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Der Frosch mit der Maske

Edgar Wallace: Der Frosch mit der Maske - Kapitel 18
Quellenangabe
typefiction
authorEdgar Wallace
titleDer Frosch mit der Maske
publisherWilhelm Goldmann Verlag
year1953
firstpub
translatorAlma Johanna König
isbn3-442-00001-7
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100609
projectidd6755f29
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18

Elks mißlauniger Beamter war in anklägerischer Stimmung.

»Die beim Rekord haben mir schon wieder eine Nase gegeben«, beschwerte er sich bitter. »Rekord bildet sich mehr ein als das ganze verfluchte Büro zusammen.«

Der Krieg zwischen Balder und »Rekord«, was eine Abkürzung für jene Abteilung der Polizeidirektion war, die die genauen Daten der Verbrechervergangenheit aufbewahrt, war schon älteren Datums. Rekord stand allem, was nicht intabulierte Tatsache war, höchst erhaben und ablehnend gegenüber. Die Rekordbeamten respektierten die anderen Leute nicht, sie hätten ebensogut den Polizeichef, der sich gegen ihre unbeugsamen Regeln verging, getadelt, wie den jüngsten Schutzmann des Straßen- und Sicherheitsdienstes.

»Was ist denn wieder los?« fragte Elk.

»Wissen Sie noch? Sie hatten letzthin eine Menge Material über den Mann, ich kann mich an seinen Namen nicht erinnern...«

»Lyme«, meinte Elk.

»Ja, so hieß er. Aber es scheint nun, daß eines der Bilder fehlt. Am nächsten Vormittag, nachdem Sie sie angeschaut hatten, bin ich wieder in die Statistik gegangen und habe mir die Dokumente wieder geben lassen, weil ich gemeint habe, Sie wollten sie noch einmal anschauen. Sie haben sie aber nicht verlangt, und ich habe sie zurückgebracht. Und jetzt behaupten die vom Rekord; daß das Bild und die Maße weg sind.«

»Wollen Sie damit sagen, daß sie verlorengegangen sind?«

»Wenn sie verlorengegangen sind«, sagte der immer mürrische Balder, »dann hat sie die Statistik selber verloren. Die glauben vielleicht, daß ich irgend so etwas wie ein Frosch bin? Sie werfen mir auch immer vor, daß ich ihre Fingerabdruckkarten verlege.«

»Balder, ich habe Ihnen versprochen, Ihnen einmal eine große Chance zu geben, und jetzt sollen Sie sie haben. Sie sind letzthin nicht befördert worden, mein Sohn, weil die Leute da oben glaubten, daß Sie einer der Führer im letzten Streik gewesen sind. Ich kenne die Gefühle der Übergangenen. Sie machen einen bitter. Wollen Sie die große Chance ausnützen?«

Balder nickte mit angehaltenem Atem.

»Hagn ist in der separierten Zelle«, sagte Elk. »Legen Sie Zivilkleidung an, maskieren Sie sich ein bißchen, und ich werde Sie mit ihm zusammen einschließen. Wenn Sie sich fürchten, so können Sie einen Revolver mitnehmen, und ich werde es so einrichten, daß man Sie nicht untersucht. Schauen Sie, daß Sie mit Hagn ins Gespräch kommen. Sagen Sie ihm, daß Sie wegen des Mordes in Dundee eingesteckt worden sind. Er wird Sie nicht erkennen. Tun Sie mir den Gefallen, Balder, und in einer Woche werden Sie den Streifen auf dem Ärmel haben.«

Balder nickte. Der streitsüchtige Ton seiner Stimme war verschwunden, als er sprach. »Das ist eine Chance. Und schönen Dank dafür, Herr Inspektor.«

Eine Stunde später brachte ein Detektiv einen grimmig aussehenden Gefangenen nach Cannon Row und stieß ihn in die Stahlkammer. Der einzige, der den Gefangenen erkannt hatte, war der Oberinspektor, der auf die Ankunft des Lockvogels wartete. Dieser hohe Beamte geleitete Balder selber zu der separierten Zelle und stieß ihn hinein.

»Gute Nacht, Frosch!« sagte er.

Balders Antwort ist im Druck nicht wiederzugeben. Nachdem er seinen Untergebenen in Sicherheit wußte, ging Elk in sein Büro zurück, schloß die Tür, nahm den Hörer vom Telefon und legte sich nieder, um endlich ein paar Stunden Schlaf zu finden. Aber der Schlaf kam nicht. Seine Gedanken wanderten von Balder zu Dick Gordon, von Lola zu dem toten Mann Mills.

