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Der Dieb in der Nacht

Edgar Wallace: Der Dieb in der Nacht - Kapitel 18
Quellenangabe
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typefiction
authorEdgar Wallace
titleDer Dieb in der Nacht
publisherWilhelm Goldmann Verlag
seriesGoldmanns Taschenbücher
translatorHans Herdegen
correctorreuters@abc.de
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18

Am folgenden Nachmittag saß Diana in ihrem Wohnzimmer, als ihr Barbara gemeldet wurde.

»Ich habe meine Brillantnadel zurückbekommen, Barbara«, sagte sie zur Begrüßung. »Ich nehme an, daß die Polizei das Schmuckstück gefunden hat. Jack ist wirklich ein großartiger Kriminalbeamter – na, er wußte ja auch, wo er zu suchen hatte!«

»Und wo war die Nadel?« erkundigte sich Barbara zuckersüß.

»In Ihrer Wohnung, meine Liebe«, entgegnete Diana boshaft. »Und diesmal kann Jack die Sache nicht vertuschen. Ich halte es für meine Pflicht, Ihnen mitzuteilen, daß ich an alle unsere Freunde und Bekannten geschrieben und ihnen die näheren Umstände auseinandergesetzt habe.«

»Ach, Sie haben geschrieben, daß ich die Juwelendiebin bin?« erwiderte Barbara ruhig.

»Ja – Sie sind die Diebin! Es ist zwar ein häßliches Wort, aber – ich glaube, es entspricht doch den Tatsachen, nicht wahr?«

»Dann wäre also das erste Geheimnis aufgeklärt«, meinte Barbara. »Ich freue mich, daß alles vorüber ist und daß die Leute jetzt Bescheid wissen. Gleichzeitig können sie dann auch das zweite erfahren.«

»Das zweite ...?« fragte Diana mißtrauisch.

»Die Öffentlichkeit wird erfahren, wer der anonyme Brief Schreiber ist.« – Barbara machte eine wirkungsvolle Pause. »Als ich Ihnen das Schlafmittel gab, fand ich nicht nur die Brillantnadel in Ihrer Schmuckkassette, sondern auch noch ein Bündel Briefe, die Sie geschrieben hatten und am nächsten Tag abschicken wollten.«

Ein peinliches Schweigen wurde schließlich durch Dianas kühle Feststellung unterbrochen: »Sie sind verrückt!«

»Meinen Sie? Die Briefe waren an die verschiedensten Leute gerichtet, und alle waren mit ›Ein aufrichtiger Freund‹ unterschrieben. Sie enthielten die frechsten und gefährlichsten Denunziationen über die besten Freunde der Empfänger.«

»Das ist eine unerhörte Lüge! Das können Sie nie beweisen!« rief Diana erregt aus.

»Als ich in Lord Widdicombes Haus zu Gast war, befand ich mich dort in meiner Eigenschaft als Beamtin des Geheimdienstes. Das wußten Sie wohl nicht?«

Barbara erklärte ihr ruhig und mit einer gewissen Genugtuung den Auftrag, der sie zuletzt beschäftigt hatte. Sie schloß: »Mir war bereits ziemlich klar, daß Sie die anonymen Briefe schrieben, als ich bei Lord Widdicombe weilte, und ich hatte mir schon vorgenommen, in Ihrem Zimmer danach zu suchen. Ich nahm sie dann mit.«

»Das ist auch wieder so eine Lüge!« rief Diana entrüstet, aber man merkte jetzt deutlich, daß sie am Ende ihrer Kräfte – und ihrer Weisheit war. »Es ist aus meiner Kassette nichts weiter gestohlen worden als die Brillantnadel.«

»Die Briefe habe ich später in der Nacht wieder zurückgebracht, nachdem ich sie fotografiert hatte. Ich hatte einen Spezialapparat mitgebracht und arbeitete fast die ganze Nacht daran. Und wenn Sie tatsächlich allen Beteiligten geschrieben haben, daß ich die Diebin der Juwelen bin, so muß ich jetzt leider die Konsequenzen daraus ziehen und den gleichen Leuten Fotokopien dieser Briefe schicken und erklären, wer sie verfaßt hat.«

Wieder folgte ein langes Schweigen.

»Sie brauchen es nicht zu tun, Barbara«, sagte Diana schließlich tonlos. »Ich habe die Briefe, in denen ich es allen mitteilen wollte, daß Sie die Diebin seien, noch nicht abgeschickt.«

»Nun, dann ist es wohl besser, wenn Sie sie jetzt vernichten.« Barbara nahm ihren Mantel und ging zur Tür. »Vielleicht finden Sie doch noch eine bessere Beschäftigung als Briefschreiben, Diana«, sagte sie schon im Hinausgehen. »Warum heiraten Sie eigentlich nicht? Als neugebackene Ehefrau kann ich Ihnen nur den Rat geben, es zu tun. Es gibt nichts Angenehmeres.«

»Was soll das heißen?« fragte Diana fassungslos. »Sie sind verheiratet?«

»Ja. Ich habe, mich heute morgen mit Jack standesamtlich trauen lassen ... Aber Sie brauchen mir kein Hochzeitsgeschenk zu machen!«

Ende

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