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Der Dreißigjährige Krieg. Erster Teil: Das Vorspiel

Ricarda Huch: Der Dreißigjährige Krieg. Erster Teil: Das Vorspiel - Kapitel 8
Quellenangabe
authorRicarda Huch
titleDer Dreißigjährige Krieg. Erster Teil: Das Vorspiel
publisher1962
yearInsel-Verlag
printrun39. bis 41. Tausend
firstpub1912 - 1914
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20181107
projectid9f80e2ac
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Unter dem Druck der schwäbischen Theologenherrschaft hatte auch Johannes Kepler zu leiden, der ja im Württembergischen geboren war. Eine Anstellung in seiner Heimat für ihn zu erwirken, war seinen Freunden nicht möglich; freilich hatten sie auch nicht den Mut, sich um seinetwillen sehr auszusetzen. Seine Frau war bald nach dem epileptischen Anfall, den sie beim Einbruch der Passauer in Prag erlitten hatte, gestorben, und schon vorher hatte er das kleine Mädchen, seinen Liebling, verloren; noch im selben Jahre folgten diesen beiden zwei andere Kinder. Er arbeitete damals angestrengter als je, zwischendurch aber kämpfte er mit traurigen und peinvollen Gedanken. Wenn er sein Eheleben, das nun abgeschlossen und unwiederbringlich hinter ihm lag, überblickte, karg an Glück, reich an Entbehrung, Streit und Mißhelligkeit, so schien es ihm jetzt nicht mehr, als fiele die Schuld daran auf seine arme tote Frau, sondern als hätte er es anders gestalten können. Sie war wohl oft unzufrieden, ängstlich auf den Erwerb und die Notdurft bedacht, bitter und grämlich gewesen; aber wie hatte er seine Pflicht erfüllt? War er der Stab gewesen, an dem sie sich aufrichten, der Quell, aus dem sie Erfrischung schöpfen konnte? Seine schönen, überschwenglichen Stunden hatte er bei der Arbeit gehabt; für sie war Müdigkeit und Ungeduld übriggeblieben. Er entsann sich der holdseligen kindlichen Witwe, als die er sie kennenlernte, wie rührend ihre Bangigkeit und ihre Zweifel ihm erschienen waren und wie er sich vermessen hatte, ihr das Leben lieb und leicht zu machen. In den ersten Jahren, wenn er nachts den Himmel beobachtet hatte und hernach an ihr Bett kam, hatte sie ihn oft mit seltsam sehnsüchtigen Augen angelächelt und etwa gesagt: »Dein Antlitz schimmert noch von den Sternen«; aber es war ihm niemals eingefallen, daß er ihr von seiner Fülle etwas hätte mitteilen können. Ihre religiösen Grübeleien hatten ihn gelangweilt und geärgert; das hatte er nie bedacht, womit sie denn sonst ihre schmachtende Seele hätte speisen sollen.

Freunde und Freundinnen sagten ihm, er hätte sich nichts vorzuwerfen, sondern sei ein vorzüglicher Ehemann gewesen, und rieten ihm, sich wieder zu verheiraten, damit er eine richtig geordnete Häuslichkeit hätte. Anfänglich mochte er nichts davon wissen, und keine leuchtete ihm ein, wie viele ihm auch vorgeschlagen wurden. Dann kam ihm in den Sinn, daß er durch die Heirat mit einer Dame von Rang und Vermögen des elenden Ringens und Quälens um das tägliche Brot überhoben werden könnte; von seinen schon gekrümmten Schultern würde die häßliche Bürde fallen, frei würde er sich aufrichten und mit leichtem Schritt der Höhe des Lebens zustreben können. Ja, das hätte er können, wenn er allein gewesen wäre; aber nun war er an die anspruchsvolle fremde Dame gebunden, der er den Wohlstand verdankte und die peinlicher lasten mochte als die einstigen Sorgen. Er konnte sich seine Frau nur als ein schlichtes, liebliches Mädchen denken, ein sanftes, unbefangenes, heiter anlächelndes, sittsames, und nach einem solchen fing er allmählich an sich zu sehnen. Da ihm von einer berichtet wurde, nämlich von der schönen Susanna Rettinger, einer Schreinerstochter, die eine vornehme Dame hatte erziehen lassen, entschloß er sich, sie zu heiraten und die Sorge für den Lebensunterhalt weiter zu tragen.

Da Kaiser Matthias ihm weder den rückständigen noch den laufenden Sold auszahlen konnte, nahm er eine Professur an dem Gymnasium in Linz an, wo er unter den Herren von Adel Anhänger seiner Lehre und Bewunderer seiner Schriften hatte und wo er geehrt und friedlich hätte leben können, wenn ihm nicht von der Heimat aus Unruhe und Beschwerde wäre bereitet worden. Es befand sich als Prediger in Linz sein Landsmann Doktor Hizler, mit dem er viel verkehrte; denn Hizler interessierte sich für Astronomie, Mathematik und Mechanik, war lebhaft, wißbegierig und fröhlich und verstand es, den schweigsamen und ungeselligen Kepler durch seine Munterkeit umgänglich zu stimmen. Er hatte kleine, lustige, kindliche Augen, aufwärts gesträubtes Haar und einen spitzen Bart, trank gern guten Wein und hatte meistens, das Theologische auf die Berufsgeschäfte einschränkend, eine mechanische Spielerei in Arbeit; so fertigte er damals ein von selbst laufendes Wägelein an, auf dem ein trompetenblasender und peitschenknallender kleiner Kutscher saß.

Eines Tages um Ostern, als Kepler der Sitte gemäß das Abendmahl nehmen wollte, fiel es Hizler ein, zu fragen, ob Kepler die württembergische Konkordienformel unterschrieben habe, was Kepler verneinte, da er es überhaupt nicht für richtig halte, seinen Glauben auf Formeln zu zwingen, vollends aber jener nicht zustimmen könne. Hizler war erstaunt und böse und bestand darauf, Kepler müsse die Formel unterschreiben, die gut und löblich sei, sonst könne er ihn zum Genuß des Abendmahls nicht zulassen. Kepler antwortete, wegen des Dogmatischen möchte es sein, aber dazu könne er sich nicht entschließen, die Anhänger Kalvins zu verfluchen, das sei gegen seine Überzeugung. Was? fuhr Hizler auf, ob er etwa die abscheuliche Ketzerei der Kalviner in Schutz nehmen wolle? Ob er etwa behaupten wolle, daß ein Mann durch etwas anderes als den Glauben selig werden könne? Ob er etwa der Ansicht sei, daß ein Untertan sich der von Gott eingesetzten Obrigkeit widersetzen dürfe? Ob er sich einbilde, daß ein Laie zum Predigen berufen sein könne? Ob der Teufel ihm eingeblasen habe, daß das Brot nicht der Leib Christi sei?

Dabei blickte er, die Hände auf den Tisch gestützt und weit übergebeugt, Kepler aus kleinen, funkelnden Augen drohend an.

Darauf wolle er sich nicht einlassen, antwortete Kepler; er habe im Sinn, bei der lutherischen Lehre zu bleiben, auf die er getauft sei; es möchte auch sein, daß die Lehre Kalvins Irrtümer einschließe, nur könne und wolle er nicht einsehen, warum man sie deshalb verfluchen müsse.

So? rief Hizler hohnlachend, den Grund wolle er wissen, warum man sie verfluchen solle? Kepler möchte doch ihm den Grund sagen, warum man sie nicht verfluchen solle, die der Wahrheit ins Gesicht lögen und wider die Rechtgläubigkeit anbellten!

So möchten er und andere sie immerhin verfluchen, sagte Kepler, nur er könne es durchaus nicht tun, weil er keinerlei Haß oder Abneigung gegen sie habe.

Dabei beruhigte sich Hizler aber keineswegs, sondern kam an den folgenden Tagen wieder, um Kepler abwechselnd zu bedrohen und zu beschwören, daß er die Konkordienformel unterschreibe. »Lieber,« rief er fast weinend, »was gehen dich die Erzschelme und Teufelskinder von Kalvinisten an? Ach Lieber, verfluche sie doch! Verfluche sie in Gottes Namen! Verfluche sie wenigstens mit der Zunge, wenn auch dein Herz nicht dabei ist!« Indessen trotz seiner Verträglichkeit tat ihm Kepler den Willen nicht, worauf Hizler ihn, wie er gedroht hatte, vom Abendmahl ausschloß. Dies glaubte Kepler als einen groben Schimpf sich nicht bieten lassen zu sollen und wendete sich klagend an das Konsistorium in Stuttgart. Wegen seiner Parteinahme für den Gregorianischen Kalender schon vordem gegen ihn eingenommen, entschied dasselbe dahin, Kepler sei ein Schwindelhirnlein, das sich allzusehr aufblase, wenn er glaube, in theologischen Fragen andere meistern zu können; er solle richtige Kalender machen und fleißig in seinem Berufe sein, in der Theologie aber sich von denen zurechtweisen lassen, die dazu befugt seien.

Seitdem blieben die beiden Landsleute verfeindet; Hizler suchte Kepler, wo er ihn traf, durch ingrimmige Blicke und vor sich hin gemurmelte Scheltworte aus dem Gleichgewicht zu bringen. Unter diesen Widerwärtigkeiten litt Kepler um so mehr, als er neuerdings durch Nachrichten aus der Heimat empfindlich beunruhigt wurde; seine Mutter nämlich, die in Güglingen lebte, war der Zauberei verdächtigt worden.