Seine eigene Stellung schien ernstlich gefährdet, aber das machte Elk nicht die geringsten Sorgen. Er war Junggeselle und hatte sich ein hübsches, rundes Sümmchen erspart.

Er dachte an Maitland, dessen Verbindung mit den Fröschen nun erwiesen schien. Der Alte lebte ein Doppelleben, am Tage ein Geschäftsmann, vor dem das Personal zitterte, bei Nacht der Mithelfer von Dieben und schlechter noch als ein Dieb. Und wo war das Kind? Das war eine andere harte Nuß!

»Nichts als harte Nüsse!« sagte Elk. Und mit den Händen unter dem Kopf blickte er wach und grollend zur Decke auf. Da er doch die gesuchte Ruhe nicht zu finden vermochte, stand er endlich auf und ging nach Cannon Row hinüber.

Der Gefängniswärter sagte ihm, daß der neue Arrestant eine ganze Menge mit Hagn gesprochen habe, und Elk lächelte.

Er hoffte nur, daß der »neue Arrestant« nicht auch versucht hatte, seine Klagen gegen die Polizeiadministration mit Hagn zu diskutieren.

Um drei Viertel drei Uhr traf er in der Instrumentenkammer der Admiralität mit Dick Gordon zusammen. Es war ihnen ein Funker zur Verfügung gestellt worden, und nach den Vorinstruktionen nahmen sie an seinem Tisch Platz, wo er mit seinen Tastern hantierte. Dick lauschte bezaubert den Rufen der fernen Schiffe und dem Geplauder der übermittelten Stationen. Einmal hörte er ein ganz schwaches Quieken, so schwach, daß er nicht sicher war, ob er sich nicht geirrt hatte.

»Cap Race«, sagte der Funker. »Sie werden in einer Minute Chicago hören. Um diese Zeit werden sie dort immer gesprächig.«

Als die Zeiger der Uhr sich der dritten Stunde näherten, begann der Funker seine Wellenlänge zu verändern, um die zu erwartende Botschaft im Äther zu erreichen. Genau eine Minute nach drei sagte er plötzlich: »Da haben Sie Ihr L. V. M. B.«

Dick hörte den Stakkatotönen zu:

»Alle Frösche hört: Mills ist tot! Nummer Sieben hat ein Ende mit ihm gemacht.

Nummer Sieben bekommt eine Prämie von hundert Pfund.« ..Die Stimme war klar und ganz ungewöhnlich zart. Es war die Stimme einer Frau.

»Der dreiundzwanzigste Bezirk soll es so einrichten, daß er die Instruktionen von Nummer Sieben an dem gewöhnlichen Ort empfängt.«

Dicks Herz schlug wie ein Hammer. Er hatte die Sprecherin erkannt. Es konnte kein Zweifel sein. Er kannte den weichen Tonfall. Es war Ella Bennetts Stimme. Es wurde ihm plötzlich übel. Elks Augen hingen an ihm, und er machte übermenschliche Anstrengungen, sich zu beherrschen.

»Es scheint, als ob noch etwas kommen sollte«, sagte der Funker, nachdem er einige Minuten gewartet hatte.

Dick nahm den Kopfhörer ab und erhob sich. »Wir müssen warten, bis die Direktionssignale kommen«, sagte er, so fest er es vermochte.

Da kamen sie auch schon und wurden von einem Schiffsoffizier auf einer großen Skalenlandkarte ausgearbeitet.

»Die Radiostation befindet sich in London«, sagte der Offizier. »Ich möchte fast behaupten, daß alle Linien sich im Westen treffen, vermutlich im Herzen der City. – Haben Sie es schwer gehabt, den Froschruf aufzunehmen?« fragte er, sich an den Funker wendend.

»Ja«, sagte der Mann. »Ich glaube, man hat von ganz nah gesendet.«

»In welchem Stadtteil dürfte es Ihrer Ansicht nach gewesen sein?« fragte Elk.

Der Schiffsoffizier deutete auf eine Bleistiftlinie, die er in den Plan eingezeichnet hatte. »Ungefähr auf dieser Linie«, sagte er.

Und Dick, über dessen Schulter gebeugt, sagte erstickt: »Caverley-Haus.«

Es drängte ihn ins Freie hinaus. Er mußte das Ungeheuerliche überdenken. Ob wohl auch der Detektiv die Stimme erkannt hatte?

Sie hatten schon Whitehall erreicht, als Elk endlich sagte: »Das klang ja ganz wie eine uns sehr befreundete Stimme, Hauptmann Gordon?«

Dick antwortete nicht.

