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Der Geist der Astrologie

Oscar Adolf Hermann Schmitz: Der Geist der Astrologie - Kapitel 6
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authorOscar A. H. Schmitz
titleDer Geist der Astrologie
publisherUranus-Verlag Max Duphorn
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V. Vergleichende Astrologie (Verhältnis von Horoskopen zueinander)

Eines der interessantesten Gebiete ist die vergleichende Astrologie. Die Erfahrung zeigt, daß es von Wichtigkeit ist, wie die Planeten miteinander in Berührung kommender Menschen sich gegenseitig bestrahlen. Bildet z. B. meine Sonne einen guten Aspekt zu der Himmelsstelle, wo bei einem andern Menschen der Mond steht, so ermöglicht das ein tieferes Verstehen. Am wichtigsten sind die Stellungen der beiden Lichter (Sonne und Mond) zu denen des andern und zu den sogenannten Wohltätern Jupiter und Venus. Das bringt gegenseitiges Glück. Stehen Mars und Venus zueinander in Sextil oder Trigon, so zeigt sich eine sehr starke erotische Anziehung. Ein ungünstiger Aspekt oder Konjunktion zwischen Venus und Mars, Venus und Uranus, Venus und Neptun wird erotisch sehr fühlbar sein als dämonische Anziehung, die leicht in Haß und Abscheu umschlägt. Mars, Saturn und Uranus ungünstig zu Lichtern oder dem Aszendenten des andern empfindet jener als heftigen Druck und Tyrannei. In der Ehe werden daher oft auch im astrologischen Sinn Freud' und Leid geteilt. Aspekte des einen werden nicht selten von dem des andern miterlebt. Auch diese Tatsachen sind innerhalb der Grenzen zu werten, die ich oben bereits als für die Astrologie bestehend angegeben habe. Menschen von Niveau werden sich auch bei starken Gegensätzen der Aspekte zuletzt doch besser vertragen, als wenn sie ohne Rücksicht auf Heredität und Milieu auf der Basis z. B. günstiger Mars- und Venusaspekte, was alltäglich ausgedrückt so viel heißt wie »aus Liebe«, heiraten. Gewiß werden gute Aspekte zwischen Menschen, die an Rasse, Heredität und Milieu verschieden sind, sehr merkbare Brücken über diese Abgründe schlagen, aber jene anderen Mächte sind doch wohl für das Zusammenleben ausschlaggebender. Oppositionen von Planeten, im allgemeinen als ungünstig gewertet, können in der Ehe gerade jene Gegensätze darstellen, die sich, wie das Sprichwort sagt, berühren. Ich kenne mehrere gute Ehen, wo die Aszendenten oder die Lichter, wenn auch nicht dem Grad nach, doch wenigstens den Tierkreiszeichen nach in Opposition stehen. Bei der Wahl von Geschäftsverbindungen, Teilhabern, Vertrauenspersonen ist der Vergleich ihrer Gestirnstände mit den eigenen sehr nützlich. Besonders bei Dienstboten ist das leicht zu machen, da ihr Geburtstag, wenn auch ohne die Geburtsstunde, stets in dem Dienstbuch angegeben ist. Für die Feststellung der Planetenorte (mit Ausnahme des schnell beweglichen Mondes) genügt das. Verletzt der Saturn oder Mars des Anzustellenden vielleicht meinen Mond aus der Gegend meines XII. Feldes, so kann ich mich auf heimliche Diebstähle gefaßt machen, natürlich nur, falls bei ihm, etwa durch einen schlechten Merkuraspekt, eine derartige Disposition überhaupt vorliegt; wenn aus meinem VI. Feld an offene Unbotmäßigkeit, falls nicht sein Mars durch gute Aspekte seiner Aggressivität beraubt ist. Stehen mein Jupiter und meine Sonne gut zu seinen Lichtern, so werden sie sich meinen Einfluß als heilsam gefallen lassen. Wenn das Verhältnis umgekehrt ist, dann werde ich durch ihn Gutes erleben usw.

