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Der Dräumling

Wilhelm Raabe: Der Dräumling - Kapitel 14
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typenovelette
authorWilhelm Raabe
titleDer Dräumling
publisherVerlagsanstalt Hermann Klemm
seriesWilhelm Raabe ? Sämtliche Werke ? Zweite Serie
volumeBand 3
printrunDreizehntes bis Siebzehntes Tausend
editor
year1892
correctorreuters@abc.de
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Das dreizehnte Kapitel

Die Leser werden nun wahrscheinlich vermuten, daß Herr Rudolf Haeseler sich jetzt auf seinen Stuhl zurückgelehnt habe und in ein kreischendes Gelächter ausgebrochen sei. Dem war nicht also. – Der Maler blickte mit einem fast unheimlich melancholischen Ernst von der Decke wieder auf die Tür, welche sich hinter dem Hamburger Großhändler eben geschlossen hatte, und der Rektor von Paddenau blickte auf den Freund:

»Ich bitte dich um alles in der Welt, Rudolf, was fiel dem Kerl ein?«

»Vielleicht das Dach über seinem Haupte. Er glaubte sich wohl gedeckt und starrt nun plötzlich nicht wenig betroffen hinauf in eine unergründlich dunkle Winternacht voll Nordwind, Schnee, Wolken und Regenschauer. Es ist manchmal bitter kalt auf den Wällen von Helsingör, Horatio.«

»Ich begreife auch dich nicht, Rudolf.«

»Ja, ja, das kommt davon, wenn man Verse macht, und noch dazu Verse zum hundertjährigen Geburtstage Friedrich Schillers, und wenn man dann diese Verse von dem schönsten Mädchen des Dräumlings öffentlich aufsagen läßt. Ich begreife dich ebenfalls nicht, Gustav; – mir erscheint es völlig begründet, daß da ein feinbesaitetes Gemüt sich erhebt, die Gaststube des grünen Esels verläßt und die Klappe hinter sich zuschlägt, daß der Kalk von den Wänden fällt. Ich könnte dir wie der eben hinausgegangene Herr nunmehr gleichfalls gute Nacht wünschen; aber die Zeit reicht zu einer kleinen literarisch-historischen Exkursion. Vielleicht wird es dir Vergnügen machen, mich zu begleiten, lieber Gustav.«

Der Pädagoge sah nach der Uhr, zuckte zusammen und sagte eilig:

»Du weißt, wie gern ich dir auf deinen Irrwegen folge; aber meine Agnes –«

»Deiner Agnes wird es bei einem so vollgerüttelten und geschüttelten Maß der Liederlichkeit auf einen Tropfen mehr oder weniger nicht ankommen. Wir trinken noch eine Flasche; – deinem wohlverdienten häuslichen Canossa wirst du doch nicht entgehen; – ach, ihr Ehemänner habt es gut, euere Behaglichkeit wartet immer auf euch! . . . Da kommt der Wein. Nun denn, Gustav Fischarth, der Dichter der Frauen und des Ideals lebe hoch!«

»Hoch lebe er!« schrie der Schulmeister, der vorhin schon, um sich dem Hamburger Blasphemisten gegenüber eine ruhige Haltung zu geben, fast zu viel getrunken hatte. Er glühte; doch um so kühler fuhr der Maler fort:

»Mein Freund, ist es dir wirklich schon einmal so recht im großen, ganzen und vollen aufgegangen, welch ein Narr der Mensch unter Umständen sein kann? Mir mehr als einmal! – Hier sitze ich und erzähle dir erstens alles, was du längst weißt, und zweitens erzähle ich dir das, was jeder Verständige selbst seinem besten Freunde gegenüber ruhig hinter doppeltem Schloß und Riegel für sich selber behält. Und wo – wo enthülle ich mich dir? – Wo? Hier in Paddenau im Dräumlinge, – hier im grünen Esel! Ich, den die Römer Leporino nannten, ich, der ich in Rom vor Michelangelos Weltgerichte den Entschluß faßte, meine ganze künstlerische Energie auf die Lüneburger Heide und das Panger Moos zu werfen. Hier sitze ich im Dräumlinge und möchte in Urbino auf Rafaels Türschwelle mich recht herzlich ausweinen, – o Fischarth, das höhnische Zucken um den Mund der Olympier ist unausstehlicher als alle Qual des Tartarus! Ist der Stern, der vor hundert Jahren auf das niedere Haus in Marbach strahlte, schuld daran, ich kann's nicht sagen; aber die Tatsache steht fest, ich befinde mich seit einiger Zeit sehr übel hier in Paddenau. Da du den hiesigen Honoratiorentöchtern auch im Französischen Privatunterricht erteilst, Gustav, so ist dir wohl auch der Bonhomme Jean de Lafontaine, der Fabeldichter, auf deinem Wege begegnet, – was?«

