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Der Frosch mit der Maske

Edgar Wallace: Der Frosch mit der Maske - Kapitel 17
Quellenangabe
typefiction
authorEdgar Wallace
titleDer Frosch mit der Maske
publisherWilhelm Goldmann Verlag
year1953
firstpub
translatorAlma Johanna König
isbn3-442-00001-7
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100609
projectidd6755f29
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17

An jenem Morgen, an dem Elk auf die Ankunft des geständigen Mills wartete, wurden umständliche Vorsichtsmaßregeln ergriffen, um den Gefangenen sicher in die Polizeidirektion zu schaffen. Während der ganzen Nacht war das Gefängnis von einem Kordon bewaffneter Wachen umgeben, und Wachen patrouillierten in dem angrenzenden Hof. Der gefangene Frosch war ein gebildeter Mann, dem es nicht schlecht ergangen und der auf der Walze von zwei vagabundierenden Mitgliedern der Brüderschaft angeworben worden war. Aus seinen Aussagen ging hervor, daß er als Abteilungschef fungiert hatte, indem er die Instruktionen und Orders den Unteroffizieren und Gemeinen weitergab.

Um elf Uhr brachte man ihn aus seiner Zelle, aber Mills war trotz der Versicherung, die er erhalten hatte, nervös und furchtsam. Außerdem war er erkältet und hustete stark.

Um elf Uhr fünfzehn wurden die Gefängnistüren geöffnet, und drei Motorradfahrer fuhren gleichzeitig heraus. Ein geschlossenes Auto mit herabgelassenen Vorhängen folgte ihnen. Auf beiden Seiten begleitete den Wagen eine Patrouille auf Motorrädern, und ein anderes Auto, mit Polizeibeamten bemannt, folgte.

Sie erreichten Scotland Yard ohne Mißgeschick. Die Tore an beiden Seitenflügeln des Gebäudes wurden geschlossen, und Mills wurde durch das Haupttor hereingebracht. Elks Beamter Balder und ein Detektivsergeant nahmen den Mann in Obhut, der sehr blaß war und schwankte.

Er wurde in ein kleines Zimmer, das an Elks Büro stieß, geführt. Es war ein Raum, dessen Fenster mit schweren Stangen versehen waren, weil er während des Krieges als Arrest für Spione verwendet worden war. Zwei Leute wurden zur Bewachung außerhalb der Tür beordert, und der immer unzufriedene Balder kam herein, um zu berichten.

»Wir haben den Burschen ins Wartezimmer gesteckt, Herr Inspektor.«

»Hat er etwas gesagt«, fragte Dick, der um des Verhöres willen gekommen war.

»Nein, nur verlangt, daß das Fenster geschlossen werden soll. Da habe ich es selber zugemacht.«

»Bringen Sie uns den Gefangenen!« sagte Elk.

Sie warteten eine Weile und hörten das Rasseln von Schlüsseln und dann ein aufgeregtes Stimmengewirr. Balder stürzte herein.

»Er ist krank, ohnmächtig oder so was!« keuchte er. Und Elk stürzte ihm nach, den Korridor entlang in das Wartezimmer. Mills lag halb, den Oberkörper schwer gegen die Mauer gelehnt. Seine Augen waren geschlossen, sein Gesicht war aschfahl. Dick beugte sich über ihn und legte ihn flach auf den Boden. Er roch an seinem Mund.

»Blausäure«, sagte er. »Aus.«

An jenem Morgen war Mills bis auf die Haut ausgezogen und alle seine Kleidungsstücke waren gründlich untersucht worden. Aus besonderer Vorsicht hatte man außerdem seine Taschen zugenäht. Den beiden begleitenden Detektiven gegenüber hatte er hoffnungsvoll von seiner bevorstehenden Reise nach Kanada gesprochen.

Niemand, außer den Polizeioffizieren, war mit ihm in Berührung gekommen.

Dicks erster Blick galt dem Fenster, von dem vorhin Balder erwähnt hatte, er hätte es geschlossen. Es war jetzt etwa sechs Zoll weit geöffnet.

»Herr Hauptmann, ich weiß ganz bestimmt, daß ich es geschlossen habe«, sagte der Beamte nachdrücklich. »Der Sergeant Jekler hat es gesehen.«

Der Sergeant bestätigte die Aussage. Dick schob das Fenster ganz auf und sah hinaus. Es liefen vier Eisenstangen quer über den Ziegelrahmen, aber sowie er den Kopf hinausstreckte, sah er, daß ungefähr einen Meter vom Fenster entfernt eine lange Eisenleiter an der Mauer befestigt war, die vermutlich vom Dach zur Erde führte. Das Zimmer lag im dritten Stockwerk, und man sah auf das Strauchwerk weiter Gärten hinab. Jenseits wurde der Blick von Gitterzäunen begrenzt.

»Was sind das für Gärten?« fragte Dick.

»Die Onslow-Gärten«, sagte Elk.

»Onslow-Gärten?« wiederholte Dick nachdenklich. »War es nicht von dort aus, daß die Frösche mich zu erschießen versuchten?«

Elk schüttelte hilflos den Kopf.

»Was meinen Sie damit, Hauptmann?«

»Ich weiß es mir wirklich nicht zu erklären! Es scheint mir keine sehr geistreiche Theorie zu sein, wenn wir annehmen, daß jemand die Leiter erklettert hätte, um Mills das Gift durch das Fenster aufzudrängen. Und noch unwahrscheinlicher ist es, daß er es selbst genommen haben soll! Balder schwört, daß das Fenster verschlossen war, und jetzt stand es offen. Können Sie Balder trauen?«

Elk nickte überzeugt. Der Polizeiarzt kam bald nachher und bestätigte die Annahme, daß Blausäure die Todesursache gewesen war.

