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Der Frosch mit der Maske

Edgar Wallace: Der Frosch mit der Maske - Kapitel 41
Quellenangabe
typefiction
authorEdgar Wallace
titleDer Frosch mit der Maske
publisherWilhelm Goldmann Verlag
year1953
firstpub
translatorAlma Johanna König
isbn3-442-00001-7
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100609
projectidd6755f29
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42

Das Sonnenlicht strömte durch das Fenster von Maytree Haus; das Frühstücksgeschirr stand noch auf dem Tisch, als der Amerikaner mit der Erzählung seiner Geschichte begann.

»Mein Name ist, wie Sie, Herr Elk, richtig vermuteten, Saul Morris. Ich bin, vom moralischen Standpunkt betrachtet, ein Verbrecher, wenn ich mir auch seit den letzten zehn Jahren keinerlei kriminelle Vergehen habe zuschulden kommen lassen. Ich bin in Hertford in Connecticut geboren.

Ich will Sie nicht beleidigen, indem ich Ihre Sympathie für meinen Beruf erbitte. Ich bin ebenfalls mit leichten Fingern und großer Sehnsucht nach einem Reichtum, den ich nicht selbst verdiente, auf die Welt gekommen. Ich bin weder verdorben noch in Versuchung geführt worden, auch hatte ich keine schlechte Gesellschaft. Tatsächlich war meine Karriere ziemlich unähnlich der von anderen Verbrechern.

Ich studierte Bankdiebstähle, wie ein Arzt das Studium der Anatomie betreibt, und erwarb eine erschöpfende Kenntnis der verschiedenen Safekonstruktionen. Als ich mich für meine Laufbahn entschlossen hatte, arbeitete ich fünf Jahre in der Fabrik des größten englischen Safemachers, in Wolverhampton. Ich kehrte im Alter von fünfundzwanzig Jahren nach Amerika zurück und schaffte mir eine Reihe von Einbruchswerkzeugen an, die mich ein paar tausend Dollar kosteten.

Mit ihnen erbrach ich, ganz allein, die Safekammer der Neunten Nationalbank, und dieser erste Versuch trug mir dreihunderttausend Dollar ein. Ich will Ihnen keine Liste meiner Einbrüche geben. Einige habe ich schon vergessen, andere sind zu unwichtig und enthalten zu viele Enttäuschungen, um auf Details einzugehen. Es genügt mir, zu sagen, daß außer diesen meinen Worten kein Beweis für meine Urheberschaft an ihnen existiert. Mein Name ist nur mit einem einzigen Raub in Verbindung gebracht worden, dem Einbruch in den Kassenraum der Mantania.

Im Jahre 1918 hörte ich, daß die Mantania vierundfünfzig Millionen Francs in Papiergeld nach Frankreich überführte. Das Geld war vorher einem hydraulischen Druck ausgesetzt worden, um den Umfang zu verkleinern, und war in zwei starke Holzkisten verpackt worden. In der einen Truhe befanden sich fünfunddreißig Pakete, in der zweiten zwanzig Pakete, jedes zu tausend Francs.

Das Schiff sollte einen französischen Hafen anlaufen, ich glaube, es war Havre, denn die Überseedampfer landeten damals noch nicht in Cherbourg. Zu dieser Zeit war der Diebstahl tatsächlich schon ausgeführt. Ich hatte Ersatzkisten von genau der gleichen Form im Kassenraum zurückgelassen, und alles schien in bester Ordnung, als wir zu meinem höchsten Mißvergnügen, während wir an der Küste von Irland entlangfuhren, ein Schraubenblatt verloren. Der Kapitän der Mantania entschloß sich, in Southampton zu landen, ohne den französischen Hafen zu berühren. Eine nachträgliche Veränderung des Planes wirkt auf einen Mann meines Berufes ebenso verwirrend, wie die Änderung des Schlachtplans mitten im Kampf auf den Offizier. Ich hatte bei dieser Gelegenheit einen Helfershelfer. Es war dies ein Mann, der später an Delirium tremens starb. Dieses Unternehmen war für einen Mann ganz allein doch zu groß angelegt, und ich hatte allen Grund, meinem Gehilfen zu vertrauen.«

»Harry Lyme?« fragte Elk.

»Joshua Braod« schüttelte den Kopf.