Katharina Kepler, eine kleine, braune, durch vielerlei Mühseligkeiten früh gebeugte Frau, die aber munteren und beweglichen Geistes war, lebte, seit ihre hübsche sanfte Tochter Margarete sich mit dem Pfarrer Binder verheiratet hatte, ganz allein in leidlichen Verhältnissen. Ihr Mann war vor vielen Jahren, des häuslichen Lebens müde, in den Türkenkrieg gezogen und dort verschollen; ihre Söhne waren, bis auf Johannes, ohne höhere Bildung aufgewachsen, einer war, wie einst sein Vater, als Söldner dem Kriege nachgezogen und kam mit Frau und Kindern bettelarm zurück, nachdem er in der Fremde katholisch geworden war. Entrüstet wies ihn die Mutter, bei der er jetzt unterschlüpfen zu können hoffte, von ihrem Tische. In ihrer Einsamkeit vertrieb sie sich die Zeit, die sie sich durch Lesen nicht verkürzen konnte, denn das verstand sie nicht, mit wunderlichen Träumereien oder dadurch, daß sie Besuche aus der Nachbarschaft empfing, mit denen sie bei einem Glase Würzwein plauderte. Irgendwie verdarb sie es mit manchen von diesen Bekannten, vielleicht weil ihre Augen, obwohl sie fern an den Leuten vorbei ins Weite schweiften, doch tief eindrangen und sie mit unbedacht scharfer Zunge unliebsame Wahrheiten sagte. So kam es dahin, daß eine Frau namens Reinbold, die unter einer immer zunehmenden Lähmung und Verkrümmung der Gliedmaßen litt, die Kepler beschuldigte, ihr das Leiden, mit dem kein Arzt sich auskenne, angehängt zu haben.

Während dies im Gange war, traf es sich, daß ein Bruder dieser Frau, der Barbier Kräutlein, und der Vogt Luther Einhorn bei einem ihnen befreundeten Förster mit dem Bruder des regierenden Herzogs, dem Prinzen Achilles, zusammenkamen, der gerade in der dortigen Gegend jagte. Bei dem gemeinsamen Mittagessen erzählte der Barbier, wie seine Schwester von der Keplerin unheilbar verzaubert sei und daß seiner Meinung nach die alte Hexe gezwungen werden müsse, die Kranke wieder gesund zu machen. Prinz Achilles zeigte sich begierig, mehr von dem Hexenwesen zu vernehmen, womit ihn denn der Vogt und der Barbier gut bedienen konnten. Er vermesse sich, sagte der Vogt, eine Hexe bloß am Gesicht zu erkennen, er habe schon viele prozessiert, er kenne jetzt ihre Schliche, und es könne ihm keine entschlüpfen.

Ob man sich denn dabei nicht den Teufel auf den Hals ziehe, fragte Prinz Achilles, als den Buhlen der Weibsbilder?

Ach, rief der Barbier kichernd, man müsse den Teufel nur nicht fürchten, so könne er einem auch nichts anhaben. Auch glaube er gar nicht, daß dem Teufel viel an den alten Vetteln gelegen sei, deren es ja mehr als genug gebe. Einmal, erzählte er, sei er in den Turm zu einem Hexenverhöre gerufen worden, weil der Henker bei einer Beklagten das Teufelsabzeichen, welches man Stigma nenne, entdeckt habe, sie hingegen es für eine Narbe habe erklären wollen, die nach einem von ihm, dem Barbier, weggeschnittenen Wärzlein zurückgeblieben sei. Dort habe die Frau splitternackt ausgezogen auf einem Stuhl gesessen, laut heulend, während mehrere Richter sie gehalten und an der Narbe oder dem Teufelszeichen, das an ihrer Brust gesessen sei, herumgedrückt hätten. Er hätte es denn auch in Augenschein nehmen müssen, hätte sich auch wohl des Wärzleins erinnert, aber als ein vorsichtiger Mann nichts davon gesagt, sondern gefragt, ob denn der Henker schon die Probe gemacht habe? Denn er wisse wohl, daß, wenn mit einer Nadel in den Flecken hineingestochen werde und kein Blut danach komme, dies ein hinlänglicher und vollgültiger Beweis für die Teufelsbuhlschaft sei. Darauf habe der Henker gelacht und gesagt, freilich habe er das schon getan, die Herren ließen sich eben von der Erzschelmin am Narrenseil führen, worauf er gleich noch einmal mit einer langen, spitzen Nadel in das Mal hineingefahren sei. Er habe denn auch des Heulens und Schwörens der Person ungeachtet gesagt, er wisse nichts von einem Wärzlein, kenne sie auch nicht, worauf sie gehörig gefoltert und zu Asche verbrannt worden sei.

Prinz Achilles, der schon ein wenig angetrunken war, hörte begierig mit rotem Kopf und glänzenden Augen zu. Und splitternackt sei sie gewesen? fragte er; ob sie denn während des Folterns auch splitternackt ausgezogen wären? Der Vogt und der Barbier bogen sich vor Lachen; freilich, sagten sie, ob man etwa Weiber, die sich nicht schämten, mit dem Teufel zu buhlen, wie Klosterjungfern behandeln solle? Das hätte er nicht gewußt, rief der Prinz, er möchte für sein Leben gern einmal dabei sein, und es wäre etwas gar Schönes und Verdienstliches, den Teufelsdirnen einen Denkzettel zu geben. Ja freilich, brüllte der Vogt, einen feurigen, mit dem sie zur Hölle führen, und so solle man es der Keplerin auch machen, wenn sie den guten frommen Leuten etwas anhänge. Ja, wenn seiner Schwester zu ihrem Rechte verholfen würde, sagte Barbier Kräutlein, wolle er sich dankbar erweisen; worauf der Prinz und der Vogt ihn vertrösteten, die Sache solle betrieben werden, es müsse seltsam zugehen, wenn man einem alten Weibe nicht Meister würde.

Dieser Verabredung gemäß begaben sich Barbier Kräutlein und Vogt Einhorn zu Frau Kepler, hielten ihr vor, was sie begangen haben sollte, und gaben ihr unter Drohungen anheim, den Zauber, durch den sie die Reinbold krank gemacht hätte, wieder aufzuheben. Die Keplerin verteidigte sich tapfer, sie habe die Reinbold nicht verzaubert, verstehe sich auch gar nicht darauf; nach ihrer Ansicht habe die Frau in früherer Zeit einmal heimlich mit einem Manne zu tun gehabt und die Frucht abzutreiben versucht, woraus der Gliederschaden entstanden sein möge. Hierdurch erbitterte sie ihre Feinde noch mehr, was sie aber nicht anfocht; vielmehr bewog sie ihren Sohn, den Zinngießer, und ihren Schwiegersohn, den Pfarrer Binder, eine Beleidigungsklage für sie einzureichen wegen des schimpflichen, ihr zugemuteten Verdachtes.

Der Prozeß nahm seinen Anfang, verlief aber nicht so, wie die ihrer Unschuld sich bewußte Frau Kepler für selbstverständlich angenommen hatte; denn die beklagte Partei suchte durch Zeugen den Beweis zu erbringen, daß sie in der Tat mit Hexenwerk umgehe, wodurch eine Menge Weitläufigkeiten und neue Gefahren entstanden. Da kam ein Schuster, der Jahre hindurch fast täglich ein Stündchen bei ihr verplaudert hatte, und behauptete, sie habe ihm in einem Glase Wein etwas Zauberisches beigebracht, wodurch er bettlägerig geworden sei; ferner der Totengräber, der angab, sie habe ihn vor Jahren gebeten, ihr den Schädel ihres verstorbenen Mannes zu verschaffen, sei aber auf seine gutgemeinte Warnung davon abgestanden. Dies leugnete sie nicht, sondern erklärte, sie habe im Sinne gehabt, ihrem Sohne Johannes einen Trinkbecher daraus machen zu lassen, damit er sich nach altem Glauben Kraft und Segen daraus trinke. Auch gab sie freimütig zu, kranke Kinder, zu denen man sie geführt habe, mit allerlei Versen besprochen zu haben, wie das von alters gebräuchlich sei und wovon man immer gute Wirkung verspürt habe. Sie fügte vorwurfsvoll hinzu, es komme ihr unmenschlich vor, daß die Eltern, die sie früher um ihre Hilfeleistung gebeten und ihr dafür gedankt hätten, sie jetzt derselben als einer abscheulichen Missetat zeihen wollten.

Die Kinder der Frau Kepler gerieten über diese Wendung des Prozesses in Aufregung und Sorge, und ihrer Tochter schien es am besten, dem Bruder Johannes in Linz davon zu berichten, der als ein gelehrter Mann und Astronom des Kaisers klug und mächtig genug sein werde, um ihrer Mutter aus der Bedrängnis zu helfen. Dieser riet, die Mutter solle unverzüglich zu ihm nach Linz kommen, damit werde der widerwärtigen Sache am schnellsten ein Ende gemacht. Diesem Vorschlag stimmten die Kinder lebhaft zu, halfen ihr, einige Habseligkeiten zusammenzupacken, und die Abreise ging zur Erleichterung aller vonstatten. Unterwegs aber, allein ihren Gedanken überlassen, stellte sie sich vor, wie daheim nun alle denken und sagen würden, daß sie augenscheinlich eine Hexe sei, sonst würde sie nicht die Flucht ergriffen haben; wie sie ihr Leben lang für eine Hexe würde gelten müssen und mit was für Augen ihr Sohn Johannes sie ansehen würde. Sie schalt sich töricht, daß sie ihren Kindern nachgegeben hatte: nichts Böses oder Teuflisches konnte man ihr nachweisen, vielmehr würde sie ihren heimtückischen Verleumdern obsiegen, so daß sich ihre Schande bloß vor aller Augen zeigen würde. Als sie unter solchen Gedanken in Ulm angekommen war, kehrte sie, ohne sich die berühmte Stadt anzusehen, sofort wieder um nach Hause, nicht nur zum Schrecken der Kinder, sondern fast auch ihrer Gegner, die bereits unsicher geworden waren, ob sie nicht am Ende selbst in die gefährliche Grube stürzen möchten. Da die Beute ihnen aber nun wieder erreichbar war und sie zurück nicht mehr konnten oder wollten, suchten sie im stillen nach neuen Zeugen und Beweisen, um dann ihrerseits mit einer Anklage auf Zauberei hervortreten zu können.