Sehr aufschlußreich ist der Vergleich der Horoskope Wilhelms II. und seiner Feinde. Wenn Wilhelm II. etwas für seinen wahren Beruf hielt, so war es gewiß die Schaffung einer deutschen Kriegsflotte. Betrachten wir also zunächst sein X. Feld (Beruf, Stellung). An der Spitze stehen die Fische im Jupiterzeichen, das auf hohe Stellung hindeutet. Als Zeichen für die See gibt es einen deutlichen Hinweis auf das von ihm so sehr geliebte Element. Auf der Spitze des X. Feldes steht eine Konjunktion des Mars (Militär) und des Neptun (Ozean, Chaos). Man wird schwer einen Menschen finden, bei dem die Mars-Neptunwirkung so charakteristisch erscheint, gleichzeitig materiell und geistig, denn die so unheilvolle Chaotik seines Denkens und Fühlens ist sicher auf diese fragwürdige Konstellation im Zenit des kaiserlichen Horoskops zurückzuführen. Auch die von unseren Feinden so heftig bestrittene, aber von uns doch zugegebene Gutgläubigkeit dieses Mannes ist aus seiner Nativität zu sehen. Er hat den sogenannten königlichen Aspekt, ein Dreieck zwischen Sonne und Jupiter, das Loyalität und anständige Gesinnung verleiht, aber Sonne sowohl wie Jupiter sind in ihren Zeichen vernichtet und stehen an den Spitzen der Unglücksfelder VIII (Tod) und XII (großes Unglück, Exil). Ebenso ist es mit seinem Geburtsgebieter, dem Mond, der Menschen von Gefühl, Einbildungskraft, Idealismus hervorbringt, aber auch er ist vernichtet im Zeichen Skorpion, das obendrein eingeschlossen ist im V. Feld (Unternehmungen). Kurzum alle die großen Eigenschaften, die ihm seine Verehrer nachsagten, sind irgendwie vorhanden, aber viel zu schwach, sie konnten nicht zur Auswirkung kommen unter der aufdringlichen Vorherrschaft eines in dem Zeichen Fische völlig unbeherrschten Mars, dessen Unmaß durch die Neptunkonjunktion etwas Unklares, gelegentlich aber auch persönlich Faszinierendes annahm. Gewiß kam er anfangs den Gegnern großmütig entgegen, aber es war etwas Haltlos-Überschwengliches dabei, ja, er lief ihnen geradezu nach, und diese unkönigliche Art seines schlechten Jupiters überzeugte nicht, blieb ohnmächtig. Die an sich schwach gestellt Sonne erhält eine Opposition durch den im Löwen besonders unglücklichen Saturn. Der Sturz aus Sonnenhöhe war unvermeidlich, zumal die Sonne in einem Saturnzeichen, der Saturn im Sonnenzeichen steht, beide zueinander also in jenem die Planetenwirkung im bösen oder guten Sinn verstärkenden Verhältnis, das man, wie gesagt, Rezeption nennt. Wie aber steht es mit seiner vielgerühmten Intelligenz? Merkur im Steinbock, einem beweglichen Zeichen, mit nur ungünstigen Aspekten von Seiten des vernichteten Monds und des Uranus macht seinen Verstand wohl beweglich und vielseitig, aber das ist auch alles; die Opposition seines schlechten Monds mit Uranus aus festen Zeichen gibt ihm jene Art der hartnäckigen Schrullenhaftigkeit, welche die Franzosen »lunatique« nennen. Die schon durch den ungünstigen Mars gegebene Unbeherrschtheit und Unüberlegtheit wird durch solche Mond- und Merkurkonstellationen noch verstärkt. Merkur im VI. Feld (das Niedrige) dürfte die Neigung zu gemeiner Ausdrucksweise erklären, von der ich selbst einmal Zeuge war.