»Nein, Sie irren sich. Ich will seinen Namen nicht verraten, der Mann ist tot und war ein treuer und aufrichtiger Kamerad, obgleich er zum Trunk neigte – eine Schwäche, die ich nie geteilt habe. Die Fahrtänderung bedeutete nun für uns, daß wir einen Vorwand erfinden mußten, um überhaupt in Southamton an Land zu kommen. Und dies womöglich noch, bevor der Diebstahl entdeckt wurde. Aber es schien nicht eben wahrscheinlich, daß uns dies noch gelingen könnte.

Glücklicherweise herrschte Nebel, und wir mußten langsam die Küste entlangfahren. Falls Sie sich der Umstände noch erinnern können, so wissen Sie, daß die Mantania mit einem Schlepper, der nach Portsmouth fuhr, zusammenstieß. Und da kam die Möglichkeit für uns. Aus einem offenen Gang auf dem Deck, wo wir mit unserem Gepäck warteten, warf ich die beiden Koffer auf das Deck des Schleppers, und mein Freund und ich sprangen über. Wie ich schon sagte, herrschte dichter Nebel, und die Schiffsmannschaft des Schleppers entdeckte uns erst, als die Mantania sich schon von ihm losgelöst hatte. Obgleich die Geschichte, die wir dem Kapitän erzählten, höchst durchsichtig war, so glaubte er sie doch bereitwillig, als ich ihre Wahrscheinlichkeit durch einen Zwanzig-Dollar-Schein bekräftigte.

Wir landeten unter großen Schwierigkeiten spät am Abend in Portsmouth; wo es keine Zollinspektion gab, und bekamen unsere Koffer glücklich an Land. Wir gedachten, die Nacht in Portsmouth zu verbringen. Aber als wir das empfohlene Quartier aufgesucht hatten, gingen mein Freund und ich in ein kleines Gasthaus, um etwas zu trinken, und da erfuhren wir eine Nachricht, die uns Hals über Kopf wieder zu unserem Zimmer zurückkehren ließ. Wir vernahmen, daß der Einbruch schon entdeckt war und daß die Polizei nach zwei Leuten fahndete, die sich auf den Schlepper geflüchtet hatten. Da es der Kapitän des Schleppers selbst war, der uns das Quartier empfohlen hatte, so hatte ich wenig Hoffnung, zu entkommen.

Immerhin stürzten wir aus dem Haus, und als wir die Straße bei dem einen Ende verließen, kam die Polizei zu dem anderen Ende herein. Wir machten uns zu Fuß auf den Weg, und vor Tagesanbruch hatten wir einen Ort namens Eastleigh erreicht. Als wir in Eastleigh ankamen, ging mein Gefährte in die Stadt, um etwas zum Essen zu kaufen, und kam nicht mehr zurück.

Als ich mich auf die Suche nach ihm begab, fand ich ihn endlich betrunken auf der Straße liegen. Ich konnte nichts anderes beginnen, als ihn zurückzulassen. Die beiden Koffer waren jedoch viel zu schwer für mich, und ich mußte irgendeinen Ausweg suchen. Da gewahrte ich ein altes Haus, an dem eine Tafel mit der Ankündigung angebracht war, daß es zum Verkauf ausgeboten wurde. Ich kletterte über den Zaun, betrachtete alles auf das genaueste und fand, daß sich am Ende des verfallenen Gartens ein alter Brunnen befand, der mit verfaulten Planken bedeckt war. Ich konnte den leichteren meiner beiden Koffer in den Brunnen hinablassen und ihn mit herumliegendem Gerumpel bedecken. Hätte ich damals beide Truhen vergraben, so wäre mir mancherlei erspart geblieben. Aber es widerstrebte mir, alles, was ich mit solcher Mühe und Kühnheit erworben hatte, zurückzulassen. Ich notierte mir den Namen und die Adresse des Verkäufers, eines Advokaten in Winchester, nahm den zweiten Koffer mit mir, kaufte in Winchester einen neuen Anzug und verbrachte dort einen angenehmen Tag, nachdem ich mit dem Advokaten eine Unterredung gehabt hatte. Ich hatte etwas englisches Geld bei mir, und der Kauf wurde perfekt. Ich gab genaue Weisungen, daß man das Haus auf keinen Fall vermieten dürfe und daß alles in dem Zustand verbleiben solle, in dem es sich befand, bis ich von meiner Australien-Reise zurückgekehrt sein würde. Denn ich spielte einen Australier, der sein Geburtshaus wieder kaufen wollte.