*

Das Jahr 1618 begann mit einem Triumphe für Khlesl, indem der vollzogene Friede mit Venedig, der sein Werk war, feierlich in Wien begangen werden konnte. Der Kardinal liebte Feste und Umzüge und bekümmerte sich eingehend darum, daß ein in die Augen fallender Prunk dabei entfaltet wurde. In langem Zuge wallten die Hofbeamten, die Kloster- und Weltgeistlichen und die in Zünfte verteilten Bürger um den Stephansdom, jede Körperschaft eine mit Symbolen bemalte Fahne in ihrer Mitte tragend: ein in Flammen aufwärtslaufender Salamander, der heilige Martin, der mit dem Schwerte den Mantel zerschneidet, um ihn mit dem Bettler zu teilen, ein mit Lorbeerzweigen umwundenes Schwert und dergleichen. Nach seiner eigenen Anweisung waren auf vier Fahnen die vier Elemente, alle in Purpur, dargestellt: die Luft durch die purpurne Morgenröte, das Wasser durch das von der Flut zurückgespiegelte Abendrot, die Erde durch purpurne Blumen, das Feuer durch die purpurne Flamme. Lustig prangend und frohlockend bewegte sich die flatternde Prozession durch die klare Winterluft, bis ein Bild nach dem andern in der tiefen, duftenden Dämmerung des Domes sich sacht zusammenlegte und erblich.

Erzherzog Maximilian hatte den Friedensabschluß nicht verhindern können; aber nun sehe man, sagte er zu Ferdinand, daß es mit Khlesl zu Ende kommen müsse. Er sei zweifelsohne von Venedig bestochen worden, des Kaisers Verstandesblödigkeit nehme täglich zu, Khlesl sei der wahre Kaiser und Matthias sein Hampelmann. Bei seiner Kopfschwäche könne Matthias für sich nicht sorgen, sie müßten ihn befreien und ihm und sich selber Recht verschaffen. Auf dem gewöhnlichen Wege wäre der Zweck nicht zu erreichen, sie müßten gleichsam sich selbst für das Tribunal ansehen und den Schuldigen justifizieren, und nach seiner Ansicht geschähe das am schicklichsten, indem sie den gelben Teufel durch ein heimliches Gift, das durch einen vertrauten Arzt wohl zu beschaffen sein werde, auf die Seite schafften. Dieser Vorschlag kam Ferdinand befremdend vor, obwohl er zugleich nicht umhin konnte, die Entschlossenheit seines Oheims zu bewundern. Nachdem er sich mehrere Tage bedacht hatte, antwortete er Maximilian, das Mittel scheine ihm zu scharf, abgesehen davon, daß Khlesls Hochverrat vielleicht nicht ganz zu erweisen sei. Es lasse sich wohl noch ein anderer Weg finden, um zum Ziele zu kommen, er stimme für gelindere Mittel, vorzüglich da es eine geistliche Person, einen Kardinal betreffe, dessen sich schließlich noch der Papst annehmen werde.

Erfuhr Khlesl von diesen geheimen Plänen auch nichts, so empfand er doch die zunehmende Ungunst der beiden Erzherzöge und daß sie sich mit starken Entschlüssen trugen. Sein rüstiger Körper wurde um diese Zeit zum ersten Male von einem Unwohlsein befallen, und die Tage, die er untätig im Bette liegen mußte, brachten ihm schwarze Gedanken, was ihm bevorstünde, wenn etwa der Kaiser mit Tode abginge. Doch raffte er sich seiner Gewohnheit nach gewaltsam auf, fürchtete auch, es möchte in seiner Abwesenheit jemand das Steuer an sich reißen, und fühlte sich unentbehrlich, was er für den Kaiser und die Kaiserin in der Tat war. »Lieber Khlesl,« pflegte ihm die Kaiserin zu sagen, »mein Herr bekommt gleich die Melancholie, wenn Ihr ihn nicht täglich ein wenig zusammenschimpft und aufmuntert.« »Melancholie kommt von Langerweile,« sagte Khlesl zu Matthias, »und die Langeweile kommt Ihnen, weil Sie nichts Rechtes vornehmen, und es gibt doch übergenug zu tun.« Khlesl habe gut reden, da er gesund sei, verteidigte sich Matthias kläglich; ihm aber sei niemals wohl, er könne die Gedanken nicht beisammen halten, das Essen schmecke ihm nicht, gehen könne er auch nicht, es sei nicht anders, als wenn er verzaubert sei. Das wollte Khlesl nicht gelten lassen: gehen müsse er ja nicht, er sei der höchste Herr der Christenheit und könne fahren; wenn er keine Lust zu essen habe, könne er es bleiben lassen, zuwenig sei besser als zuviel, ihm fehle nichts, die Ärzte fänden nichts an ihm. »Nehmen Sie sich der Geschäfte an,« sagte er, »das ermuntert Ihre Diener und ist auch Ihre Pflicht. Vom müßigen Hinsitzen kommt dickes Blut und Verderbnis der Säfte. Ich will gern für Sie arbeiten und den Haß, der daraus kommt, auf mich nehmen; aber ich könnte Ihnen auch durch Krankheit oder Eifersucht der Feinde abhanden kommen. Was soll dann aus Ihnen werden, wenn Sie die Geschäfte nicht verstehen?«

In den Erbländern, namentlich in Böhmen, verfolgte Khlesl nicht dieselbe versöhnliche Politik wie im Reiche, vielmehr wurde wie zu Rudolfs Zeiten in allen streitigen Fällen meistens zugunsten der Katholiken entschieden. Dies wurde von den protestantischen Ständen namentlich dem Einfluß des Ferdinand zugeschrieben, der als ein Schüler und Anhänger der Jesuiten übel berufen war, und einige, namentlich Graf Thurn, machten darauf aufmerksam, daß er keinesfalls als König dürfe zugelassen werden; aber diese fanden, als der Augenblick zu handeln da war, nicht genügenden Anhang. Jetzt gelte es zu zeigen, sagte Thurn, daß Böhmen ein Wahlreich sei, wie sie ja auch Rudolf abgesetzt und Matthias auf den Thron gehoben hätten, gegenüber der Ansicht der Katholischen, als hätten die Habsburger ein Anrecht auf die Krone; dränge Ferdinand jetzt durch, so behielten sie gewissermaßen recht, und man könne ihn hernach nicht mehr loswerden. Die anderen stimmten ihm wohl zu, meinten aber, Ferdinand mache persönlich einen guten Eindruck, gehe vertraulich und liebenswürdig mit dem Adel um, sei nicht hochmütig wie Rudolf und Matthias, man werde schon mit ihm auskommen, weise er sich später anders aus, so sei man doch immer noch Herr im Hause und werde sich des Hausrechts zu gebrauchen wissen.

Es währte nicht lange, so gab es hier und dort Anlaß zur Unzufriedenheit: namentlich der Befehl an Stadt und Universität, sich an der Fronleichnamsprozession zu beteiligen, während das Fest der heiligen Hus und Hieronymus verboten wurde, empörte das ganze Volk; die Herren begannen einander vorzuwerfen, daß sie sich dem neuen Herrscher bequemt hätten, und nahmen sich vor, den begangenen Fehler wieder gutzumachen. In zwei Städten wurde der Bau von protestantischen Kirchen untersagt mit Berufung darauf, daß im Majestätsbrief nur dem Adel und den freien Städten freie Religionsausübung zugestanden wäre, die fraglichen Städte aber nicht frei wären. Die Defensoren, welche eingesetzt waren, um die im Majestätsbrief bewilligten Rechte zu wahren, bestritten das, was sie insofern auch wohl konnten, da die betreffende Stelle im Dokument nicht genau genug gefaßt war, um nicht verschiedene Auffassungen aufkommen zu lassen. Wie nun ein scharfer Brief des Kaisers eintraf, der zum Gehorsam ermahnte und widrigenfalls mit Strafen drohte, ergriffen die Stände die Gelegenheit, auf ihrem Recht zu bestehen. Thurn, der, weil er rechtzeitig gewarnt hatte, mehr als früher gehört wurde, drängte, jetzt müsse das Versäumte nachgeholt und die Regierung endlich so eingerichtet werden, daß die Rechte des Adels nicht mehr verkürzt würden; andere dachten, sie wollten es darauf ankommen lassen, wie der Kaiser und der König sich zu ihren Forderungen stellte, und mit etwaiger Nachgiebigkeit sich zufrieden geben. Den Kaiser glaubte man an der ganzen Sache weniger beteiligt als Ferdinand, die Hauptschuld aber maß man den katholischen Kronbeamten bei, Popel von Lobkowitz, der den Majestätsbrief nicht mit unterschrieben hatte, ferner Martinitz und Slawata, die von jeher Gegner der evangelischen Stände gewesen waren und die über alle Vorfälle an den Hof berichteten, wie es ihnen beliebte.

