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Der Doppelgänger des Herrn Schnepfe

Carl Schüler: Der Doppelgänger des Herrn Schnepfe - Kapitel 12
Quellenangabe
authorCarl Schüler
titleDer Doppelgänger des Herrn Schnepfe
publisherAufwärts-Verlag
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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Elftes Kapitel

Als Dorival in seine Wohnung zurückkehrte, meldete Galdino:

»Herr Baron möchten die Güte haben, Herrn Direktor Zahn so bald als möglich anzurufen. Herr Direktor Zahn hat den Herrn Baron schon zweimal angerufen, weil Herr Direktor Zahn dem Herrn Baron sehr dringend etwas zu sagen hat.«

»Schön!« sagte Dorival.

Er ging an den Apparat und stellte die Verbindung her. Er vermutete, daß sein Detektiv ihn wieder um einen Vorschuß angehen würde. Er wollte dann die Gelegenheit benutzen, dem Manne seines Mißtrauens den erteilten Auftrag zu entziehen.

Das Institut Prometheus meldete sich. Als Dorival seinen Namen nannte, wurde er sofort mit dem Direktor verbunden.

»Hier Direktor Jahn!«

»Hier Armbrüster! Was gibt's? Sie wollen mich sprechen?«

»O, mein lieber Herr Baron, Sie werden staunen! Wir haben ihn!«

»Wen haben Sie?«

»Emil Schnepfe ist zur Strecke gebracht!«

»Was?«

»Emil Schnepfe ist verhaftet!«

»Sie haben Emil Schnepfe verhaftet?«

»Jawohl – ich! Wir! Das Institut Prometheus!«

»Donnerwetter!« schrie Dorival entgeistert.

»Nicht wahr, Herr Baron? Da wundern Sie sich? Ich habe ihn einstweilen in meine Arrestzelle eingelocht. Was soll mit ihm geschehen? Wollen Sie ihn erst sprechen, oder soll er gleich nach dem Alexanderplatz abtransportiert werden? Nun, Herr Baron, habe ich die mir gestellte Aufgabe nicht glänzend gelöst?«

Dorival war wie betäubt von dieser Nachricht. War es denn möglich, daß dieser Emil Schnepfe, der die Polizeibehörden aller Kulturländer an der Nase herumführte, diesem dummen Direktor Zahn, der nur Vorschüsse verlangen konnte, ins Garn gegangen war?

Er fühlte sich nicht imstande, dem Direktor Zahn das Lob zu erteilen, auf das dieser Mann Anspruch zu haben glaubte.

»Ist der Verhaftete denn wirklich der Emil Schnepfe?« fragte er zweifelnd. »Haben Sie sich nicht geirrt?«

»Ausgeschlossen! Diesmal haben wir den echten, wirklichen Schnepfe gefaßt!« Klang es durch den Fernsprecher zurück.

»Behalten Sie ihn dort. Ich komme gleich!«

Dorival legte den Hörer auf den Apparat.

Verzweifelt sank er in seinen Schreibsessel.

Auch das noch?

Nun hatte der Esel von einem Detektiv den unglücklichen Schnepfe erwischt und wollte ihn der Polizei ausliefern! Das mußte unter allen Umständen verhindert werden. Die Folgen waren ja gar nicht auszudenken. Wenn man diesen Schnepfe verurteilte, weil man annahm, daß er den Diebstahl bei Labwein ausgeführt hatte, dann wurde er das Opfer eines Justizirrtums, den nur ein Mensch aufklären konnte und aufklären mußte, er, Dorival von Armbrüster –

Kalter Angstschweiß trat ihm auf die Stirn.

Lächerlich, daß in der Welt immer alles anders kommt, wie man denkt. Da hatte er nun selbst diesen Direktor Zahn dem Schnepfe auf die Spur gesetzt. Und nun mußte er froh sein, wenn er dem Detektiv den Mann, der auf seine Anordnung festgenommen war, wieder loskaufen konnte!

Er steckte sein Scheckbuch ein und machte sich auf den Weg zu dem Detektivinstitut »Prometheus«.

*

Dorival stieg die breite Steintreppe hinauf, die zu den Geschäftsräumen des Direktors Zahn führte. Aus dem ersten Treppenabsatz blieb er erstaunt stehen. Denn er sah etwas Sonderbares.

