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Der Dorfkrieg

Heinrich Schaumberger: Der Dorfkrieg - Kapitel 11
Quellenangabe
typenarrative
booktitleGesammelte Werke, Dritter Band
authorHeinrich Schaumberger
year1905
firstpub1874-76
publisherJulius Zwißler
addressWolfenbüttel
titleDer Dorfkrieg
pages88
created20121215
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Endlich, – endlich ward es Abend! Heiner hatte oft gemeint, die Sonne müsse still stehen, so langsam ging die Zeit hin! Nun aber war sie nicht bloß hinter der im Westen aufsteigenden Wolkenmauer verschwunden, sie war wirklich untergegangen. Mit Gedankenschnelle breitete sich die Wolkenwand über den Himmel aus, eine tiefe, erwartungsvolle Stille brütete über der lechzenden Erde, ein eigentümlich kräftiger Geruch verkündete den baldigen Regen, unerwartet schnell brach die Nacht herein. Heiner begrüßte in seinem Waldversteck nahe an Windsberg, wo er schon seit langen, langen Stunden auf die Nacht wartete, mit Freude diesen Witterungswechsel, der seine Pläne so sehr begünstigte, – den drohenden Regen achtete er nicht. Aber trotz der rasch hereinbrechenden Dunkelheit ward seine Geduld noch auf eine harte Probe gestellt. Die erwartete Ruhe wollte im Dorfe nicht 121 eintreten, Lichter blitzten in den Häusern auf, Laternen huschten wie Irrlichter durch die Scheunen, Höfe und Ställe; noch manche lange, bange Stunde verging, ehe endlich die Riegel an den Haustüren klirrten, die Kettenhunde knurrend in ihre Hütten krochen, die letzten Lichtschimmer erloschen.

Heiners Herz klopfte fast hörbar; erschienen war die langersehnte, langgefürchtete Stunde der Entscheidung, – was wird sie ihm bringen, Freude oder Leid? Er wagte nicht die Möglichkeiten auszudenken, konnte auch nicht; in den Schläfen hämmerte und pochte das Blut, seine Gedanken schwirrten ordnungslos durcheinander.

Schwarz lag der Himmel auf der Erde, ein kaum bemerkbarer fahler Schimmer, von dem sich nicht sagen ließ, gehörte er dem Himmel oder der Erde an, ließ dunkel und undeutlich die Umrisse der allernächsten Gegenstände erkennen und ermöglichte dem an die Finsternis gewöhnten Auge, sich doch noch einigermaßen zurechtzufinden. Ein geheimnisvolles Brausen erfüllte die Luft, trotzdem sie nicht der leiseste Windhauch bewegte; aus der Erde quoll ein dumpf dröhnender Ton, der Gesang des Erdkrebses (Maulwurfsgrille) in den feuchten Wiesen um den Dorfteich; aus dem Tale herauf klangen in schütternden Stößen die Schläge des Sülzdorfer Hammerwerks, und der Fluß rauschte vernehmlich durch die Nacht. Eine drückende Schwüle lag beklemmend auf seiner Brust, sein Atem ging schwer und keuchend, als Heiner auf den Strümpfen, – die Stiefel trug er in der Hand, – vorsichtig in den Schulzenhof schlich.

Den Hofhund, der ihn schon kannte, beschwichtigte er; mit der Örtlichkeit genau vertraut, ward ihm trotz der Finsternis leicht, sich zurechtzufinden. Nur einmal stieß er an Pflüge, die am ungewohnten Orte stehen mußten, daß das Eisenwerk laut klirrte und der Hund knurrte. Atemlos lauschte Heiner, – aber im Hause blieb es still, nichts regte sich; noch vorsichtiger denn zuvor nahm er seinen gefährlichen Gang wieder auf. Und gefährlich war sein Unternehmen bei dieser tiefen Finsternis, die ihn nötigte, sich vollkommen auf seinen Ortssinn, auf das Umhertasten mit Händen und Füßen zu verlassen.

