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Der Frosch mit der Maske

Edgar Wallace: Der Frosch mit der Maske - Kapitel 11
Quellenangabe
typefiction
authorEdgar Wallace
titleDer Frosch mit der Maske
publisherWilhelm Goldmann Verlag
year1953
firstpub
translatorAlma Johanna König
isbn3-442-00001-7
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100609
projectidd6755f29
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11

Dick Gordon und sein Assistent erreichten Wandsworth zehn Minuten, nachdem ihnen die Neuigkeit zugekommen war, und fanden das Wrack eines Polizeiautos von einer großen Menschenmenge umgeben, die von Polizei in Schach gehalten wurde.

Litnows Leichnam war nach dem Gefangenenhaus überführt worden, wohin man auch einen seiner Angreifer gebracht hatte, einen Mann, der von einer Abteilung von Gefängniswärtern festgenommen worden war, als sie gerade von ihrer Mittagspause zurückkehrte. Eine kurze Untersuchung des Toten sagte Dick nicht mehr, als er ohnehin wußte. Das Herz war durchschossen, und der Tod mußte sofort eingetreten sein.

Der neue Gefangene, der gebracht wurde, war ein Mann von ungefähr dreißig Jahren und gebildeter als der Durchschnitt der Frösche. Es wurden keine Waffen bei ihm gefunden, und er beteuerte, an dem Komplott in keiner Weise beteiligt gewesen zu sein. Er behauptete, er sei ein arbeitsloser Beamter, der gerade über die Wiese schlenderte, als das Scharmützel begann. Er sei unschuldig arretiert worden, während er den Mörder verfolgte.

»Frosch, du bist ein toter Mann!« sagte Elk mit seiner tiefsten Grabesstimme und sah ihn über den Stahlrand seiner Brille hinweg an. »Wo hast du gewohnt, als du noch am Leben warst?« Der Gefangene gestand, daß er im Norden Londons zu Hause sei. »Nord-Londoner kommen nicht nach Wandsworth, um auf der Gemeindewiese spazierenzugehen«, sagte Elk.

Er hatte eine kurze Unterredung mit dem Obergefangenenaufseher und führte den Arrestanten in den Hofraum hinunter.

Elk blickte um sich. Der Hof war ein kleines, steingepflastertes Viereck, von hohen verblaßten Mauern umgeben. In einer Ecke stand ein kleiner Schuppen mit grauen Schiebetüren.

»Komm hier herein!« sagte Elk. Er nahm den Schlüssel, den der Oberaufseher ihm gegeben hatte, schloß die Türen auf und schob sie auseinander. Man sah in ein reines kahles Gelaß mit weißgestrichenen Wänden. Quer über die Decke liefen zwei starke Balken, und zwischen denselben drei stählerne Stangen hin. Der Gefangene runzelte die Stirn, als Elk zu einem langen Stahlhebel trat.

»Gib acht, Frosch!« sagte er und zog an dem Hebel. Die Mitte des Bodens öffnete sich mit einem Krach, und man sah in eine tiefe, mit Ziegeln ausgelegte Grube hinab.

»Sieh dir die Falltür an. Siehst du das T, das mit Kreide gezeichnet ist? Dort muß der Mann seine Füße hinstellen, wenn der Henker ihm die Beine zusammenbindet. Das Seil hängt von dem Balken dort herunter.«

Des Mannes Gesicht wurde fahl, und er schreckte zurück. »Sie können mich nicht hängen«, keuchte er. »Ich habe nichts getan!«

»Sie haben einen Menschen getötet«, sagte Elk, trat hinaus und versperrte die Tür hinter ihnen. »Sie sind der einzige, den wir gefangen haben, und Sie werden für die übrige Bande büßen müssen.«

Der Gefangene hob seine zitternde Hand zu den Lippen. »Ich werde Ihnen alles sagen, was ich weiß«, sagte er heiser.

Eine Stunde später fuhr Dick mit beträchtlichen Informationen bereichert in die Polizeidirektion zurück. Seine erste Tat war, nach Joshua Broad zu schicken, und der Vagabund kam fröhlich und zum Reden aufgelegt herauf.

»Nun, Herr Broad, lassen Sie uns Ihre Geschichte hören«, sagte Dick und hieß den andern Platz nehmen.

»Viel ist ja nicht zu vermelden«, meinte Broad. »Seit einer Woche bin ich mit den Fröschen näher bekannt. Ich hielt es für höchst unwahrscheinlich, daß sie sich untereinander nicht kennen sollen und blieb gleich an dem ersten hängen, den ich fand. Ich traf ihn in einem Logierhaus in Deptford. Ich hörte heute, daß ein höchst eiliger Aufruf für ein großes Unternehmen ergangen sei, und schloß mich an. Auf dem Weg nach Scotland Yard hat man mir erzählt, daß eine Gruppe beordert worden sei, Litnow, der nach Wandsworth fuhr, abzupassen.«

»Haben Sie einen von den Großen gesehen?« Broad schüttelte den Kopf.