»Herr du meine Güte, wie geht das heute abend wieder einmal durcheinander!« ächzte der Rektor, beide Fäuste auf die Schläfen drückend.

»Diese Kritik meines Darstellungsvermögens schmeichelt mir stets ungemein. Also gut, wie er, der gute Jean, hatte ich einen hohen Eid geschworen, nimmer wieder einen Conte zu machen; ganz im Gegensatze zu dir, als du die Prosa des Lebens als Prellstein benutztest, um dich von ihr auf den Pegasus zu schwingen, höchstens mit dem Entschlusse, die Nation zu verachten, wenn sie dich verachten würde.«

»Das habe ich nie gedacht, getan, gesagt. Du redest Unsinn, Rudolfe. Ich habe niemals etwas anderes drucken lassen, als meine Doktor-Dissertation, und die bezog sich einfach auf den Gebrauch des Haselrohrs in den Gymnasien der Griechen und kam nicht in den Buchhandel.«

»Gut, so beziehe du meinen Gegensatz einfach auf einen deiner gedruckten Kollegen, und laß uns bei unserm Jean de Lafontaine bleiben. Nicht wahr, er sah sehr dumm aus? Ja, wie ein richtiger Tölpel sah er aus, und die meisten Leute hielten ihn auch dafür, und die festeste Meinung in der Hinsicht hatte sich natürlich seine Frau gebildet.«

»Du scheinst mir wirklich ein Kolleg über Literaturgeschichte halten zu wollen, liebster Freund.«

»Ich habe die Absicht. Unsereiner, dem die Gelegenheit, zu zeigen, daß er etwas gelernt habe, so selten kommt, benutzt sie jedesmal. Man hat leider von uns Malern, was unsere Belesenheit angeht, eine schlechte Meinung im Publikum, und nicht ganz ohne Grund. Ehe ich mich im Sumpfe niederließ, unterschied sich meine Bildung in der Tat wenig von der der andern; aber jetzt brauche ich gottlob nicht bloß die übrige Menschheit reden zu lassen. Ich bin ein denkender Künstler, und meine Belesenheit –«