Glücklich erreichte er den Wagenschuppen, glücklich gelang ihm, die Leiter herauszuholen, ohne an das überall herumliegende 122 und hängende Eisenwerk zu stoßen. Nur der Hund war wieder unruhig geworden und schlug jetzt mehrmals kräftig an. Heiner stand zitternd im Hofe und wagte nicht, sich zu bewegen; ward jemand im Hause aufmerksam, so war sein ganzer Plan vereitelt! Atemlos lauschte er, – doch mußte niemand auf den treuen Wächter achten, im Haus blieb es still, auch der Hund beruhigte sich und kroch in seine Hütte.

Noch lange wagte Heiner sich nicht zu bewegen, endlich legte er die Leiter an das Haus und stieg zu Karolinens Kammerfenster empor. Lange klopfte er vergebens, und zu bitten wagte er nicht, aus Furcht, der Hund könne abermals laut werden. Endlich hörte er, wie das Mädchen sich ankleidete; nach einer Weile fragte sie mit unterdrückter Stimme: »bist du's?«

»Freilich bin ich's! – Mach das Fenster auf!«

Das Mädchen zögerte; endlich schob sie das Schiebfensterchen halb zurück und fragte leise: »was willst du?«

»Ach, Karline, magst du so fragen? – Was ich will? – Dich sehen, deine Hand drücken, dich reden hören!« Damit haschte er durch das Fenster nach ihrer Hand.

Das Mädchen trat zurück; sie mußte sich wohl besinnen, denn ihr Atem ging heftig und schwer. Endlich sagte sie noch leiser als zuvor: »und wozu das? – Was soll's?«

»Um Gottes willen, Karline, tu nicht so fremd, nicht so gleichgültig! – Komm, laß mir deine Hand, sag mir nur ein einziges gutes Wort!«

»Und wozu das? – Was soll's helfen? – – Ach, ich bin noch ganz bestürzt, ich kann nicht zu mir selber kommen! – Ich dachte nicht, daß du das Herz haben würdest, noch einmal diesen Hof zu betreten, nachdem – –« Karoline vollendete ihren Satz nicht; unterdrücktes, darum um so heftigeres Weinen brach ihre Stimme.

Heiner erzitterte; mühsam stieß er die Worte hervor: »Karline, Karline, was machst du? – Komm, gib mir die Hand! So viel ich Haare auf dem Kopfe habe, so oft habe ich's schon bereut, was anders gäbe ich darum, könnte ich's ungeschehen machen. – Karline, ich bin schwer gestraft, der eine Tag hat mich um zwanzig Jahre gealtert. Ich weiß alles, was du sagen kannst, ich mache 123 mir selbst die größten Vorwürfe. Nun mache du mich nicht gänzlich elend. Komm, gib mir die Hand, tu nicht fremd, sag's, daß du mich noch gern hast.«

»Und das kannst du so leichthin reden? Das magst du mir ernstlich ansinnen?«

»Karline!«

»Meinst, ich habe gar keine Lieb zu den Eltern im Herzen? Meinst, ich achte sie so wenig, daß es mir gleichgültig ist, was ihnen geschieht, wie mit ihnen umgegangen wird? Nein, solch flackerig, leichtfertig Ding, wofür du mich hältst, bin ich nicht! – Nein, ich hab das vierte Gebot noch nicht vergessen! Meiner Eltern Ehr liegt mir am Herzen wie meine eigene, und was meinen Eltern zugefügt wird, geschieht mir hundertfältig. Das hättest du lang schon wissen müssen. Und wenn was mein Leid noch größer machen konnt, so war's, daß du auch jetzt noch solch Ansinnen an mich stellen kannst!«

»Karline, hab Geduld mit mir, mein Hirn ist wie zerstückt, ich bringe keinen Gedanken zum andern. Ich verdenk dir's nicht, daß du mir bös bist, bin ich doch selber am meisten auf mich erbittert. Ich weiß, ich hab auch ein gutes Wort nicht verdient, – ich verlange es ja auch nicht. Schilt mich, zanke mich, mache mich herunter, so sehr du willst und kannst, ich will nichts erwidern, mit keiner Wimper zucken, – aber nur das Eine laß mich merken, daß du mir nicht ganz feind bist!«

»Ach, wenn ich noch schelten und zanken dürfte, – ach, dann wäre ja alles, alles gut! Nein, das ist für immer vorbei, das darf nur vorkommen zwischen Leuten, die einig sind und zusammengehören, – ach, und das muß ja bei uns vorbei sein!«

