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Der Fröschlacher Kuckuck

Albin Zollinger: Der Fröschlacher Kuckuck - Kapitel 10
Quellenangabe
typenarrative
booktitleDer Fröschlacher Kuckuck
authorAlbin Zollinger
year1941
firstpub1941
publisherAtlantis Verlag
addressZürich
titleDer Fröschlacher Kuckuck
pages130
created20110606
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Neuntes Abenteuer

Denn wie alles geschieht den Fröschlachern auch ihre Befreiung nur durch die Hilfe des Wunderbaren.

Mochten sie immer ihren angeborenen Vorteil, die Dinge durchschauen zu können, auf Spuren der Wahrheit hetzen, diesmal wollte er nicht ans Wild und hockte auf seinem Schwanze widerborstiger denn ein Köter, welcher die Ohren hängen läßt. Der eine Eingeweihte schonte sein Hirn mit Gedanken, aß lieber das Wurstbrät, das er im Fluge noch links und rechts aus dem Zinkblech gegriffen hatte. Ihre Umstände waren nicht rosig, die Aussichten wenn möglich noch schlimmer; die Stockfinsternis erblühte mit Traumgesichten, in denen die Heimat, Fröschlach, vom Monde zu leuchten begann. Die Faust an den Schläfen, starrten sie vor sich nieder und ließen die Tränen tropfen im Angedenken ihrer lieben Weiber, ihrer Stuben und Daunenbetten. Sie sahen die Bergstadt voll ihrer Hühnerschwärme, das Gegiebel aus Glas und Schnitzwerk, die Kapuzinerkrautgärtchen, den Mohn und die Wolfsmilch im Gemäuer. In der Moderluft schlotternd, sahen sie Fröschlach als eine Stadt aus grünen Kachelöfen, dickbäuchig 64 mit Messingknöpfen und warmen Sandsteinbänken. Die zerknirschten Herzen lagen wie Nüsse mit dem Kern guter Vorsätze offen; alle Genügsamkeit und Zufriedenheit, alle Liebe und Rücksichtnahme schien ihnen leicht zu handhaben an einem Orte wie Fröschlach, welchen wiederzusehen sie von Gott im Gebet erflehten.

Der Pfarrer vernahm ihr Gemurmel lieber als Flöten und Geigen, denn die Furcht war sein Schäferhund, der ihm die Herde zusammentrieb. Abseits lag nur Läublein, der weder seufzte noch betete; selten hatte der Jüngling solch schönes Dunkel vorgefunden, auf dessen Grund seine Träume still wie Korallen wuchsen. Ihm wuchs seine Kathedrale. Auf dem Rücken liegend, die Hände unterm Nacken, sah er sie sich verästeln in tausend und tausend Spitzbogen, Pfeilern und Dornen, ein Gebirge von Steinwerk, voller Runsen und Rillen, Schuttkegel von Dach übersteigend mit schwindelhohen Türmen, an welchen die Tauben flogen, Kreuzrosen in farbigem Feuer, Tuffgrotten von Maßwerk und im Geklüft die Drachen, die Greife, die Heiligen. Ein Musikus, träumte er Wohllaut, seine Kehle begann zu tönen.

Nun aber hatten die Fröschlacher sich um ihren Seelenhüter versammelt mit dem Anliegen, für sie 65 zu beten; Läublein störte die Litanei durch sein Säuglingsgesäusel, wutentbrannt überfielen sie ihn mit Schlägen. Während er noch in der Finsternis sich das Blut von der Nase tupfte, machte sich schon die Wirkung der Fürsprache draußen bemerkbar. Die Fröschlacher jauchzten leise, als der Lichtstrahl am Türschloß erlosch wie der Täufer im Glanz des Gesalbten: blauer Nebel stand auf den Stufen. Ein Wirtsschild hing die Laterne an 66 ihrem Arme herein, und ein Wirtshaus war es, was nachkam, niemand anders als das fröhliche Prangermännlein. Es suchte vor allem nach Läublein, blinzelte ihm zu, seine Geige aufzuheben – »Ein Dienst ist des andern wert«, sprach der Pförtner, »deiner hilft euch zur Freiheit, der meine mir wieder zum Pflock.« Sie folgten in seinem Branntwein. Die Hintertür, die er aufstieß, ging auf Schilfried und Sterne hinaus. Sie boten der guten Seele einen Fröschlacher Amtsposten an; der Alte zog aber vor, beim heimischen Trester zu bleiben. Sie gaben ihm denn die paar Taler, die ihr Esel in seinen Gedärmen für die Dankbarkeit aufgespart hatte. Und somit am Ende der Sorgen, stäubten die Fröschlacher ihre Finger ab, nach der Vaterstadt heimzukehren. 67

 

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