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Der fliegende Holländer

Frederick Marryat: Der fliegende Holländer - Kapitel 33
Quellenangabe
typefiction
authorKapitän Marryat
titleDer fliegende Holländer
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
year
firstpub
translatorCarl Kolb
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080807
projectid2cabcb1e
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Dreiunddreißigstes Kapitel.

»So sind also alle unsere Hoffnungen gescheitert,« sagte Philipp wehmüthig. »Welche Aussicht bleibt uns noch, diesem kleinen Tyrannen zu entkommen?«

»Wir müssen auf den Zufall bauen,« versetzte Krantz, »obschon die Aussichten vorderhand nicht sehr erfreulich sind. Hoffen wir übrigens das Beste.«

»Da kommt mir ein Gedanke, der vielleicht zu etwas führen wird,« fügte Krantz nach einer Weile bei. »Wir wollen sehen, was sich ausrichten läßt, sobald sich der Zorn des kleinen Mannes vertobt hat.«

»Und das wäre?«

»So sehr er Euer Weib liebt, gibt es doch ein Ding, das ihm ebenso sehr am Herzen liegt – ich meine das Geld. Da wir nun wissen, wo jener Schatz verborgen ist, so denke ich, er könnte sich bewegen lassen, uns die Freiheit zu geben, wenn wir ihm versprächen, ihm zu dem Besitze des Geldes zu verhelfen.«

»Das wäre nicht unmöglich. Verdammt sei dieser boshafte kleine Wicht, der Schriften, der zuverlässig nicht, wie Ihr meint, dieser Welt angehört. Er ist mein ewiger Verfolger und scheint nicht aus eigenem Antrieb zu handeln.«

»Dann muß er ein Stück und Theil von Eurer Bestimmung sein. Ich bin nur begierig, ob uns unser edler Kommandant ohne Essen und Trinken zu lassen gedenkt.«

»Es sollte mich nicht wundern. Ich bin überzeugt, daß er mir nach dem Leben steht, obgleich er nicht im Stande sein wird, mir es zu nehmen. Indeß ist's immerhin genug, wenn er die Leiden desselben vermehrt.«

Sobald sich die Wuth des Kommandanten einigermaßen gelegt hatte, ertheilte er Befehl, Schriften herbeizubringen, um ihn ausführlicher in's Verhör zu nehmen; aber trotz allen Spähens war der Pilot nirgends aufzufinden. Die Schildwache am Thore erklärte, daß er nicht herausgekommen sei, und nun wurden neue Nachforschungen angestellt, die jedoch gleichfalls zu keinem Erfolge führten. Sogar die Kerker und Gallerien unten wurden durchsucht, aber vergeblich.

»Sollte er vielleicht mit den andern Gefangenen eingeschlossen worden sein?« dachte der Kommandant. »Unmöglich – doch ich will hingehen, und mich selbst überzeugen.«

Er stieg hinab, öffnete die Kerkerthüre und sah hinein. Ohne zu sprechen, wollte er wieder umkehren, als ihn Krantz anredete:

»Ei, Signor, das ist ja eine recht freundliche Behandlung nachdem wir so lange auf dem besten Fuß miteinander gelebt haben – uns in's Gefängniß zu werfen, bloß weil ein Kerl erklärt, daß wir nicht seien, für was wir uns ausgegeben haben. Vielleicht gesteht Ihr uns doch ein wenig Trinkwasser zu?«

Der Kommandant, welcher über Schriftens außerordentliches Verschwinden sehr bestürzt war, wußte kaum, was er antworten sollte. Endlich entgegnete er in milderem Tone, als wohl von ihm erwartet werden konnte:

»Ich werde Befehl ertheilen, daß Eurem Begehren entsprochen wird.«

Er schloß dann die Kerkerthüre wieder und verschwand.

»Seltsam,« bemerk« Philipp; »er scheint schon jetzt ruhiger zu sein.«

Nach einigen Minuten wurde die Thüre abermals geöffnet und Pedro kam mit einem Krug Wasser herein.

»Er ist wie durch Zauberei verschwunden, Signores, und kann nirgends aufgefunden werden. Wir haben jeden Winkel durchspäht, aber vergeblich.«

»Nach wem – nach dem kleinen alten Matrosen?«

»Ja, nach demselben, dem Ihr einen Fußtritt versetztet, als Ihr in's Gefängniß geführt wurdet. Alle Leute sagen, er müsse ein Geist gewesen sein. Die Schildwache erklärt, er habe das Fort nicht verlassen und sei auch nicht in ihre Nähe gekommen. Die Art seines Entweichens ist ein Räthsel, das, wie ich bemerkte, unsern Kommandanten nicht wenig eingeschüchtert hat.«

Krantz pfiff vor sich hin und sah Philipp an.