»Nein, Karline, es muß nicht und soll nicht! Jetzt freilich wird dich dein Vater zwingen, von mir zu lassen, – ach mein Gott, ich kann's ihm ja selber nicht verübeln, – und wir müssen uns eben vorläufig in seinen Willen fügen, um ihn nicht noch wilder zu machen. Aber, Karline, ich hab es heut aus seinem eignen Munde gehört, daß er mich wirklich gern gehabt hat! – Darauf müssen wir bauen, Karline! Sein Zorn wird verrauchen, sein Ärger vergehen, ich will unterdes sorgen, daß er mit mir zufrieden sein muß, – das, Karline, muß uns helfen. Die Zeit tut Wunder, glaub's doch! – Und nun gib mir deine Hand!«

124 »Du irrst, wenn du meinst, ich lasse von dir, bloß weil es mein Vater befiehlt! Nein, nein, und wenn er auch nicht allen Umgang mit dir ernstlich verboten hätte, es müßte doch aus sein zwischen uns. Seitdem du die Hand gegen meinen Vater erhoben, sind wir geschieden, – ja, ja, rede mir nicht drein, geschieden für alle Zeit! – Das, Heiner, ist nicht wieder gut zu machen, und das löscht auch keine Zeit aus. Ich kann dich nichts mehr achten, dir nimmer vertrauen. Ich fürchte mich vor dir; so oft ich deine Hand sehe, muß ich denken: sie hat meinen Vater geschlagen, warum sollte sie sich nicht auch gegen mich erheben? – Der liebe Gott weiß, wie schwer ich gerungen hab; es war eine harte Wahl, aber ich hab mich entschieden, und du weißt, was ich einmal sag, das gilt! – Ich dank dir, Heiner, für all die Lieb und Gütigkeit, die du mir bewiesen hast, – ach, sie hat mich gar so sehr erfreut, hat mir so ins Herz 'nein gut und schön getan! – Ja, ich verberg's nicht, deine Lieb zu mir war mein höchstes Glück, – und nun ist's aus damit, jetzt und für immer. – Ja, Heiner, ich hab dich von Herzen, so recht von Herzen lieb gehabt, – und, – und ich werde dich nie, – niemalen vergessen! – Denk auch du, – manchmal im guten an mich, darum bitt ich dich herzlich! – Und nun geh, wir haben nichts mehr zu verhandeln!« Schluchzend trat sie vom Fenster zurück.

»Ist's dein Ernst? – Karline, willst du mich wirklich von dir weisen?« rief Heiner, seine Umgebung vergessend, laut jammernd. »Karline, – Karline, – tu's nicht, mach mich nicht elend!«

Mit lautem Gebell fuhr der Hund aus der Hütte und riß heulend an seiner Kette. »Um Gottes willen, was hast du gemacht? – Laß mich, ich kann nicht anders, – Gott steh mir bei, es wird mir schwer genug! – Rede nichts, 's ist alles umsonst; es steht nicht in meiner Macht, dich anzunehmen, ich kann nicht über mich selbst hinüber! – Geh, Heiner, um Gottes willen, geh! – Ich hör den Vater, und der Knecht wird auch lebendig! – Mach fort, – ach, es gibt noch ein Unglück, treffen sie dich; die Windsberger haben's besonders auf dich abgesehen! – Geh, eh's zu spät ist!«

»Nein, so geh ich nicht,« rief Heiner entschlossen. »Und sollt ich den Tod finden, ich geh nicht von der Stelle, bis du mir ein 125 tröstliches Wort sagst! – Ich hab schwer gefehlt, Karline, ich leugne's nicht; allein du bist allzu hart, das ist auch ein Unrecht!«

»So verzeih mir Gott, – ich kann dennoch nicht anders,« weinte Karoline und rang in heißer Seelenangst die Hände. »Quäle mich nicht so, Heiner, ich verdien's nicht und hab schon Jammer und Leid genug zu tragen um dich! – Und jetzt geh, mach daß du fortkommst, gleich wird der Knecht und der Vater auf dem Hofe sein! – Geh, – geh doch! – Hast du gar kein Mitleid mit mir? Kannst du mir das antun, daß meinetwillen, unter meinen Augen neues Unrecht geschieht? – Heiner, wenn du mich noch ein linsele lieb hast, wenn dir noch irgend was an meiner Meinung gelegen ist, – geh fort, bring dich in Sicherheit!«

