Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Edgar Wallace >

Der Frosch mit der Maske

Edgar Wallace: Der Frosch mit der Maske - Kapitel 23
Quellenangabe
typefiction
authorEdgar Wallace
titleDer Frosch mit der Maske
publisherWilhelm Goldmann Verlag
year1953
firstpub
translatorAlma Johanna König
isbn3-442-00001-7
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100609
projectidd6755f29
Schließen

Navigation:

24

Dick Gordon kam in die Polizeidirektion, und Elk beeilte sich, ihm Bericht zu erstatten.

»Wir haben neun gleiche Reisehandtaschen gefunden, jede von der gleichen Ausstattung wie die vom Kings-Cross-Bahnhof.«

»Führt keine Spur zu dem Mann, der sie hinterlegt hat?«

»Nein, nicht die geringste. Wir haben sie auf Fingerabdrucke hin geprüft und einige Resultate erzielt, aber da sie von vielleicht einem halben Dutzend Bahnhofsbediensteten berührt worden sind, kann ich nicht annehmen, daß wir dadurch etwas erfahren. Nur in Paddington haben wir eine Tasche entdeckt, die größer ist als die anderen. Sie enthielt dieselbe Ausstattung, aber wir haben darin noch ein dickes Paket von Scheckformularen vorgefunden, von denen jedes auf verschiedene Filialen verschiedener Banken lautete. Es sind Schecks auf den Credit Lyonnais, auf die Neunte Nationalbank in New York, auf den Burrowstown Trust, auf Banken von Spanien, Italien und Rumänien und auf ungefähr fünfzig Filialen der fünf englischen Hauptbanken lautend.«

Dick hörte niedergeschlagen zu.

»Elk, ich möchte ein paar Jahre meines Lebens dafür geben, wenn ich in das Mysterium der Frösche eindringen könnte. Ich lasse Lola jetzt bewachen. Lew ist verschwunden, und als ich heute morgen einen Mann zu dem jungen Dandy Ray Bennett schickte, um zu erfahren, was ihm geschehen sei, da gab er vor, krank zu sein, und weigerte sich, den Besucher zu empfangen. Aber ich vermag Ihnen eine interessante Neuigkeit mitzuteilen.«

Dick Gordon entnahm seiner Brieftasche einen Umschlag und warf ihn auf den Tisch. »Ich habe mich in New York nach Saul Morris erkundigt. Hier ist die New Yorker Kabeldepesche:

›Beantwortung Ihrer Anfrage: Saul Morris lebt. Soll zur Zeit in England sein. Hier laufen keine Anklagen, aber es wird angenommen, daß er es war, der am 17. Februar 1918 den Saferaum des Schiffes Mantania in Southampton in England erbrochen hat und mit fünfundzwanzig Millionen Francs entfloh. Bestätigt.‹«

Elk las die Depesche immer wieder. Dann faltete er sie sorgfältig zusammen, steckte sie in das Kuvert und reichte sie Dick über den Tisch zurück.

»Saul Morris ist also in England«, sagte er mechanisch. »Das scheint mir so manches zu erklären.«

Als Dick ihn verlassen hatte, ging Elk daran, die Taschen nochmals einer Untersuchung zu unterziehen, da ihm in der Nacht der Gedanke an die Möglichkeit von Doppelböden gekommen war. Er berief Balder und den Kriminalsergeanten namens Fayre, einen vielversprechenden jungen Mann, in den Elk großes Vertrauen setzte, und begann seine Schlüssel hervorzusuchen.

Das Hervorziehen des Schlüsselbundes hatte sein festgesetztes Ritual Man vermochte den Eindruck zu gewinnen, daß Elk eine Entkleidungsszene vornehmen wollte, denn die Schlüssel ruhten in geheimnisvollen Regionen, in die man erst nach dem Lockern von Rock und Weste gelangte, indem man dort nach einer Tasche suchte, wo man sonst keine zu vermuten pflegte. Nachdem die Zeremonie erfüllt war, steckte Elk den Schlüssel feierlich ins Schloß und zog die Tür auf.

Der Safe war so mit Taschen vollgepackt, daß sie Elk entgegenzurutschen begannen, sowie der Halt, den die Tür geboten hatte, weg war. Elk händigte sie, eine nach der andern, Fayre aus, der sie auf den Tisch stellte.

»Wir werden die von Paddington zuerst aufschneiden«, sagte Elk und wies auf die größte der Taschen.

»Ich muß erst das andere Messer holen«, sagte Balder. »Das hier ist ganz stumpf.«

»Beeilen Sie sich!« antwortete Elk, und Balder lief aus dem Zimmer.

