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Der Geltstag

Jeremias Gotthelf: Der Geltstag - Kapitel 19
Quellenangabe
pfad/gotthelf/geltstag/geltstag.xml
typefiction
authorJeremias Gotthelf
titleDer Geltstag
publisherDiogenes
year1978
isbn325720566X
firstpub1845/46
correctorAlfred Wey
senderwww.gaga.net
created20121029
projectidbff705e7
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Achtzehntes Kapitel

Wie Eisi dagegen Gschir im Kopfe hat und warum

«Nit, nit!» rief Eisi plötzlich, als sein Blick auf den Steigerungstisch fiel, auf demselben sein schönstes Kaffeegeschirr sah auf einem großen Cabaret und der Weibel eben sagte: «Wer gibt mehr als dreizehn Franken, zum zweute u zum –?» «Nit!» sagte Eisi, «das lan ih nit, das wott ih, füfehalb Krone sy bote!» «Aber was wotsch drmit», sagte ein Mann Eisi, «spar dys Geldli für Bessers». «La du mih mache u lue du für dih!» antwortete Eisi. «Aber warum willst du das ghebt ha?» fragte ihns eine Frau. «Sechs Krone!» rief Eisi; «will drs de säge, allweg chan ih dere Züg nit alles la fahre, bsungerbar was Brüchigs ist. We mes scho hingerdry gsetzlig umeha chönnt, wie si säge, su möchts dr Tüfel alles zsämetrybe, u was vrheyt isch, isch vrheyt.»

Es ist sonst Sitte, daß, sobald man weiß, daß die Sache für die Familie ersteigert wird, was gewöhnlich irgendwie verlautet, das Bieten mit großer Bescheidenheit getrieben wird. Und sowie einer fortfahren will, müpfen ihn die Andern und sagen: «E was witt, es isch für seye.» Eisi hatte der Sache noch viel besser den Tätsch geben wollen, wollte selbst bieten, es wollte sehen, wer ds Herrgetts syg, von seinen Sachen zu kaufen, bsungerbar wenn es selbst darauf biete.

Nun waren wohl Leute, die sich vor ihm scheuten und balgeten, wie eine doch so ungschämt sein könne und beiwohnen und sogar bieten. Wes no pläriti drby, daß me chönnt dHäng unger ihm wäsche, su wette si no nüt säge, aber ke Tran heygs no vrgosse, ke Tran. Aber nicht allen imponierte Eisi. Es waren glänzende Weiber da, seiden und galanderiert, was Schöns; gäb wie leicht sie sich drehten und kehrten, so rauschte es, fast wie das murmelnde Bächlein, das durch duftende Wiesen sich schlängelt, fast wie der Zephir, wenn er durch den grünen Wald fährt, auch hatten sie Ringe an den Fingern, Ketten um den Hals, kurz waren ein schön Luegen. Die hatten keine Notiz von Eisi genommen und sahen es nicht an, wenn aber Eisi von ihnen sich abwendete, so blickten sie einander und rümpften die Nasen. Dagegen betrachtete Eisi sie oft, und wären seine Blicke Pfeile gewesen, so wäre Keine lebendig ab dem Platz gekommen. Die hatten also sichtbar keinen Respekt für Eisi, aus deren Mitte kam die bietende Stimme und trieb Cabaret samt Geschirr auf zwanzig Franken hinauf. Endlich erlangte Eisi doch den Sieg, der Weibel sagte: «Und zum – la gseh, wott no öpper, und zum – und zum – dritte!» Der Weibel lag mit Eisi nicht unter einer Decke. «Schwyg du,» hatten die Weiber zu der Bietenden gesagt, «bis di Witziger, si chönnte zletzt säge, du heygists expreß gmacht, u we si ganzi e Narr wird, su müeßtisch du dschuld sy. Es isch geng wege dene arme Kinge, u wes ne scho guet gieng, we die dänne chäm, su dörft mes nit emal lut säge.» Die guten Weiber, wie ihre zarten Herzen für Eisis arme Kinder schlugen und zwar so gewaltig, daß keine von denselben an das eigene Trüppeli dachte, das jede zu Hause hatte!