»Ich dank dir, Karline, das Wort soll mir ein Trost sein! – Merke, ich laß nimmermehr von dir, und wenn sich Himmel und Erde dazwischen legen, – wir müssen zusammen kommen! – Ich zwing's, – merk dir das, Karline!« Damit sprang Heiner von der Leiter und verschwand lautlos in der jetzt völlig undurchdringlichen Finsternis.

Es war die höchste Zeit, daß er sich entfernte. Eben ward die Haustür aufgestoßen, fluchend und schimpfend stürmten der Schulze und Hansmichel, der Knecht, in den Hof, ketteten den Hund los und hetzten ihn auf den Entflohenen. Allein das war ein vergebliches Beginnen und hielt die Verfolger nur auf; Heiner ließ seine Stiefel im Schuppen zurück, schlüpfte zwischen Haus und Scheune ins Freie und erwartete ruhig das Weitere. Den Hund fürchtete er nicht, ein Wort genügte, und trotz aller hetzenden Anrufe seines Herrn leckte das Tier dem wohlbekannten Gaste die Hand. Eben rauschte auch der erste Regenguß wolkenbruchartig nieder, vermehrte noch, wenn es überhaupt möglich war, die Finsternis und erschwerte auf dem schlüpfrigen Boden die Verfolgung. Zudem rannte Hansmichel so heftig an die noch lehnende Leiter, daß er mit ihr längslang niederstürzte und später steif und fest behauptete, er habe den ganzen Hof in Flammen gesehen. In der Mitte des Hofes erhob sich ebenfalls großes Klirren und Poltern; der Schulze war über die Pflüge gefallen und schrie: »Potz Velten und Bastel, das ist ja eine niederträchtige Sache, – hab ich doch mit keinem Odem an die Pflüge gedacht, und sehen kann man ja die Hand vor den Augen nicht! – Potz Velten und 126 Bastel, – meine kleine Fußzehe ist weg, – rein weg! – Und der Hund gibt auch keinen Laut von sich, und gießen tut's wie mit Kübeln. 's ist, um gleich aus der Haut zu fahren! – Komm, Hansmichel, geh 'rein; der Racker ist nunmehr über alle Berge, und ich habe bereits keinen trockenen Faden mehr an mir! – Komm ins Haus, der Bursche läuft uns schon einmal in die Hände, und dann soll er meine Fußzehe bezahlen, Gotts ein Donner auch, oder ich will nicht Schulz von Windsberg sein!«

Schaudernd drückte sich Heiner an die Scheunenwand; erst als es ganz still im Haus geworden, kehrte er in den Hof zurück, zog seine Stiefel an, legte den Hund an die Kette und kehrte heim.

Karoline stand mit gerungenen Händen am Fenster, vor Angst und Aufregung wagte das arme Mädchen kaum zu atmen. Erst als Vater und Knecht ins Haus zurückkehrten, machte sich die gewaltsame Spannung in einem Tränenstrome Luft. Weinend setzte sie sich auf ihr Bett, lässig ruhten die gefalteten Hände im Schoße. Wie war ihr so öde, so trostlos leer im Herzen, nachdem sie dem Burschen, den sie noch immer liebte, immer lieben mußte, den Abschied gegeben! Wie oft hatte sie sich gesagt, wie klar stand es vor ihr, daß sie nicht anders konnte, nicht anders durfte, – ja sie wußte, daß, wenn ihr die Entscheidung nochmals überlassen würde, sie auch jetzt nicht anders handeln könne, – dennoch war ihr zu Mut, als habe sie ein groß, groß Unrecht begangen, als sei nicht der Heiner, sondern sie allein die Schuldige. Sie hatte sich von ihm losgesagt, sie nahm sich ernstlich vor, nicht mehr an ihn zu denken, ihn zu vergessen, – ach, und mehr denn je war er der alleinige Mittelpunkt ihres Denkens und Empfindens. Und so wenig sie es sich gestehen wollte: seine letzten Worte, so voll tapferer Zuversicht, die ihr seine Liebe, seine Treue so schön enthüllten, waren ihr wie Feuerfunken in die Seele gefallen und hatten da eine Hoffnung entzündet, die sich nicht wollte unterdrücken lassen.

