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Der Frosch mit der Maske

Edgar Wallace: Der Frosch mit der Maske - Kapitel 27
Quellenangabe
typefiction
authorEdgar Wallace
titleDer Frosch mit der Maske
publisherWilhelm Goldmann Verlag
year1953
firstpub
translatorAlma Johanna König
isbn3-442-00001-7
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100609
projectidd6755f29
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28

Das Haus des Prinzen von Caux, das in Ezra Maitlands Besitz übergegangen war, war mit einem Aufwand erbaut, bei dem die Kosten keine Rolle gespielt hatten. Obwohl er als einer der schönsten Paläste Londons bekannt war, hatten doch nur wenige Fremde Gelegenheit gefunden, seine inneren Räume zu besichtigen.

In dem fürstlichen Salon mit seinen Säulen aus Lapislazuli, seinem aus Onyx und Silber geformten Kamin und den mit niederländischen Gobelins tapezierten Wänden, saß Ezra Maitland, in seinem großen Louis-XV.-Sessel zusammengesunken, ein Glas Bier vor sich, eine schwärzliche Tonpfeife zwischen den Zähnen. Auf dem kostbaren Perserteppich waren die Spuren seiner kotigen Stiefel zu sehen, und sein Hut verdeckte halb eine goldene Venus von Marrionet, die auf einem Sockel neben ihm stand.

Die Hände über seinem Bauch gefaltet, saß er wie eine Statue da und starrte unter seinen buschigen, weißen Augenbrauen auf den Fußboden hin. Die Vorhänge waren zugezogen, um das Tageslicht nicht einzulassen, und eine Stehlampe erleuchtete das Düster des Saales.

Herr Maitland zog mit Anstrengung das Glas Bier heran, das schon abgestanden war, und leerte dessen Inhalt. Nachdem er es wieder hingestellt hatte, sank er in seine frühere, starre Stellung zurück.

Es klopfte leise an die Tür, und ein Lakai in Puderperücke kam herein. »Drei Herren wünschen Sie zu sprechen, Herr Maitland. Hauptmann Gordon, Herr Elk und Herr Johnson!«

Der alte Mann fuhr auf. »Johnson?« fragte er. »Was will der?«

»Sie warten im kleinen Salon.«

»Lassen Sie sie rein««, brummte der Alte.

Die Gegenwart der beiden Polizeibeamten schien ihm gleichgültig. Es war Johnson, an den er das Wort richtete.

»Was wollen Sie da?« fragte er heftig. »Was soll das heißn, daß Sie bis daher kommen?«

»Die Anregung zu diesem Besuch kam von mir«, sagte Dick.

»So? Von Sie, so, so«, sagte der Alte, und seine Haltung war, mit der Niedergeschlagenheit von vorhin verglichen, merkwürdig kühn. Elks Augen fielen auf den leeren Bierkrug, und er hätte gern gewußt, wie oft dieser gefüllt worden war, seit Maitland nach Hause gekommen war. Denn im Ton des alten Mannes lag so viel Brutalität, seine Augen blitzten so trotzig, daß man auf mehr als bloße Aufregung schließen konnte.

»Ich werd auf keine Fragn nich antworten«, sagte er laut. »Ich werd nich die Wahrheit sagn un nich eine Lüge.«

»Herr Maitland«, sagte Johnson zögernd, »diese Herren möchten gern etwas über das Kind erfahren.«

Der alte Mann schloß die Augen.

»Ich werd nich die Wahrheit sagn und ich werd keine Lügen sagn«, wiederholte er monoton.

»Herr Maitland«, bat der gutmütige Elk, »ändern Sie Ihren Entschluß und sagen Sie uns, warum Sie in jenem elenden Quartier in der Eldorstraße gewohnt haben?«

»Keine Wahrheit nich und keine Lügen nich«, murmelte der Alte. »Einsperren könnt ihr mich, aber erzähln werd ich euch schon gar nichts. Sperrt mich ein, ich bin Ezra Maitland, ich bin' Millionär. Ich könnt euch aufkaufn. Ich könnt alle anderen auch aufkaufn, der alte Ezra Maitland bin ich. Im Strafhaus bin ich gewesn und im Loch bin ich gewesn, jaha!«

Dick und sein Gefährte tauschten einen Blick, und Elk schüttelte unmerklich den Kopf, um die Nutzlosigkeit einer weiteren Fragestellung anzudeuten. Nichtsdestoweniger machte Dick noch einen Versuch: »Warum sind Sie neulich des nachts nach Horsham gefahren?« fragte er. Er hätte sich aber gern im gleichen Augenblick die Zunge abgebissen, da er seinen Fehler merkte. Denn nun war der Alte ganz wach.