»Sehr ähnlich«, sagte Elk, als ob er zu sich selber spräche.

»Wirklich, ich könnte unzählige Eide schwören, daß ich die junge Dame kenne, die da für den alten Herrn Frosch gesprochen hat.«

»Warum hat sie das nur getan?« stöhnte Dick. »Warum, um Himmels willen, mußte sie das tun?«

»Ich erinnere mich, sie schon vor Jahren gehört zu haben«, sagte Elk. »Sie war damals bei der Bühne und noch ein kleiner Fratz.«

Dick Gordon blieb stehen und starrte den andern an.

»Ich habe etwas bemerkt, Hauptmann. Wenn Sie ein Vergrößerungsglas nehmen und Ihre Haut dadurch betrachten, so sehen Sie die geringsten Defekte, nicht wahr? Dieses drahtlose Telefon wirkt wie eine Art von Vergrößerungsglas auf die Stimme. Sie hat immer ein bißchen gelispelt, was ich sofort gemerkt habe.

Sie mögen es vielleicht nicht beobachtet haben, aber ich habe ziemlich scharfe Ohren. Sie kann das S nicht richtig aussprechen. Es ist immer ein Zischen darin. Haben Sie das gehört?«

Dick hatte es gleichfalls gehört und bestätigte es stumm.

»In manchen Dingen bin ich – wie soll ich sagen? – unfehlbar!« fuhr Elk fort. »Bei den Daten mag es vielleicht ein wenig hapern, zum Beispiel, wann Wilhelm der Eroberer geboren ist – übrigens habe ich selbst auf Geburtstage nie Wert gelegt! Aber Stimmen und Nasen merke ich mir. Unvergeßlich!«

Sie durchschritten, den dunklen Eingang von Scotland Yard, als Dick im Ton der Verzweiflung sagte: »Natürlich, das war ihre Stimme! Aber, ich hatte keine Ahnung, daß sie je bei der Bühne war. Ist ihr Vater vielleicht auch Schauspieler gewesen?«

»Soweit mir bekannt ist, hat sie doch keinen Vater«, war Elks zögernde Antwort. Und nun blieb Gordon stehen.

»Sind Sie wahnsinnig?« fragte er. »Ella Bennett hat keinen Vater?«

»Aber ich spreche doch nicht von Ella Bennett!« sagte Elk. »Ich spreche von Lola Bassano.«

»Ja, meinen Sie denn wirklich, daß Lola gesprochen hat?« fragte Dick atemlos.

»Natürlich war es Lola! Es mag ja eine ganz gute Imitation von Fräulein Bennet; gewesen sein, aber jeder Imitator kann Ihnen sagen, daß solche sanften Altstimmen sehr leicht nachzuahmen sind.«

»Sie ganz gemeiner Schuft!« sagte Dick Gordon, und ein Stein fiel ihm vom Herzen. »Sie wußten wohl, daß ich Ella Bennett meinte, und Sie haben mich so auf die Folter gespannt!«

»Wieviel Uhr ist es?« gab Elk kühl zur Antwort. Es war halb vier. Elk sammelte seine Reserve, und zehn Minuten später entstieg vor der geschlossenen Tür des Caverley-Hauses eine kleine Gesellschaft dem Polizeiauto. Die Glocke rief den Nachtportier, der Elk sogleich erkannte.

»Schon wieder ein Gasalarm?« fragte er.

»Ich möchte das Mieterverzeichnis des Hauses sehen«, sagte Elk und hörte, wie der Portier die Namen, Beschäftigungen und Eigentümlichkeiten der Mieter darlegte.

»Wem gehört der Häuserblock?« fragte der Detektiv.

»Er gehört den Vereinigten Maitlands. Jetzt hat Maitland auch das Haus des Prinzen von Caux in Berkeley Square gekauft und ...«

»Bitte bemühen Sie sich nicht, mir seine Familiengeschichte zu erzählen. Um wieviel Uhr ist Fräulein Bassano nach Hause gekommen?«

»Sie war den ganzen Abend zu Hause, seit elf Uhr.«

»War jemand bei ihr?«

Der Mann zögerte. »Herr Maitland kam mit ihr, aber er ist bald wieder fortgegangen.«

»Sonst niemand?« Elk faßte den Portier scharf ins Auge.