Schwere Tritte kamen den Gang daher; mit einem flackernden Lichte in der Hand, das Gesicht vor Zorn gerötet, trat ihr Vater ein. Als er Karoline angekleidet auf dem Bette sitzend traf, knirschte er mit den Zähnen, zuckend ballte sich seine freie Faust. »War er da?« fragte er zischend durch die Zähne.

127 »Wo?«

»Wo? – In der Kammer!«

»Wodurch hab ich solche schimpfliche Frage verdient? Habe ich Euch jemals Veranlassung zu solchem Verdachte gegeben?«

»Belüge mich nicht,« fuhr der Schulze auf. »Vergebens bist du nicht völlig in den Kleidern!«

»Freilich nicht,« entgegnete das Mädchen gelassen. »Hättet Ihr ordentlich gefragt, würde ich den Grund nicht verschwiegen haben.«

»Faselei! – Heraus mit der Farbe!«

»Nun ja, – er war da und hat mit mir geredet!«

»Potz Velten und Bastel, und das sagst du mir so gelassen ins Gesicht, als wär das gar nichts? – Gotts ein Donner auch, hab ich dir nicht jeglichen Umgang mit dem Lotterbuben untersagt? Ist das dein Respekt, dein Gehorsam? – Dich soll ja auch gleich –!«

»Lärmt und tobt doch nicht so, Vater, Ihr wißt, damit richtet Ihr bei mir nichts aus,« sagte Karoline, und vor ihrem ernsten Blicke ließ der Vater die erhobene Faust sinken. »Ich sage Euch frei, mit Euren Gewaltschritten erntet Ihr bei mir nichts, gar nichts! Sähe ich nicht selber ein, daß ich und der Heiner nicht mehr zusammentaugen, nach dem was vorgefallen, – all Euer Lärmen sollte mich nicht soviel anfechten. – Ja, ich hab dem Heiner den Abschied gegeben, aus freien Stücken, ganz allein für mich, – deswegen trefft Ihr mich in den Kleidern. Und nun laßt mich in Frieden, quält mich nicht, denn nicht verhehlen will ich Euch, daß auch für Euch der Handel wenig ehrenvoll ist und Euch kein Recht gibt, mich zu plagen. Der Heiner hat in Übereilung gehandelt, – daß Ihr mit Gewalt die Buchbacher aus dem Holze vertreiben wolltet, wird auch kein Vernünftiger Besonnenheit schelten. – Laßt mich nur, – ich, ich muß für Heiners und Eure Torheit büßen und sie bezahlen; hättet Ihr gestern auf meine Bitten und Vorstellungen gehört, gar viel Unheil wäre verhütet worden. – Ja, auch Ihr traget ein gut Teil Schuld an meinem Elend. – – Ich mache Euch keine Vorwürfe, und nicht ein Wort wird fürderhin in dieser Sache über meine Zunge kommen. Aber meine wahre Meinung darf ich Euch nicht verhehlen, ich mußte Euch das sagen, damit ich in Zukunft Ruhe 128 habe. – So, Vater, Ihr wißt, daß Ihr nichts zu fürchten habt, nun laßt mich allein. – Gute Nacht!«

Aller Zorn war von dem Schulzen gewichen, verlegen kraute er die Haare, wollte etwas sagen, fand nicht die rechten Worte und schob sich endlich mit einem kleinmütigen. »Gute Nacht, Karline! – Potz Velten und Bastel, war ja gar nicht so schlimm gemeint!« aus der Tür.

Auf dem Gange knurrte er: »ein Racker-Mädle, nicht anders zu sagen: ein Racker-Mädle. – Hm hm, das hat sie von mir; die Kuraschiertheit und die Schneid ist ganz von mir! – Ja, ich bin eben der Schulz von Windsberg, ein Mann und bedeut was, – man spürt's sogar an meinem Mädle!«

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