Von Winchester aus fuhr ich nach London, ohne Ahnung, in welcher Gefahr ich mich befand. Mein verlassener Freund hatte mir nämlich den Namen eines seiner Bekannten angegeben, eines gewissen Harry Lyme, der, wie er sagte, der beste Safeeinbrecher in Europa war. Er hatte behauptet, daß Lyme mir in jeder Notlage würde helfen können.

Und eine solche ereignete sich bald. Der erste Mensch, den ich sah, als ich meinen Fuß auf den Bahnsteig von Waterloo setzte, war der Säckelmeister der Mantania, und der Detektiv des Schiffes war in seiner Gesellschaft. Glücklicherweise gab es einen Vorortzug, der auf dem gegenüberliegenden Bahnsteig abfuhr, und ich reiste nach Surbiton und kehrte auf einer anderen Strecke nach London zurück. Später erfuhr ich, daß mein Gefährte arretiert worden war und in seinem halbbetrunkenen Zustand alles gestanden hatte, was man nur wollte. Mir blieb nun nichts übrig, als den Rest des Geldes, fünfunddreißig Millionen Francs, zu verstecken. Und da dachte ich an Harry Lyme.

Ich las in den Zeitungen, daß eine besondere Polizeimacht aufgebracht worden war, um die Häuser der bekannten Verbrecher zu beobachten, an die ich mich vermutlich wenden würde. Aber ich gedachte, trotzdem sein Haus zu erreichen.

Es lag in einer verdächtigen Straße in Camden Town. Der Nebel war dick und gelb, und ich fand mich nur mit Schwierigkeit in der elenden, schmutzigen Straße zurecht. Ein Mann öffnete mir erst nach langem und vorsichtigem Zögern und führte mich in ein kleines Zimmer, das von einer einzigen, kleinen Laterne, die auf dem Tisch stand, erhellt wurde. Auch das Zimmer war von dem dichten Nebel erfüllt; denn das Fenster stand offen, um Lyme Gelegenheit zur Flucht zu geben.

›Sie sind der Amerikaner?‹ fragte er. ›Sie sind ja wahnsinnig, daß Sie hierherkommen! Die Polizei beobachtet das Haus seit heute nachmittags.‹

Ich sagte ihm kurz, in welcher Schwierigkeit ich mich befände. ›Ich habe hier fünfunddreißig Millionen Francs, das ist eine Million dreihunderttausend Pfund Sterling‹, sagte ich ihm. ›Das reicht für uns beide. Können Sie das irgendwo verstecken, während ich zu fliehen versuche?‹

›Ja‹, sagte er sofort. ›Was bekomme ich dafür?‹

›Die Hälfte!‹ versprach ich. Er schien zufrieden.

Ich war überrascht, ihn mit der Stimme und dem Ton eines gebildeten Mannes reden zu hören. Später erfuhr ich, daß er ein Gestrandeter war, der sich zuerst für einen anderen Beruf vorbereitet und, wie ich, den leichteren Weg gewählt hatte.

Es wird Ihnen kaum glaublich scheinen, wenn ich Ihnen sage, daß ich kein sehr deutliches Bild von seinen Gesichtszügen mitnahm.

Daran ist die Tatsache schuld, daß ich meine Aufmerksamkeit einzig auf den Frosch konzentriert hatte, der auf sein Handgelenk tätowiert war. Ja, er hat ihn später durch die mit großen Kosten vorgenommene Operation eines spanischen Arztes in Valladolid entfernen lassen.

Dieser Frosch war ein wenig schief tätowiert, und Lyme wußte, so gut wie ich, daß er ein Zeichen trug, das mich sicher zu ihm zurückführen würde, wo immer er auch wäre.

Unser Übereinkommen lautete dahin, daß ich ihm meine erfolgte Ankunft nach Amerika an eine vereinbarte Adresse telegraphieren würde und daß er mir sodann mittels Einschreibebriefe an das Grand Hotel in Montreal die Hälfte des Geldes zu schicken hätte.

Um es kurz zu sagen, meine Flucht gelang. Zur angegebenen Zeit war ich in den Vereinigten Staaten und schickte sofort nach meiner Ankunft das Telegramm an Lyme ab.

Das Geld kam nicht.

Ich kabelte wieder, diesmal von Montreal, wo ich es erwartete; es kam noch immer nicht. Viele Monate später erst entnahm ich einer Zeitung, daß Lyme auf dem Wege nach Guernsey ertrunken war.