Das Treppenhaus empfing tagsüber sein Licht durch große Fenster, die nach dem Hof hinausführten. Diese Fenster bestanden aus einem großen Mittelstück, um das ringsherum ein schmaler Streifen bunt zusammengesetzter, kleiner Glasscheiben lief. Ein Teil dieses Fensterkranzes bildete für sich ein kleines Fenster, das zur Lüftung des Treppenhauses stets offen stand. Und nun sah Dorival, wie sich von außen, durch dies kleine Fenster, ein Männerarm streckte und eine Hand nach dem Griff des großen Fensters tastete. Jetzt hatte die Hand diesen Griff gefunden. Sie drehte ihn, und das große Fenster öffnete sich. Ein gutgekleideter Herr stieg von außen auf das Fensterbrett und schwang sich leicht und elastisch auf den Treppenabsatz. Dann schloß er das Fenster, klopfte sich vom Mantel leichte Spuren von Kalk, rückte sich den Hut zurecht, drückte ein Monokel in das rechte Auge und führte mit seinem Spazierstock einen Jagdhieb durch die Luft, wie ein Mensch, der sich in ausgezeichneter Laune befindet.

Nun wollte er die Treppe hinabsteigen, da sah er sich Dorival von Armbrüster gegenüber.

Er schrak einen Augenblick zusammen, und auch Dorival war unwillkürlich einen Schritt zurückgetreten. Der Herr, von tadelloser Haltung, der ihm gegenüberstand, war sein leibhaftiges Ebenbild – Emil Schnepfe.

Emil Schnepfe faßte sich zuerst.

Er lüftete den Hut und fragte höflich: »Gestatten Sie, Herr von Armbrüster?«

Er deutete die Treppe hinab.

Und Dorival griff ebenfalls an den Hut und sagte: »Bitte!«

Er gab Emil Schnepfe den Weg frei.

Er hörte noch, wie der andere ein halblautes »Danke« sagte, dann war, wie eine Spukgestalt, Herr Emil Schnepfe, verschwunden –

Dorival faßte sich an den Kopf.

War denn so etwas möglich? Er hatte ja schon genug Beweise von der geradezu unheimlichen Ähnlichkeit erhalten, die zwischen ihm und diesem Schnepfe bestand, aber trotzdem, als er ihm jetzt Auge in Auge gegenüber gestanden hatte, da war er von dieser Ähnlichkeit geradezu erschüttert. Freilich, jetzt konnte er alle die Verwechslungen verstehen, denen er zum Opfer gefallen war. Ein merkwürdiges Gefühl beschlich ihn. Es war doch ein sonderbares Ding, zu wissen, daß in der Welt ein Mensch herumläuft, der einem so ähnlich ist, daß man glaubt, in einen Spiegel zu blicken, wenn man ihm gegenübersteht!

Aber das war jetzt gleichgültig.

Hauptsache war, daß – Dorival lachte laut auf.

Hoh! Einen Emil Schnepfe fängt man so leicht nicht.

Und wenn man ihn fängt, dann hat man ihn noch lange nicht.

Denn er spaziert einfach wieder zum Fenster hinaus, klettert an der Wand herum wie eine Fliege, spaziert zu einem anderen Fenster hinein, und ist weg! Donnerwetter, das war famos. Nun brauchte er dem ekelhaften Direktor Zahn keine Gründe zusammenzulügen, die ihn veranlaßten, Emil Schnepfe wieder freizugeben. Und auch seinen Scheck konnte er für sich behalten.

Er klingelte an der Vortür des »Prometheus«. Sie öffnete sich, und der kleine Diener fragte nach seinem Begehr.

Aber noch hatte Dorival dem Jungen seinen Wunsch, den Direktor Zahn zu sprechen, nur zur Hälfte geäußert, als er einen sich schnell nähernden Lärm hörte; laute, hastige Männerschritte, wildes Stimmengewirr, heftiges Fluchen, und dann plötzlich den vielstimmigen Ruf:

»Da ist er!«

Dorival fühlte sich von kräftigen Fäusten gepackt. Ein halbes Dutzend aufgeregter Menschen umringten ihn. Ein Faustschlag traf seinen Hut und trieb ihn bis an die Ohren über den Kopf. Die Augen wurden ihm verdeckt, und er konnte nichts mehr sehen –

»Schafsköpfe!« schrie er. »Loslassen!«

»Lump!« brüllte jemand.

