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Der Geist der Astrologie

Oscar Adolf Hermann Schmitz: Der Geist der Astrologie - Kapitel 2
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authorOscar A. H. Schmitz
titleDer Geist der Astrologie
publisherUranus-Verlag Max Duphorn
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Erstes Buch. Astrologie als Erfahrungswissenschaft

I. Ausgangspunkt

Diese Abhandlung will weder ein Lehrbuch für Neulinge ersetzen, noch beansprucht sie, den Meistern der Astrologie wesentlich Neues zu bieten; sie richtet sich vielmehr an den gebildeten Menschen unserer Zeit, der wissen möchte, was es eigentlich um die Astrologie ist, da er der Ableugnung geistiger Weltzusammenhänge von seiten der materialistischen Naturwissenschaft nicht mehr vertraut, aber ebensowenig vom Regen in die Traufe kommen möchte, indem er sich jedem Aberglauben unter dem Namen »Geisteswissenschaft« überließe.

Meine Arbeit will sich zu einem Lehrbuch oder gelehrten Werke verhalten, wie eine persönliche Reisebeschreibung eines wenig bekannten Landes zu einer wissenschaftlichen Monographie. Der Vollständigkeit halber wird zwar auch die Technik des Horoskopstellens in den Grundzügen erklärt, doch als Nebensache. Wer Astrologie ernstlich studieren will, braucht Lehrbücher. Mir kommt es, wie gesagt, nur darauf an zu sagen, was Astrologie ist. Vorkenntnisse etwa astronomischer oder mathematischer Natur setze ich nicht voraus; ich bemühe mich vielmehr, wie in allen meinen Schriften, das zum Verständnis notwendige Wissen dem Leser gelegentlich zu vermitteln und erwarte von ihm nur einige Aufmerksamkeit, die sich nicht scheut, einen Abschnitt unter Umständen zweimal zu lesen, um die notwendigen Grundbegriffe dem Gedächtnis einzuprägen, besonders das erste Buch nach Lektüre des zweiten zu wiederholen. Man nehme zunächst einmal alle fremdartigen Ausdrücke hin. Im Verlauf der Darstellung wird immer gerade soviel davon erklärt, als im Augenblick nötig ist. In die Tiefe führt erst das zweite Buch.

Das einzige, was wir dem kritisch-wissenschaftlichen Betrieb des neunzehnten Jahrhunderts wirklich verdanken, muß erhalten bleiben, auch nachdem die Ergebnisse jenes Betriebs für die Erkenntnis als bloß sekundär geschätzt werden, nämlich das empirische Prinzip, das Behauptungen nur gelten läßt, wenn sie auf Erfahrung beruhen. Daher ist die immer wiederkehrende Frage, die dem Astrologen gestellt wird, wie es denn möglich sei, daß die Gestirne Charakter und Schicksale bestimmen, in sich ganz und gar unwissenschaftlich, denn die Aufgabe exakter Wissenschaft ist mitnichten die Spekulation darüber, wie es möglich ist, daß etwas geschieht, sondern die Beobachtung, was oder ob etwas geschieht, und unter welchen Bedingungen. Die Frage, wie es möglich ist, daß Ätherschwingungen Bilder auf der Netzhaut erzeugen, geht die Optik gar nichts an, sie nimmt diese Tatsache als gegeben. Noch heute vermag kein Biologe zu sagen, was eigentlich die Ursache des Todes ist. Auch die bewunderungswürdige Entwicklung der Lehre von der Elektrizität erklärt nicht, was diese Kraft ist, stellt sie vielmehr nur fest in immer genauerer Beobachtung ihrer Tatsächlichkeit, was zu immer weiter gehender Verwertung führt. So wie man nun jedem Ungläubigen leicht das Dasein, wenn auch nicht die Ursache der Elektrizität erfahrbar machen kann, so braucht der Astrologe dem Zweifler nur zu sagen: verschaffe dir einige kunstgerechte Horoskope, am besten dein eigenes, die deiner Verwandten und Freunde, sowie einiger bekannter Persönlichkeiten der Geschichte und der Gegenwart, etwa Goethes, Napoleons, Bismarcks, Wilhelms II.; mache dich mit den seit dem Altertum im wesentlichen unveränderten Deutungsregeln vertraut, und dann urteile, ob diese Regeln stimmen. Dazu soll diese Schrift anleiten.

