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Der Geist der Astrologie

Oscar Adolf Hermann Schmitz: Der Geist der Astrologie - Kapitel 4
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authorOscar A. H. Schmitz
titleDer Geist der Astrologie
publisherUranus-Verlag Max Duphorn
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III. Die Erforschung der Zukunft (Progressive Astrologie)

Bisher habe ich fast ausschließlich von der Geburtsastrologie gesprochen, die aus den Gestirnständen im Augenblick der Geburt eines Menschen dessen Wesen, Konstitution, Gesundheit, Talente, Schicksale usw. in großen Umrissen erkennt. Das Feststellen künftiger Ereignisse und ihrer Termine verlangt weitere Berechnungen. Dieses Gebiet heißt progressive Astrologie.

Seit der ältesten Zeit sind uns zwei Direktionsmethoden überliefert, die heute unter den Namen Primär- und Sekundärdirektionen bekannt sind. Es dürfte sicherlich interessieren, daß die Methode der Berechnung der Sekundärdirektionen auf Grund von Angaben in der Bibel wiedergefunden wurde. (Hesekiel 4,5 u. 4,6.) Über die Berechnung und Anwendung der Sekundärdirektionen sind sich alle Astrologen einig. Sie werden ständig mit bestem Erfolg für die Vorhersage herangezogen. Dagegen herrscht auf dem Gebiete der Primärdirektionen eine große Unsicherheit. Es gibt nicht weniger als 11 verschiedene Direktionsschlüssel und eine Unzahl verschiedener Berechnungsmethoden. Schon diese Tatsache zeigt, das hier etwas nicht stimmen kann. Warum herrscht auf dem Gebiete der Sekundärdirektionen Einmütigkeit und inbezug auf die Primärdirektionen dieser Wirrwarr? Doch offenbar nur deswegen, weil man mit Hilfe der Sekundärdirektionen eindeutige Ergebnisse erzielte, während bei den Primärdirektionen, einerlei welche der vielen Methoden man auch anwandte, die Ergebnisse stets unbefriedigend waren. Man suchte aber die Fehler nicht in der Methode selbst, sondern glaubte sie durch kleine Korrekturen und durch Berechnungsänderungen beheben zu können.

Die wenigen Astrologen, die heute noch eine der vielen Arten der Primärdirektionen vertreten, vermochten bisher nicht exakte Beweise für die prinzipielle Richtigkeit dieser Direktionsart beizubringen. Sehr zu beachten ist auch die Annahme, die einer unserer zeitgenössischen Astrologen, Johannes Lang im II. Bande seines Lehrbuches der Astrologie ausspricht. Er vertritt die Ansicht, daß Ptolemäus, auf dessen Angaben die Primärdirektionen beruhen, die von ihm gesammelten diesbezüglichen Überlieferungen falsch verstanden sind. Nach Johannes Lang beruhen die eigentlichen Primärdirektionen auf derselben Grundlage wie die Sekundärdirektionen, nämlich der Annahme, daß ein Tag nach der Geburt einem Lebensjahr entspricht. Die in dem genannten Werk von ihm gebrachten Beispiele sind in ihrer prägnanten Eindeutigkeit überzeugend. Übrigens handelt es sich hier nicht um eine neue Erfindung. Neu ist lediglich die Begründung und Behauptung, daß es sich bei dieser Direktionsart, die unter den Namen »Sonnenbogendirektionen« von zahlreichen anderen Astrologen angewandt wird, lediglich um eine richtige Art der Primärdirektionen handeln soll. Wie dem auch sei, man kann die Direktionen mittels des Sonnenbogens ebenso wie die Sekundärdirektionen als zuverlässig in ihren Ergebnissen bezeichnen.

Beide Systeme beruhen auf der Annahme, daß unmöglich die Wirkung der Gestirne in dem Augenblick der Geburt erschöpft sein könne. Vielmehr wirken die nachgeburtlichen Einflüsse auslösend auf die Konstellation der Nativität. Es müssen also auch die Aspektbildungen nach der Geburt berücksichtigt werden, und die Erfahrung hat gelehrt, daß nach diesen die künftigen Lebensereignisse häufig zu berechnen sind. Infolge der Direktion scheint uns jeder Planet weiterzurücken. Sobald er nun einen neuen exakten Aspekt bildet zu irgendeinem Radixplaneten, ist eine Direktion gegeben. Einem Tag nach der Geburt soll ein Lebensjahr entsprechen. Wenn also nach z.B. 17 oder 40 Tagen der Saturn einen guten oder schlechten Aspekt bildet zur Radixsonne, so wird im 17. oder 40. Lebensjahr ein Ereignis eintreten, das dem Wesen der Sonne und des Saturn im Radixhoroskop im günstigen oder ungünstigen Sinn entspricht.