An einem warmen Maimorgen versammelten sich die Stände bei Wilhelm von Lobkowitz, um sich nach gemeinschaftlich eingenommenem Frühtrunk auf das Schloß zu begeben und die Vertreter der Krone zur Rede zu stellen. Jetzt wollten sie sich vor Kompromissen hüten, sagte Kolonna von Fels unter dem Trinken, einmal müsse gründlich aufgeräumt werden mit den Habsburgern, sonst würden sie nie zur Ruhe kommen. Ja, sagte Kinsky, einmal müsse man Mut zum Handeln finden, ein einmaliger starker Bluterguß sei nicht so gefährlich wie das stete Tröpfeln aus einer offenen Wunde.

Das sei nicht gesagt, meinte Wilhelm von Lobkowitz kopfschüttelnd, bei einem starken Bluterguß fahre oft die Seele zugleich heraus. Unvorbereitet loszuschlagen sei sinnlos, man müsse gerüstet sein, wenn es auf einen Krieg auslaufen sollte.

Das sei gewiß, sagte Thurn, daß der Zeitpunkt bei der Wahl Ferdinands geeigneter gewesen wäre. Es sei doch ein anderes, wenn man sich im Rechte wisse. Jetzt hätte man gewissermaßen zugegeben, daß Böhmen ein habsburgisches Erbland sei.

Was? rief Kinsky, wodurch sie das zugegeben hätten? Sie hätten Ferdinand aus Recht und Freiheit, nicht pflichtschuldig gewählt. Übrigens würde geschriebenes Recht doch nicht geachtet, die Faust gäbe den Ausschlag. Verträge wären nichts anderes als der Schafspelz wölfischer Fürsten, töricht, wer sich dadurch blenden ließe. Und ob sie etwa damals kriegsgerüstet gewesen wären? Wer es ehrlich meine, verschanze sich nicht hinter Ausflüchten.

Auf diese Worte fielen heftige Entgegnungen, mehrere sprangen von den Sitzen, und es wurde laut durcheinandergeschrien. Nachdem sich der Lärm gelegt und die Streitenden sich beruhigt hatten, sagte Thurn, sie wären ja darin einig, daß sie mit dem Hause Österreich nicht weiter wirtschaften wollten. Es wäre voll Lug und Trug, dabei lendenlahm, faul und blöde, ließe übermütige Diener schalten. Alle stimmten zu: Matthias wisse wohl kaum etwas von dem scharfen Schreiben, das in seinem Namen an sie abgelassen wäre, Martinitz und Slawata hätten es verfaßt, es wäre wohl niemals aus Prag herausgekommen. Den Prahlhansen müsse einmal gründlich das Maul gestopft werden. Einzelne Stimmen wurden laut, man müsse sie defenestrieren, sie hätten es vollauf verdient, Langmut mache sie nur dreister.

Erhitzt und in wilder Laune stiegen die Herren zu Pferde und ritten den Weg zum Schloß hinan; Goldregen, Rotdorn und Schneeball quollen in dicken Gebüschen über die Mauern der Gärten, und die Luft war von süßen Gerüchen durchkreuzt, als würfen sich spielende Frühlingsgötter mit Haufen von Fliederduft.

Die Vertreter der Krone, die bereits im Schlosse versammelt waren, nahmen die ungestümen Fragen der Stände, sie wollten wissen, wer den kaiserlichen Drohbrief verfaßt habe, mit anscheinend hochmütiger Gelassenheit und ein wenig hämischer Höflichkeit entgegen; aber sie konnten ihre Unsicherheit und Ängstlichkeit nicht ganz verbergen, die durch das umgehende Gerücht von der Wut und dem gefährlichen Vorhaben der Evangelischen über sie gekommen war. In den feindlichen Blicken, die unter den Fragen und Antworten auf sie gerichtet waren, bemerkten Martinitz und Slawata plötzlich eine böse Lust, die ihnen Entsetzen einflößte. Martinitz wurde bleich, stotterte etwas von der Gerechtigkeit des Kaisers und daß er nicht vom Majestätsbrief abweichen würde, und wich dabei zurück, um durch ein anstoßendes Gemach zu entfliehen; aber schon wurde er umringt, von mehreren Fäusten gepackt und an das offenstehende breite Fenster geschleppt, vor welchem der goldene Mai sich ausbreitete. Unter Sträuben und Zappeln hörte er lautes Brüllen: »Fahre zur Hölle, Teufelsbraten!«, worauf ihm, bevor er noch an der steilen Mauer hinuntersauste, die Sinne vergingen. Inzwischen hatten schon verschiedene Fäuste den erschrocken zur Flucht sich wendenden Slawata ergriffen und schleuderten den kläglich um Gnade Flehenden dem ersten nach; die beiden Schelme gehören zusammen! hieß es unter höhnischem Gelächter. Den Schreiber der beiden, namens Fabritius, der dem geschwinden Vorgang schlotternd zugesehen hatte, warfen sie nachträglich hinterher, damit er, wie sie ihm lachend zuriefen, sich des fatalen Briefschreibens nicht mehr unterstehen könne.

Der Ausgang dieser raschen Tat war überraschend, indem die drei aus einer Höhe von vierzig Ellen herabgestürzten Männer, durch einen Misthaufen weich aufgefangen, keine Verletzungen erlitten, sondern sich vor der Wut ihrer Feinde, die ihnen noch einige Schüsse nachknallten, in das nahegelegene Haus des Popel von Lobkowitz flüchten konnten. Während die Geretteten sich des Beistandes der wundertätigen Mutter Gottes rühmten, erließen die Direktoren eine umständliche Rechtfertigung: sie hätten verräterische Leute, die sie zu Rebellen gegen des Kaisers Majestät hätten machen wollen, nach alter Weise durch die Defenestration justifiziert und hofften, der Kaiser, dessen treue Untertanen sie wären und auch bleiben wollten, werde künftig ihre Anliegen gnädig erhören und die Ungerechtigkeiten abstellen, wodurch der liebe Frieden wieder hergestellt werden könne.

*

Von der Oberpfalz kommend, fuhr am Sonntag, dem 27. Mai, um die Mittagszeit ein breiter, gedeckter Wagen in Regensburg ein, aus dem zwei in unansehnliche Mäntel gehüllte Reisende stiegen, während zwei andere sitzen blieben und weiterfuhren. Die beiden Fußgänger schlugen sich schnell in eine Seitengasse und gingen schweigend und eilig bis zum Kollegium der Jesuiten, wo sie anklopften und eingelassen wurden. Vor dem Rektor legte der eine der beiden Männer Mütze und Mantel ab und gab sich als Jaroslav von Martinitz zu erkennen, derselbe, der vor kaum zehn Tagen in Prag von den Unkatholischen aus dem Fenster geworfen und wunderbarerweise am Leben erhalten war. Er sei, erzählte er, mit Hilfe des guten Baders und Chirurgen Thomason, als dessen Diener er sich ausgebe, aus Prag entflohen und soeben glücklich in Regensburg angelangt, von wo er sich nach München unter den Schutz des frommen katholischen Herzogs von Bayern begeben wolle. Indem er laut die benedeite Jungfrau lobte, kniete der Rektor vor Martinitz nieder; er müsse durchaus demjenigen Verehrung erweisen, sagte er, den die Heilige Jungfrau so sichtbarlich beschützt habe. Das wolle er nicht leugnen, entgegnete Martinitz, den Rektor aufhebend, freue sich vielmehr der Tatsache, daß die Jungfrau Maria sich in Person seiner angenommen habe; aber er überhebe sich dessen nicht, sondern schreibe es einfältigerweise der Kraft des Gebetes zu, worauf er seit früher Jugend sich zu verlassen gewöhnt sei. »Was für Zeitungen, was für Zeitungen!« rief der Rektor, das müsse der Bischof hören; wenn es Martinitz recht sei, wollten sie sich unverweilt zu ihm begeben. Während der Lakai, der Martinitz begleitet hatte, zu der übrigen Reisegesellschaft ins Wirtshaus ging, eilten der Rektor und sein Gast zum Bischof, der, von den Vorfällen in Prag bereits im allgemeinen unterrichtet, begierig war, das Nähere zu vernehmen. Er ließ sich kaum Zeit, Martinitz zu umarmen und zu segnen, und überstürzte ihn dann mit Fragen: er könne und könne es nicht glauben, daß Menschen so keck und böse sein sollten, fromme, unschuldige Leute und hochvornehme Diener des Kaisers aus dem Fenster zu werfen! Und daß er nun eins von diesen jämmerlichen Opfern mit Augen vor sich sähe! Ob er denn arg zerschunden und zerschlagen sei? Dergleichen sei ja kaum bei Türken und Tataren oder den heidnischen Japanesen üblich!

Wahr sei es, sagte Martinitz lachend, davon könne er zeugen, der es am eigenen Leibe erfahren habe; aber unerhört sei es freilich, und der gute Herr von Slawata, der schwer daniederliege, habe auch geklagt, es stehe wohl in den Historien, daß die römischen Patrioten den ehrgeizigen Cäsar mit Dolchen ermordet hätten, aber aus dem Fenster pflege man nur Katzen oder etwa ein junges Hündlein zu werfen. Ein solcher Schimpf sei unausstehlich, und es wäre kein Wunder, wenn man vor Kummer darüber hinstürbe.

