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Der Drudenfuß

Louis Weinert-Wilton: Der Drudenfuß - Kapitel 36
Quellenangabe
typefiction
authorLouis Weinert-Wilton
titleDer Drudenfuß
publisherWilhelm Goldmann Verlag
yearo.J.
isbn3-442-00233-8
firstpub1931
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
modified20160809
created20160106
projectidafbc9632
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35

»Sehen Sie zu, daß Ihnen kein Fehler unterläuft, denn es geht um eine wichtige Sache«, sagte der junge Kommissar, den Miles nicht leiden mochte, in seiner etwas arroganten Art. »Sie haben nicht mehr zu tun, als ich Ihnen eben mitgeteilt habe, aber das muß auf die Minute und in jeder Einzelheit klappen.«

Er machte eine entlassende Handbewegung, wie sie der Chef nicht gnädiger machen konnte, und der Inspektor zog sich zurück. Hinter der Tür aber fauchte er wie ein gereizter Kater und rieb sich die Glatze. Was er seinerzeit dem Sergeanten gegenüber ahnungsvoll geäußert hatte, war nun eingetreten. Er war gelb vor Neid, blau vor Wut und grün vor Galle, und dabei durfte er in den nächsten vierundzwanzig Stunden wohl kaum ein Auge schließen, ohne auch nur eine Ahnung von dem Warum und Wozu dieser Schinderei zu haben.

Am einfachsten war noch die Sache mit Mr. Smith, und nachdem er sich mit dem Coroner des Bezirks telefonisch verabredet hatte, machte er sich sofort auf den Weg nach Summers Town.

Der trauernde Witwer, der eben im Begriff war, sich für die Beerdigung umzukleiden, empfing die beiden Herren mit derselben zerstreuten Höflichkeit, die er in den letzten Tagen für alle Besucher übrig gehabt hatte, und der wißbegierige Miles sah sich einigermaßen enttäuscht. Aber vielleicht erfuhr er doch das eine oder das andere, wenn er es geschickt anstellte.

»Es tut uns leid, Ihnen Unannehmlichkeiten bereiten zu müssen«, begann er mit ernstem Gesicht, »aber der Coroner, Mr. Garner, ist zu dem Entschluß gekommen, die Leiche von Mrs. Smith nicht freizugeben. So ist es doch?« wandte er sich sehr förmlich an seinen Begleiter, und als dieser ernsthaft nickte, richteten sich die lauernden Blicke des Inspektors wieder auf den Mann, den die Sache anging. »Es wird also am besten sein«, fuhr er fort, »wenn wir gleich durch die Leute vom Bestattungsinstitut die Überführung in die Anatomie veranlassen.«

Mr. Smith starrte mit schiefem Kopf vor sich hin und schlug mit dem Zeigefinger einen langsamen, feierlichen Takt. Endlich erwachte er aber doch und blinzelte seine Besucher mit unbefangener Liebenswürdigkeit an.

»Jawohl, meine Herren, wie Sie wünschen«, sagte er mit einer höflichen Verbeugung. »Ich danke Ihnen sehr.«

Unten an der Treppe machte der Inspektor mit verkniffenem Gesicht halt und deutete nach oben. »Was halten Sie davon?«

Der Coroner, ein einfacher praktischer Arzt, zuckte gleichmütig mit den Achseln.

»Verrückt. – Wie überhaupt die ganze Geschichte. Ich glaube nämlich kaum, daß man bei der Obduktion etwas anderes finden wird als bei der Leichenschau, aber wenn die Herren es so haben wollen, meinetwegen.«

Er lüftete sehr förmlich den Hut und ging seines Weges, während Miles heftig schimpfte, weil er nun um nichts klüger war als zuvor.

Am wenigsten berührt von der ganzen Sache zeigte sich Mr. Smith, denn er saß bereits fünf Minuten später wieder träumend am Klavier und schlug von Zeit zu Zeit einen Ton an, dessen Klang er mit kritischem Ohr verfolgte.