Was die Unsicherheit der Geburtszeit betrifft, so läßt sich diesem Übelstand abhelfen. Man wartet ab, ob die nach der vermutlichen Geburtszeit berechneten Ereignisse pünktlich eintreffen. Das wird natürlich in der Regel nicht geschehen. Ebenso werden die bereits eingetroffenen wichtigen Ereignisse der Vergangenheit den Berechnungen nicht durchaus entsprechen. Man sucht sich nun solche heraus, die bedingt wurden durch Direktionen zu den Felderspitzen I (Aszendent) und X (Meridian), deren Aspekte von besonderer Wichtigkeit sind. Zeigt sich nun, daß bei drei oder vier eindeutigen Ereignissen wie Todesfällen der Eltern, Hochzeit, unvorhergesehenem großen Gewinn oder Verlust usw. die Verfrühung oder Verspätung des Eintreffens jedesmal genau dieselbe ist, so nimmt man den Meridian oder Aszendenten so an, daß das Eintreffen der Ereignisse stimmt. Aus diesen Angaben ist dann die Geburtszeit aus Tabellen auf die Sekunde zu ersehen. Die Sache hat nur einige Haken. Nicht alle Ereignisse sind gerade durch Direktionen zum M.C. oder Aszendenten bestimmt, sondern sehr viele können auch durch solche von Planeten zu Planeten bedingt sein.

Allgemein anerkannt, wie oben schon erwähnt, sind die Sekundärdirektionen. Sie beruhen auf der scheinbaren Bewegung der Planeten um die Erde. Diese Veränderungen sind den Jahresephemeriden zu entnehmen. Hier entspricht die Bewegung innerhalb 24 Stunden dem Zeitraum eines Jahres. Die Aspekte, welche die progressiven Planeten z.B. am 20. oder 47. Tag nach der Geburt unter sich oder zu Radixplaneten bilden, deuten also die Ereignisse im 20. oder 47. Jahr des Lebens an. Da die Ephemeriden die Stellung um 12 Uhr mittags nach Greenwicher Zeit angeben, muß man die Ortszeit bei der Geburt in Greenwicher Zeit umrechnen, und dabei berücksichtigen, ob in dem Geburtsjahr schon die mitteleuropäische Zeit (und die Sommerzeit der Kriegsjahre) eingeführt war. Dies geschah in Deutschland und Österreich 1892. Angaben über die Zonenzeit und über die Sommerzeit findet man in jedem guten astrologischen Lehrbuch. Außerdem sind auch in den meisten Lehrbüchern Tabellen über die geographischen Positionen der wichtigsten Orte der Welt enthalten. Es sind aber auch besondere Bände im Handel, die nur geographische Positionen enthalten. Darüber wird jede Fachbuchhandlung oder der Verlag dieses Buches bereitwilligst Auskunft geben. Auch ihr Zeitunterschied von Greenwich ist angegeben, östlich von Greenwich wird es bekanntlich früher, westlich später Mittag. Bedeuten 24 Stunden 1 Jahr, dann entsprechen 2 Stunden oder 120 Minuten einem Monat, 4 Minuten einem Tag. Bei den Sekundärdirektionen kommen nicht nur Aspekte zwischen den progressiven Planeten und den Radixplaneten in Frage, sondern auch die Aspekte, welche die progressiven Planeten untereinander bilden.