Elk begleitete Dick Gordon in sein Büro in Whitehall.

»Ich habe mich im ganzen Leben nicht gefürchtet«, sagte er. »Aber diese Frösche wachsen mir über den Kopf. Es ist hier doch tatsächlich ein Mensch vor unseren Augen getötet worden. Er war bewacht, wir haben ihn nie allein gelassen, außer für die wenigen Minuten, die er in dem versperrten Zimmer verbrachte, und doch konnte ihn der Frosch erreichen. Das vermag einen schon ein bißchen bange zu machen, Hauptmann Gordon!«

Dick schloß die Tür seines Büros auf und führte Elk in das gemütliche Innere.

»Ich kenne keine bessere Kur für zerrüttete Nerven, als eine ›Cabana Cesare‹«, sagte er fröhlich. »Verlieren Sie nicht den Mut, Elk. Der Frosch ist nur ein Mensch wie wir alle und hat, wie wir, seine Befürchtungen. – Wo ist Freund Broad?«

Elk zog, ohne zu zögern, das Telefon herbei und verlangte die Nummer. Nach einer kleinen Pause antwortete ihm Broads Stimme.

»Sind Sie das, Herr Broad? Was machen Sie denn jetzt?« fragte Elk in jenem schmeichelnd-süßen Ton, den er bei Telefongesprächen anzuwenden pflegte.

»Wer spricht? Elk? Ich bin im Begriff, auszugehen.«

»Ich war der Meinung, Sie vor fünf Minuten in Whitehall gesehen zu haben«, flötete Elk.

»Dann war es ein Doppelgänger«, antwortete Broad. »Ich bin erst vor zehn Minuten aus dem Bad gestiegen. Wünschen Sie etwas von mir?«

»Nein, nein«, gurrte Elk. »Ich wollte nur wissen, ob Sie wohlauf wären.«

»Warum? Ist etwas geschehen?« kam eine scharfe Gegenfrage.

»Nein, nein. Alles in schönster Ordnung!« antwortete Elk unaufrichtig. »Vielleicht kommen Sie einmal herüber und besuchen mich dieser Tage im Amt? Adieu.«

Er legte den Hörer zurück und machte eine schnelle Berechnung.

»Von Whitehall nach Cavendish Square braucht man in einem guten Auto vier Minuten«, sagte er. »Also hat ein momentaner Aufenthalt in der Wohnung nichts zu sagen.«

Er zog das Telefon wieder zu sich heran und rief die Polizeidirektion an. »Ich brauche einen Mann, um Herrn Joshua Broad zu beobachten. Er darf ihn bis acht Uhr abends nicht verlassen und soll mir dann Bericht erstatten.«

Elk setzte sich in den Sessel zurück und zündete die lange Zigarre, an, die Dick ihm aufgedrängt hatte. »Heute ist Dienstag«, überlegte er. »Morgen ist Mittwoch, wo schlagen Sie vor, daß wir zuhören sollen?'«

»Im Admiralitätsgebäude«, sagte Dick. »Ich habe es mit dem Ersten Lord so arrangiert, daß ich um drei Viertel drei in der Instrumentenkammer sein kann.« Dick ließ eine Frühausgabe der Abendblätter besorgen und war sehr erleichtert, als er darin keine Anspielung auf den Mord fand. Im Lauf des Tages, als er einmal von seinem Fenster nach Whitehall hinaussah, bemerkte er Elk, der auf der anderen Seite der Straße dahinschlenderte, den Regenschirm am Arm, den alten, steifen, runden Hut aus der Stirn geschoben, eine schlampige, unauffällige Figur. Eine Stunde später sah er ihn wieder aus der entgegengesetzten Richtung kommen. Dick wunderte sich, in was für besonderen Geschäften der Detektiv ausgewesen sein mochte und erkundete, daß Elk der Admiralität an jenem Tage zwei Besuche abgestattet hatte. Doch erfuhr er den Grund erst, als sie sich spät am Abend trafen.

»Ich verstehe nicht viel von der drahtlosen Telegrafie«, sagte Elk, »aber ich erinnere mich, etwas über ›Peilungen‹ gelesen zu haben. Wenn man wissen will, woher eine drahtlose Botschaft kommt, so muß man sie von zwei oder drei verschiedenen Orten abhören.«

»Natürlich, was bin ich für ein Narr!« unterbrach Dick, über sich selbst verärgert. »Es ist mir nicht einmal eingefallen, daß wir doch zu der Radiostation gehen können.«

»Mir kommen manchmal solche Ideen«, sagte Elk bescheiden.

»Die Admiralität hat Botschaften nach Milford Haven, Harwich, Portsmouth und Plymouth geschickt und den Schiffen den Auftrag gegeben, abzuhorchen und uns die Richtung zu peilen. Hoffentlich haben die Abendblätter die Sache nicht gebracht.«

»Sie meinen wegen Mills? Gott sei gedankt, nein. Aber es wird ja sicher bei der Untersuchung herauskommen. Ich habe es schon so eingerichtet, daß sie um eine oder zwei Wochen verschoben wird. Denn ich fühle, daß sich in den nächsten Wochen für uns vieles ereignen muß.«

»Hoffentlich nicht«, sagte Elk böse. »Ich traue mich ja nicht einmal mehr, eine Bratwurst zu essen, seitdem Mills um die Ecke gebracht wurde. Und ich habe so eine Schwäche für Bratwürste.«

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