»Habt Ihr die Obhut über uns, Pedro?«

»Ich hoffe so.«

»Gut; so sagt dem Kommandanten, wenn er bereit sei, mich anzuhören, so wolle ich ihm etwas von großer Wichtigkeit mittheilen.«

Pedro ging hinaus.

»Wohlan, Philipp, ich kann diesen kleinen Wicht noch ärger in's Bockshorn jagen, so daß er uns gerne freigeben wird, wenn Ihr mir zu sagen erlaubt, daß Ihr nicht Aminens Gatte seid.«

»Das kann ich nicht thun, Krantz. Ich will nicht länger einer solchen Unwahrheit Raum geben.«

»Ich fürchte das, und doch dünkt es mich, es sei ganz am Orte, wenn wir der Grausamkeit und dem Unrecht eine gewisse Doppelzüngigkeit entgegen setzten. Wenn Ihr nicht in meinen Vorschlag willigt, so weiß ich kaum, wie ich die Sache einleiten soll; indeß – auf jeden Fall will ich alle meine Kräfte aufbieten.«

»Ich will Euch in jeder Weise beistehen, nur müßt Ihr nicht von mir verlangen, daß ich mein Weib verläugne. Dies kann und darf nimmermehr geschehen.«

»Wohlan denn, so will ich sehen, ob ich nicht ein Mährchen zusammen bringe, das alle Partien befriedigen wird. Laßt mich ein Bischen nachdenken.«

Krantz ging sinnend aus und ab, und war noch mit seinen Gedanken beschäftigt, als die Thüre aufging und der Kommandant eintrat.

»Wie ich höre, habt Ihr mir Etwas mitzutheilen – nun, und das wäre?«

»Für's Erste, Signor, laßt jenen kleinen Wicht herunterbringen, damit er uns gegenüber gestellt werde.«

»Ich wüßte nicht, wozu dies führen könnte,« versetzte der Kommandant. »Was mögt Ihr mir zu sagen haben, Signor?«

»Wißt Ihr auch, mit wem Ihr's zu thun habt, wenn Ihr mit jener einäugigen Mißgestalt sprecht?«

»Vermuthlich mit einem holländischen Matrosen.«

»Nein – mit einem Geiste – mit einem Dämon, der Anlaß zum Verlust unsers Schiffes gab und der Unglück mit sich bringt, wo er immer erscheinen mag.«

»Heilige Jungfrau, was Ihr mir da sagt, Signor!«

»Reine Thatsache, Herr Kommandant. Wir sind Euch sehr verbunden, daß Ihr uns hier einsperrt, so lang er in dem Fort ist; aber nehmt Ihr Euch vor ihm in Acht.«

»Ihr macht Euch über mich lustig.«

»Gewiß nicht; laßt ihn herunterbringen. Dieser edle Herr hat Gewalt über ihn. Es wundert mich überhaupt, daß er es wagte, zu bleiben, so lange er in der Nähe ist. Er trägt Etwas auf seinem Herzen, was ihn zitternd von hinnen scheuchen wird. – Laßt ihn herunterbringen und Ihr werdet bald sehen, wie er mit Fluchen und Schreien verschwindet.«

»Der Himmel steh uns bei!« rief der Kommandant erschrocken.

»Wollt Ihr nicht nach ihm schicken, Signor?«

»Er ist fort – verschwunden – nirgends aufzufinden!«

»Dacht ich's doch,« versetzte Philipp bedeutungsvoll.