Viele Astrologen behaupten, die Direktionen bedürften, um zu wirken, einer besonderen Auslösung. Diese kann auf dreierlei Arten erfolgen: durch Transite bezw. Ingresse und Monddirektionen. Transite sind Übergänge der Planetenbewegung irgendeines Kalendertages über wichtige Orte des Radixhoroskopes oder deren Aspektstellen. Erreicht z.B. der heutige Uranus, wie aus der Ephemeris des laufenden Jahres zu ersehen, die Stelle, wo bei meiner Geburt die Sonne stand, so hat meine Radixsonne einen Uranustransit. Aber auch ein starker Aspekt, Quadrat, Trigon, Opposition des Transituranus zur Radixsonne wirkt, wenn auch weniger stark als die Konjunktion. Ein Ingreß ist ebenfalls ein Transitaspekt, aber nicht zu einem Radixort, sondern zu einem Ort, wo ein progressiver Planet steht oder einen Aspekt hat. Wird nun irgendein Radix- oder progressiver Planet von einem Transit oder Ingreß betroffen zu einer Zeit, da eine Direktion zu ihm fällig ist, so wird deren Wirkung entweder ausgelöst, wenn beide günstig oder beide ungünstig sind, oder mehr oder weniger aufgehoben, wenn beide sich widersprechen. Hat z.B. die Sonne eine schlechte Saturndirektion, aber einen guten Jupitertransit, so wird man entweder nichts davon spüren, oder aber in eine schwierige Lage kommen, der man gewachsen ist. Bei einer günstigen Direktion mit ungünstigem Transit wird man vielleicht eine glückliche Aussicht zerrinnen sehen, oder es wird nichts geschehen. Für Transite kommen nur die größeren Planeten in Frage: Uranus, Saturn, Jupiter und in geringerem Grade, weil eiliger vorübergehend, aber doch im Augenblick heftig fühlbar: Mars. Was Neptun, den größten und langsamsten Planeten unseres Systems, betrifft, so äußert sich seine Transitwirkung nach meiner persönlichen Erfahrung weniger in Ereignissen, als in lange andauernden Zuständen, die je nach der Entwicklungsstufe eines Menschen und der daraus sich ergebenden Empfänglichkeit für Neptuneinflüsse sich als Beängstigung, Unruhe, Verwirrung, Visionen, künstlerische Inspirationen, Vertiefung der Erkenntnis äußern können. Jeder Planet wirkt in demselben Leben immer in derselben Weise, ob in Radix- oder progressiver Stellung, als Aspekt, Direktion oder als Transit. Seine gute oder schlechte Radixstellung ist für seine Art und Weise in einem Menschenschicksal ein für allemal maßgebend, womit nicht geleugnet wird, daß ein entwickelteres Selbst seine Aspekte ganz anders erlebt und beherrscht; aber ein guter Jupiter oder eine schlechte Venus bleiben dies durch das ganze Leben.

Der englische Astrologe Bailey macht in seiner Zeitschrift »Destiny« (Juni 1905) auf die chronische Wirkung progressiver Plätze in den Zeichen und Häusern aufmerksam, in die sie durch ihre Bewegung zu stehen kommen, auch wenn keine Direktionen gebildet werden. Das habe ich erprobt. Als ich mich entschied, die juristische Laufbahn mit dem philosophischen Studium zu vertauschen, war mein progressiver Aszendent vom Löwen in das Merkurzeichen Jungfrau getreten. Als ich zum erstenmal publizistisch auf breiterer Basis hervortrat, hatte mein progressiver M.C. den Stier verlassen, um in das Merkurzeichen Zwillinge zu gelangen. Als meine geistigen Interessen das endgültige Übergewicht gewannen über meine sehr stark damit konkurrierenden weltlichen, ging Merkur aus dem Venuszeichen Stier in sein eigenes Zeichen Zwillinge. Dagegen fand ich Raphaels Behauptung nicht genügend bestätigt, daß die Transitplaneten eine Dauerwirkung haben sollen in den Häusern, durch die sie gerade gehen.

Eine wichtige Art der Auslösung von Sekundärdirektionen findet statt durch den Mond. Infolge seiner schnellen Bewegung (ca. 12–15 Grad im Tag gegen etwa 2 Grad Tagesbewegung des zweitschnellsten Gestirns Merkur) bildet er bedeutend mehr Aspekte zu radikalen und progressiven Planeten, als die übrigen Planeten, fast immer mehrere im Jahr. Sie beziehen sich auf die wechselnden Ereignisse des Monats und wirken außerdem wie Transite und Ingresse verstärkend und aufhebend, wenn sie mit ähnlichen oder entgegengesetzten Direktionen der andern Gestirne zeitlich zusammenfallen. Transite, Ingresse müssen, um zu wirken, fast exakt sein. Es wird hier nur ein Umkreis von allerhöchstens 1 Grad Orbis um die genaue Aspektstelle angenommen. Auch die Sekundärdirektionen haben lange Wirkungszeiten, Monddirektionen etwa 2–4 Wochen, Planeten- und Sonnendirektionen wirken etwa ein Jahr. Diese Wirkungsdauer ist der Grund, warum es zur Berechnung der Sekundärdirektionen, soweit es sich nicht um Aszendent und M.C. handelt, keiner so genauen Angabe der Geburtszeit bedarf. Der Tag ihrer Auslösung wird doch vorwiegend durch die aus der Ephemeris zu ersehenden Transite bestimmt, und auch hier ist ein Spielraum gelassen. Alles, was durch langsame Planeten und feste Zeichen geschieht, hat lange Dauer. Je schneller ein Planet, desto verübergehender seine Wirkung. Gewöhnliche Zeichen verursachen mittlere, bewegliche kürzen die Dauer. Das Widersprechende muß gegeneinander abgewogen werden.