»Schuft!«

Der Diener des Instituts, ein ehemaliger Ringkämpfer, packte ihn. Er hatte einen festen, unangenehmen Griff, gegen den es keinen Widerstand gab. Er führte Dorival am Arm durch einen langen Gang, stieß eine Tür auf, schob ihn in ein Zimmer und rief:

»Ick werde dir Gesellschaft leisten! Dann wirste hübsch hierbleiben!«

Er sagte den anderen Männern, daß sie unbesorgt an ihre Arbeit gehen könnten: er garantiere dafür, daß der Gefangene nicht noch einmal ausreißen würde. Dann schloß er hinter sich und Dorival die Tür zu.

Jetzt erst fühlte Dorival wieder beide Arme frei, und es gelang ihm sich den Hut vom Kopf herunterzuarbeiten. Er sah sich in einem kleinen, durch eine Birne erhellten Raum, in dem nur ein Tisch und zwei Stühle standen. Dies war also die Arrestzelle des Herrn Direktors Zahn.

»Wie biste nur aus dem Fenster raus und dann auf den Korridor gekommen?« fragte ihn der Athlet.

Dorival zog seine Legitimationskarte hervor und reichte sie seinem Wächter, ohne dessen Frage zu beantworten. »Da, Sie Hornochs, lesen Sie das und dann führen Sie mich zu dem Direktor Zahn!«

Auf den Diener machte die scharfe Art sichtlich den besten Eindruck. Er las die Karte, und sagte dann stotternd und mit einem Anflug von Verlegenheit: »Dann sind Sie wohl gar nicht der Richtige?«

»Wenn Sie lesen können, sehen Sie ja aus der Karte, wer ich bin. Vorwärts! Führen Sie mich zu dem Direktor.«

»Sie – sind der andere?«

»Jawohl, ich bin der andere!«

Der Mann wagte keine Einwendungen mehr. Er öffnete die Türe und sagte sehr höflich:

»Bitte! Ein Stückchen geradeaus gehen, dann rechter Hand um die Ecke!«

Er ließ Dorival an sich vorbei auf den Korridor treten.

»Wollen Sie nicht mitkommen?«

»Danke sehr, Herr Baron,« wehrte der Mann ab. »Ich habe noch Arbeit in der anderen Abteilung.« Und schon war er verschwunden. Er schien einem Zusammentreffen mit dem Direktor Zahn, im gegenwärtigen Augenblick, keinen besonderen Wert beizumessen.

Wenige Augenblicke später stand Dorival dem Direktor des »Prometheus« gegenüber. Der kam, beide Hände zur freudigen Begrüßung entgegenstreckend, mit strahlender Miene ihm entgegen.

»Meinen Glückwunsch, verehrter Herr Baron! Wir haben ihn! Sie werden endlich von dem lästigen Doppelgänger befreit sein. Freuen Sie sich denn nicht auch? Was machen Sie denn für ein Gesicht?«

»Ich erkläre Ihnen,« polterte Dorival los, »Sie und Ihr Institut ›Prometheus‹ können mir beide gestohlen werden! Ich betrete soeben arglos den Vorraum. Was geschieht? Eine Rotte von Wahnsinnigen fällt über mich her! Ich werde mißhandelt, gestoßen, geschlagen. Hier, sehen Sie sich diesen bemitleidenswerten Hut an. Er war fast neu, als ich ihn aufsetzte, um voll der schönsten Hoffnungen hierher zu eilen. Jetzt ist er eine Ruine. Und meine Hoffnungen sind zum Teufel. Wenn Sie wirklich den richtigen Emil Schnepfe gehabt haben, so ist er Ihnen schon längst wieder durch die Lappen gegangen. Und das Heer von Idioten, das Sie beschäftigen, hat mich mit dem Ausreißer verwechselt und mir die Prügel verabfolgt, die dem anderen zugedacht waren. Ich danke! Das ist nun schon das zweite Mal, daß ich von Ihren Angestellten verfolgt und mißhandelt werde. Das mache ich nicht länger mit. Ich entziehe Ihnen den Auftrag. Solange ich es mit dem Schnepfe allein zu tun hatte, war der Zustand noch erträglich. Seit ich Sie zu Hilfe gerufen habe, bin ich meines Lebens nicht mehr sicher!«

Dorival schnappte nach Luft.