»Sie haben alle gleich ausgesehen. Aber es waren unzweifelhaft zwei oder drei von den Hauptanführern mit im Dienst. Ich habe nie daran geglaubt, daß man Litnow retten würde. Die Frösche wußten, daß er alles gestanden hatte, und er mußte büßen. Das heißt – sie haben ihn ja wohl umgebracht?«

»Ja«, nickte Dick. »Aber sagen Sie mir – warum nehmen Sie selber solch ein Interesse an den Fröschen?«

»Bloß aus reiner Abenteuerlust«, antwortete Broad. »Ich bin ein reicher Mann, habe nichts zu tun und interessiere mich unendlich für Kriminalfälle. Vor ein paar Jahren hörte ich zum ersten Male von den Fröschen, sie reizten meine Phantasie, und damals nahm ich mir vor, ihnen auf die Spur zu kommen.«

»Ich möchte nur noch wissen, wieso es geschah, daß Sie ein reicher Mann wurden?« fragte Dick. »Im vorletzten Kriegsjahr sind Sie mit einem Viehtransport nach England gekommen und hatten ungefähr zwanzig Dollar in der Tasche. Sie selbst haben es Elk erzählt, daß Sie auf diese Weise ankamen, und haben damit die Wahrheit gesprochen. Ich interessiere mich fast ebenso für Sie, wie Sie sich für die Frösche interessieren. Und ich habe einige Erkundigungen eingezogen. Sie kamen 1917 nach England und verließen Ihr Schiff. Im Mai 1917 verhandelten Sie wegen des Kaufes einer alten baufälligen Bude in' der Nähe von Hampshire. Dort wohnten Sie, indem Sie die elende Hütte zusammenflickten, und lebten, soviel ich erforschen konnte, von den paar Dollars, die Sie mitgebracht hatten. Plötzlich waren Sie verschwunden und sind erst in Paris am Weihnachtsabend desselben Jahres wieder aufgetaucht. Sie waren es anscheinend, der eine Familie gerettet hat, die anläßlich eines Luftangriffes in ihrem Haus verschüttet wurde, und Ihr Name wurde von der Polizei notiert, damit Ihnen eine Belohnung ausgezahlt werden konnte. Der französische Polizeibericht besagt, daß Sie ziemlich ärmlich gekleidet waren. Man hielt Sie für einen Deserteur der amerikanischen Armee. Aber im Februar wohnten Sie in Monte Carlo, eine Menge Geld in der Tasche und mit exquisiter Garderobe wohl versorgt.«

Joshua Broad blieb während dieses Vortrages unbeweglich. Nur der Schein eines Lächelns zeigte sich in seinen unrasierten Mundwinkeln.

»Aber, Herr Hauptmann, in Monte Carlo muß man Geld besitzen!«

»Wenn man es hingebracht hat«, sagte Dick und fuhr fort: »Ich meine ja nicht, daß Sie das Geld anders als ehrlich erworben hätten. Ich stelle bloß fest, daß Ihr persönlicher Aufstieg von Armut zum Reichtum, gelinde gesagt, sehr merkwürdig war.«

»Das war er auch«, pflichtete der Amerikaner bei. »Und dem Anschein nach ist meine Veränderung vom Reichtum zur Armut ebenso plötzlich wie merkwürdig.«

»Sie meinen, daß, wenn es für Sie möglich ist, sich jetzt zu maskieren, es auch damals für Sie möglich war und Sie im Jahre 1917, obgleich anscheinend mittellos, ebensowohl ein reicher Mann gewesen sein können?«

»Das stimmt«, sagte Joshua Broad.

»Ich würde vorziehen, daß Sie das respektablere Selbst blieben. Ich liebe es nicht, einem Amerikaner sagen zu müssen, daß ich ihn des Landes verweise, denn das klingt, als ob es eine Strafe wäre, in die Vereinigten Staaten zurückzukehren.«

Joshua Broad erhob sich. »Das, Herr Hauptmann Gordon, ist ein Wink mit einem zu dicken Zaunpfahl und eine zu liebenswürdige Drohung. Von nun an wird Joshua Broad wieder ein ehrbares Mitglied der Gesellschaft werden. Das einzige, worum ich Sie bitte, ist, daß Sie die Polizei nicht anweisen, meine Erlaubnisscheine zurückzuziehen.«

»Erlaubnisscheine?« fragte Dick.

»Ja, ich führe zwei Revolver mit mir, und die Zeit ist nahe, wo auch diese beiden nicht genügen werden«, sagte Joshua Broad.

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