Wie es denn zugegangen sei? fragte der Bischof. Martinitz solle ihm doch um Gottes willen alles haarklein erzählen. Und was für eine Bewandtnis es denn mit seiner Errettung habe?

Martinitz erzählte, daß sie am Tage zuvor gewarnt worden wären, als ob die Unkatholischen mit Mordgedanken umgingen, sie hätten es jedoch nicht beachtet, sondern wären, auf Gott und ihr gutes Gewissen trauend, zur anberaumten Sitzung auf die Burg gegangen; daß ihre Widersacher sie sogleich mit ungerechten Vorwürfen angebellt und ihre Verantwortung kaum angehört hätten und daß Graf Thurn das Zeichen gegeben und geschrien hätte, wegen ihrer Verbrechen müßten sie jetzt des Todes sein, worauf er und der Smirsitzky ihn gepackt und unter Hohnlachen aus dem Fenster geworfen hätten. Im Fallen habe er aber den Kopf nicht verloren, sondern fortwährend gemurmelt: »Jesus Maria, Maria steh mir bei, Maria verlaß mich nicht«, unter welchem Beten er wohlbehalten im Graben angelangt und wie von mütterlicher Hand auf einen gepolsterten Sessel sanft niedergesetzt sei. Gleichzeitig sei in der unteren Stadt eine Prozession über die Brücke gegangen, und ein redlicher Mann, der dabei gewesen sei, habe die allerseligste Jungfrau im blauen Mantel in der Luft flattern gesehn, wie sie ihn, Martinitz, getragen und sorgfältig im Graben abgesetzt habe.

»Was für ein herrliches Wunder!« rief der Bischof, und der Rektor fügte mit funkelnden Augen hinzu, da alles so wohl abgegangen sei, müsse man sich freuen, müsse man frohlocken, daß die Unkatholischen einmal ihre Tücke und mehr als herodische Grausamkeit gründlich offenbart hätten. Nun müsse doch jedermann und auch der Kaiser einsehen, daß Moderation da nicht am Platze wäre, sondern daß dergleichen Disteln und Dornen nur mit Feuer könnten ausgerottet werden.

Gewiß habe Gott es eigens so veranstaltet, sagte Martinitz. Er und sein lieber Oheim Slawata hätten es immer gesagt, in Böhmen müsse man nicht glimpflich, sondern auf steiermärkisch reformieren, sonst wären diese gottlosen Schelme nicht zu beugen.

Ja, wie er denn so seltsam und eigentlich verschmutzt aussähe? fragte nun der Bischof, indem er des Martinitz Gesicht in der Nähe musterte.

So künstlich hätte ihn sein Bader hergerichtet, sagte Martinitz, hätte ihn mit Ruß angeschwärzt und auch den Knebelbart gestutzt, um ihn unkenntlich zu machen. Es sei auch notwendig gewesen; denn die Unkatholischen hätten berittene Mörder nach ihm ausgesandt, die ihn auch eingeholt hätten. Er habe aber aufrecht in seiner Kalesche gesessen und sie dreist angesehen, die Pistole in der Hand, worauf sie weitergeritten wären, sei es, daß sie ihn nicht erkannt oder sich nicht an ihn gewagt hätten.

Der Herr von Slawata, berichtete Martinitz ferner, sei schlimmer daran als er, könne das Bett nicht verlassen und kaum reden, so zerschlagen sei er; aber die hochgeborene Frau Polyxena von Lobkowitz pflege ihn unter ihrem Dache; das sei eine so kluge und majestätische Frau, daß die Unkatholischen sich keiner Gewalt gegen sie unterfangen würden.

Der Bischof tischte seinen Gästen ein prächtiges Abendessen auf, während Martinitz seinen Bericht wiederholen und im einzelnen ausmalen mußte. Am folgenden Tage versah er den Flüchtling mit einem kleineren und leichteren Wagen, da man auf den schmalen und gefährlichen bayrischen Wegen, wie er sagte, mit einer schweren Kalesche, wenn sie etwa in den Graben stürzte oder im Schlamme steckenbliebe, übel daran sei. So ausgerüstet, kam Martinitz glücklich nach Landshut und am Tage darauf nach Freising; aber von dort an nahm die Unwegsamkeit der Straße so zu, daß der Diener, welcher die Zügel führte, in große Sorge geriet und endlich anhielt mit den Worten, daß er sich nicht weiter traue oder wenigstens der Verantwortung enthoben sein wolle. Der Bader Thomason stieg aus, um die Gelegenheit zu betrachten, und sagte nach einer Weile, zu Fuße würden sie vollends steckenbleiben, da sie keine hohen Stiefel hätten, und weil sie doch nach München wollten, sei sein Vorschlag, daß sie es mit Gott versuchten, hindurchzufahren. Martinitz warf nur obenhin einen Blick auf die Straße und sagte, freilich müßten sie weiter, nachdem ihn die Himmelskönigin eben erst beim Sturze von der Burg so tapfer behütet habe, wolle er sich jetzt nicht durch Zweifel beflecken. Auch hätten sie ja vier Pferde vor dem Wagen, man solle nur in Gottes Namen daraufschlagen. Unter Peitschenknallen, Stolpern und Ziehen wurde die Reise langsam fortgesetzt; indessen als die Dämmerung hereinbrach, kam es doch dahin, daß der Wagen umschlug, wobei zwar die Insassen mit einigen Quetschungen und Schrammen davonkamen, aber die Deichsel zerbrach. Martinitz half den Wagen aufrichten, was nach schweren Bemühungen glückte, und setzte sich dann auf einen Stein am Wege und betete, während die anderen mit den wenigen Werkzeugen, die sie bei sich hatten, das Fahrzeug leidlich zusammenflickten. Über den Saatfeldern und fernen sammetschwarzen Wäldern schwebte der Himmel wie ein ungeheurer Adler, von dessen Sturmfluge ein leiser, stetiger Luftzug über die tiefe Erde strich. Von München aus habe er die Absicht, nach Altötting zu pilgern, sagte Martinitz, sein Gebet unterbrechend, es komme ihm unglaublich vor, daß Gott fromme katholische Reisende im Stiche lassen sollte. Er möchte sich fast verbürgen, daß sie noch vor Mitternacht vor den Toren Münchens ankämen.

Dies bewahrheitete sich, und der Exulant fand eine ziemliche Unterkunft im Wirtshause zum Güldenen Hirschen, wo er schon am folgenden Morgen vom Generalleutnant von Tilly, den er aus früherer Zeit gut kannte, und von des Herzogs Kämmerer Max Kurtz besucht wurde. Als dieser ausrichtete, der Herzog wolle Martinitz seine besten Leibärzte und Chirurgen schicken, um ihn zu behandeln, lachte er überlaut und sagte, er habe den allerbesten Arzt, das sei die Jungfrau Maria, die habe ihn bereits so gut kuriert, daß nur noch ein paar blaue Flecken als Spuren des greulichen Sturzes übrig wären. Tilly sah dem Geretteten andächtig zu, wie er in die Luft sprang und mit den Armen um sich hieb, um zu beweisen, daß ihm nichts fehle, und sagte, er hoffe, Gott möge sich seiner, Tillys, bedienen, um die Ketzerei in Böhmen auszurotten und die notleidende Kirche wieder aufzurichten. Ob Gott ihn eines Märtyrertums, wie Martinitz und Slawata erlitten hätten, würdig halte, wisse er nicht, aber sein Eifer dazu sei stark und mächtig, und nichts wünsche er mehr, als daß Gott das Opfer seines Lebens annähme. Wenn Martinitz ihm die Ehre antun wolle, in seinem Hause zu wohnen, so wolle er ihm dafür als für eine Gnade danken, und er zweifle nicht, daß sein Herr, der Herzog, damit einverstanden wäre.

Bei Tilly blieb Martinitz einige Wochen, bis seine Familie sich mit ihm vereinigte, mit der er dann ein Bürgerhaus am Viehmarkte bezog. Da in Prag zunächst kein Umschwung eintrat, vielmehr ein Regiment unkatholischer Direktoren eingesetzt, endlich sogar der Kurfürst von der Pfalz zum Könige gewählt wurde, dachte Martinitz nicht an Heimkehr, sondern siedelte von München auf den Befehl des nunmehrigen Kaisers Ferdinand nach Passau über, wohin sich auch Slawata mit den Seinigen flüchtete. Unter dem Schutze des Erzherzog-Bischofs Leopold, mit dem sie zur Zeit Kaiser Rudolfs und des Passauer Einfalls in gutem Einvernehmen gestanden, dem sie sogar die Nachfolge hatten zuwenden wollen, erwarteten sie in behaglichem Frieden, doch nicht ohne Ungeduld die Gelegenheit, nach Böhmen zurückzukehren und sich ihrer Güter wieder zu bemächtigen.

*

Das Ereignis des Fenstersturzes vermehrte den Streit und die Unruhe in der Wiener Hofburg; denn Maximilian und Ferdinand wollten die Empörung, als was sie den Vorfall ansahen, sofort gewaltsam niederschlagen, wohingegen Khlesl der Ansicht war, der Kaiser müsse einstweilen nach Beschwichtigung und Vermittelung trachten. Es sei ein wahres Sprichwort, sagte Khlesl, daß man nur den hängen könnte, den man habe. Wie wollte man denn aber der Schuldigen mächtig werden? Womit wollte man löschen, wenn es einmal brennte? Das Feuer würde Land und Leute bis aufs Hemd und alle miteinander fressen. Wovon sollte man leben, wenn die reichen böhmischen Einkünfte ausblieben? Der Kaiser könne nicht einmal den Kräutler und den Käsestecher bezahlen!