Mit diesem Spiel vertrieb er sich den halben Nachmittag, während die Dienstboten unter aufgeregtem Tuscheln die Köpfe zusammensteckten. So unauffällig auch alle behördlichen Anordnungen durchgeführt worden waren, die Verschiebung der Beisetzung hatte sich natürlich nicht verheimlichen lassen, und die verstörten Leute raunten einander die schrecklichsten Vermutungen ins Ohr.

Auch der Geschäftsführer fing einiges davon auf, und das veranlaßte ihn, den Plan, mit dem er sich seit vierundzwanzig Stunden trug, möglichst rasch zu betreiben. Der Augenblick schien nicht gerade günstig gewählt, denn Mr. Smith befand sich in seinem musikalischen Dämmerzustand, aber der Mann ging unbeirrt und mit sachlicher Knappheit auf sein Ziel los.

»Es wäre möglich, daß Sie sich mit dem Gedanken tragen, die Bar abzugeben«, begann er ohne weitere Umschweife, »und ich würde das begreiflich finden, denn Sie sind ein großer Künstler, dem solch ein Betrieb keine Befriedigung gewähren kann. Jedenfalls stelle ich mich Ihnen zur Verfügung. Ich habe ein Konsortium an der Hand, das bereit wäre, das Geschäft sofort zu übernehmen und den Kaufpreis bar auf den Tisch zu legen. In einer Stunde könnte alles erledigt sein«, versicherte er und sah erwartungsvoll auf Mr. Smith, der noch immer auf den Tasten herumtippte.

Erst nach einer Weile brach er jäh ab, strich sich über die Stirn und schüttelte wehmütig mit dem Kopf.

»Diese Erinnerungen . . .«, murmelte er zusammenhanglos »Jawohl . . . Überall sehe ich ihr geliebtes Bild. Das würde ich nicht ertragen können.« Er machte eine kleine Pause, um dann plötzlich nüchtern und klar zu fragen: »In einer Stunde, sagten Sie? Gut. Und bar auf den Tisch? – Wieviel?«

Der überraschte Geschäftsführer nannte eine Summe, die er sich als Mindestangebot zurechtgelegt hatte, aber Mr. Smith war zu unpraktisch, um an ein Feilschen zu denken. Er nickte gleichmütig, und der andere schoß davon, um das Eisen nicht kalt werden zu lassen.

Die Frist von einer Stunde war noch nicht verstrichen, als Mr. Smith seine Unterschrift unter die Verkaufsurkunde setzte und seine weiße Hand auf das ansehnliche Paket von Hundertpfundnoten legte.

Als er wieder allein war, verschloß er sorgfältig alle Türen und barg die Scheine in einer kleinen Kassette, die bereits ein dickes Bündel amerikanischen Geldes enthielt. Nachdem er noch geraume Zeit in seinem Schreibtisch gekramt und verschiedene Papiere verbrannt hatte, verließ er gegen Abend mit einer Aktentasche das Haus und fuhr mit dem nächsten Bus in Richtung Kensington davon.

 

Mr. Bayford hatte nach der aufregenden Nacht einen ebenso aufregenden Tag, weil ihm die Furcht bereits arg im Genick saß. Die Sache mit dem Mädchen hatte ihm zum Bewußtsein gebracht, daß sein Gegner hartnäckig hinter ihm her war, und er sah keine Möglichkeit, sich dagegen zu schützen. Auch von seinem neuen Bundesgenossen erwartete er in dieser Hinsicht nicht mehr viel, und als Mr. Grubb ihn um die Mittagsstunde wieder zu einer Besprechung in den Wagen aufnahm, wurde er völlig herabgestimmt.

Der ›Mächtige‹ war sehr ernst, und was er sprach, klang nicht gerade angenehm.