In Wirklichkeit war er höchst lebendig. Er übersiedelte in eine Stadt in Mittelengland, wo er sechs Monate als bescheidener Geschäftsmann lebte. In dieser Zeit veränderte er langsam sein Aussehen. Er rasierte seinen Schnurrbart und erzielte künstliche Kahlköpfigkeit, durch die Anwendung chemischer Mittel. Während er in Zurückgezogenheit lebte, fing er nach und nach an, die Brüderschaft der Frösche zu gründen. Der Zweck dieser Gründung war, das Zeichen^an dem ich ihn wiedererkennen mußte, so weit und breit als nur möglich auszustreuen.

Zuerst mochte er vielleicht keinen anderen Glauben haben, als eben den. Aber es wollte sich niemand damit einverstanden erklären, die Qualen der Tätowierung umsonst zu erdulden, und so, gründete er einen eigentümlichen Wohlfahrtsfonds. Aus diesen geringen Anfängen erstand die große Froschorganisation. Einer der ersten, mit denen er in Kontakt kam, war ein alter Verbrecher namens Maitland. Ein Mensch, der weder lesen noch schreiben konnte.«

Broads Zuhörer fuhren auf.

»Natürlich!« sagte Elk, und klopfte ungeduldig auf das Knie, »das ist doch die Erklärung für das Baby!«

»Es gab niemals ein Baby«, lächelte Broad. »Das Baby war Maitland selbst, der heimlich schreiben lernte. Das Spielzeug des Kindes, von dem Johnson erzählte, war nur eine Erfindung, um Sie irrezuführen. Als Johnson Maitland gefunden hatte, kam er nach London, und die Vereinigten Maitlands wurden gegründet. Maitland hatte nichts zu tun, als im Büro zu sitzen und unnahbar auszusehen.

Sein bescheidenster Beamter, einer der geschicktesten Schauspieler, die ich je getroffen habe, war das wirkliche Haupt des Unternehmens, und er blieb Maitlands Beamter, solange es ihm eben paßte.

Als er Verdacht gegen sich anwachsen fühlte, ließ er sich entlassen. Und als er dachte, daß Sie ihn als Frosch erkannt hätten, ließ er einen seiner Leute mit einer leeren Patrone auf sich schießen.

In der Zwischenzeit war die Froschorganisation angewachsen, und er begann nachzudenken, wie er die Gesellschaft zu seinem Vorteil auszunützen vermochte. Jeden Tag erschienen neue Rekruten, und sie alle kosteten Geld.

Aber was er aus diesem Rest auswählte, waren doch ein oder zwei glänzende Köpfe. Balder war der eine, und Hagn der zweite. Vielleicht gab es noch andere mehr, die wir jetzt nie mehr kennenlernen werden. Als führende Kraft der Vereinigten Maitlands hatte er nicht die geringste Schwierigkeit, über seine Francs zu disponieren. Und wenn seine Spekulationen mißglückten, so fand er den Ausweg, um seine Verluste wieder einzubringen. Bei einer Transaktion in Eisenwerten wäre es ihm einmal fast an den Kragen gegangen. Der Frosch machte darauf James G. Bliss, den einzigen Mann, der ihn hätte ruinieren können, kalt. Wann immer er es angezeigt fand, einen Mann niederzuschlagen, ob er nun ein Militärattache oder ganz einfach ein Kaufmann war, der sich unterfing, in seinen eigenen Aktien zu spekulieren, so zögerte Johnson niemals. Er hat nur einen einzigen großen Fehler begangen. Er ließ Maitland weiterhin wie ein Schwein in dem von ihm gekauften Haus wohnen. Als er erkannte, daß Elk den alten Mann ausspioniert hatte, ließ er ihn nach Berkely Square übersiedeln, ließ ihm neue Kleider anmessen und brachte ihn auch, als dieser es wagte, nach Horsham zu fahren, gelegentlich um. Ich sah, wie der Mörder entkam, denn ich war auf dem Dach, als die Schüsse abgefeuert wurden. Ich bin damals selbst mit knapper Not entkommen.