»Er ist fort – verschwunden – sagt Ihr? Dann, Kommandant, werdet Ihr wahrscheinlich diesen edlen Herrn für die Behandlung, die Ihr ihm zu Theil werden ließt, um Entschuldigung bitten und uns gestatten, wieder nach unserem Gemache zurückzukehren. Ich will Euch dort diese höchst sonderbare und interessante Geschichte auseinandersetzen.«

Der Kommandant, der jetzt verwirrter war, als je, wußte kaum, wie er sich benehmen sollte. Endlich verbeugte er sich gegen Philipp und bat ihn, er möchte sich als auf freien Fuß gesetzt betrachten. Gegen Krantz fuhr er fort:

»Es wird mir ungemein lieb sein, wenn Ihr mir unverweilt diese Geschichte erklären werdet, denn Alles scheint so gar widersprechend zu sein.«

»Und muß es auch bleiben, bis die betreffende Auseinandersetzung gegeben ist. Ich will Euch nach Eurem eigenen Gemache folgen – eine Höflichkeit, die Ihr von meinem edlen Freunde nicht erwarten dürft, da er über Eure Behandlung nicht wenig entrüstet ist.«

Der Kommandant ging hinaus und ließ die Thüre offen stehen. Philipp und Krantz folgten nach; Ersterer begab sich nach seinem eigenen Gemache, während der Letztere seine Schritte nach dem Wohnzimmer des Kommandanten lenkte. Die Verwirrung, die in dem Gehirn des kleinen Mannes wirbelte, ließ ihn ungemein lächerlich erscheinen. Er wußte kaum, ob er den Befehlshaber spielen oder höflich sein sollte, ob er wirklich mit dem ersten Maten des Schiffs oder mit jemand Anderem sprach, und ebensowenig, ob er einen Adeligen gekränkt oder einem einfachen Schiffskapitän den Hof gemacht hatte. Er warf sich auf sein Sopha nieder und Krantz, der in einem Stuhle Platz nahm, begann folgendermaßen:

»Ihr seid zum Theil getäuscht worden, zum Theil auch nicht, Kommandant. Als wir hieherkamen, wußten wir nicht, welche Behandlung uns zu Theil werden könnte, und verheimlichten deßhalb unsern Rang. Nachher unterrichtete ich Euch von der Stellung meines Freundes in seiner Heimath, obgleich ich es nicht für der Rede werth hielt, mich über diejenige zu verbreiten, die er an Bord des Schiffes einnahm. Wie sich von einem so hochgestellten Manne, wie er ist, erwarten läßt, verhält sich der eigentliche Thatbestand so, daß er der Eigentümer des schönen Schiffes war, das durch die Einmengung jenes einäugigen Wichtes verloren ging; doch davon bei einer andern Gelegenheit – jetzt zu der Geschichte.

»Vor zehn Jahren war in Amsterdam ein großer Geizhals; er lebte in der allerärmlichsten Weise, in der ein Mensch nur leben kann, trug nichts als Lumpen und glich in seinem Anzuge dem gemeinsten Matrosen, da er früher selbst ein Seemann gewesen war. Er hatte einen einzigen Sohn, dem er sogar die nöthigsten Lebensbedürfnisse verweigerte, und den er auf's Grausamste behandelte. Nach vielen vergeblichen Versuchen, einen Theil des väterlichen Reichthums an sich zu bringen, stiftete der Teufel den Sohn an, den alten Mann zu ermorden, der eines Tages todt in seinem Bett gefunden wurde. Es fanden sich keine Spuren von Gewaltthätigkeit, welche hätten beschworen werden können, und obgleich auf den Sohn Verdacht fiel, so wurde doch die ganze Geschichte vertuscht, so daß der junge Mann in den Besitz des ganzen väterlichen Schatzes kam. Man erwartete jetzt von ihm, er werde üppig leben und einen Theil seines Erbes verschwenden, wie es gewöhnlich der Fall ist; er gab aber im Gegentheil nicht nur nichts aus, sondern schien sogar so arm, ja noch ärmer als je zu sein. Frohsinn und Heiterkeit bemerkte man nie an ihm; höchst erbärmlich in seinem Aeußern, und trübseligen Geistes wandelte er umher, eine Kruste Brod suchend, wo er sie finden konnte. Einige sagten, das Laster seines Vaters habe sich auf ihn übergepflanzt und er sei ein eben so großer Geizhals geworden, als dieser je gewesen; Andere schüttelten den Kopf und meinten, daß nicht Alles richtig sei. Endlich, nach sechs oder sieben Jahren eines kümmerlichen Lebens, starb der junge Mann ohne Beichte oder Absolution – er wurde todt in seinem Bette gefunden. Neben seinem Lager fand man einen Streifen Papier an die Behörden, in welchem er eingestand, daß er seinen Vater um des Geldes willen ermordet habe; als er den Tag darauf etwas von der Hinterlassenschaft an sich nehmen wollte, sah er den Geist seines Vaters auf den Geldsäcken sitzen, der ihm mit augenblicklichem Tode drohte, wenn er auch nur ein einziges Stück berühre. Er kam wieder und wieder zurück, aber stets hielt der Geist des Alten Schildwache. Endlich gab er jeden Versuch auf; sein Verbrechen machte ihn elend, und obschon er im Auge der Welt große Reichthümer besaß, so durfte er es doch nicht wagen, auch nur einen Stüber davon auszugeben. Er bat außerdem, da sein Ende herannahe, so solle das Geld der Kirche seines Schutzheiligen gegeben werden, wo immer dieselbe gefunden werden möge; sei aber eine solche nicht vorhanden, so möge man eine neue Kirche bauen und dieselbe begaben. Man stellte Nachforschungen an, und fand weder in Holland, noch in den Niederlanden – denn Ihr wißt, daß es dort nicht viele Katholiken gibt – die angedeutete Kirche, weßhalb man in katholischen Gegenden, in Lissabon und Spanien, Erkundigungen einholte, ohne jedoch ein besseres Resultat zu erzielen. Indeß fand man doch so viel aus, daß die einzige Kirche, welche dem angedeuteten Heiligen geweiht ist, zu Goa, in Ostindien, von einem portugiesischen Edelmann erbaut wurde. Der katholische Bischof entschied sich dafür, daß das Geld nach Goa geschickt werden solle; zu diesem Ende wurde es an Bord von meines Patrons Schiffe geladen, der es der ersten portugiesischen Obrigkeit, auf die er traf, überantworten sollte.