Herr Direktor Zahn schnappte auch nach Luft.

»Herr Baron,« sagte er, »Ihre Mitteilungen überraschen mich in hohem Grade. Ich werde sofort feststellen, ob Emil Schnepfe wirklich durchgebrannt ist. Zuvor aber muß ich Ihnen bemerken, daß Ihr Unwille Sie zu einer ungerechten Beurteilung des Falles verleitet. Noch vor einer Stunde hat auf dem Platze, auf dem Sie jetzt stehen, Emil Schnepfe gestanden. Ich habe ihn gesehen, wie ich Sie sehe. Und ich kann Ihnen sagen, daß mir in meiner langjährigen Praxis noch nie eine solche Ähnlichkeit zwischen zwei Menschen vorgekommen ist, die sich ganz fremd sind, die ganz verschiedenen Gesellschaftsklassen angehören. Diese Ähnlichkeit macht eine Verwechslung entschuldbar. Ich muß meine Beamten gegen Ihre Vorwürfe in Schutz nehmen. Wenn Sie selbst Gelegenheit gehabt hätten, den Schnepfe zu sehen, würden Sie mir recht geben müssen. Bitte, kommen Sie jetzt mit mir zu der Arrestzelle.«

»Ich komme eben von dort,« brummte Dorival. Aber er folgte.

Die Arrestzelle war natürlich leer.

Nun wurde Direktor Zahn wütend!

Dorival verstand jetzt, warum der Athlet einer Begegnung mit seinem Brotgeber so scheu ausgewichen war. Die Stimme des Direktors schallte scharf und schneidend durch die Gänge, und schließlich gelang es ihm, die Schuldigen zur Stelle zu schaffen.

Die Untersuchung ergab folgendes:

Schnepfe war in dem Raum, der für gewöhnlich dem Diener des Direktors als Aufenthalt diente, eingesperrt worden. Dieser Raum wurde Arrestzelle genannt, aber als solche natürlich nur in Ausnahmefällen benutzt. Gegen vier Uhr nachmittags hatte man Schnepfe hier eingesperrt. Die Tür, die das Zimmer mit dem Korridor verband, war mit einem guten Sicherheitsschloß versehen. Sie war die einzige, die in den Raum führte. Der Tür gegenüber, an der anderen Schmalseite des Zimmers, befand sich ein kleines, einflügeliges Fenster, das durch eine eiserne Lasche derart mit dem Fensterrahmen verbunden war, daß man es nur nach Entfernung einer Schraube öffnen konnte. Es führte auf einen mit Steinfliesen belegten Hof. Direktor Zahn stellte fest, daß die Schraube aus der Lasche herausgedreht worden war, eine Arbeit, die Schnepfe wahrscheinlich mit einem starken Taschenmesser ausgeführt hatte. Wie Schnepfe dann seine Flucht weiter fortgesetzt hatte, erschien dem Direktor Zahn vollkommen klar. Unterhalb des Fensters lief ein starkes Gesims rings um das Haus. Von diesem hatte, nach Ansicht des Detektivs, der Flüchtling den Sprung in den Hof gewagt.

»Und wahrscheinlich hat er sich dabei verletzt!« meinte Zahn.

Dorival widersprach natürlich nicht, aber er überzeugte sich, daß ein geschickter Turner, wenn er sich flach an die Wand des Hauses drückte und sich mit den ausgebreiteten Armen an den Fenstereinfassungen festhielt, auf dem Gesims vorsichtig weitergehend bis zu dem großen Fenster gelangen konnte, das in das Treppenhaus führte. Diesen Weg hatte sein kühner und gewandter Doppelgänger genommen.

»Wie ist es Ihnen eigentlich gelungen, den Schnepfe zu fangen und hierher zu bringen?« fragte Dorival, der nicht begreifen konnte, daß die ungeschickten Leute des »Prometheus« den gewitzigten Schnepfe überlistet haben sollten.

»Wir haben Glück gehabt!« antwortete Direktor Zahn. »Der Mann ist uns selbst ins Garn gegangen. Er erschien heute nachmittag in der anderen Abteilung meines Instituts, in der Auskunftei. Er nannte sich Graf Hohenlohe und verlangte eine private Auskunft. Raten Sie, über wen?«

»Wie kann ich das raten?« antwortete Dorival und zuckte mit den Achseln. »Das ist ja auch gleichgültig.«

Direktor Zahn lächelte überlegen.