»Ich bin nicht in Horsham gewesn!« brüllte er. »Ich weiß nich, wovon man da quasselt! Ich werd euch nichts sagen! Überhaupt nichts! Schmeißn Sie die raus, Johnson!«

Als sie wieder auf der Straße standen, sagte Johnson: »Ich habe nie gewußt, daß er trinkt. Er war abstinent, solange ich ihn gekannt habe.«

Der Philosoph ging sehr niedergedrückt noch ein Stückchen Wegs mit ihnen. Wie er Elk mitteilte, mußte er morgen aus seiner Wohnung in Fitzroy Square ausziehen, um im Süden Londons zwei billige Zimmer zu bewohnen.

Gordon machte Elk ein Zeichen, Johnson zu verabschieden, und als dieser sie verließ, sagte er: »Wir müssen heute noch zwei von unseren Leuten in Maitlands Haus bringen. Aber was für Entschuldigungen können wir um Gottes willen erfinden, wenn wir sie hinkommandieren?«

»Ich weiß nicht«, gestand Elk und kratzte verzweifelt sein Kinn. »Bevor wir ihn verhaften, müssen wir ja erst eine Vollmacht haben. Wir können leicht eine Hausdurchsuchung durchsetzen, aber darüber hinaus können wir kaum gehen, falls er nicht selber um Schutz bittet.«

»Dann müssen Sie ihn verhaften!« antwortete Dick heftig.

»Ja, aber unter welcher Anklage?«

»Beschuldigen Sie ihn, mit Balder in Verbindung zu stehen. Bringen Sie ihn, wenn nötig, auf das Polizeikommissariat, aber es muß sofort geschehen.«

Elk geriet außer sich. »Es ist keine Kleinigkeit, einen ›Millionär‹ zu arretieren, müssen Sie wissen. In Amerika ist das vermutlich sehr einfach. Wie man mir gesagt hat, kann man dort den Präsidenten selbst festnehmen, wenn man ihn mit einem Fläschchen in der Tasche überrascht. Aber bei uns sieht es doch ein bißchen anders aus.«

Dick mußte feststellen, daß Elk im Recht gewesen war, als er versuchte, die nötigen Vollmachten zu erhalten.

Erst nachmittags um vier wurden ihm diese durch einen Beamten des widerstrebenden Gerichts ausgefolgt, und von Polizeibeamten begleitet, kehrten sie in Maitlands Palais zurück.

Der Lakai, der sie einließ, sagte ihnen, daß Herr Maitland sich zur Ruhe begeben habe und daß er es nicht wagen würde, ihn zu stören.

»Wo liegt sein Zimmer?« fragte Dick. »Ich bin Hilfsdirektor der Staatsanwaltschaft und muß ihn sprechen!«

»Im zweiten Stock.« Der Diener wies sie an den Lift, der sie ins zweite Stockwerk beförderte. Gegenüber dem Liftgitter, das Dick öffnete, lag eine große Doppeltür, die schwer poliert und kunstvoll vergoldet war.

»Sieht wie der Eingang in ein Theater aus!« murmelte Elk.

Dick klopfte. Keine Antwort.

Aber dann warf sich der junge Mann zu Elks Überraschung mit seiner ganzen Kraft gegen die Tür. Man hörte das Holz splittern und die Tür brach ein.

Dick blieb wie angewurzelt am Eingang stehen. Ezra Maitland lag auf seinem Bett, seine Beine fielen schlaff zur Seite herab. Ihm zu Füßen kauerte die niedergesunkene Gestalt der alten Frau, die er Mathilda genannt hatte.

Sie waren beide tot, und scharf riechender Qualm hing noch in blauer Wolke unter der Decke.

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