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Der Fröschlacher Kuckuck

Albin Zollinger: Der Fröschlacher Kuckuck - Kapitel 7
Quellenangabe
typenarrative
booktitleDer Fröschlacher Kuckuck
authorAlbin Zollinger
year1941
firstpub1941
publisherAtlantis Verlag
addressZürich
titleDer Fröschlacher Kuckuck
pages130
created20110606
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Sechstes Abenteuer

das, wie man sehen wird, die Szene aufs schönste verändert.

Nämlich es plumpsten ihrer drei in ein Moorloch, welchem sie schwärzer als Fledermäuse und so verwundert entstiegen, daß auch allen andern die Lust verging, die Welt wie bis anhin zu sehen; dafür stand sie garzu verschleiert mit Silbergespinst über ihnen, ein grünliches Licht von oben zündete ihnen ins Auge, so daß sie die Hand drüber deckten. Der Schrecken hatte die Fröschlacher auf eine Heide hinaus versprengt, von der es ihnen so vorkam, als war es eine Schafhöhe vor Bethlehem. Der Sternhimmel strahlte durch Nebeldampf, gewaltig hing ein Gestirn herab, welches mit ihnen wanderte, fast wie ein Tierlein durch Vorausgehn und Stehenbleiben ihnen etwas bedeuten wollte. 38 Als die Drei Könige aus dem Mohrenlande mit Weihrauch und Myrrhen zustießen, frohlockte das Herz in ihnen; kindlich fromm folgten sie nach in der Luft aus Sandel und Zimmet, Läublein vor allen, noch voll der marmorenen Städte, die er vom Drachenstein aus überblickt. Hähnchen freute sich, dem Christkind sein Schwert zum Schutze zu bringen, ehrlich freute sich Stoffel, der Pfarrer nahm es für sich in Anspruch, die Hoheiten vorzustellen. Ein ganz kleinwenig überhob er sich im Herzen über den jungen Erlöser, der es noch vor sich hatte, Latein und die Sakramente und die Hierarchie zu erlernen, deren Gewand er als Priester trug. Stadtbürgermeister Mäckerling wandelte in Ueberlegung einer Ansprache, die er an den hohen Gast zu richten gedachte, dafür daß er vor allen Geburtsstätten der Erde Fröschlach den Vorzug gegeben. Der Stadtbaumeister erwog das gewaltige Leben, welches nun seinen Einzug halten würde, erwog die Jahrtausende, die sich hier aufhäufen mußten mit Säulen, mit Kuppeln, mit Treppen und Toren und Standbildern, mit Kram und Getute und Glocken, Zypressen und Kränzen, erwog seinen Ruhm vor dem allen als Erbauer des Baptisteriums, welches moosgrün und in den Quadern locker der Augapfel noch spätester Zeiten 39 sein würde. Der Kanzler sah sich in einem Saale von Malachit die Abgaben der Provinzen entgegennehmen, Hirngewitter unterfertigte Pergamente mit Siegeln von Lebkuchengröße. Der Mond schien auf Schnee, es flockte sehr hold vom Himmel, in welchem die Englein wohllautende Harfen schlugen. Die Fröschlacher lächelten bitter, die Menschheit natürlich im Schlaf vorzufinden, und sie hätten die Mitbürger aufgeweckt, wären sie nicht eben eifersüchtig darauf gewesen, sich dem Gottessohn als die Wachenden zu präsentieren. Sie suchten in Gassen und Ställen, der Stern blieb darüber stehen; wo immer sich ihnen nur ein Schimmer von Kerzenschein zeigte, klopften sie demütig an. Durch das Holz antworteten Geißböcke mit Gemecker, Ochsen stolperten aus dem Schlafe auf; als es sich endlich fügte, daß in der Altstadt noch ein Bäuerlein wachte, – denn auch an der Kreatur ist die Geburt ein Mysterium aus Gottes Herzen, und der Mensch bricht zu seiner Betreuung den Schlaf, – da hielt er die tangbehangenen Fürstlichkeiten für Wassermänner und Neptune mit einem Gefolge zerschundener, verstrubelter Krieger. Am Wochenbett seines Weibes hätte er wohl gezagt, es ging aber um sein Kalb, und also ergriff er den Kübel, traf den nächsten mit vollem Strahl, fand des 40 Wassers genug im Brunnen, zu dem er eilfertig zurücklief als löschte er eine Feuersbrunst. Nachdem er sie sattsam gespült und mit dem Stallbesen gestriegelt, erkannte er mählich die Wahrheit, daß durch Besonderheit der Umstände sich ein Wunschtraum von ihm erfüllt, nämlich er seinen vieledlen gnädigen Herren Oberen die Köpfe gewaschen hatte. Erschrocken strich er die Kappe zum Nacken hinab und kratzte sich hinter dem Eselsohr. 41

 

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