Dem Kaiser leuchtete die Ansicht Khlesls ein, und so wurde denn, während unter der Hand geworben und gerüstet wurde, ein sanft mahnendes Schreiben an die böhmischen Stände erlassen, sie sollten ihr unziemliches Rebellieren einstellen, anstatt dessen wegen vorhandener Schäden ordentliche Klagen einreichen, vor allen Dingen aber die eigenmächtig geworbenen Soldaten entlassen, so werde der Kaiser ihnen auch wiederum gnädig sein.

Die Stände erwiderten den Brief mit einem Schreiben, in dem sie versicherten, das sie sich durchaus keine Rebellion anmaßten, auch die geworbenen Soldaten unverweilt entlassen würden, wenn der Kaiser zuvor seine Werbungen einstellte, die nach der Aussage friedhässiger Leute gegen sie gerichtet wären; denn sie könnten, solange sie von Krieg und Überfall bedroht wären, die Rüstung nicht wohl ablegen, begehrten aber nichts anderes, als nach wie vor des Kaisers gehorsame und treue Untertanen zu sein.

In Hinblick auf die Geldnot des Kaisers, die ihm nach Khlesls Ansicht das Kriegführen unmöglich machte, spielte der Erzherzog Maximilian auf Khlesls großes Vermögen an, womit er aushelfen könne; aber darauf wollte sich der Erzbischof nicht einlassen, machte vielmehr ein großes Aufheben von den Summen, die er Matthias schon vorgestreckt und nicht zurückerhalten habe. Maximilian jedoch brachte dies Vermögen nicht aus dem Sinn: sie wären aus aller Verlegenheit und hätten, was sie brauchten, sagte er zu Ferdinand, wenn sie dem losen Buben sein Recht zuteil werden ließen und sein Hab und Gut, das ohnedies erstohlen wäre, dem Kaiser zufiele. Mit einem Galgen, einem Strick und dem rechten Mann daran wolle er ganz Österreich und Böhmen und das Reich dazu in Ordnung bringen.

Während in Böhmen die Rüstung in vollem Gange war, führten die Verhandlungen des Kaisers mit den Ungarn so weit zu einem Verständnis, daß am 1. Juli Ferdinands Krönung in Preßburg vorgenommen werden konnte. Khlesl hatte es sich nicht nehmen lassen, mit zu der Feier zu reisen, wiewohl sein Herz nicht festlich gestimmt war, und sah mit anderen Herren von einem Balkon des erzbischöflichen Palastes, in dem er wohnte, dem in der mächtigen Sommersonne funkelnden Aufzuge zu. Eben als ein Esterhazy mit seinen bewaffneten Untergebenen vorüberritt und Khlesl sich, um ihn besser zu sehen, über die Balustrade beugte, schwirrte der Bolzen einer Armbrust hart an ihm vorbei und blieb in der Wand des hinter dem Balkon liegenden Zimmers stecken. Indes die Herren hineilten, das noch zitternde Geschoß betrachteten und sich über den Zufall verwunderten, ließ sich Khlesl in einen Sessel fallen und trocknete mit einem Tüchlein den Schweiß von der Stirne. »Das war kein Zufall,« sagte er mit schwacher Stimme, »es war ein Gruß für mich von der Fortuna.« Das sei eine stachelige Sprache für ein Frauenzimmer, lachten die Herren, worauf Khlesl sagte, es sei ihr Abschiedsgruß, dabei pflegten die Weiber, habe er sagen hören, mehr zu beißen als zu küssen. Dies gab wiederum zu Scherzen Anlaß; denn es war bekannt, daß Khlesl von den Frauen nichts wissen wollte, auch niemals mit ihnen zu tun gehabt hatte; aber heimlich waren alle einerlei Meinung darüber, wo der Schuß seinen Ursprung genommen hätte. Die Nachforschungen, die angestellt wurden, ergaben nichts, niemand wollte von der Sache etwas gesehen haben, und Khlesl kehrte mit bedrücktem Herzen nach Wien zurück.

Dort bereitete Maximilian schleunig die Gefangennahme Khlesls vor, wozu Ferdinand seine Einwilligung gab, um dem Kirchenfürsten wenigstens das Leben zu sparen. Der Umstand, daß Matthias gerade das Bett hütete, erleichterte es ihnen, unvermerkt die Vorbereitungen zu treffen: sie ließen nämlich einen verdeckten Gang von der Burg nach der Bastei errichten, durch welchen der verhaftete Kardinal in der Stille sollte abgeführt werden, damit nicht etwa das Volk zusammenliefe und ein Lärmen entstände.

Als Khlesl am Vormittage zum Kaiser fahren wollte, kam gerade der Nuntius zu ihm und sagte, er solle doch heute nicht auf die Burg, es habe ihm häßlich geträumt und er fürchte, es werde ihm dort etwas Widerwärtiges begegnen. Nein, sagte Khlesl, er habe niemals etwas auf Träume gehalten; daß seine Feinde Widriges im Sinne hätten, wisse er wohl; aber er vertraue auf den Kaiser, der werde seinen treuen Diener nicht unbeschützt lassen. Er wolle nichts gegen den Kaiser oder sonst jemand anbringen, sagte der Nuntius; aber es liefe doch in dieser Zeit viel Haß und Widerwillen unter, und sich der Gefahr nicht auszusetzen wäre nicht Feigheit, sondern Klugheit. Wolle aber Khlesl durchaus fahren, so solle er ihn mitnehmen und in seiner Herberge absetzen. Als der Wagen in einer engen Gasse durch eine Herde Schweine etwas aufgehalten wurde, sagte der Nuntius wiederum, daß dies ein merkliches Zeichen wäre, und Khlesl beugte sich aus dem Wagenfenster, um dem Kutscher zuzurufen, er solle umkehren; da jedoch im selben Augenblick der Wagen weiterfuhr und Khlesl durch den Ruck auf den Sitz zurückgeworfen wurde, schüttelte er den Kopf und sagte traurig, er wolle es nun seinen Lauf nehmen lassen.

Im Flur der Burg standen Bewaffnete, welche nicht zur Leibgarde des Kaisers gehörten und den Kardinal nicht in der üblichen Weise grüßten, was ihm einen peinlichen Eindruck machte; aber er faßte sich und stieg die Treppe hinauf, die zu den Gemächern des Kaisers führte, dessen Nähe ihn doch auch wieder beruhigte. Im Vorgemach trat ihm sogleich ein Vertrauter der beiden Erzherzöge entgegen und forderte ihn kurz auf, Hut und Mantel abzulegen, dagegen einen bereitliegenden schwarzen Umhang zu nehmen und den wartenden Offizieren, Dampierre und Collalto, zu folgen. Er erhebe Protest, sagte Khlesl, im Namen des Kaisers und des Papstes, hatte aber kaum ausgesprochen, als Dampierre ihn unter Schimpfworten hart anfuhr, er solle gehorchen, sonst werde man Gewalt mit ihm gebrauchen. Khlesl, der vor Schrecken zitterte, überlegte blitzschnell, ob er versuchen solle, zum Kaiser durchzudringen, oder ob sonst ein Entrinnen möglich sei; aber da er nirgends eine Zuflucht vor der Übermacht sah, ließ er sich ohne Widerrede umkleiden und von den beiden Offizieren durch den verdeckten Gang treiben, an dessen Ende eine Kutsche bereitstand, die ihn in schneller Fahrt durch Steiermark nach Tirol brachte.

Nachdem der Kardinal auf diese Weise entfernt war, erübrigte noch, das Geschehene dem Kaiser beizubringen. Maximilian und Ferdinand traten an sein Bett, teilten ihm mit, daß dem Kardinal an seinem Leibe kein Schaden zugefügt werden solle, daß sie ihn nur in festem Gewahrsam halten würden und daß dieses zum Besten des Kaisers und der Gesamtfamilie nötig sei. Solange Khlesl regiere, würde es nie zum Kriege kommen, und die böhmischen Herren würden zuletzt den Kaiser selbst zum Fenster hinauswerfen. Ob er dazu stillhalten wollte? Er solle auch bedenken, daß sie zu Kaiser Rudolfs Lebzeiten ebenfalls das Wohl der Gesamtfamilie im Auge gehabt hätten, sich nicht wundern, wenn sie jetzt auf das gleiche abzielten, und solle der Welt gegenüber sich so anstellen, als sei Khlesls Gefangennahme auf seinen Befehl geschehen.

Während Matthias schweigend zu weinen anfing, jammerte die Kaiserin laut, Khlesl sei ihr einziger Freund gewesen, sie wisse recht wohl, worauf die Erzherzöge abzielten, nämlich auf ihres Mannes Krone, der ihnen zu lange lebte. Das wollten sie Gott anheimstellen, sagte Maximilian, und Ferdinand fügte hinzu, sein Gewissen sei rein, sie wollten Matthias vielmehr die Krone fester aufs Haupt drücken. Matthias rief kläglich, er begehre ihrer Hilfe nicht, Khlesl sei sein wahrer Bruder und Freund, den wolle er wiederhaben; allein er hatte das Gefühl, daß offenes Widerstreben ihm nur selbst Gefahr bringen könnte, und fügte sich in das Unvermeidliche.