Aber, um Sie weiter mit den Ereignissen meines Lebens bekannt zu machen: nach fünf Jahren besaß ich nichts mehr und beschloß einen weiteren Versuch zu machen, um zu meinem Geld zu gelangen. Es wartete ja auch noch die große Geldsumme in Eastleigh auf mich – immer vorausgesetzt, daß ich nicht als der Mann, der das Haus kaufte, identifiziert wurde. Es brauchte lange Zeit, bevor ich mich versichert hatte, daß man mich nicht kannte, und dann segelte ich, mit dem Kaufvertrag in der Tasche, auf einem Viehtransportschiff nach England und landete, ganz wie Sie es sagten, meine Herren, mit ein paar Dollars in der Tasche, in Southampton. Ich fuhr direkt zu dem Haus, das jetzt in einem schrecklich verwahrlosten Zustand war, und machte es mir dort so bequem, wie ich nur konnte, während ich Nacht für Nacht im Brunnen arbeitete, um die Geldkiste hervorzuholen. Als ich dies vollbracht hatte, fuhr ich nach Paris, und das Ende meiner Geschichte kennen Sie selbst.

Ich begann meine Nachforschungen nach dem Frosch. Aber ich mußte bald erkennen, daß diese, falls ich mich nur auf das Tätowierungszeichen verließ, hoffnungslos sein würden. Als ich entdeckt hatte, daß Maitland ein Frosch war, beschränkte ich meine Forschung auf das Büro. Durch ein sehr einfaches Mittel erkannte ich bald, daß Maitland Analphabet war.

Eines Tages sprach ich ihn in der Nähe seines Hauses an und zeigte ihm ein Kuvert, auf das ich: ›Sie sind ein Schwindler!‹ geschrieben hatte. Und ich fragte ihn, ob er diese Adresse wüßte. Er wies auf ein Haus, das weiter unten in der Straße lag, und eilte davon. Von diesem Augenblick an wußte ich, daß Johnson der Frosch war.

Johnson war ein Genie. Die Art, wie er diese ungeheure Organisation leitete, und zwar hauptsächlich nur in der freien Zeit, außerhalb der Bürostunden, ist eine Offenbarung. Er zog alle in sein Netz, und dennoch kannte ihn niemand.

Ich glaube, dies ist alles, was ich Ihnen zu sagen habe, und nun werde ich Ihnen wohl für alle Zukunft Lebewohl sagen müssen.«

Als Joshua Broad nach London zurückgefahren war, begleitete Dick Elk an die Gartentür.

»Ich werde jetzt einige Zeit nicht ins Büro kommen«, sagte Dick entschuldigend.

»Das habe ich auch nicht erwartet«, sagte Elk schmunzelnd. »Aber sagen Sie mir nur, Hauptmann Gordon, was ist mit diesen beiden Holztruhen geschehen, die gestern abend in der Steinbruchhütte gestanden haben?«

»Ich habe gar keine Kisten gesehen«, sagte Dick.

»Aber ich!« antwortete Elk nickend. »Sie waren dort, als wir Fräulein Bennett holten. Und als ich mit der Polizei zurückkam, waren sie weg. Joshua Broad ist die ganze Zeit dortgeblieben.«

Sie sahen einander an. »Ich glaube, ich werde der Sache nicht allzu sehr auf den Grund gehen«, sagte Dick, »ich schulde Broad viel.«

»Ich eigentlich auch!« sagte Elk, und er schämte sich ein bißchen seiner Begeisterung. »Wissen Sie, daß er mich gestern ein Gedicht gelehrt hat? Es hat ungefähr hundertfünfzig Verse, aber ich weiß nur zwei, Es fängt an mit:

›Wilhelm der Eroberer, an England rächt sich, Schlachtfeld von Hastings, zehn, Sechsundsechzig.‹

Das ist ein großartiger Vers, Hauptmann Gordon, wenn ich den schon vor zehn Jahren gewußt hätte, könnte ich heute Polizeipräsident von London sein!«

Elk winkte noch lange zurück, als er die Straße zum Bahnhof hinunterschritt.

Die Sonne glitzerte auf den tropfnassen Ranken der Malven, die in den Gärten der Dorfhäuser wuchsen. Da hüpfte aus einer Ecke ein winzig kleines, grünes Geschöpf hervor, und Elk stand still und beobachtete es lange.

Das kleine Reptil blickte umher und sah auch den Detektiv mit seinen gewölbten, schwarzen, starren Äuglein an.

»Du Frosch!« Inspektor Elk hob warnend seinen Finger. »Sei brav und geh nach Haus – deine Zeit ist vorbei.«

Und als ob er verstanden hätte, was der Mann gesagt hatte, hüpfte der Frosch in den Schutz des hohen Grases zurück.

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