»Ich weiß nun, woran wir mit dem bewußten Dritten sind«, sagte er ohne nähere Erklärung, »und halte es für das beste, daß wir die Karte so rasch wie möglich in unseren Besitz bringen. Ich habe bereits für heute alles Nötige veranlaßt. Gelingt die Sache, so sehen wir uns genau morgen in vier Wochen im ›Hotel Esplanade‹ in Antwerpen. Früher möchte ich nichts unternehmen, und es wird auch gut sein, daß wir bis dahin völlig außer Verbindung bleiben. Soviel Vertrauen müssen Sie schon zu mir haben. – Und wenn ich Ihnen noch einen Rat geben darf«, fügte Grubb sehr nachdenklich hinzu, »so trachten Sie Oberst Passmore schnellstens aus den Augen zu kommen. Er hat keine sonderlich freundlichen Absichten mit Ihnen, und ich fürchte, er ist der Mann, sie auch auszuführen. Ich habe alles mögliche versucht, um ihm beizukommen, aber es ist leider mißlungen. Und mehr möchte ich nicht wagen, weil wir sonst alles aufs Spiel setzen.«

Der Rat war deutlich, und da Bayford das Gefühl hatte, daß er auch wirklich angebracht war, begann er sofort, sich damit eingehend zu beschäftigen. Schließlich hielt ihn ja wirklich nichts mehr zurück, sobald die Angelegenheit mit Ferguson in Ordnung gebracht war, und außerdem bot ihm die Einladung von Mrs. Melendez eine Gelegenheit zum Rückzug, wie er sich sie günstiger nicht wünschen konnte. Wenn in der kommenden Nacht alles gut ging, konnte er im Laufe des morgigen Tages durch die Aufgabe der Depeschen das große Geschäft Fergusons zu Ende führen und für sich und Mrs. Lee dann sofort die Gastfreundschaft der ›dicken Zigarre‹ in Anspruch nehmen.

Der Herr mit dem Monokel fühlte sich zwar wie zerschlagen, und besonders eine Beule am Hinterkopf bereitete ihm empfindliche Schmerzen, aber er riß sich zusammen, denn er hatte nun keine Minute zu verlieren. Vor allem galt es für ihn, rasch einiges Geld in die Hand zu bekommen, und sein nächster Weg war daher zur Bank, auf die Mr. Smith den Scheck ausgestellt hatte. Die Prüfung dauerte lange, und Bayford begann sich plötzlich sehr unbehaglich zu fühlen. Wenn ihn dieser verschlagene Schurke doch hinters Licht geführt hatte.

»Ist etwas nicht in Ordnung?« fragte er betroffen, als er das Papier tatsächlich wieder ausgehändigt bekam.

Der Mann am Schalter hob leicht die Schultern. »Ja und nein. Der Scheck trägt das Datum von übermorgen. Es dürfte sich vielleicht um ein Versehen handeln, aber wir können ihn natürlich nicht früher honorieren.«

Diese Auskunft bedeutete für den geldbedürftigen Mr. Bayford einen argen Schlag und setzte ihn um so mehr in Verwirrung, als er nicht wußte, was er von der Sache zu halten hatte. War dem zerstreuten Smith wirklich nur ein Irrtum unterlaufen, oder hatte er damit eine bestimmte Absicht verfolgt?

Bayford wollte sich in dieser wichtigen Frage raschestens Klarheit schaffen, aber ein zweiter Besuch bei dem seltsamen Mann schien ihm nicht geraten. Vielleicht rechnete jener sogar damit und hatte seine Vorkehrungen getroffen.

Der Herr mit dem Monokel zog daher einen telefonischen Anruf vor, hatte jedoch kein Glück. Die Leitung war offenbar nicht in Ordnung, und nach einer halben Stunde gab Bayford sein vergebliches Bemühen mit einem grimmigen Fluch auf. So wichtig die Angelegenheit war, konnte er damit nicht die Zeit vertrödeln, denn es gab noch eine Menge anderer Dinge zu erledigen.

Zunächst mußte er Mrs. Lee veranlassen, sich bereitzuhalten. Dabei erinnerte er sich, daß er für die Trauung noch gar keine Vorbereitungen getroffen hatte, und soweit er den kommenden Tag übersah, würde ihm auch kaum die hierfür notwendige Zeit übrigbleiben. Er selbst legte zwar auf diese Formalität keinen Wert, aber Frauen waren in diesem Punkt meist von einer geradezu lächerlichen Kleinlichkeit.

Aber während er nach dem Berkeley Square fuhr, fiel ihm ein Ausweg ein.

Die romantische Mrs. Lee war nicht kleinlich und fand die Idee, die er ihr vorsichtig andeutete, ›einfach himmlisch‹.

