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Der Geltstag

Jeremias Gotthelf: Der Geltstag - Kapitel 18
Quellenangabe
pfad/gotthelf/geltstag/geltstag.xml
typefiction
authorJeremias Gotthelf
titleDer Geltstag
publisherDiogenes
year1978
isbn325720566X
firstpub1845/46
correctorAlfred Wey
senderwww.gaga.net
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projectidbff705e7
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Siebenzehntes Kapitel

Wie eine Wirtin eine Uhr haßt, welche sie im Kopf gehabt, die aber nicht nach ihrem Kopf gegangen

Doch während wir da schwatzen und gottselige Betrachtungen anstellen, eilt die Zeit von dannen, rollt die Steigerung sich ab. Wie Ameisen an einem Stück Holz, welches sie zernagen wollen, tummeln die Leute sich durchs Haus, und bald hier einer, bald dort einer schleppt was zum Steigerungstische, das er ausgerufen haben möchte. Bald wird es ausgerufen, ein Spinnrad, ein Erdäpfeldrücker, eine Waschbahre, dann kömmt plötzlich der Laun, man wolle unten die Fässer ausrufen oder hinterm Hause die Wagen. Die Menge rollt über einander, strömt zu den Türen aus, fährt um die zu versteigernden Gegenstände herum.

Unterdessen kömmt der, welcher den Stutzer gesteigert und in Sicherheit gebracht, dahergeschlichen mit einer schönen Pendule und meint: «Rüefit mr gschwing no das, es geyht grad i eym zue jetz.» Eisi sah es und meinte: «Gut, wenn die einmal fort ist, es glaubt kein Mensch, wie froh ich bin. Wege dere habe ich einen Verdruß ausgestanden, ich könnte es niemand sagen, es hat sich alles umgedreht in mir, so oft ich sie schlagen hörte. Dem Ketzer habe ich es aber greiset, ih han e nüt meh ufzoge, er het du von ihm selber ghört schla.» «Was hat er dir denn zleid getan?» frug der Weibel. Eisi begann zu erzählen; «rüef doch, rüef!» sagte der, welcher die Uhr gebracht. «Wer git mehr as vierzig Franke?» rief der Weibel, «vierzig Franke zum erstenmal!» «Vierzig Franke un e Batze», sagte der Andere. «Vierzig Franke un e Batze zum erstenmal!» rief der Weibel. «Nit, nit», rief Eisi, «nit, es isch ja niemere da, u siebe Dublone het dä Hung gchost. Wartet doch, mi mueß zerst dLüt zuechemustere, das isch nüt, das», rief Eisi, «wartit doch, säget doch de Lüte, si sölle sih zuechemache!» und ging selbst nach, die Leute zu mustern. Unterdessen tönte es drinnen fort: «Vierzig Franke ein Batze zum erste!» «Drei Batze!» rief eine andere Stimme. «Vierzig Franke drei Batze zum erste, wer git meh!» «Vierzig Franke vier Batze!» rief hastig der Erste. «Vierzig Franke vier Batze zum erste ist bote. Vierzig Franke vier Batze zum zweute», pressierte der Weibel. «Vierzig Franke sechs Batze!» rief der Zweite. «Vierzig Franke sechs Batze zum erste», wiederholte der Weibel. Da stolperte es die Treppe hinauf. «Zweiundvierzig Franke!» rief der Erste hastig. «Zweiundvierzig Franke zum ersten, zweiundvierzig Franke zum angere un zweiundvierzig Franke zum dritte!» So rief der Weibel eben, als der Zweite, den der Aufschlag von vierzehn Batzen auf einmal verblüfft hatte, so daß er einige Zeit brauchte, sich zu erholen und zu sammeln, den Mund zu einem neuen Gebote öffnen wollte. Das gieng ihm gschwing hier, sagte er. Das gang wies gang, sagte der Weibel. Wenn eine an e Steigerig well, su söll er sih daheim bsinne oder dFrau mitnäh, we dies gleytiger chönn, a dr Steigerig syg eine da für z'biete. Wenn er warte wollte, bis sih en iedere Lappi usbsinnt hätt, su müeßt er in Euigkeit weible un usrüefe u steigere, u selb wär ihm doch zwider. «Emel du weißt de nit», sagte der Andere, «ob du de fertig bist mit Steigere, we du de scho unger em Herd bist, u ob du nit mueßt umecho cho nachebessere. Selb weißt du no nit.» Nun gings dem Weibel so, wie früher jenem. Die Antwort hatte eingeschlagen bei ihm, auch er mußte sich fassen, und als er den Mund zur Duplik öffnete, war jener verschwunden.

