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Der Fröschlacher Kuckuck

Albin Zollinger: Der Fröschlacher Kuckuck - Kapitel 5
Quellenangabe
typenarrative
booktitleDer Fröschlacher Kuckuck
authorAlbin Zollinger
year1941
firstpub1941
publisherAtlantis Verlag
addressZürich
titleDer Fröschlacher Kuckuck
pages130
created20110606
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Viertes Abenteuer

in welchem die Fröschlacher schlafen gehen, um ein andermal fortzufahren.

In den Schatten der Vaterstadt tauchend, verspürten die Fröschlacher ihr Gewissen, nicht des Kuckucks wegen; wo die Furcht es nicht würzte, verloren sie das Gedächtnis ihrer Frevel – ihnen bangte vor der Heimkehr zu den Weibern, die in der Hellsicht ihres Schlafes oder durch Klatsch des vertrackten Klapperstorchs von dem Elfenbad mochten erfahren haben. Ausgenommen der Pfarrer, Hähnchen und Läublein waren sie alle beweibt, am schlimmsten Hirngewitter, der kleiner 26 und kleiner wurde mit der Strecke Weges zu seinem Haustäubchen, will sagen Meerrettich, Türangel- und Turmhahnkreischen, Windhöschen, Sturmvogel, Otterzünglein, Knüppel-aus-dem-Sack, Schlagwetter und Eberzahn. Verzweifelnd blickte er um sich, ob durch Gnade der Jahreszeit irgend ein Röslein, Nelklein, Himmelschlüssel oder Veiel zu Kätterchens Beschwichtigung sich am Leben erhalten hätte. Fast wollt es ihn reuen, ihr nicht seinen Spinnwebsschleier aus Teufelsbesitz aufgehoben zu haben. In der Not erraffte er doch einen Knoblauchstengel, dessen Samenstand im Kammergrauen für Hortensia oder Phlox oder Schneeball hingehen konnte. Das Kopfsteinpflaster hinauf bewegten sie sich auf Zehen, wiewohl sie die Nagelschuhe ausgezogen und Stoffeln mit farbigen Bändern, Ledertroddeln und Dämonszungen in Bündeln über den Leib gehängt hatten, daher er wie Papageno, der Vogelhändler, im Gehen raschelte und schwankte. Dem Nachtwächter gaben sie Zeichen mit dem Finger am Munde, er blickte gutmütig verlegen, blies von oben in seine Laterne. Es sollte sie doch nicht vor dem Grimm ihrer Weiber bewahren, die Stadt erwachte von dem schauderbaren Getöse in den Häusern der Magistraten, die Stadt erhob sich mit hunderttausend 27 Zottelkappen von den Kissen, kratzte sich hinter dem Ohr und seufzte, als der Tumult sich mit dem letzten Hieb und Gepiepse zurück in die Nachtstille legte.

Ueber dem war Klaus Hähnchen durch Gassen und Gäßlein geschlendert, Treppwege hinan auf den Lindenhügel gestiegen, allwo auch der Dom stand mit dem ausgebrochenen Glockenauge. Die Dächer büschelten sich steil ums Gemäuer, die Erker hingen wie Flaschen aus Butzenglas. Klaus warf mit Ziegenböhnchen hinauf, zum Vergnügen auch eines Kätzchens in seinem Glauben, daß es ihm zu Gefallen geschehe. Das Kätzchen, das er meinte, sprang aber nicht in den Gossen, sondern öffnete schließlich das Scheibchen, miaute in Schläfrigkeit lieblich aus einem Spitzenhäublein herunter. Im Pfarrhaus knarrte der Speiseschrank. Läublein indessen hatte sein Türmchen über der Felswand erstiegen, legte sich in das Fenster und träumte zum Mondschilf hinüber noch an die dreiviertel Stunden. Endlich nahm er sich wieder herein, streifte den Rock von den Schultern, tastete nach seinem Herzen, legte die Stirn auf das Läpplein schwermütig trunken, inwendig licht von dem Kerzenschein schwebender Elfenwesen.

So auf sein Bett hingeschmolzen fand ihn die gute 28 Mutter. Brummelnd im Kummer, wälzte sie ihn auf den Rücken, zog ihm das Linnen um die Ohren, brannte mit ihrem Flämmchen zwei oder drei Schnaken vom Getäfel, pützelte dahin und dorthin, blies übers Stuhlblatt und faßte von ungefähr auch das Elfengespinst ins Auge. Böse erstaunend blickte sie auf zur Decke, wie es geschehen sein möchte, daß die Spinne ihr unterlief. Froh, in der Heimlichkeit drüber gekommen zu sein, bevor es ein Zeuge entdeckte, schnappte sie's mit der Hand vom Laken, wickelte es um den Finger, flüchtig verblüfft von der Haltbarkeit des Gewebes; mit den Augen auf Fadengehäng aus, hielt sie das Netz in die Flamme.

Läublein, im Morgengrauen, sprang erschrocken vom Lager, suchte und grabte. Nun war's doch nur durch Traum geschehen! 29

 

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