Daß er zunächst Bismarck als unerträglichen Druck empfand, ist auch astrologisch sehr begreiflich, denn dessen Saturn steht mit seiner Sonne in enger Konjunktion, die beiden Saturne in Opposition, die beiden Marse in Quadratur. Auch seine anfängliche Bewunderung für den Kanzler ist verständlich, denn beider Sonne und Jupiter stehen in gutem Aspekt zueinander. Daß ihn Eduard VII. zu höchstem Widerspruch reizte, erklärt dessen Mars in Konjunktion mit seinem im VI. Feld etwas untergeordneten Merkur; daß er ihn zugleich bewunderte, bewirkte dessen Jupiter in Konjunktion mit seiner Venus. Des Königs Uranus stand genau auf der Spitze des kaiserlichen X. Feldes, d. h. gefährdete in hohem Maß dessen Stellung. Am verhängnisvollsten erscheint der Gegensatz mit dem Präsidenten Wilson. Dessen Saturn steht in Opposition zu Wilhelms Merkur, die beiden Uranus stehen in Konjunktion, der Neptun des Präsidenten in dessen XII. Feld (Tragik, geheime Feinde) befindet sich in Konjunktion mit der fatalen Konjunktion von Mars und Neptun im kaiserlichen Zenit. Obendrein wird der Mond des Kaisers vom Uranus des Präsidenten (und dem eigenen Uranus) in Opposition getroffen. Kurzum: die Feindschaft dieses Mannes zur Zeit eigener unglücklicher Direktionen mußte den Zusammenbruch bringen. Das IV. Feld (Ende) wird von dem in dem Horoskop so zerfahrenen Merkur beherrscht; im VIII. Feld, von Saturn regiert, steht die Sonne in Opposition zu Saturn. Auch Wilsons hoher Aufstieg und Fall ist leicht zu ersehen: die Sonne im Zenit im Steinbock (politischer Ehrgeiz) in Opposition mit Saturn im IV. Feld (Ende). Bei vielen Hauptpersonen des Weltkriegs findet sich dieselbe Tragödie. Auch der Zar Nikolaus II. hat die Sonne im X. Feld (Stellung) in Opposition mit Saturn (Ende).

 

Ein anderes Sondergebiet ist die medizinische Astrologie. Hier fehlt mir jede persönliche Erfahrung. Was mir an Schriften in die Hand kam, war unzuverlässiges Gerede ungeschulter Köpfe. Von der Richtigkeit des Prinzips halte ich indessen viel. Das VI. Feld zeigt die Krankheitsdispositionen, die Sonne die Konstitution, der Mond die Funktionen, der Aszendent die physische Widerstandskraft an. Da der Aszendent nur für den Breitengrad des Geburtsortes gilt, müßte es möglich sein, durch Ortswechsel einer schlechten Direktion zum Aszendenten auszuweichen. Es wird behauptet, die Reise Eduards des VII. nach Indien habe mit einer solchen Erwägung zu tun gehabt. Ob nicht überhaupt die wunderbare Heilwirkung, die bisweilen ein Ortswechsel sehr plötzlich hat, mit diesen Dingen zusammenhängt? Mars gibt entzündliche, Saturn schleichende, Merkur Nervenkrankheiten. Jupiter beherrscht Herz und Leber, Venus die Nieren, Mond die Frauenkrankheiten. Dies nur einige Beispiele. Bei einer Diagnose sind der Herr des VI. Feldes und die darin befindlichen Planeten zu befragen, nach Zeichen und Aspekten, derzeitigen Direktionen und Transiten. Dies läßt natürlich vielerlei Kombinationen Raum und macht eindeutige Ergebnisse schwer. Die verschiedenen Heilmittel tierischer, pflanzlicher und mineralischer Herkunft, sollen wie die Krankheiten bestimmten Planeten unterstehen. Manche wollen z. B. Marskrankheiten mit Venusmitteln, andere gerade durch Marsmittel bekämpfen. Jeder Teil des Körpers untersteht einem bestimmten Himmelszeichen. Operationen sollen gefährlich sein in den Tagen, da der Mond in dem Zeichen steht, das den betreffenden Körperteil beherrscht. Für den Verlauf der Krankheit und ihre Krisen sollen maßgebend sein die Aspekte, die der Mond zu der Stelle wirft, wo er bei Ausbruch der Krankheit stand. Nun ist aber meistens schwer zu sagen, wann eine Krankheit begonnen hat. Nicht einmal, wann sie einem zuerst bewußt wurde, pflegt gewiß zu sein. Wie oft hat man schon wochenlang vorher irgend etwas Unbestimmtes gespürt. Läßt sich aber irgendein entscheidender Anfang feststellen, ein Augenblick, in dem man sich zum erstenmal krank fühlte, so empfiehlt es sich für diesen Augenblick das Horoskop zu stellen. Ist Saturn und Mars im Spiel, so wird es gefährlich sein. Feste Zeichen an der Spitze des VI. Feldes oder als derzeitiger Aufenthalt der in Frage kommenden Planeten deuten auf lange, gewöhnliche auf mittlere, bewegliche auf kurze Dauer. Das Krankheitshoroskop führt uns bereits zur Stundenastrologie.

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