«Scho anegä!» sagte Eisi, als es wiederkam. «Selb wär mr doch de lieber, mi warteti, bis o Lüt da wäre, däweg chunt me wohl vo dr Sach, aber nit zum Geld, u selb wär mr doch de dHauptsach.» Der Gerichtschreiber replizierte nicht, diesmal ignorierte er Eisis Rede. Darin hatte er viel Takt, wo er reden und wo er schweigen sollte. Zu Vertrauten sagte er, damit sei es gerade wie mit dem Wetter. Trage man Eisen mit sich, so ziehe das das Wetter an, und ganz ungsinnet könnte man einen Blitz anziehen und zBode donnert werden, ehe man was dazu sagen könne, so sei es mit dem Reden. Da müsse man wohl wissen, was für Wolken am Himmel seien und wann man Worte in den Mund nehme, zu unrechter Zeit ein Wort könne einem das verfluchteste Wetter auf den Hals ziehen, und hätte man geschwiegen, so hätte man das Verfluchtest tun können und kein Mensch hätte ein Wörtchen gesagt. Da der Gerichtschreiber nichts sagte, so meinte Eisi, es werde dem Uflat (der Pendule, nicht dem Gerichtschreiber, versteht sich) ahange oder ihm ata sy, ihs taubs z'mache bis zletzt use. Da sei es, erzählte es einer Nachbarin, es sei noch nicht so manches Jahr, einmal ausgefahren mit Steffen an ein Gesangfest, es heygs neue düecht, es möcht o einist luege, wies a dene gang, und wenn ihs düecht hätt, es luegti es Profitli drby use, su hätts de im Sinn gha, o einist eys byn ene azstelle, un es recht es vrfluecht es schöns, es hätts de welle zeige, daß es es chönnt, so guet as a dene Orte, wo si meine, es syg niene eso wie bi ihne, un eym de ufwarte, syner Säu heyges längs Stück besser gha. So seien sie zusammen gefahren, es sei ein schöner Morgen gewesen und viele Leute seien da zusammengekommen, es wüß eigetlich nit wege was. Gsunge sölle si bsungerbar schön ha, wie me gseit heyg, aber es heyg neue nüt drvo gspürt un afa längi Zyti übercho, aber es heyg neue nit gwüßt wie mache für dänne z'cho. Ungereinist heygs ghört, ke Mönsch heyg meh e Gux usglo, un es syg ihm fry e Stey ab em Herze gfahre, es heyg däycht, es syg us. Es use mit de angere u heyg nah Steffe gluegt, aber dä syg niene z'gseh gsi. Glückligerwys syg eini dagsi, dies scho gseh heyg, u die heygs gfragt: «Wey mr öppe desume e weni, bis 's wieder ageyht?» «Was agah? säge ih, öppe Gottel ists us, si erlittes ja nit, költschbrun si si ja alli gsi, wos ghört het.» «Nei», sagte die Andere, «si müesse no einist drahi, aber wenn de wytt, su wey mr e weni desume u dStadt luege, öppe viel Rars söll zwar neue nit sy, es isch mr o lieber, ih müeß nit wieder yche.»