Bei den Direktionen kann man nur dann mit Sicherheit darauf rechnen, daß etwas von einem bestimmten Charakter geschieht, falls schon das Radixhoroskop darauf hinweist, d. h. etwas Günstiges oder Ungünstiges, etwas Plötzliches (uranisch) oder sich lange Vorbereitendes (saturnisch), etwas Akutes (marsisch) oder Chronisches (saturnisch); ferner sind meist auch zwei oder drei Lebensgebiete angebbar, auf deren einem es sich vollziehen wird. Handelt es sich z. B. um eine günstige Venusdirektion bei jemand, der die Venus körperlich im IX. Feld (Reisen), und das X. Feld (Stellung) und das II. Feld (Geld) von einem Venuszeichen besetzt hat, so kann sich das Glück auf diesen drei Gebieten einstellen, ganz abgesehen davon, daß Venus an sich noch Liebe und Ehe begünstigt. Ist die Spitze oder der Herr des V. Feldes (Kinder, Spekulationen) oder des VII. (Ehe, Partnerschaft, Prozesse) im Radixhoroskop gut von Venus bestrahlt, so kann die Venusdirektion auch hier wirken, falls gerade auf diesen Gebieten irgend etwas im Gang ist. Man versteht nun, warum die Vorhersagen der Astrologien im einzelnen stets mehrere Möglichkeiten offen lassen.