Die Sicherheit der exakten Naturwissenschaften wird zwar in der Astrologie nicht erreicht, wohl aber die der Medizin, die, wenn wohl verstanden, gleich der Astrologie mehr eine Kunst ist als eine Wissenschaft. Auch sie stößt auf das große X der Individualität, deren Eigengesetzlichkeit den Mechanismus der körperlichen wie psychischen Funktionen und ihrer Reaktion auf Einflüsse zwar nicht umstößt, aber ihm doch eine nicht berechenbare Richtung gibt. Koffein z. B. wirkt in kleiner Dosis anregend, in großer manisch, in sehr großer betäubend, in größter tödlich. Das ist den Ärzten einwandfrei bekannt. Die Grenzen dieser Wirkungsarten sind aber bei jedem Individuum andere. Bei manchen hebt ferner Nikotin die Koffeinwirkung auf, bei andern wieder Koffein den Alkoholrausch. Sehr verschieden ist die Wirkung dieser Gifte, je nachdem und womit der Magen gefüllt ist. Nicht anders ist die Wirkung der Planeten zu verstehen. Dazu kommen Kombinationen folgender Art: Wer eine gesunde Hautausdünstung hat, entlastet dadurch die Nieren und wird Nierenleiden durch seine Schwitzfähigkeit leichter überstehen, aber kein Arzt wird Indexziffern finden für solche »Stärken« und »Schwächen« des Körpers, aus denen er mit Sicherheit den Ausgang einer Krankheit berechnen könnte. Vergleichen wir z. B. den Einfluß einer guten Ernährung mit dem astrologischen Einfluß Jupiters, den Alkohol mit der Wirkung des Mars. Oft wird das alkoholische Gift bis in ein hohes Alter wohl vertragen; oft wird durch starken Alkoholgenuß die Magenschleimhaut angegriffen. Auf jeden Fall bleibt der Alkohol ein Gift, dessen Wesen genau bekannt ist. Seine Wirkung auf ein Individuum aber hängt von zahlreichen andern Faktoren ab. Ebenso kennen wir in der Astrologie die Einflüsse des Mars und des Jupiter in ihren mannigfachen Abstufungen und Modifikationen und können aus einem Horoskop genau feststellen, ob sie bei einem Individuum stärker oder schwächer, einander freundlich oder feindlich sind, aber das Urteil, was diese Konstellationen nun tatsächlich hervorbringen, hat so wenig die Genauigkeit eines physikalischen Experiments, wie das Urteil eines Arztes über die Menge von Alkohol, die einem Menschen schaden wird. Nachher kann dann der Arzt, vielleicht erst bei der Sektion der Leiche, alles tatsächlich beweisen, und das soll kein spöttischer Vorwurf sein, sondern eine Feststellung, daß unser Wissen nicht nur in der Astrologie Stückwerk ist. Ganz exakt ist auch sie nur, wenn für geschehene Ereignisse die astrologischen Ursachen festgestellt werden, aber auch ihre allgemeinen Voraussagungen erreichen zum mindesten die Genauigkeit ärztlicher Diagnosen. In beiden Fällen gibt es geniale, mittlere und schlechte Diagnostiker. Die ersten sind intuitiv, die andern bestenfalls buchgelehrt.

So wie der Arzt ist auch der Astrologe zwar an ganz bestimmte Erfahrungstatsachen gebunden, aber ohne Kombination und Intuition bleiben sie tot. Das Beispiel vom Alkohol ist übrigens mehr als ein Vergleich. Schon befinden wir uns mitten in der Astrologie, denn in der Tat ist der Ernährungszustand eines Menschen bei geeigneter Disposition der Häuser stark von der Qualität Jupiters in seinem Horoskop bedingt, während Alkohol dem Mars unterstellt wird. Bismarck Die in diesem Buch angeführten Horoskope sind teils deutschen, engl. u. französ. Zeitschriften entnommen, teils verdanke ich sie persönlichen Beziehungen mit ihren Besitzern. z. B. hatte eine sehr gute Mars-Jupiterbestrahlung, die außer vielem andern eine deutliche Beziehung auf seine Gesundheit zeigte. Mars steht bei ihm im Haus der Krankheit, was an sich schlecht ist, aber der günstige Jupiterschein ließ trotz diesem schlechten Marseinfluß ein hohes, wenn auch nicht gesundes Alter zu. Man weiß, daß er den krankmachenden Freuden des Bachus stets sehr zugetan war, denen aber seine starke Natur (Jupiter) lange widerstand.