»Niemand, außer Herrn Maitland.«

»Geben Sie mir Ihren Nachschlüssel.«

Der Portier weigerte sich. »Ich verliere meine Stellung«, bat er. »Können Sie nicht klopfen?«

»O doch«, meinte Elk. »Es vergeht kaum ein Tag, ohne daß ich jemanden bei der Verhaftung auf die Schulter klopfe. Aber ich möchte doch gern Ihren Schlüssel haben.«

Elk hatte nicht daran gezweifelt, daß Lola ihre Tür von innen verriegelt hatte, und seine Annahme bestätigte sich. Er läutete, und es dauerte lange, bevor Lola im Schlafanzug erschien.

»Was soll denn das heißen, Herr Inspektor?« fragte sie. Sie machte nicht einmal den Versuch, erstaunt zu scheinen.

»Nur eine freundliche Visite. Darf ich hereinkommen?«

Sie öffnete die Tür weiter, und Elk trat, von Gordon und den beiden Detektiven gefolgt, in die Wohnung ein. Lola ignorierte Dick völlig.

»Morgen sehe ich den Polizeichef«, sagte sie. »Und wenn er mir nicht volle Satisfaktion gibt, so bringe ich diese Sache in alle Zeitungen. Es ist unerhört, mitten in der Nacht in die Wohnung eines alleinstehenden Mädchens einzudringen, wenn es einsam und unbeschützt ist ...«

»Wenn es irgendeine Zeit gibt, zu der ein alleinstehendes Mädchen einsam und unbeschützt sein soll, so ist es sicherlich die Nacht«, sagte Elk freundlich. »Ich möchte nur einen Blick in Ihr liebes kleines Heim werfen, Lola. Man hat uns davon benachrichtigt, daß bei Ihnen eingebrochen worden ist. Vielleicht versteckt sich gerade in dieser Minute der schwarze Mann unter Ihrem Bett. Der Gedanke, Sie sozusagen auf Gnade oder Ungnade solch einem gesetzlosen Charakter auszuliefern, widerstrebt unserer Ritterlichkeit. Durchsuchen Sie das Speisezimmer, Williams! Ich werde den Salon vornehmen. Und das Schlafzimmer.«

»Sie werden mein Schlafzimmer nicht betreten, wenn Sie nur einen Funken von Anstand haben«, zürnte Lola.

»Ich habe ihn aber nicht«, gestand Elk, »nicht das kleinste Fünkchen. Und im übrigen, Lola, stamme ich aus einer großen Familie, ich bin einer von zehn Geschwistern, und wenn es etwas gibt, was ich nicht sehen darf, so sagen Sie nur: machen Sie die Augen zu! Und ich werde sie bestimmt zumachen.«

Es gab aber allem Anschein nach nichts, das im geringsten verdächtig ausgesehen hätte. Vom Schlafzimmer aus gelangte man ins Badezimmer, und hier stand das Fenster offen. Elk leuchtete mit seiner Lampe die Außenmauer ab und sah, daß eine kleine Glasspule an der Wand befestigt war.

»Das sieht ganz wie ein Isolator aus«, murmelte er.

Ins Schlafzimmer zurückgekehrt, begann er nach dem Radiosender zu suchen. Er öffnete die Tür eines riesigen Mahagonischrankes und sah darin die Kleider in regenbogenfarbenen Reihen hängen. Elk tauchte seine Hand hinein. Es war der eleganteste Garderobenschrank, den er je gesehen hatte, und die Rückseite fühlte sich merkwürdig warm an.

Lola stand mit verschränkten Armen da und beobachtete ihn, ein verächtliches Lächeln auf ihrem schönen Gesicht. Elk schloß die Schranktür wieder, und seine empfindlichen Finger suchten auf ihrer Oberfläche nach einer Feder. Es brauchte lange Zeit, bis er den Taster entdeckt hatte, aber schließlich fand er doch ein Stückchen Holz, das dem Druck seiner Hand nachgab. Es schnappte etwas, und die Vorderseite des Schrankes begann sich herabzusenken.

»Ach, ein Schrankbett! Das ist aber eine praktische Erfindung!«

Aber es war durchaus kein Bett, das sich nun zeigte, und Elk wäre auch recht enttäuscht gewesen, hätte er ein solches vorgefunden. Auf einem Rahmen standen reihenweise Röhren, Transformatoren, der ganze Apparat, der für eine Sendestation notwendig ist.

»Sie haben doch sicherlich eine Erlaubnis dafür?« fragte er. In Wahrheit aber vermutete er nichts dergleichen, denn Lizenzen für Sendestationen werden in England recht spärlich gegeben.

Aber Lola ging an den Schreibtisch und brachte das Dokument zum Vorschein. Elk las, las wieder und nickte.

»Sie sind eine tüchtige Person«, sagte er nicht ohne Respekt.

