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Der Dieb in der Nacht

Edgar Wallace: Der Dieb in der Nacht - Kapitel 19
Quellenangabe
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typefiction
authorEdgar Wallace
titleDer Dieb in der Nacht
publisherWilhelm Goldmann Verlag
seriesGoldmanns Taschenbücher
translatorHans Herdegen
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Harry mit den Handschuhen

1.

Mr. John Parsons hielt im Schreiben inne. Sein Bürovorsteher betrat das Zimmer.

»Ich bin gerade dabei, an Miss Trent wegen ihrer Erbschaft zu schreiben«, sagte Mr. Parsons.

»Soll ich den Brief dann abtippen lassen, damit eine Kopie vorhanden ist?«

»Nein, danke, das ist nicht notwendig. Ich will ihr nur zu der Erbschaft gratulieren und ihr die nötigsten Informationen bezüglich des Testamentes geben.«

»Das ist doch ein glückliches Mädchen«, meinte der Bürovorsteher. »Mit einem Schlag verfügt sie über eine halbe Million Pfund. Der alte Glenmere hat Landbesitz in Kanada hinterlassen.«

»Jaja«, erwiderte Parsons ungeduldig. »Es ist schon gut, Jackson. Ich möchte jetzt den Brief fertigschreiben. Bitte schicken Sie meinen Sohn herein.«

Mr. Parsons war ein gerissener Rechtsanwalt und hatte ein untrügliches Gefühl dafür, was er tun durfte und was er lieber unterlassen sollte. Trotz vieler Versuchungen blieb er stets innerhalb der Grenzen des Erlaubten. Einmal machte er allerdings einen Fehler, und das kostete ihn fast sein ganzes Vermögen. Er hatte falsch spekuliert, war aber nicht vollkommen ruiniert und konnte seinen Beruf weiter ausüben. Nur mußte er seinen Sohn von der Militärakademie nehmen und ihm klarmachen, daß er sofort in die Firma eintreten müsse.

Kurz darauf starb der alte Glenmere und setzte Parsons als Testamentsvollstrecker ein. Es war ein sonderbares Testament. Einen ganzen Vormittag brachte der Anwalt damit zu, den Wortlaut genau zu studieren. Als er schließlich alle Möglichkeiten sorgfältig durchdacht hatte, ließ er sich an seinem Schreibtisch nieder und verfaßte einen zweiten Brief an Miss Dorothy Trent.

Währenddessen war sein Sohn eingetreten. Reginald sah äußerst gelangweilt und mißmutig aus. Er ließ sich seinem Vater gegenüber auf einen Stuhl fallen.

»Nun, wie geht es dir, mein Junge?« fragte Mr. Parsons gutgelaunt und schloß dabei den Briefumschlag, der das Schreiben an Miss Trent enthielt.

»Ach, es ist entsetzlich! Ich kann dieses Büro nicht ausstehen«, brummte der junge Mann. »Wirklich, Vater, es fällt mir sehr schwer. Ich habe gar nicht geahnt, daß es dir finanziell so schlecht geht.«

»Meine letzte Börsenspekulation ist ja leider gescheitert, wie du weißt – aber ich hoffe, daß du noch einmal zufrieden sein wirst, Reggie. Ich habe einen Plan, und wenn der klappt, wird es dir sehr gut gehen. Du kannst dann ein großes Vermögen und eine hübsche Frau bekommen würde dir das nicht gefallen?«

Reginald verzog das Gesicht.

»So was gibt's ja nur im Roman«, entgegnete er ärgerlich.

»Nein, es kommt auch im lieben vor, du kannst es mir glauben.« Der Vater nickte zur Bekräftigung. »Aber nun bringe mir bitte den Brief zum Kasten.«

Reginald nahm den Brief und warf einen Blick auf die Anschrift.

»Wer ist denn das?« fragte er.

»Ein junges Mädchen – sie erbt das Vermögen des alten Glenmere. Eine halbe Million Pfund!« sagte der Alte mit besonderer Betonung.

Reginald warf ihm einen Blick zu.

»Ach, das ist wohl die junge Dame, die du für mich im Auge hast?«

Parsons nickte.

»Na, welche Aussichten hätte denn ich da?« rief der junge Mann spöttisch. »Sie als große Erbin wird natürlich gerade auf mich warten – von so vielen Männern umschwärmt, wie sie es jetzt sein wird. Und natürlich fällt sie auf den ersten Mann herein, der ihr einen Antrag und schöne Augen macht. Sie braucht ja nicht auf Geld zu sehen bei ihrer Heirat.«

Mr. Parsons lächelte.

»Reggie, verlaß dich auf deinen Vater. Geh jetzt lieber zum Briefkasten und wirf den Brief ein.«

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