Nun erzählte Eisi in Kürze, wie sie umhergegangen, dies gesehen, unter anderm schöne Uhren, und wie ihm auf einmal in Sinn gekommen, dere hätten sie noch keine und gerade so eine hätte es längst haben wollen, dieweil es eine Schande für sie sei, noch keine zu haben. Wie es eine gekauft, nicht die schönste, aber die leidest nicht, siebe Dublone nur hätte sie kosten sollen. Er soll sie einpacken, habe es befohlen; wenn sie fortwollten, so wollten sie dieselbe holen und bezahlen. Geld hätte es wohl bei sich gehabt, aber nit sövli, wie man wohl denken könne. Es hätte auf Steffen gerechnet, der eine ganze Blatere voll mit sich genommen. Wo sie zur Kirche gekommen, da heyge si no gsurret drinne, und wie sie gwerweiset heyge, ob wieder hinein oder was sonst machen, da sei es aus gewesen und dLüt aus der Kirche hinaus und dem Wirtshaus zu. Sie seien nicht die Letzten gewesen, und da sei es lustig gegangen, aber Steffen hätte es nicht gesehen, zwüsche yche, wenn nüt Lustigs gange syg, heygs geng müesse denke, wo dä ächt aber syg. Da hätten sie angefangen, zerst allerlei z'stürme, du z'singe, das syg scho lustiger gange, u du z'tanze, u das syg ds Lustigist vo allem gsi. Es hätte auch müssen, gäb wie ungern, und drob seis spät geworden, es hätte es nicht gemerkt. Da sei, wo es am lustigsten gegangen, Steffen dagewesen und hätte gesagt, sie wollten fort. Es heygs düecht, heyg er so lang ihm nüt nahgfragt, so pressiers ihm jetz o nüt. Zletscht heyg es doch müesse, u zNot heyg es es no chönne zwänge, daß si öppis gesse heyge, er heyg zerst gmeint, er mög nit, u doch heyg er du gno, daß es sih heyg müesse schicke, wes o neuis welle heyg. U wo si abgschaffet heyge und furt welle, syg du da eine gstange u heyg gfragt, ob er jetz dUhr reyche söll. Es heyg dä Donnstigs Ketzer ganz vrgesse gha. Da frag Steffe: «Was für e Uhr?» Da säg es, es heyg eini gchauft, wie si scho lang eini hätte sölle ha, un er söll ihm gschwing siebe Dublone gä. Da heyg Steffe ihm gseit, es syg e Narr mit dr Uhr u wie er siebe Dublone ha wett? Un es heyg doch wohl gwüßt, daß er meh as siebe Dublone mitgno heyg, aber es heyg ne nit vrgebe dr ganz Tag nüt gseh, un Narr heyg es ihm nit welle la säge, vor de Lüte. Es wisse, was es gesehen, und wenn er si nimme heyg, su well es se scho übercho, aber die Uhr wells jetzt, es hätts nit angers ta vor de Lüte, u hätt men ihm dr Gring abgschrisse. Es heygs am Wirt gseit, un dä heyg ihm enangerenah siebe Dublone gä, und äs heyg dUhr gno, die syg im e Kistli gsi. Das heyg du neuis chönne, gäb si hey gsi syge, es syg ds erstmal gsi, wo si enangere o so recht gseit heyge, es hätt sih möge ztod pläre ds selbist, vo wege, Steffe syg trunkne gsi u es nit, u da heyg er ihm Sache gseit, Sache, we ds Halbe wahr gsi wär, su hätts dSunne nie meh sölle aschyne. Was aber du ds Vrflüechtist gsi syg: wos du morndrist die Uhr uspack, su heyg sie ihm du gar nüt meh gfalle, da Donnstigs Schelm heyg ihm gwüß en angeri ypackt, as es usglese heyg, und doch heyg es se du müesse bha u heyg nüt dörfe säge, u o neue niemere heyg si welle gfalle. Du syg dä Schnürfli vo Wirt, wos die siebe Dublone etlehnt gha heyg, neue grad einist dahercho u heyg se umewelle. Er heyg ungsinnet es Roß gchauft, heyg er zWort gha; Steffen werds gmerkt gha ha, oder obs e abgredti Sach gsi syg, wüß es nit, wos well Geld näh, heygs kes Schlüsseli, u wos Steffe suech, syg dä niene, u dä Wirt heyg ta wie e Katz am Hälsig, dä Uflat, es heygs düecht, es möcht ihm die Uhr uf em Gring vrschla. U wie mängist es die Gschicht sih heyg müesse ghöre fürha u was es deretwege heyg müesse lyde, es glaubs ke Mönsch. Es syg allimal taub worde, wes dä Ketzer heyg müesse aluege, u froh sygs, daß er furt syg. Wes gwüßt hätt, daß er um das Lumpegeld furtchäm, su wär er nit erst hüt furtcho, so lang Täubi drum hätt es nit gha, um das hätts ne längst chönne bruche.

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