In Zorn und Triumph, fast wie Juno in Jupiters Donnerwagen, fuhr Eisi ab mit dem Cabaret, sagte für sich: «Su han dih doch. U wenn ih dr Kittel hätt müesse vrkaufe un ds Gloschli drzue!» sagte es zu dem Weibe, das ihm folgte und noch etwas nachtrug. «Aber warum hangist o sövli daran?» sagte das Weib, «öppe selligs hättisch geng übercho, wennds wieder brucht hättisch, das wird notti nit ds enzige i dr Welt sy, un öppe nit viel türer.» «Selb nit», sagte Eisi, «was das gchost het, weißt nit. U syg das wies well, su han ih das nit welle la, das wott ih pha.» «Was ist de drmit?» fragte die Frau. Da erzählte Eisi, als es zum zweiten Male guter Hoffnung gewesen, hätte es Gotte sein müssen in einem Wirtshaus bei entfernten Verwandten. Da sei schön aufgewartet worden und bsunderbar schöns Geschirr hätten die gehabt, daß es es fast hätte versprengen wollen vor Zorn, denn der Gattig hätten sie keins gehabt, es hätte nicht einmal gewußt, daß man selligs hätte. Es sei ihm nicht mehr wohl da gewesen, es hätte pressiert für fort, und auf dem ganzen Heimweg hätte es von nichts brichtet als von solchem Geschirr und daß sie auch deren haben müßten. Da hätte Steffen gesagt: «He, ich wollte mich nicht so plagen, es ist jetzt öppe eine Zeit, wo nicht viel Leute kommen; aber wenn du dieses Mal einen Bub hast, so kannst du anschaffen so schöns als du willst, dann mueß e Fure gah. Ists ein Meitschi, so machen wirs nur wohlfeil und die alte Rustig tuts auch noch, sie wären an manchem Orte froh, sie hätten solches. Es sei ihm noch, als ob es heute gewesen, wo er das gesagt habe, und es wisse noch auf welchem Platz. Da sei es ihm immer gewesen, wenn es nur einen Buben kriegte, vorher hätte es nicht viel darnach gefragt, weler Gattig, es heyg nüt angers gsinnet, as wes nume für wär. Glücklicherweise hätte es wirklich einen Buben gegeben und es eine Freude gehabt, es könne es niemand sagen. Es hätte nicht vierzehn Tage gewartet für in die Kirche zu gehen, es hätten sich alle Leute verwundert, als sie es schon gesehen, und zmorndrisch schon hätte Steffen mit ihm müssen nach Solothurn, um Geschirr zu kaufen. Da hätte es nichts gespart, es müsse es sagen, und Steffen hätte nicht gewehrt, wie er sonst wohl hie und da zum Brauch gehabt. Es hätte ihm selbst gefallen, und wenn es öppe gwerweiset, so hätte er noch angestrengt. Es sei aber dafür auch schön gegangen an der Taufe. Den Dessert hätte er von Bern kommen lassen, dBratis und ds angere hätten sie selbst gemacht; aber e bsungerbari Köchin heyge si bschickt, e Gans heyg dGotte mitbracht, un es angers Bratis heyg ne e guete Fründ gschickt, dem si viel Wy abgno heyge, us em Schwarzwald, es heyg sölle e Rehschlegel sy; die Wyber, wo ne dSach nit heyge möge gönne, heyge gseit, es syg neue es Schaffüstli, aber es wohl beizts, die Täsche. Es sei sich dr wert gewesen, recht aufzuwarten, sie hätten eine vornehme Gevatterschaft gehabt und sonst viele Leute eingeladen weither. Es hätte ein vornehmer Gumi fast sein Roß ztod gsprengt, um dabeizusein. Mehr als acht Tag hätten sie es im Stall gehabt, und bloß Tritt für Tritt hätte man es führen können. Öppe viel Profit hätten sie davon nicht gehabt, denn einen Kreuzer dafür zu fordern, hätte man sich geschämt. Gut dreißig Personen seien dagewesen, und einmal über das andere Mal hätten sie sich verwundert, wie das eine Aufwart sei, so seien sie doch nie dabeigewesen. Das sei wahr und noch im Grab müß es ihms nachreden, einen Wein hätte Steffen zweggemacht gehabt, die Beine hätte man nicht stille haben können unterm Tische, wenn man ihn von weitem gesehen habe. Er hätte noch kommen lassen, Tschämpis säge man ihm, und noch andere Rustig, es wisse nicht mehr, wie man ihm sage. Lustig gegangen seis, es sei nie so dabeigewesen. Trunken sei worden öppis Schröckligs; gäb was man auf den Tisch gestellt, es sei gerade gewesen, als ob man alles auf einen heißen Stein geschüttet, und gesungen hätten sie, es heygs düecht, dWäng söttes nit ha. Bloß ein paar Weiber hätten Gesichter gemacht, gerade als ob man ihnen Dörn in den Wein geschnätzelt hätte, und hätten die Maulecken fast bei den Augen oben gehabt. Und grade die hätte am meisten gegrännet, wo es vorher bei ihr zu Gevatter gestanden. Es heygs vrflüemeret glächert, grännit ume! hätte es gedacht. Wo es bald Morgen gewesen, seien die hinausgegangen und seines Schwagers Frau, aber es, nicht dumm, sei nache, vo wege, es sei ihm bald zSinn cho, da könnte man was vernehmen. Da hätte es Sachen gehört! Es sei ihm in alle Finger gekommen, ihre Köpfe voran in die Löcher zu stoßen. Aber es hätte nicht dergleichen getan, sondern gedacht: Wartit dihr ume. In die Küche sei es gegangen, hätte Kaffee befohlen und angewendet, daß es wohl gewußt, solchen hätten sie noch nie gehabt. Da sei aufgestellt worden in dem Geschirr, und was die da für Augen gemacht und einander geblickt und grännet, man glaub es nicht! Es aber hätte gedacht: Blickit ume u grännit ume, grad so ists mir recht. Je mehr die Andern gerühmt, dest täuber seien die worden, es sei fast vrspritzt vor Lachen. Da hätte sich endlich eine nicht mehr halten können und gesagt: «Bsungerbar gfallt mir das o, u wenn ih nit däyche müeßt, es nähms zletsch öpper anger, su schaffet ih mr o a. Aber es ist e Zyt, un es lehrt eym zur Sach luege, we me drby blybe will.» Du heygs du gseit, es syg ihm o so, drnebe aber chömms geng druf a, wie me tüey. Es syg nit Sinns vo dem z'la, u solang es leb, daychs nit, daß öpper dFreud ha werd, 's z'synige. Mi chönn nit wüsse, hätte darauf eine geantwortet, daß es es nit hätt sölle ghöre. Aber es heygs notti ghört u gseit: Es hätt nüt drwider, es gang mängs ungsinnet, aber selb wells eym guet sy drfür, daß öppe niemere Freud ha söll a dem Gschir, solang es no chönn Kaffee arichte. Da hätten sie geschwiegen und die Pfeifen eingezogen, und wenn es den letzten Kreuzer hätte geben müssen, so hätte es ihnen nicht die Freude gemacht, sagen zu können: «Jä gäll, Eisi, jetz prediget en angere, u jetz heschs!»

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