Im nächsten Augenblick wurde Fayre mit ungeheurer Wucht gegen die Tür geworfen, und Elk kam über ihn zu liegen. Ein schrilles Klirren von zerbrochenen Scheiben erklang, das Sausen eindringender Luft und der betäubende Donner einer Explosion. Elk war der erste auf den Beinen. Das Zimmer war voll schwarzen Rauches, so daß er nicht die Hand vor den Augen sah, und bei seinem ersten Schritt trat er bereits auf den leblosen Körper des Sergeanten. Elk hob und zog ihn auf den Korridor hinaus. Es schien ihm auf den ersten Blick, daß wenig Hoffnung auf seine Wiederherstellung wäre. Die Feueralarmglocken gellten durch das Haus, von allen Seiten stürmten bestürzte Polizisten herbei, die Löschmannschaft kam den Korridor heruntergerannt, den Schlauch hinter sich herschleppend.

Das glimmende Feuer war bald gelöscht, aber Elks Büro hatte sich in einen Trümmerhaufen verwandelt. Sogar die Tür des Safes war aus den Angeln gesprengt worden. Nicht eine Fensterscheibe, nicht ein Stück der Einrichtung war ganz, und ein riesiges Loch klaffte mitten im Fußboden.

»Balder, retten Sie die Taschen«, rief Elk, der mit Wiederbelebungsversuchen, die an dem unglücklichen Fayre vorgenommen wurden, beschäftigt war. Als man den Assistenten in die Ambulanz geschafft hatte, kehrte Elk zurück, um die Ruinen zu betrachten, die die Explosion hinterlassen hatte.

»Ja, es war eine Bombe«, sagte Elk.

Eine Gruppe älterer Beamter stand im Korridor, und sie sahen sich die Verwüstung an.

»Es ist wirklich ein Wunder, daß ich noch am Leben bin, und ich habe Balder das Leben gerettet, als ich ihn nach dem Messer schickte, um die Taschen aufschneiden zu können.«

»Aber wurden denn die Taschen nicht vorher untersucht?« fragte der Polizeipräsident zornig.

Elk nickte. »Gestern ist jede einzeln von mir untersucht worden, die von Paddington wurde um und um gedreht. Jeder Gegenstand, der sich darin befand, ist hier auf meinen Tisch gelegt und eingetragen worden. Ich selber habe sie in den Safe gesperrt. Es war keine Bombe dabei.«

»Aber wie konnte sie dann hineingelangen?« fragte der Präsident.

Elk schüttelte den Kopf. »Das weiß ich nicht. Der einzige Mensch, der außer mir einen Schlüssel zu diesem Safe hat, ist der Vizepolizeirat meines Departements, Oberst McClintock, der gerade auf Ferien ist. Es ist nur ein Glück, daß ich Balder gerade fortgeschickt hatte. Er ist Vater von sieben Kindern.«

»Was war es für ein Explosivstoff?«

»Dynamit«, antwortete Elk sofort. »Es hat nach unten gesprengt.« Er zeigte auf das Loch im Boden. »Nitroglyzerin sprengt nach oben und seitwärts. Nein, kein Zweifel, es war Dynamit.«

Bei der Durchsuchung des Büros fand er eine zusammengedrückte Rolle von dünnem Stahl und später das geschwärzte, verbeulte Zifferblatt einer billigen Weckuhr.

»Sowohl Zeit als auch Kontakt!« murmelte er.

Von seinen Sachen suchte er, soviel er davon aufzufinden vermochte, in Balders Büro hinüberzubringen.

Es war wenig Hoffnung, daß dieser Überfall von den Blättern verschwiegen werden konnte. Die Explosion hatte das Fenster und einen Teil des Mauerwerks herausgesprengt und viele Schaulustige auf dem Embankment versammelt. Als Elk die Polizeidirektion verließ, rief man schon die Extraausgaben aus, die das Ereignis brachten.

Sein erster Besuch galt dem nahegelegenen Spital, wohin man den unglücklichen Fayre gebracht hatte. Die Nachrichten über ihn klangen ermutigend.

»Er wird vielleicht ein oder zwei Finger verlieren, aber er ist wirklich mit einem blauen Auge davongekommen«, meinte der Oberchirurg. »Ich kann es nicht verstehen, daß er nicht in Stücke gerissen wurde.«

»Und was ich nicht verstehen kann«, sagte Elk mit Nachdruck, »ist, wieso ich nicht in Stücke gerissen wurde.«

»Diese Hochexplosivstoffe spielen merkwürdige Streiche. Ich kann begreifen, daß die Kraft der Explosion die Tür des Safes weggesprengt hat, und doch ist dieses Papier, das ebenfalls im Bereich der Bombe war, kaum versengt.« Er zog ein Stückchen Papier aus der Tasche, dessen Ecken geschwärzt und abgebrannt waren. »Sehen Sie, ich habe es in seinen Kleidern gefunden«, sagte der Arzt.

Elk glättete das Papier und las:

»Mit vielen Grüßen von Nummer Sieben!«

Sorgfältig faltete er das Papier zusammen. »Das möchte ich gern behalten«, sagte er und steckte es zärtlich lächelnd in das Innere seines Brillenetuis, »Glauben Sie an Vorahnungen?«

»Bis zu einer gewissen Grenze«, lächelte der Arzt.

 << Kapitel 22  Kapitel 24 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.