*

Im Spätherbste des Jahres 1581 fand in dem niederländischen Orte Vaux das Begräbnis des Maximilian von Longueval, Grafen von Buquoy statt, der bei der Belagerung von Tournay an der Seite des Gouverneurs der Niederlande, Alexander Farnese, Herzogs von Parma, gefallen war. Von dem Fenster eines vornehmen Hauses sah sein zehnjähriger Sohn Karl Bonaventura den festlich trauernden Zug durch die enge Straße marschieren: voran schritt das Regiment des Grafen mit der florverhüllten Fahne, dann folgte der von Rittern getragene, von einem schwarzen Tuch verhängte Sarg, auf welchem sein Wappen, seine Orden und Ehrenzeichen lagen, dann sein mit schwarzem, nickendem Federbusch gekröntes Leibroß und die von ihm im Kriege erbeuteten, entfalteten Fahnen, worauf wieder Abteilungen von Soldaten und geistliche Körperschaften folgten, denen je eine Gruppe Trompeter voranging und sie mit langsamem, starkem Blasen ankündigten. Nachdem die Zeremonien vorüber waren, begrüßte Alexander Farnese die Witwe seines verstorbenen Freundes und erkundigte sich nach den Plänen für die Zukunft ihres einzigen Sohnes. Der herbeigerufene Knabe, der stumm mit heißen Backen und großen Augen auf die Straße gestaunt hatte, nahm tief aufatmend das Wort und sagte, dies sei ein herrlicher Tag gewesen; er wolle werden, was sein Vater gewesen sei, damit er einst mit ebensolcher Pracht zur Erde bestattet werde. Bei sich dachte der Kleine, er werde es vielleicht dahin bringen, daß auf seinem Sarge der Orden des Goldenen Vlieses, des höchsten in der Christenheit, liegen werde, der seinem Vater noch fehlte. Dem Herzog von Parma gefiel der freimütige Ehrgeiz des jungen Buquoy, und er begünstigte ihn, solange er noch lebte; sobald es anging, rückte der Jüngling in die Würden seines verstorbenen Vaters ein und erwarb sich im spanischen Kriege gegen Holland neue. Diesen berühmten Offizier wünschte Matthias, sobald er Kaiser geworden war, in seinen Dienst zu bringen, und gewann auch dazu die Einwilligung des Königs von Spanien sowie seines Bruders, des Erzherzogs Albert, der inzwischen als Gemahl der Tochter Philipps II., Isabella, Gouverneur der spanischen Niederlande geworden war. Buquoy selbst jedoch hatte keine Lust dazu; denn nachdem er im Jahre 1612 das Goldene Vlies erhalten hatte, war sein Ehrgeiz im wesentlichen befriedigt, abgesehen davon, daß die als kaiserlicher Feldmarschall bei den Kämpfen im Reiche etwa zu erringenden Lorbeeren ihm mit den seinigen verglichen etwas windig vorkamen. Wien samt der Hofburg und dem Kaiser machte ihm, wenn er an Brüssel dachte, einen zurückgebliebenen Eindruck: da war keine Aristokratie, denn die evangelischen Adligen zählte er nicht, sondern alles in allem ein knauseriges, bürgerliches Wesen. Indessen da die böhmische Revolution ausbrach, konnte er sich dem vereinten Drängen des Kaisers, des Königs von Spanien und des Erzherzogs Albert nicht mehr widersetzen und tröstete sich mit der Versicherung des letzteren, er werde die böhmischen Ratten bald abgefangen und ausgeschwefelt haben und könne dann reich belohnt zu Heimat und Familie zurückkehren, ließ sich auch den Titel eines kaiserlichen Rattenjägers, den ihm die Kameraden scherzweise anhängten, mit guter Miene gefallen.

Auch am Wiener Hofe hörte er mit Geringschätzung von dem böhmischen Krawall sprechen, freilich auch mit Erbitterung im Kreise der Anhänger Ferdinands, während der Kaiser sich dahin äußerte, es handle sich nur darum, den Böhmen einen Ernst zu zeigen oder etwa eine kleine Niederlage beizubringen, damit sie sich zu einem anständigen Frieden bequemten. Da er nun nicht mehr ausweichen konnte, verkaufte Buquoy wenigstens seine Dienste teuer, nämlich er verlangte 2000 Gulden Gehalt für den Monat, außerdem eine Entschädigung von 13 000 Gulden im Jahre und endlich, beim Abschlusse des Vertrages, ein Geschenk von 6000 Brabanter Kronen. Freigebig wurden ihm dazu noch Aussichten auf liegende Güter in Böhmen gemacht, welche man den besiegten Rebellen abnehmen würde; denn man hoffte ihn durch großen Gutsbesitz an den Dienst des Kaisers zu fesseln.

Zuversichtlich, aber weniger fröhlich als in seinen Jugendtagen zog Buquoy dem Kriegsschauplatze zu, von wo bald lauter böse Nachrichten einliefen. Er befinde in Böhmen alles anders, als man ihm ausgemalt habe, schrieb er unmutig und niedergeschlagen an den Kaiser; die Böhmen seien keineswegs so untüchtig in der Kriegführung und zusammengelaufene Haufen, als welche man sie in Wien habe darstellen wollen, sondern kämpften grimmig, so daß er ihnen nicht habe beikommen können. Für ein Gut in diesem Lande bedanke er sich, denn es liege ihm nichts daran, sich zwischen einer Herde von Wölfen seines Lebens zu wehren.

Durch ein geschicktes Zusammenwirken mit dem Obersten Dampierre hätte Buquoy sich wohl eher helfen können; allein diese beiden konnten sich durchaus nicht vertragen, da Dampierre sich dem Buquoy nicht unterordnen wollte und dieser jenen als einen rohen Menschen ohne adlige Sitte verachtete, und außerdem, da Dampierre, als eine Kreatur Ferdinands, den Krieg keineswegs so gelinde führen wollte wie der Feldmarschall des Kaisers, dem es auf eine schleunige Versöhnung mit dem Gegner ankam.

Zu diesen bedenklichen Nachrichten aus Böhmen kam nun im November noch das Erscheinen des Kometen, um den Kaiser zu ängstigen, der sich ohnehin, seit ihm Khlesl so unverhofft von der Seite gerissen war, trübseligen Befürchtungen hingab. Die Ärzte verordneten ihm, um seine Lebenskraft anzuspornen, bald eine Luftveränderung, bald ließen sie ihn purgieren, aber es blieb beim alten, nicht einmal das dünne Süpplein, das er durch ein Rohr einsog, schmeckte ihm mehr. Zuerst verschaffte es ihm eine gewisse Erleichterung, als im Dezember die fettleibige Kaiserin plötzlich starb; denn nun schien sich die Drohung des Kometen auf sie bezogen zu haben; aber andererseits vermißte er ihr freundliches, unterhaltliches Wesen und verging vor Kummer und Langerweile in den Stunden, wo er sonst mit ihr beim Brettspiel gesessen hatte. Auch verschwand der unheilvolle prophetische Finger nicht vom Himmel, sondern wies unverwandt auf ihn, das weltliche Haupt der Christenheit, als welcher mitsamt seinen verübten Freveln vom Erdboden hinweg müsse, vielleicht durch eine Sündflut sondergleichen weggeschwemmt.

*

Mansfeld lag, als Feldherr der böhmischen Stände, mit dem im Dienste des Herzogs von Savoyen angeworbenen Heere vor der Stadt Pilsen, die sich mit Berufung auf den Kaiser geweigert hatte, die Prager Direktoren anzuerkennen.

Der Oktober war licht, lauter und überreich an Früchten, es fehlte nicht an Nahrung im Lager. Ein Häuflein Soldaten lagerte um die Geschütze herum, die sie zu bedienen hatten, und verspottete, nach der Mauer blickend, den Feind, der nicht treffen könne. Nur der Scharfrichter, hieß es, verfehle nie das Ziel, weshalb man glaubte, daß er im Besitze von Freikugeln sei. Mit diesem hatte Mansfeld eine verhängnisvolle Begegnung gehabt: da er sich nämlich einmal der Mauer allzusehr näherte, ritt ein Leutnant dicht an ihn heran und bat ihn, sich zurückzuziehen, damit ihn nicht der Scharfrichter, der auf der Wache sei, aufs Korn nehme. Mansfeld, der ungern vor einer Gefahr zurückwich, rief zürnend nach der Mauer hinüber: »Seid ihr ehrliche Bürger und Bauern, daß ihr an eines Scharfrichters Seite schießen mögt?«, worauf augenblicklich eine Stimme, nämlich die des Scharfrichters, zurück höhnte: »Kämpft ihr doch gar unter einem Bastard!« Über diesen Vorfall plauderten die bei den Geschützen, als ein junger Mensch namens Blasius aus Graz prahlte, er fürchte den Henker nicht und wolle sich kalten Bluts dicht an den Festungsgraben stellen und der Besatzung auf der Mauer zutrinken. Die Kameraden schüttelten zweifelnd den Kopf, andere meinten, er sei vielleicht fest oder trage irgendein Amulett bei sich, das ihn schütze. Er trage allerdings einen Georgentaler, sagte Blasius, aber er sei bereit, denselben vorher abzulegen, wenn die Kameraden nach glücklich vollbrachtem Wagnis drei Taler darauflegen wollten. Nachdem sie über die Wette einig geworden waren, ergriff er einen vollen Krug, ging hurtigen Schrittes bis zum Graben und schwenkte ihn gegen die Mauer, wobei er herausfordernde Worte rief. Sofort rührte es sich auf dem Wall, und einige Schüsse fielen, Blasius jedoch drehte sich geschickt auf den Fersen um, bückte sich, raffte eine Kugel auf, warf sie in die Luft und verbeugte sich wie nach einem gelungenen Kunststück gegen die Stadt; dann ging er wieder dem Lager zu, wobei er Bedacht nahm, einen gemessenen Schritt einzuhalten. Der Zufall wollte, daß Mansfeld dazukam, als die Kameraden den jungen Wagehals glückwünschend umringten; er lächelte beifällig und reichte ihm ein paar Dukaten, indem er hinzufügte, er habe gerade Geld aus Turin erhalten und sei nicht gewohnt, das schwere Metall lange in der Tasche zu behalten.