Noch auf ein anderes System der Zukunftserforschung ist hinzuweisen: die sogenannten Jahres- und Monatshoroskope (auch Sonnen- und Mondrevolutionen genannt). Sie werden gestellt für den Augenblick, da die Sonne bzw. der Mond wiederum exakt dieselbe Länge auf der Ekliptik erreichen, wo sie im Augenblick der Geburt standen. Da die scheinbare Bewegung der Sonne um die Erde ein Jahr dauert, so erreicht sie jedes Jahr einmal ihren Radixort und zwar am Geburtstag; der genaue Augenblick, von dem aus gerechnet werden muß, kann übrigens auch auf den Tag vor- oder nachher fallen. Da der Mond sich in 4 Wochen um die Erde dreht, erreicht er seinen Ort jeden Monat einmal. Es handelt sich nun nicht darum, die für solche Augenblicke gestellten Horoskope an sich für die Ereignisse des nächsten Jahres oder Monats zu befragen, viel wichtiger ist ihr Verhältnis zum Geburtshoroskop. Jeder Planet im Geburtshoroskop ist Signifikator für Angelegenheiten des Feldes, in dem er steht, und der Felder, deren Zeichen er beherrscht, falls in ihnen sich nicht ein Planet körperlich befindet, denn dieser hat stets Vorrang. Hat also z. B. jemand den Merkur im IX. Feld (weite Reisen) und beherrscht dieser zugleich das II. Feld (Geld), so ist er Signifikator für Geld und Reisen. Beherrscht gleichzeitig Jupiter das Zeichen des IX. Feldes, so ist dieser Kosignifikator für Reisen, und steht er zugleich selber im VII. Feld (Ehe), so ist er außerdem Signifikator für Ehe. Will ich also das Jahres- oder Monatshoroskop befragen im Hinblick auf Reisen oder Ehe, so muß ich sehen, was aus dem Signifikator und Kosignifikator des Radixhoroskops für diese Lebensgebiete geworden ist. Steht Merkur in dem betreffenden Geburtshoroskop gut, so bedeutet das Glück für das ganze Leben, steht er aber im Jahres- oder Monatshoroskop schlecht, so wird die Reise vielleicht jetzt verschoben oder sonst irgendwie gestört sein, aber kein Unheil verursachen. Zeigt der Merkur schon im Geburtshoroskop Unglück im Hinblick auf Reisen an, so wird sich das bei schlechtem Revolutionshoroskop in diesem Jahre bzw. Monat besonders zeigen. Auf alle Fälle – und dies gilt für die ganze Astrologie, auch für die Direktionen – sagt das Radixhoroskop das entscheidende Wort. Ein schlechter Aspekt im Jahreshoroskop oder als Direktion zwischen zwei Planeten, die im Radixhoroskop gut stehen, wird nie ein endgültiges Unglück bringen, während gute Direktionen oder Revolutionsaspekte von zwei im Radix sich unfreundlich anschauenden Planeten immer nur vorübergehende Aufhellungen bewirken können. Meistens ist ein Lebensgeist nicht einseitig gut oder schlecht determiniert. Der Signifikator ist vielleicht gut, der Kosignifikator schlecht, oder es stehen ein guter und ein schlechter Planet, also zwei Signifikatoren im selben Feld oder die ganze Determination ist gut, aber von geschwächten Planeten ausgehend, oder die Signifikatoren sind zwar Übeltäter, aber von Wohltätern gut bestrahlt oder umgekehrt. In solchen Fällen können Direktionen wie Jahres- und Monatshoroskope verraten, welche Kräfte gerade wirken, die guten oder die schlechten. Sicher ist nach meiner eigenen Beobachtung, die sich nun auf fünf eigene Jahres- und etwa ein Dutzend Monatshoroskope bezieht, daß bei weitem nicht alles in Erfüllung geht, was sie anzeigen, daß aber das, was geschieht, im großen und ganzen von Ihnen angezeigt wird. Nehmen wir an, das Feld für Ehe zeigt Gutes an, der Betreffende ist aber nicht verheiratet, und auch sonstige Angelegenheiten des VII. Feldes kommen für sein Leben nicht in Frage, so wird diese Konstellation vielleicht ganz unwirksam bleiben aus Mangel an Wirkungsmöglichkeiten oder aber in diesem Jahr eine Möglichkeit zur Verheiratung herbeiführen. Ob sie ausgenützt wird, kann aber nicht sicher gesagt werden, obwohl immer eine Mehrheit der Planeten in gewöhnlichen Zeichen Menschen anzeigt, die äußeren Einflüssen stets nachgeben, während die Mehrheit der Planeten in festen Zeichen Menschen ankündet, die sich selbst den Entscheid vorbehalten, was nur im Fall sehr fortgeschrittener Entwicklung ein unbedingter Vorteil ist. Den Durchschnitt leitet oft das Schicksal besser, als es die eigene freie Entschließung tun würde. Die Mehrheit der Planeten in kardinalen Zeichen verrät Menschen, die oft aus übergroßer Aktivität sich jeder Gelegenheit bedienen, was auch nicht immer von Vorteil ist. Jemand, der leidend oder nicht mehr jung ist, wird im Revolutionshoroskop meist die Aussagen des VI. Feldes (Krankheit) zutreffend finden. Als mich eine entzündliche Krankheit befiel, stand der Aszendent (körperliche Konstitution) in Konjunktion zu meinem Radixmars. Die Sonne befand sich zu Mars in Opposition im Feld der Krankheit, und dieses Haus war von dem Marszeichen Widder beherrscht. Das ist eindeutig genug, aber ich betone ausdrücklich, daß solche Eindeutigkeiten zu den Seltenheiten gehören. Man soll den Aussagen des Jahres- und Monatshoroskops nur dann volles Vertrauen schenken, wenn sie Direktionen bestätigen. Hat man in einem Monat Wichtiges vor und stellt man das Mondhoroskop, so wird ein Astrologe, der nichts von dem Vorhaben weiß, doch oft das Lebensgebiet erkennen, worum es sich handelt. In einem Monat z. B., während ich eine Übersiedlung ins Ausland vorhatte, zeigte das Mondhoroskop eine auffallend starke Besetzung des IV. Feldes (eigenes Heim), vorwiegend günstig mit einer starken saturnischen Bedrohung. Sie wurde verschoben.

Das größte Bedenken gegen die progressive Astrologie liegt darin, daß für planetarische Einflüsse an sich nicht alle Menschen gleich empfänglich sind. Ein durch Entwicklung oder von Natur sehr konzentrierter und ausgeglichener, vielleicht nicht einmal sehr vertiefter Mensch bemerkt oft seine Aspekte nicht, so wie manche, und nicht einmal immer die geistig entwickeltesten Menschen bei ihrer Arbeit überhören können, daß inzwischen ein Gewitter niedergegangen ist. Andererseits gibt es sicher Menschen, die unbewußt oder mit magisch entwickeltem Willen Möglichkeiten ihres Radixhoroskops auch ohne Direktionen aufleben lassen können. In allen solchen Fällen stimmt dann natürlich kein System mehr.

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