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Der Fall Luzifers

Sebastian Sailer: Der Fall Luzifers - Kapitel 2
Quellenangabe
typecomedy
booktitleDie biblischen und weltlichen Kom¨dien des hochwürdigen Herrn Sebastian Sailer
authorSebastian Sailer
year1913
publisherAlbert Langen Verlag
addressMünchen
titleDer Fall Luzifers
pages51-53
created20040421
sendergerd.bouillon
firstpub1738
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Prologus

        Quotquot praesentes hic video,
animo, ut opinor, cupido,
                attendite!
    Periocham scenae
    joco seriisque plenae
        expono summarie.
Lapsum Luciferi
ordinis quondam supremum cherubici,
qui inter ignitas quondam gradiens lampades
nunc atros inter sessitat Daemones.
    Hunc nequam, furciferum, nebulonem,
    Mastigiam, Halapantam, flagrionem,
    stipitem, truncum, stolonem
        de coeli gloria
        lapsum ad tartara
    theatrum meum, ut assolet,
    modo proferet.
Hoc unum noto praeambulum,
nullatenus me velle statum angelicum
    atra injuria inhonorare;
        sed dialecto rustico
        plebejorum modulo
    simpliciter enarrare.
Discretum hic appello auditorium,
cum fatuis namque mihi nullum negotium.
    Hos etenim sycophantas
    ad Indos et Garamantas,
    ad thulem ultimam
    amando, quin in Utopiam.
Ariose
        Foras heißt's, hinaus
zu dem Komödiehaus!
qui male solet vertere,
quae merae sunt facetiae
    Foras cito
insulso, tetrico,
nimis insipido
cum Heraclito.
Quos hic video,
ut sanos reputo,

die viel Verstand und Witz im Kopf.
Ein Kritisirer, Grillentropf
    sistat foris;
        sub fronte aspera
        torquere labia
    hic non est moris.
        Diducto sipario
        rem inchoo.

 
Verdeutschung des Prologs

Ihr alle, die ich hier gegenwärtig sehe, und nach meiner Vermuthung neugierig seyd, merket auf. Ich gebe einen kurzen Begriff des vorhabenden Schauspiels, welches theils ernsthaften, theils scherzhaften Inhaltes ist. Ich stelle nemlich vor den Fall Luzifers, der ehmals, als Einer der vornehmsten aus dem Cherubinenorden, zwischen den hellleuchtenden Himmelslampen wandelte, nunmehr aber zwischen den schwarzen Teufeln sitzet. Diesen Bösewicht, diesen Galgenschwengel und Lotterbuben, diesen Schalk und Erzlügner, diesen Schurken und Tölpel, diesen Bengel und Thoren, der aus des Himmels Herrlichkeit in die Hölle hinunter stürzte; diesen schlechten Kerl wird nun das Schauspiel nach meiner gewöhnlichen Art vorstellen.

Nur eines aber bemerke ich vorläufig: nemlich, daß ich ja nicht im Geringsten den Engelstand durch schwarze Lästerung entehren, sondern die Sache nur in bäurischer Sprache nach Pöbelart einfältig erzählen wolle. Hier halte ich mich nur an die bescheidenen Zuhörer, denn mit den unbescheidenen will ich Nichts zu schaffen haben. Dergleichen Grübelköpfe verweise ich entweder nach Indien, oder zu den äussersten Völkern in Afrika, oder zu dem letzten Weltorte, oder wohl gar zu den Einwohnern des Schlaraffenlandes.

Es heißt hinaus zu dem Komödiehaus mit denjenigen, die das schief auszulegen pflegen, was doch nur bloßer Scherz seyn soll.

Mit dem weinerlichen Heraklit sollen sich Alle hurtig entfernen, die ungeschmackt, sauertöpfisch und zu grüblig sind. –

Von denen, die ich hier sehe, vermuthe ich, daß sie als bescheidene Leute Verstand und Witz im Kopfe haben. Ein Kritisirer und Grillentropf hingegen soll vor der Thüre draussen stehen, denn hier wird Keiner gelitten, der mit finsterer Stirne den Mund krümmet, oder die Nase rümpft.

Ich eröffne nun den Vorhang, und fange die Sache an.

(Sixt Bachmann)

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