»Nun möchte ich auch gerne die Lizenz sehen, die der Frosch Nummer Eins Ihnen ausgestellt hat.«

»Und ich möchte gern wissen, ob Sie für gewöhnlich die Leute aufzuwecken pflegen, um mitten in der Nacht nach ihren Lizenzen zu fragen?«

»Sie haben heute nacht den Sender im Dienste der Frösche benützt«, sagte Elk kurz. »Und vielleicht werden Sie die Güte haben, Hauptmann Gordon zu erklären, warum Sie dies taten?«

Lola wendete sich zum erstenmal zu Dick. »Ich habe den Apparat wochenlang nicht benützt, aber die Schwester eines meiner Freunde bat mich heute abend, ob sie ihn nicht benützen dürfe. Sie ist vor einer Stunde weggegangen.«

»Sie meinen Fräulein Bennett?« fragte Gordon, und Lola hob in vollendet gespieltem Erstaunen die schön gebogenen Augenbrauen.

»Woher wissen Sie es?«

»Liebe Lola, nun hast du dich aber verraten«, lachte Elk freundlich. »Fräulein Bennett hat neben mir gestanden, als du eben anfingst, in der Froschsprache zu plaudern. Du bist erwischt, Lola. Und das beste, was du tun kannst, ist, dich niederzusetzen und uns die ganze Wahrheit zu sagen. Wir haben Nummer Sieben gestern abend gefangen und wissen alles. Morgen wird der Frosch Handschellen tragen, und ich bin hierhergekommen, dir eine allerletzte Chance zu geben. Ich habe dich nämlich im geheimen immer gern gehabt. Etwas an dir erinnert mich an ein Mädchen, in das ich einmal wahnsinnig verliebt war.«

»Jetzt will ich Ihnen etwas erzählen, Elk«, sagte Lola. »Sie haben niemanden gefangen und Sie werden niemals jemanden fangen. Sie haben Ihren plattfüßigen Lockvogel Balder mit Hagn in eine Zelle gesperrt, um einen Triumph zu erleben. Aber Sie werden nichts erleben als große, große Unannehmlichkeiten.«

Zu anderen Zeiten würde sich Gordon über die Wirkung dieser Offenbarung auf Elk höchlichst amüsiert haben, denn das Kinn des unglücklichen Detektivs fiel herab, und er starrte hilflos über seine Gläser hinweg nach Lola.

»Hagn wird nicht gestehen«, fuhr sie fort. »Denn der Arm des Frosches würde ihn erreichen, so wie er Mills und Litnow erreicht hat und Sie erreichen wird, wenn der Frosch Sie dessen überhaupt für wert hält. So, jetzt können Sie mich arretieren, wenn Sie wollen. Sie haben durch das Diktaphon alles mit angehört, was ich Ray Bennett erzählt habe. Warum arretieren Sie mich nicht, um mir den Prozeß zu machen?«

Der gedemütigte Elk wußte wohl, daß er keinen Schuldbeweis hatte, um sie anzuklagen. Und Lola wußte, daß er dies wußte.

»Glauben Sie, mir so zu entkommen, Bassano?«

Gordon hatte gesprochen, und sie blitzte ihn zornig an.

»Es steht ein ›Fräulein‹ vor meinem Namen«, fauchte sie ihn an.

»Früher oder später werden Sie nur eine Nummer sein«, sagte Dick ruhig. »Sie und Ihresgleichen leben verantwortungslos und in Freuden dahin. Vielleicht, weil ich nicht kompetent genug bin; vielleicht, weil ich kein Glück habe. Aber eines Tages werden wir Sie erreichen, entweder ich oder mein Nachfolger. Sie können in dem Kampf mit dem Gesetz nicht gewinnen, denn das Gesetz ist ewig und beständig.«

»Eine Durchsuchung meiner Wohnung kann ich Ihnen nicht verwehren, aber eine Predigt brauch' ich mir nicht bieten zu lassen«, sagte sie verächtlich. »Und wenn die Herren zu Ende sind, so möchte ich Sie bitten, mir noch ein wenig Schlaf zu gönnen, damit ich morgen nicht allzu häßlich aufwache.«

»Das ist das einzige, was Sie niemals befürchten müssen«, sagte der galante Elk, und Lola lachte.

»Sie sind kein schlechter Mensch, Elk«, sagte sie. »Sie sind zwar ein schlechter Detektiv, aber Sie haben ein goldenes Herz.«

»Wenn das wahr wäre, so würde ich nicht wagen, allein in Ihrer Gesellschaft zu bleiben!« war Elks Antwort.

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