuweilen wie der Teufel die Bibel, es gibt zwei andere Sprüchwörter auch, an die dachten wahrscheinlich die guten Weiber nicht: Jung ryte, alt zFueß laufe; jung Herre, alt Bettler! Es stand nicht die glänzendste Weiberschar dabei, die, wo krüschelten mit Fünfunddreißigern, glitzerten wie Pfyfolter und rauschten wie ein Wasserfall, wenn sie ein Glied bewegten. Es waren Bäckerweiber, Lebküchlere, Gürtlere, Schuhmachere, Kappekrämere und Brodierere, welche ihre Augen darauf gerichtet hatten und zu bieten begannen. Es drehte Eisi fast das Herz im Leibe um, daß dere Züg das Chaisli haben sollte, welches es der Schulthessi abgestochen, was doch o sellig Lüt sinneten, da mach esn ieders Tschudi dFlangge u fähnli desume wie e Narr, so chömms sy Seel nit guet, mi chönns de gseh. Wenn es no es King hätt, wos bruche chönnt, sy Seel wängti es dr letzt Krüzer dra, gäb es es selligs Kingewägeli sellige halbbatzige Wybere i dHäng ließ.

Eine Lebküchlere war so glücklich, das vornehme Ding zu erhalten, welches das Schicksal manches armen Pferdes teilte, das aus einem Staatsroß zu einem Kacheler erniedrigt wurde, zumeist deswegen, weil es nicht mehr auf soliden Beinen stand. Solide Beine sind eine Hauptsache und gut in alle Spiel; was nicht auf solchen Beinen steht, das geht zBode, und begreiflich, auf je höhern Beinen etwas steht, desto härter geyhts auf die Nase, wenns zBode geht. Daran dachte die gute Lebküchlere nicht, als sie freudevoll mit dem Chaischen dahinfuhr und in ihrem Herzen dachte: Wie werden die doch luegen daheim u wie wird ds Landjägers Frau taubi werde! Mira, werd si, es gscheht ere recht, schmöck si jetz selber, das Laschi, was si angere geng möcht z'schmöcke gä, wenn me wett dNase zuecheha. Aber die ist no lang nit fürnehmer as anger Lüt, ds Conträri. Was doch o e selligi Frau sinne, sagte Eisi, es chönns nit bigryfe. Wenn es ume e Lebküechlere wär, es wurd sih schäme bis i Bode ache, ume es Kingewägeli z'ha, vrschwyge de es selligs, wo a re Schulthessi guet gnue gsi wär, we sis hätt chönne übercho. Aber dWelt werd grusam schlechti, es syg afe nüt meh drbyzsy, u wunger nähmts eym nit, wes scho bal us wär mit ere.

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