»Die kenne ich. Rudolf, es wird immer später.«

»Gustav, die Bemerkung zeugt von einer immer noch recht muntern Beobachtungsgabe. Es wäre schade, dieselbe so früh schon zu Bette zu tragen; – Agnes wartet gewiß noch ein wenig. Auf das Wohl der lieben, prächtigen Frau! und siehe, diesem närrischen Kauze, diesem Tölpel Jean le Bonhomme fiel es auf einmal ein, sein Weib und seine Nachbarschaft in eine große Verwunderung zu setzen. Eines Morgens rief man ihm, und er antwortete nicht; man suchte ihn, und er war nicht zu finden. Heimtückischerweise hatte er sich aus der Hintertür geschlichen und war durchgebrannt, ohne die Nachbarschaft und Verwandtschaft zu benachrichtigen, geschweige denn, sie mitzunehmen. Der Teufel weiß, wie er daraufkam! Er, der gute Jean, mochte wohl, in seiner Kaminecke sitzend, dann und wann zugehört haben, wie sich die verständigen Leute untereinander unterhielten. Die verständigen Leute hatten vielleicht auch von der großen Stadt Paris gesprochen, wie es sich dort so lustig leben lasse, und wie man daselbst, wenn man Glück habe, es zu etwas recht Ordentlichem bringen könne, sogar bis zum Mitgliede der Akademie und bis zum Reichshistoriographen, wie die Herren Boileau-Despréaux und Racine. So etwas kann selbst den Dümmsten anlocken, und es verlockte den armen Jean de Lafontaine zum Durchgehen. Er kam richtig nach Paris; aber zum Reichshistoriographen brachte er es nicht, und wie ich glaube, auch nicht zum Akademiker. Er brachte es überhaupt zu gar nichts; er war zu einfältig, und wenn ein Freund am Hofe und in der Stadt in Ungnade fiel, so hielt er um so fester an ihm; – zu dumm zu sein, ist nicht gestattet! Er machte nichts als alberne Streiche und dazu ganz kuriose Dinge, nämlich ganz hübsche Fabeln, welche die sonst so schlauen Franzosen für reizend naiv hielten. Und diese sonst so schlauen Franzosen nannten um dieser Fabeln willen den Mann le bonhomme de Lafontaine und hatten keine Ahnung davon, daß der gute, brave Bursche in diesen Fabeln sich selber zum echtesten und wahrsten, zum allergrimmigsten und allerklügsten Reichshistoriographen kreiert hatte, nicht nur der Nachbarschaft daheim, sondern auch der Stadt Paris und Seiner Majestät dem König Ludwig dem Vierzehnten zum Trotze. Als den klugen, gewitzigten Franzosen endlich eine Ahnung darüber aufging, verwunderten sie sich sehr, machten gute Miene zu diesem allerbesten Spiel, und ihn, den Bonhomme, glorifizierten sie als den ersten Fabeldichter der Welt. War dir das etwa bereits bekannt, lieber Fischarth?«

»Lie – ber Hae – seler,« sagte der Rektor von Paddenau mit dem sonorsten Nachdruck auf den Silben Lie und Hae, als rede er einem Unsinn schwatzenden Sekundaner auf das eindringlichste ins Gewissen, »lieber Haeseler, bedenke, was alles in diesen Tagen auf mir lag, und fasse dich etwas kürzer. Setze dich in meine Lage: – wird meine Frau mit einem Auszuge dessen, was du mir soeben vorträgst, sich abfinden lassen? Sie wird es nicht; sie wird mir den Hausschlüssel abnehmen und mir die Bemerkung nicht vorenthalten: Wenn du weiter keine Neuigkeiten aus dem Wirtshause heimbringst, so sehe ich nicht ein, weshalb du nicht lieber zu Hause bei Weib und Kind sitzen bleibst, zumal da es noch dazu viel gesunder ist, und du dir dadurch das, was du dein nervöses Kopfweh nennst, größtenteils ersparst.«

»Welch eine liebe, verständige Seele!« rief der Maler, eine Kußhand nach der Gegend der Wassergasse hin versendend. »Noch eine kurze Minute, und ich werde dich nicht länger abhalten, ihrer Sehnsucht nach dir entgegenzueilen. Wovon redeten wir doch? Ah so, von dem braven französischen Fabeldichter Hans von der Quelle. Siehe, trotzdem daß sie alle ihn für einen Dummkopf hielten, saß er doch wirklich näher als irgendein anderer damals am Brunnquell der schönen Weisheit und listigen Anmut. Daß es überhaupt keine Kleinigkeit ist, mit den Tieren auf du und du zu stehen, wirst du mir zugeben, Rektor magnificentissimus von Paddenau. Es spannt alle Geister des Menschen an aufs Höchste und spannt sie ab ins Tiefste, und zur Erholung verfertigt dann der melancholische Weltweise andere gereimte Schnurrpfeifereien, und um sich die Erholung nicht zu erschweren, nimmt er seine Stoffe aus den Novellen des Ser Giovanni Boccaccio oder den Cantos des Meisters Ludovico Ariosto oder den Erzählungen der wonniglichen Frau Margarete von Navarra und anderer scherzhafter, das heißt in ihren Schriften scherzhafter Geister. Tändelnd überträgt er sie in die schönsten Verse, auf welche die französische Akademie mitleidig herablächelt, welche jedoch Madame Henriette von England, die Frau Herzogin von Bouillon, Madame de Sablière und viele andere Madamen sehr amüsant finden, jedoch nur ganz im geheimen. Und, beiläufig gesagt, Madame de Sablière hat ihn – den verunglückten Reichshistoriographen auf der Landstraße von Paris nach Versailles im Regen unter einem Baume sitzend gefunden und ihn mit sich genommen, erst in ihre Karosse und dann in ihr Haus. In ihrem Hause aber lebte er bis zu ihrem Tode, weshalb Madame de Sablière unsterblich ist wie Madame Laura de Sade und vielleicht mit noch größerem Rechte, als diese letztgenannte Dame. Madame de Sablière –«