»Wie Sie meinen. Er verlangte eine genaue Auskunft über einen gewissen Herrn Dorival von Armbrüster.«

»Ach nee!« staunte Dorival.

»Zufällig war Herr Crusius gerade in der Auskunftei. Er nahm sich den angeblichen Grafen Hohenlohe vor und hatte sofort die Ueberzeugung, daß er in ihm diesmal den richtigen Emil Schnepfe gepackt hatte. Ich wurde verständigt und ordnete die Festnahme Ihres Doppelgängers an. Wären Sie in Ihrer Wohnung gewesen, als ich Sie zum erstenmal anrief, Herr Baron, so wäre das Unglück nicht geschehen. Da Sie erst jetzt hierher kamen, hatte Schnepfe über drei Stunden Zeit, sich einen Fluchtplan auszudenken und ihn auszuführen. Ich hatte angeordnet, daß einer meiner Beamten alle Viertelstunden nach dem Schnepfe sehen sollte. Die Leute behaupten, das wäre geschehen.«

»Dann trifft mich also die Schuld, daß er Ihnen ausgekniffen ist,« spöttelte Dorival. »Na, ich habe ja auch dafür meine Keile bekommen.«

»Allerdings, Herr Baron, ein Teil der Schuld trifft auch Sie,« fuhr Direktor Zahn fort, »und wenn Sie mir den Auftrag entziehen, so würde ich mich doch nicht verpflichtet fühlen, unter den obwaltenden Umständen Ihnen den erhaltenen Vorschuß zurückzuzahlen.«

Dorival mußte unwillkürlich lachen. Also darauf ging die Sache hinaus! Er beruhigte den Direktor in dieser Beziehung, und sie schieden in Frieden.

Dorival verließ das Haus in sehr vergnügter Stimmung. Schnepfe war frei, und er war den Direktor Zahn los, der ihm nur Ungelegenheiten bereitet hatte. Das waren zwei Errungenschaften, über die er sich aufrichtig freute.

In einem Hutgeschäft in der Friedrichstraße kaufte er sich einen neuen Hut. Dann beschloß er, bei Mitscher zu Abend zu essen.

Als er aus der hellerleuchteten Friedrichstraße in die Französische Straße einbog, fühlte er, wie sich eine Hand leicht auf seine Schulter legte.

»Verzeihung, Herr von Armbrüster, nur eine Frage!«

Dorival fuhr herum. Vor ihm stand Emil Schnepfe.

»Sie?«

»Entschuldigen Sie, daß ich Sie hier auf der Straße anspreche, sagte mit einem höflichen Lächeln der andere. »Ich wollte Ihnen nur zunächst mein Bedauern aussprechen über die schlechte Behandlung, die man Ihnen in dem Institut ›Prometheus‹ hat zuteil werden lassen.«

»Was wissen Sie denn davon?«

»Ich sah, daß Sie gezwungen waren; sich einen neuen Hut zu kaufen.«

»Ah so! Sie sind hinter mir hergegangen!«

»Jawohl, Herr von Armbrüster. Ich wollte die günstige Gelegenheit benutzen, um Ihnen meinen Besuch anzumelden. Ist es Ihnen recht, wenn ich mich morgen, so gegen fünf Uhr abends bei Ihnen einstelle? Außerdem soll ich Ihnen einen Gruß von Fräulein Lotz bestellen.«

»Danke. Aber – welchem Umstand verdanke ich Ihre Absicht, mich besuchen zu wollen?«

»Aber, Herr von Armbrüster, wir haben doch wichtige Geschäfte miteinander. Wir müssen uns doch über die Sache Labwein einigen. Meine Hochachtung, Herr von Armbrüster! Nein, bitte, protestieren Sie nicht. Sie können stolz auf Ihre Arbeit sein! Also, um fünf Uhr. Sie werden mich erwarten, nicht wahr, Herr Baron?«

»Ja, kommen Sie. Ich werde zu Hause sein. Wissen Sie, wo ich wohne?«

»Aber gewiß, Herr von Armbrüster. Auf Wiedersehen!«

Er grüßte und wandte sich wieder der Friedrichstraße zu.

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