»Eine Trauung auf einer Jacht!« flötete sie begeistert. »Wie stimmungsvoll!«

»Oder irgendwo unterwegs«, meinte Bayford leichthin, um für alle Fälle einen längeren Spielraum zu gewinnen, aber die glückselige Witwe verschloß ihm den Mund mit einem langen dankbaren Kuß, und Mr. Bayford spürte unter der stürmischen Umarmung alle die blutunterlaufenen Flecke, die ihm das Abenteuer der verflossenen Nacht eingebracht hatte. Er schnitt ein so verzweifeltes Gesicht, daß es sogar der verzückten Witwe auffiel.

»Was ist dir, Liebster?« forschte sie erschreckt und teilnahmsvoll, und der Herr mit dem Monokel hatte neuerlich einen Einfall.

»Oh, nur ein bißchen Ärger«, entschuldigte er sich. »Es ist auch wirklich zu dumm! Da ordnet man alles bis ins kleinste, und dann werden einem alle Pläne durch eine alberne Kleinigkeit umgestoßen.«

Er machte eine abwehrende Handbewegung, aber Mrs. Lee sah ihn so bekümmert und mitfühlend an, daß er sich verpflichtet fühlte, ihr das fatale Versehen, das mit dem Scheck unterlaufen war, näher zu erklären.

»Dabei sollte das unser Reisegeld sein«, schloß er verdrießlich, »und wenn es mir bei der Kürze der Zeit nicht gelingt, andere Mittel flüssig zu machen, müssen wir wohl oder übel bis übermorgen warten. – Leider wird dann aus dem Vergnügen der Jachtfahrt nichts, denn . . .«

»Es wird – es wird . . .«, jubelte Mrs. Lee und beeilte sich, Mr. Bayfords sorgenvolles Gesicht vor allem einmal durch einige herzhafte Küsse zu glätten. Dann trippelte sie gewichtig davon, und als sie nach einer längeren Weile zurückkehrte, strahlte ihr Gesicht von neckischer Verschmitztheit. Sie steckte blitzschnell erst die eine, dann die andere ihrer krampfhaft geschlossenen Patschhände in seine Taschen und kicherte dabei so belustigt, daß es der gutherzige Mann nicht über sich bringen konnte, ihr den Spaß zu verderben. Er lächelte völlig ahnungslos über ihr kindliches Spiel, aber als er wieder im Wagen saß, nahm er mit großem Interesse eine Inventur seiner Taschen vor, die ihn sehr befriedigte. Es waren zwar keine fünftausend Pfund, immerhin brauchte er sich jedoch nun mit dummen Geldsorgen nicht mehr den Kopf zu beschweren.

Als er endlich nach Kensington kam, war es bereits Abend geworden, aber er bemerkte schon von weitem das hoch mit Koffern beladene Auto, das fahrbereit vor dem Haus von Mrs. Melendez stand. Der Anblick ließ ihn unruhig werden, denn wenn er die ›dicke Zigarre‹ nicht mehr antraf, gab es für ihn zumindest große Schwierigkeiten, bevor er sich mit ihr in Verbindung setzen konnte.

Aber seine Sorge war unbegründet, Mrs. Melendez war zwar bereits reisefertig, überwachte jedoch zunächst noch den Abtransport ihres Gepäcks. Sie empfing Bayford in der Diele, und in ihren schläfrigen Augen lag eine besorgte Frage.

»Ich freue mich, daß ich Ihnen noch adieu sagen kann«, begrüßte sie ihn hastig. »Hoffentlich bringen Sie mir keine unangenehme Nachricht.«

»Je nachdem«, erwiderte er, aber sein Lächeln beruhigte sie einigermaßen. »Ich möchte Sie nämlich mit Ihrer freundlichen Einladung beim Worte nehmen, wenn wir Ihnen nicht allzusehr zur Last fallen.«

Sie sah ihn erst verständnislos an, dann aber erinnerte sie sich und bekam es wieder mit der Angst zu tun.

»Ist etwas Besonderes vorgefallen, daß Sie es auf einmal so eilig haben?« forschte sie mißtrauisch.

