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Der Drudenfuß

Louis Weinert-Wilton: Der Drudenfuß - Kapitel 28
Quellenangabe
typefiction
authorLouis Weinert-Wilton
titleDer Drudenfuß
publisherWilhelm Goldmann Verlag
yearo.J.
isbn3-442-00233-8
firstpub1931
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
modified20160809
created20160106
projectidafbc9632
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27

Das alte Haus in Lambeth lag verlassen, und der dicke kleine Mann mit dem geröteten Gesicht und dem geraden Scheitel, der kurz vor Mitternacht die knarrende Holztreppe heraufkeuchte, hatte keine Veranlassung zu irgendwelchem Mißtrauen. Seine Sinne waren allerdings augenblicklich auch nicht sonderlich empfänglich, denn Fred Slater war seit vierundzwanzig Stunden bemüht, sich Mut anzutrinken.

Der Auftrag des ›Padischah‹ zwang ihn zu einer Sache, zu der er heute nicht mehr die Nerven hatte. Das mit den Matrosen war damals etwas ganz anderes gewesen. Er hatte an das Fläschchen, das ihm ein schlitzäugiger Bursche für einige Gläser Brandy angehängt hatte, nicht so recht geglaubt, und als er es zum erstenmal versuchte, war dies eigentlich bloß aus Neugierde geschehen. Erst als alles so leicht und unauffällig gegangen war, hatte er sich darauf verlegt, die Geschichte einträglich zu gestalten, aber schließlich war er dabei doch fast um seinen Hals gekommen.

Um diesen ging es nun wiederum bei der Geschichte, die der ›Padischah‹ sich in den Kopf gesetzt hatte und bei der er selbst die Kastanien aus dem Feuer holen sollte. Bayford und Ferguson und vielleicht auch der Rotbärtige waren keine einfachen Seeleute, um die man nicht viel Wesens machte, und selbst wenn alles glatt ablief, würde es doch bedenklichen Lärm geben. Und vielleicht würde man sich dann an Fred Slater erinnern . . .

Der dicke, kurzatmige Mann wünschte seinem geheimnisvollen Herrn die Pest an den Hals, und je mehr er erkannte, daß er unbedingt parieren mußte, desto grimmiger wurden seine halblauten Flüche und desto ausgiebiger die Schlucke Alkohol, die er nahm. Slater entzündete mit zittrigen Händen den Lichtstumpf in dem Flaschenhals und schielte dann mit verglasten Augen nach dem Kamin. Wenn vielleicht das Zeug doch nicht dort war . . .

Aber es war dort. Als er sich schwerfällig danach bückte, brannte ihm das Fläschchen wie Feuer in der Hand, und er ließ es schnell in die Tasche gleiten.

Das Telefon summte, und er knurrte heiser das Losungswort und seine Nummer in den Apparat, aber fast gleichzeitig ließ sich auch schon der Lautsprecher vernehmen.

»Haben Sie die Sache gefunden?«

»Jawohl«, knurrte Slater zögernd und widerwillig, wurde jedoch sofort daran erinnert, daß er an seinen heiklen Auftrag glauben mußte.

»Dann sputen Sie sich, denn es ist keine Zeit zu verlieren. Zuerst den Mann in der Bar. Er ist sehr groß und hager und hat einen viereckig gestutzten roten Bart. Sie können ihn nicht verkennen, und da er immer allein sitzt, wird es Ihnen auch nicht allzuschwer werden, an ihn heranzukommen. – Bei den beiden anderen müssen Sie dann eine günstige Gelegenheit auskundschaften. Geht es nicht mit dem Fläschchen, so vielleicht anders. – Sie verstehen mich?«

Der Unsichtbare ließ eine kurze Pause eintreten, und der dicke Mann trat unruhig von einem Fuß auf den andern und befeuchtete die trockenen Lippen.

»Ich werde tun, was ich kann«, krächzte er verzweifelt in die Muschel.

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