»Zur besseren Sicherheit wurde das Geld in die Kapitänskajüte gebracht, die natürlich mein edler Freund bewohnte, und als er in der ersten Nacht zu Bette ging, bemerkte er zu seinem großen Erstaunen, daß ein kleiner einäugiger alter Mann auf den Truhen saß.«

»Barmherziger Heiland!« rief der Kommandant, »wie, derselbe kleine Mann, der uns heute erschienen ist?«

»Derselbe,« versetzte Krantz.

Der Kommandant bekreuzte sich und Krantz fuhr fort:

»Wie Ihr Euch denken könnt, gerieth mein edler Patron in ziemliche Unruhe; er ist jedoch ein sehr muthiger Mann und fragte den Alten, wer er sei und wie er an Bord gekommen.«

»›Ich kam an Bord mit meinem Gelde,‹ versetzte das Gespenst. ›Es ist Alles mein Eigenthum und ich will es behalten. Die Kirche soll keinen Stüber davon haben, wenn ich es wehren kann.‹

»Hierauf zog mein Patron eine berühmte Reliquie heraus, die er in seinem Busen trägt, und hielt sie ihm entgegen. Der alte Mann heulte und schrie, bis er zuletzt, obgleich nur sehr ungern, verschwand. Zwei weitere Nächte beharrte das Gespenst in seinem Starrsinn, machte sich aber jedesmal bei dem Anblick der Reliquie mit Geheul davon, wie wenn es großen Schmerz leide. Auch pflegte er beim Verschwinden stets zu schreien: ›verloren – verloren!‹ – und während des Rests der Reise beunruhigte es uns nicht wieder.

»Als uns nun unser Patron dies mittheilte, meinten wir, der Ruf beziehe sich auf das Geld, welches für das Gespenst verloren sei, obschon sich später herausstellte, daß es dem Schiffe galt. In der That war es sehr unüberlegt von uns, daß wir die Schätze eines Vatermörders an Bord genommen hatten. Wir konnten nichts Gutes von einer solchen Fracht erwarten und so stellte sich's auch heraus. Als das Schiff zu Grunde ging, gab sich unser Patron alle Mühe, das Geld zu retten; es wurde auf den Floß gebracht und, als wir landeten, an's Ufer geschafft und daselbst verscharrt, damit es der Kirche zugestellt werden könnte, der es vermacht worden. Die Leute, welche es in die Erde begruben, sind jetzt alle todt, und außer meinem Freunde, dem Patron, ist nicht ein Einziger übrig geblieben, dem die Stelle bekannt ist. – Ich vergaß zu bemerken: sobald das Geld auf der Insel gelandet und vergraben war, erschien das Gespenst wieder, wie zuvor, und setzte sich auf die Stelle, wo der Schatz eingescharrt lag. Ich glaube, wenn dies nicht der Fall gewesen wäre, würden sich die Matrosen denselben zugeeignet haben. Aus dem Umstände, daß der Geist heute hier erschienen ist, vermuthe ich, daß er es satt hat, sein Geld zu bewachen, und es deshalb verließ, oder kam er vielleicht hieher, damit man es von der Insel fortbringe, obgleich ich mir den Grund nicht denken kann.«