»Madame! Madame! Herr Gott, wenn nur nicht meine eigene Madame zu Hause säße und auf mich wartete!«

»Madame de Sablière wußte dieses auch recht gut; denn als sie einst infolge der gloriosen Kriegstaten und Eroberungen des großen Louis mit vielen andern begüterten Franzosen in die Lage kam, wegen Geldmangels all ihr Gesinde abschaffen zu müssen, da behielt sie sehr weislich ihre drei Haustiere, Hund, Katze und Monsieur Jean de Lafontaine und fütterte sie richtig durch die glorreiche Zeit.«

»Das Genie ist freilich ein recht nettes Haustier,« brummte der Dräumlingsrektor, wider seinen Willen von dem konfus-bedeutungsvollen Essay seines Freundes fortgewirbelt.

»Nicht wahr? Vorzüglich wenn man es auf die richtige Art zu behandeln versteht; – doch wohin verlockst du mich, Gustav?! Von dem allen wollte ich doch eigentlich gar nicht reden, und wenn du mich nicht weiter verwirren willst, so werde ich jetzt zur Hauptsache kommen.«

»Dem Himmel sei Dank!«

»Was bis in alle Ewigkeit hinein niemals verhindern wird, daß auch das Genie den Unzukömmlichkeiten eines leeren Geldbeutels unterworfen ist, und daß es item, wenn es ein Vergnügen daran findet, tagelang im Regen unter einem Baume an der Landstraße zu sitzen, sich erkältet und sich einen Schnupfen oder gar etwas Schlimmeres holt. So ging es dem guten Jean. Er litt am Schnupfen, er fing allmählich an, am Rheumatismus zu leiden; er wurde alt, und er wurde krank, sehr krank, so krank, daß er stellenweise sogar den Faden seiner Lebensentwicklung verlor und dann –«

»Manches von dem, was er geschrieben hatte, nicht geschrieben zu haben wünschte. Ja, ja.«

»Ja, ja, ja! zumal ihm die hohe und mittlere Geistlichkeit mit ihren Ansichten in dieser Beziehung arg zu Leibe ging.«

»Man hat neulich hiesigen Ortes den Wunsch ausgesprochen, daß uns am Zehnten dieses Monats unser Festzug verregnen möge.«

»Nicht ohne die vollkommenste Berechtigung. Jeder Grundbesitzer, seit Erschaffung der Welt, wünscht sich für seinen Boden das Wetter, welches er gebrauchen kann. Wer weiß, ob nicht morgen schon dein innigstes Sehnen dahin geht, es möge Pech, Schwefel und Quadersteine auf die Teilnehmer, die Mitwirkenden an deiner großen Feier herabregnen?!«

»Mensch, bedenke, daß wir in der Geisterstunde sind,« flüsterte verlegen-aufgeregt der Rektor. »Rühre nicht verwegen an die Zukunft; – ich habe schon genug an meinen Ahnungen zu tragen, und es ist gar nicht nötig, daß du mir dieselben zu greifbaren Wirklichkeiten machst.«

»Gut. Er ging also in sich, wie viele klare Köpfe, wenn sie alt und hinfällig werden und das Bewußtsein ihrer selbst verlieren, welches letztere die hohe, mittlere und niedere Geistlichkeit immer sehr hoch aufnimmt. Reuig entsagte der gute Jean allem leichtfertigen Geschreibsel, und der Pfarrer von Saint Roch segnete ihn höchlichst darob.«