»Nichts anderes, als daß wir es nicht erwarten können, unsere Hochzeitsreise anzutreten«, gab er mit einem zynischen Grinsen zurück. »Joanna fand Ihre Einladung, von der ich ihr Mitteilung machte, so nett, daß sie nicht mehr davon abzubringen war. Vielleicht haben Sie also ein bescheidenes Plätzchen für uns. – Ehe ich es vergesse«, fügte er blinzelnd hinzu, »Sie sind eine entfernte Verwandte von mir, und wir kennen uns bereits von Kindheit an.«

Mrs. Melendez fühlte sich völlig beruhigt und griff nun die Sache mit großem Eifer auf.

»Gut«, sagte sie, »das läßt sich machen. Platz ist ja auf der ›Najade‹ genug, und ein wenig Komfort für ein junges Ehepaar haben wir auch.« Sie ließ ihre starken gelben Zähne sehen und drohte schalkhaft mit dem dicken Zeigefinger. »Sie sollen zufrieden sein, denn ich werde mich selbst um alles kümmern. – Offen gestanden ist mir dieses Arrangement sehr angenehm«, fuhr sie freimütig fort. »Sie wissen ja, daß mir die Dinge nicht ganz geheuer vorkommen, und da könnte mir kein Gast willkommener sein, als gerade Mrs. Lee. Sie ist sehr bekannt und angesehen, und wo eine solche Katze sitzt, wird man keine Mäuse suchen. – Es bleibt also dabei. Ich bin in zwei Stunden an Bord, und Sie können dann kommen, wann Sie wollen. Je früher, desto besser, denn man kann nicht wissen . . . Am Ufer oberhalb West Thurrock liegt eine kleine Barkasse mit einem blauen Wimpel, die Sie zum Schiff bringen wird.«

Die ›dicke Zigarre‹ war plötzlich so guter Laune, daß sie dem Besucher noch eine kokette Kußhand nachsandte, die Mr. Bayford mit einem heißen Blick erwiderte. Die massive Frau schloß unter diesem Blick betroffen die schweren Lider, und ihre Hängebacken bekamen den Ton von mattem Kupfer; aber als sich die Tür hinter dem Mann mit dem Monokel geschlossen hatte, verscheuchte sie diese seltsame Anwandlung mit einer energischen Handbewegung und setzte neuerlich die Dienerschaft in Bewegung, um endlich von dem Boden wegzukommen, der ihr unter den Füßen brannte.

Der Lenker eines Taxis, das schon seit länger als einer Stunde etwa fünfzig Schritte gegenüber auf einen Fahrgast wartete, reckte hinter Bayford den Hals, aber erst, als der Wagen von Mrs. Melendez aus der Gartenpforte rollte und gleich darauf auch das Auto mit dem Gepäck sich in Bewegung setzte, wurde der Mann lebendiger. Er barg die kleine Handtasche, die er neben sich stehen hatte, unter der Polsterung seines Sitzes und fuhr mit abgeblendeten Lichtern hinter den beiden Wagen her. In der gleichen Entfernung, die er hielt, und mit der gleichen Unauffälligkeit folgte ihm ein Motorradfahrer, der plötzlich von irgendwoher gekommen war, und eine große Gestalt in einem hochgeschlossenen Wettermantel sah dem Zuge gespannt nach.

»Ich glaube, der Schwarm gerät nun in Bewegung«, wandte sich Oberst Passmore an den Vierschrötigen mit den Affenarmen, »und Sie können Scotland Yard das Zeichen geben. Die Männer für Lambeth haben pünktlich um elf Uhr zur Stelle zu sein, aber Inspektor Miles hat erst einzugreifen, wenn der Anruf durch den Lautsprecher erfolgt. – Ist auf dem Fluß alles in Ordnung?«

»Jawohl, Sir. Die Boote stehen seit sechs Uhr im Dienst und sind über die Signale genau unterrichtet. Auch die Zeichen für die Lichter sind vorbereitet.«

»Sehr gut«, sagte Oberst Passmore, und wieder einmal lag um seinen Mund das abgründige Lächeln, das sogar dem ›Mächtigen‹ so mißfallen hatte.

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