Die Astrologie ist durchaus Erfahrungswissenschaft, und das Vieldeutige ihrer Urteile hat nichts verworren Mystisches, sondern entspricht vielmehr der Vieldeutigkeit ihrer Gegenstände. Das organische Leben und die individuelle Psychologie haben eben nicht die Exaktheit von Maschinen, und darum gleichen auch ihre Gesetzmäßigkeiten nicht den physikalischen Gesetzen. Die Ungewißheit der Astrologie bei all ihrer Wahrheit ist natürlich sehr ermunternd für den Pfuscher, aber dieses Schicksal teilt sie mit der Medizin, der Kunst und der Religion. Technische Pfuscherei erkennt man leicht daran, daß z. B. eine Maschine nicht funktioniert. Kurpfuscherei, schlechte Kunst, falsches Prophetentum sind schwerer zu entlarven, denn auch die Aussagen, des wahren Arztes, des echten Künstlers und des wirklich Religiösen sind sind nicht so eindeutig bestimmt wie die Leistungen des Technikers oder Physikers, ja es gibt nicht wenige unter jenen, bei denen echte Erkenntnis mit Selbstbetrug, ja vielleicht mit ein bißchen ganz bewußtem Nachhelfen bei versagender Intuition gemischt ist, und gerade unter diesen finden wir oft Genies.

Oft hört man die Frage, ob denn die Astrologie in ihrer geozentrischen Orientierung nicht durch das kopernikanische System widerlegt sei. Nun, das praktische Leben wird stets geozentrisch bleiben. Für uns Menschen wird die Sonne immer auf- und untergehen, gleichgültig, ob dies nur ein Schein ist, hervorgerufen durch die Erdumdrehung. Ebensowenig wie seit Kopernikus sich an der Erwärmung und Beleuchtung unseres Planeten etwas geändert hat, sind dadurch die übrigen planetarischen Einflüsse in Frage gestellt. Die Scheine der Planeten wirken so, wie sie uns treffen, gleichgültig, wie weit dies infolge ihrer Bewegung oder der unseren geschieht. So spüren wir auch nur die astrologische Wirkung derjenigen Sonnen- und Mondfinsternisse, die auf unserer Halbkugel sichtbar sind, d. h. die für uns tatsächlich die Sonnen- und Mondbestrahlung stören. Ferner rechnet die Astrologie nicht mit dem siderischen Mondumlauf von ca. 27 Tagen, sondern mit dem synodischen von ca. 29 Tagen, wie er uns infolge der Erdumdrehung von Neumond zu Neumond sichtbar wird. Auch die Rückläufigkeit der Planeten schwächt oder verlangsamt ihre Wirkung. Ohne Bedeutung ist es ferner, daß die frühere Astrologie auch Sonne und Mond in der Praxis Planeten nennt, dagegen ist es wichtig, daß sie die Planeten Uranus und Neptun nicht kannte. Davon später mehr.

Wie gesagt, ich will kein Lehrbuch und kein gelehrtes Buch schreiben. Wenn trotzdem aus meinen Darlegungen auch der Lernende oder gar der gelehrte Astrologe einigen Nutzen zieht, so wird es mir ein willkommener Lohn sein, auf den ich aber nicht rechne. Für diejenigen, denen meine Ausführungen Lust erwecken, sich ernstlich mit Astrologie zu befassen, will ich zuerst berichten, wie ich selbst dazu gekommen bin. Dabei werde ich häufig vorgreifen und Gelegenheit nehmen, an der Hand von Beispielen den Leser sofort mitten in den Stoff hineinzuführen.

Vorher sei noch der immer wiederkehrende Hauptfachausdruck erklärt: Aspekt. Aspekt heißt Anblick. Die Strahlen zweier Planeten treffen einen Punkt auf der Erde in einem bestimmten Winkel, der bald günstig, bald ungünstig auf diese Stelle wirkt. Diese Anblickungen der Planeten untereinander sind die Aspekte. Günstig sind Sextil (Winkel von 60°) und Trigon (120°), ungünstig Quadrat (90°) und Opposition (120°). Konjunktion ist das Zusammentreffen zweier Planeten in der Blickrichtung, so daß uns die Strahlen in einer Linie ohne Winkelbildung erreichen (0°). 2 günstige Planeten sowie 2 ungünstige Planeten in Konjunktion verstärken einander. Ein günstiger und ein ungünstiger verbinden ihre Gegensätzlichkeit zu einer gemischten, oft besonders einschneidenden Wirkung. Es kommt darauf an, welcher Planet seiner Natur und Stellung nach der stärkere ist. Besser spräche man statt von guten und schlechten, von sanften und heftigen Aspekten. Bei den sanften verbinden sich die Kräfte, und ihre Wirkungen sind Geschenke. Die heftigen Aspekte gleichen Pferdekuren. Starke, entwickelte Naturen vermögen durch sie zu erringen, was die milden Aspekte von selbst geben, schwache erliegen ihnen. Jedes Horoskop hat Aspekte beider Art.

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