»Hm – ha – hm! Wenn ich eine Ahnung davon hätte, wo du anzulangen wünschest, so würde ich dir unbedingt dahin vorauseilen.«

»Und als die Krankheit diesmal noch ziemlich glücklich vorübergegangen war, und er sich in der Besserung befand, da – ging er mit frischen Kräften munter wieder ans Werk und schrieb zuerst La clochette, eine sehr sonderbare Historie, welche beginnt:

Oh! combien l'homme est inconstant, divers,
Faible, léger, mal sa parole!
J'avais juré, même en assez beaux vers,
De renancer à tout conte frivole,

und dann machte er eine noch viel sonderbarere Geschichte über das biblische Wort: Domine, quinque talenta tradidisti mihi, eine ganz heillose Geschichte; und hatte die krasseste Absicht, dieselbige, wahrscheinlich um sich der Geistlichkeit für ihre Tröstungen und Ratschläge während seiner Krankheit erkenntlich zu zeigen, dem frommen, gottesfürchtigen Doktor Arnould von der Sorbonne zu dedizieren. Jedenfalls wäre das eine ungemeine Aufmerksamkeit gewesen und würde den Doktor wohl ebenso unsterblich gemacht haben wie Madame de Sablière; aber das Entsetzen am Hofe, in der Kirche und in der Stadt würde auch kein kleines gewesen sein.«

Der Rektor Gustav Fischarth griff in die Tasche nach seinen Handschuhen, holte den Hut vom Haken und schlug ihn sich, sozusagen, auf den Kopf. Der Maler ergriff den Freund am Ellbogen:

»Du willst mich verlassen, Geliebter? Jetzt, wo ich gerade zu Ende komme? Jetzt, wo sich meiner Rede Sinn und Inhalt in die funkelndste Spitze zusammenzieht?«

»Ja, ich gehe nach Hause,« sagte der Rektor, und zwar infolge der vollkommensten Ermattung gänzlich leidenschaftslos.

»Nun denn, so geh und erzähle deiner Frau: dein Freund, der Maler Rudolf Haeseler, habe in den Tagen der Zerknirschung es wie der französische Fabeldichter hoch und teuer verschworen, jemals wieder einen Conte zu machen, und jetzt in Paddenau, mitten im Dräumling, mache er doch noch einen!«

Der Rektor des Dräumlings hätte sich trotz seinem festen Entschluß beinahe doch wieder gesetzt.

»Was soll ich meiner Frau sagen?«

»Soll ich meine Auseinandersetzung vielleicht von vorn beginnen?«

»Lieber Freund,« sprach der Rektor, jetzt ebenso pathetisch wie vorhin matt, »wenn du mir wirklich im Laufe dieses Abends etwas vorgetragen hast, was bei meinem Weib mein längeres Ausbleiben entschuldigen kann, bitte, so sprich noch einmal; aber deutlich und in drei Worten.«

»So seid ihr Poeten! Da sitzest du die halbe Nacht im grünen Esel mit Knackstert Witwe und Sohn und suchst dieselben für dich und deine Anschauungen zu gewinnen. Ich bin, wider meinen Willen, mitten in einer Geschichte drin, und damit – überlasse ich dich deinem eigenen Nachdenken, deinen Gefühlen und Empfindungen. Ich gebe dir gegen das drohende eheliche Gewitter den prachtvollsten Blitzableiter in die Hand, und du fragst mich nach der Bedeutung und der Anwendung desselben. Gehe heim und schlage jedes beliebige Lehrbuch der Künste und der Erfindungen nach. Wenn du nicht klüger dadurch wirst, so empfiehl mich deiner Gattin und sage ihr, ich sei an allem schuld, aber es sei nicht nötig, daß sie die Rache der Götter auf mein sündiges Haupt herabrufe, denn die Herren überließen Verbrecher meinesgleichen gewöhnlich ihren Damen, und die verständen es, ihre Genugtuung im voraus zu nehmen.«

 


 

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