Bei den Geschützen wurde auf diesen Glücksfall hin gewürfelt und gezecht. Schon drehte sich die Ampel der Sterne im Schoße der Nacht, als ein Zank unter den Spielern entstand, weil der Blasius einen andern beschuldigte, falsche Würfel untergemengt zu haben. Dieser verteidigte sich durch die Gegenbeschuldigung, Blasius habe trotz des Georgentalers noch irgendeinen Teufelszauber bei sich gehabt, und jeder von ihnen hätte auf diese Weise den Mutigen spielen und den Gewinn davontragen können. »Wenn ich einen Zauber hätte,« rief Blasius, »so brauchtet ihr nicht neidisch zu sein. Ihr könntet euch auch einen verschaffen, wenn ihr den Mut hättet.« Wie sie nun in ihn drangen, das Geheimnis zu bekennen, er sich weigerte, sie ihn zwingen wollten, wurde der Streit toller, und die Raufenden kamen erst zur Besinnung, als Blasius erstochen war.

Geheul und Geschrei zog den Profosen herbei, der Miene machte, Hand an die Schuldigen zu legen, aber einlenkte, als ihm ein paar von Mansfelds Goldstücken in die Hand geschoben wurden. Er hatte früher in einer Türkenschlacht ein Auge verloren und pflegte über die leere Höhle kreuzweise zwei Streifen schwarzer Seide zu kleben; aus dem übriggebliebenen Auge schoß er jetzt einen schnellen Schlangenblick auf den ärgsten Raufer, wie um ihm ein Merkmal einzuätzen, und beschloß, ihn bei der nächsten Gelegenheit, die nicht ausbleiben würde, zu hängen. Ein gleichfalls herbeigeholter Pfarrer bückte sich über den verscheidenden Blasius und hörte dessen geflüsterte Beichte: es habe ihm kürzlich eine Zigeunerin geweissagt, er werde nicht vor dem Feinde, sondern bei einem Zwist mit Freunden fallen, das habe ihn so kühn gemacht; verbotene Künste habe er nicht getrieben, sondern sterbe als ein guter Christ in Erwartung der himmlischen Seligkeit.

Trotz mehrmonatiger Belagerung war noch immer keine Aussicht, Pilsen zu nehmen. Die durch ihre Lage und vortreffliche Befestigung ohnehin für uneinnehmbar geltende Stadt erfreute sich eines tüchtigen Kommandanten, Fels von Dornheim, der ein gutes Einverständnis zwischen Bürgerschaft und Besatzung wahrte, so daß die Soldaten sich genügender Verpflegung erfreuten; das Belagerungsheer dagegen begann allmählich Not zu leiden und über Untätigkeit und ausbleibenden Sold zu murren. Die Direktoren schickten noch immer kein Geld, sondern ermahnten Mansfeld von Zeit zu Zeit, sich entscheidender Aktionen, durch welche Pilsen einigermaßen in extremis versetzt würde, zu enthalten, denn der Kaiser möchte eine ernstliche Gefährdung der ihm ergebenen Stadt als rebellisch und unrespektierlich empfinden. Einmal erhielt er sogar Befehl, die Belagerung aufzuheben, und zog wirklich ab, jedoch um zurückzukehren, als bald hernach ein Gegenbefehl eintraf.

Fels von Dornheim hatte eine einzige Tochter, die mit einem Obersten verheiratet war und die er herzlich liebte. Diese kam eines Tages zu ihm und klagte über ihren Mann, daß er sie, seit sie in Pilsen wären, vernachlässige und übel behandle, daß er ein Liebesverhältnis mit einer von den Klosterfrauen angeknüpft habe, die vor den Mansfeldischen in die Stadt geflüchtet wären und sich hier die Zeit mit weltlichen Händeln vertrieben.

Dornheim streichelte zuerst das liebe Gesicht der Frau, die ihm glich, und tröstete sie ein wenig zögernd damit, daß das nun leider einmal die Weise der Männer sei und daß er sich am ersten wieder zu ihr und ihren Kindern finden würde, wenn sie geduldig zuwarte. Das habe sie wochenlang getan, entgegnete sie, ihr Lohn sei aber gewesen, daß er sie ins Gesicht geschlagen hätte, als sie ihm zum erstenmal seine Untreue in gelinden Worten vorgehalten habe. Ihre schönumsäumten Augen flammten schwarz vor Zorn und Scham; lieber, sagte sie, als solche Schmach ferner zu ertragen, wolle sie mit ihren Kindern an der Hand ins Elend wandern. Der Kommandant ging mit großen Schritten im Zimmer auf und ab, während er mehrmals zornig hervorstieß: »Das ist zuviel! das erleidet kein Dornheim!« Dann legte er den dunklen Kopf der Tochter an seine Brust und sagte beschwichtigend, er wolle ihren Mann zur Vernunft bringen, sie solle ihm vertrauen; solange er lebe, solle sein Kind nicht wie ein Bauernweib geschlagen werden oder ins Elend wandern. Sie lächelte unter Tränen zu ihm auf, und ihr Blick verweilte zärtlich auf der festen, breiten Gestalt des Vaters und auf seinem blühenden, rotbraunen Gesicht, aus dem die Augen so herzlich und sicher heraussehen konnten.

Die Unterredung mit dem Schwiegersohn, die den Kommandanten nicht wenig beunruhigte, verlief bequemer, als er gedacht hatte, und ziemlich zufriedenstellend; wenigstens versprach er, der vor Dornheim viel mehr Angst hatte, als dieser ahnte, Besserung in jeder Hinsicht, das schuldige Verhältnis mit der Verführerin, an der er kein gutes Haar ließ, abzubrechen und seine Frau mit gebührender Rücksicht zu behandeln. Eine Versöhnung wurde zuwege gebracht, bei der der Mann weinte und schluchzte und die junge Frau blaß und verschlossen dreinschaute. In seiner Freude lud Dornheim den Schwiegersohn und einige andere Offiziere auf den Abend zu einem Bankett ein und trank mehr als gewöhnlich, während er sich sonst, namentlich während der Dienstzeit, eher durch Mäßigkeit auszeichnete. Doch war er besonnen genug, um Mitternacht die Tafel aufzuheben; vor dem Zubettgehen, sagte er, wolle er noch eine Runde um den Wall machen; er fühle sich wach und nüchtern, als sei er eben aufgestanden, setzte er fröhlich hinzu, indem er seine kräftige Gestalt reckte. Von einigen Fackelträgern begleitet, traten sie den Rundgang an, bei dem Dornheim ziemlich festen Fußes voraufging, während die anderen, berauscht und schläfrig, ihm nachstolperten. Sie waren bei dem sogenannten Badehause angekommen, das ein Hauptziel der Belagerer war, als Dornheim stillstand, weil er ein Geräusch gehört zu haben glaubte; es rührte von einem Arkebusier bei den Mansfeldischen her, der auf dem Bauche bis an den Stadtgraben gekrochen war in der Hoffnung, etwa Gelegenheit zu einer kühnen Tat zu finden. In dem Augenblick, wo Dornheim, einem der begleitenden Soldaten die Fackel aus der Hand nehmend, sich zum Graben hinunterbeugte, legte der versteckte Schütze an und traf den feindlichen Kommandanten so gut ins Herz, daß er, nur noch einen einzigen Seufzer ausstoßend, tot vornüber in die Tiefe stürzte.

Sein Schwiegersohn wurde sein Nachfolger; allein unter seinem launischen Regiment, denn er ließ bequemer Nachsicht unvermittelt bösartige Härte folgen, wurde die Mannszucht der Besatzung locker, die Einwohnerschaft ihrer überdrüssig, und die Verteidigung fing an, dem Feinde allerlei Blößen zu zeigen. Da nun auch endlich von Prag aus Mahnungen an Mansfeld kamen, er solle Ernst gebrauchen, schritt er zum Sturme und konnte in der Frühe des 22. November als Sieger in die eroberte Stadt einziehen.

Vor Pilsen erkrankte einer der reichsten böhmischen Standesherren, Albrecht Johann Smirsitzky, und starb in seinem Hause in Prag, wohin er sich hatte bringen lassen. Er war mit der Prinzessin Amalie von Hanau, einer Enkelin Wilhelms I. von Oranien, verlobt gewesen, die den Bräutigam tief betrauerte und ihr Bild an einer Kette nach Prag schickte, damit es zu ihm in den Sarg gelegt werde. Der junge Mann, der ein wildes und liederliches Leben geführt hatte, war in ihren Augen ein Glaubensheld, da er sich bei der Defenestration der katholischen Räte als einer der Eifrigsten mit eigener Hand beteiligt hatte, und sie hielt sein Andenken heilig. Noch bevor ein Jahr verflossen war, heiratete sie den nunmehr ältesten Sohn des Landgrafen von Hessen-Kassel, Wilhelm, dem sie zwar nicht an Bildung, aber an Gesundheit und Tatkraft überlegen war und der sich ihr mit ganzem Herzen hingab.

* * *

 

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