»Wunderbar – sehr wunderbar! Also liegt ein großer Schatz in dem Sande begraben?«

»Ja.«

»Und aus dem Hieherkommen des Gespenstes könnte man vermuthen, daß es ihn verlassen hat?«

»Natürlich, sonst könnte es nicht hier sein.«

»Könnt Ihr Euch nicht vorstellen, welche Ursache es hieher gefühlt haben mag?«

»Wahrscheinlich, um seine Absicht kund zu thun und meinen Freund zu bitten, daß er den Schatz holen lasse; aber Ihr wißt, er wurde unterbrochen.«

»Allerdings; aber er nannte Euern Freund Vanderdecken.«

»Dies war der Name, den er an Bord des Schiffes führte.«

»Und auch der Name jener Dame?«

»Ja; er traf an dem Kap der guten Hoffnung mit ihr zusammen und führte sie mit sich fort.«

»Dann ist sie also sein Weib?«

»Ich darf diese Frage nicht beantworten; es reicht vollkommen zu, daß er sie als Gattin behandelt.«

»Ah, so! Aber was diesen Schatz betrifft – Ihr sagt, daß Niemand wisse, wo er begraben sei, als der Patron, wie Ihr ihn nennt?«

»Niemand.«

»Wollt Ihr so gut sein, ihm mein Bedauern über das Vorgefallene auszudrücken und ihm zu sagen, daß ich mir das Vergnügen vorbehalte, ihn morgen zu sprechen?«

»Gewiß, Signor,« versetzte Krantz, sich von seinem Stuhle erhebend.

Er wünschte sofort dem Kommandanten guten Abend und entfernte sich.

»Ich habe nach dem Einen gejagt und das Andere gefunden. Ein Gespenst muß es gewesen sein, aber es bedarf eines dreisten Gespenstes, wenn es mich von Dublonen wegschrecken soll – und außerdem kann ich ja die Priester beiziehen. Will einmal sehen. Wenn ich diesen Mann unter der Bedingung ziehen lasse, daß er den Ort, wo der Schatz liegt, der Obrigkeit – das heißt mir – anzeigt – ja dann muß ich freilich das schöne junge Weib aufgeben. Wenn ich dieses Papier an sie abgehen lasse, so kann ich sie gewinnen – aber ich muß mir ihn zuerst vom Halse schaffen. Was wähle ich von beidem? – ja – das Geld! Es läßt sich nicht Alles zumal erringen. Jedenfalls will ich mir zuerst das Geld zueignen – ich brauche es besser, als die Kirche. Aber wenn ich das Geld habe, könnten mich diese zwei Männer bloßstellen – ich muß sie beseitigen, für immer zum Schweigen bringen – und dann kann ich vielleicht auch noch die schöne Amine gewinnen. Ja, ihr Tod wird nöthig sein, um mir Beides zu verschaffen – das heißt, wenn ich zuvor das Erste in meinen Besitz gebracht habe. – Ich will mir die Sache bedenken.«

Der Kommandant ging noch einige Minuten im Zimmer auf und ab und überlegte bei sich die beste Verfahrungsweise.

»Er sagt, es sei ein Gespenst, und hat mir da ein ganz annehmliches Geschichtchen erzählt,« dachte er; »aber ich weiß nicht – ich habe mein Bedenken, sie könnten mir einen Possen spielen. Nun, sei's drum, wenn das Geld da ist, so soll es mein Eigenthum werden – wo nicht, so will ich Rache nehmen. Ja, ich habe es, nicht nur sie müssen bei Seite geschafft werden, sondern allmälig auch alle Uebrigen, welche beim Fortbringen des Schatzes mitgeholfen haben; – dann – doch – wer ist da? Pedro?«

»Ja, Signor.«

»Wie lange bist du schon hier?«

»Erst seit diesem Augenblicke, Signor; es war mir, als hörte ich Euch rufen.«

»Du kannst gehen – ich brauche nichts.«

Pedro entfernte sich; er hatte jedoch schon geraume Zeit im Zimmer gestanden und das ganze Selbstgespräch des Kommandanten mit angehört.

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