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Der deutsche Herzog

Paul Schreckenbach: Der deutsche Herzog - Kapitel 6
Quellenangabe
typefiction
authorPaul Schreckenbach
titleDer deutsche Herzog
publisherL. Staackmann, Leipzig
printrunEinundzwanzigstes bis fünfundzwanzigstes Tausend
year1922
firstpub1914
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070920
projectid2d34805b
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VI.

In dem großen vierfenstrigen Prunkzimmer eines Patrizierhauses zu Heilbronn saß der schwedische Reichskanzler Axel Oxenstierna und diktierte seinem Geheimschreiber ein Memorandum in die Feder. Seinen großen Kopf mit dem grauen Knebelbarte und der hohen kahlen Stirn hatte er weit hintenüber gelegt an die lederbezogene Lehne des wuchtigen Armsessels, und während er sprach, heftete er seine scharfen grauen Augen beständig auf die vergoldete Rosette, die an der reichgeschnitzten Zimmerdecke ihm gerade gegenüber aus dem dunkeln Getäfel hervorlugte. Die Worte fielen eintönig und langsam von seinen Lippen, und der bewegliche Greis, der am untern Ende des langen, mit Papieren und Akten übersäten Tisches saß, hatte keine Mühe, sie nachzuschreiben. Nur bei den wichtigsten Stellen mußte er scharf hinhören, denn da dämpfte der Kanzler seine Stimme unwillkürlich zu einem Geflüster. Nötig wäre das nicht gewesen, denn die beiden waren allein in dem weiten Gemach, und durch die dicken Eichentüren drang schwerlich ein Laut; auch bestand die Wache im Vorzimmer aus Deutschen, die des Schwedischen nicht mächtig waren.

Fast dreiviertel Stunden lang diktierte der Kanzler ohne Unterbrechung, und die Strahlen der Morgensonne, die durch die Fenster hereinfielen, waren indessen den Tisch entlanggekrochen und streiften nun schon beinahe sein hageres, von vielen Sorgenfalten durchfurchtes Gesicht. Da kam er mit einem tiefen Seufzer zu Ende und ließ sein Haupt, als wäre er von einer plötzlichen Müdigkeit überfallen, vornüber auf die Brust sinken.

Der alte Vertraute ihm gegenüber mochte wohl erwarten, daß sein Herr die Hand nach dem Schriftstücke zur Unterzeichnung ausstrecken werde, denn er hob es empor und machte Miene, es ihm hinzureichen. Als er aber sah, daß der Kanzler finster und wie geistesabwesend vor sich hinstierte, da räusperte er sich mehrmals hintereinander und wagte eine Rede.

»Es sind keine freundlichen Bilder, gnädiger Herr, die Eure Exzellenz den Herren in Stockholm über den deutschen status belli entwirft,« sagte er in bekümmertem Tone, indem er sein weißes Haupt bedenklich hin und her wiegte.

Oxenstierna schrak wie aus einem Traume auf und fuhr sich mit der Hand über die Stirn. »Du hast recht. Aber warum soll ich die Dinge anders konterfeien, als sie sind? Der Reichsrat daheim hat das Recht, genau und richtig informiert zu werden. Die Herren könnten mir sonst gerechte Vorwürfe machen. Und außerdem – erzähle ich ihnen allerlei Schönes und Gutes, so meinen sie, sie könnten die Kriegssubsidien, die sie mir zahlen, noch mehr zusammenschneiden als bisher.« Er seufzte nochmals tief auf und schlug mit der Hand auf den Tisch. »Und habe ich etwa zu schwarz gefärbt?« fuhr er fort. »Muß man nicht die größten Sorgen haben, wenn man sieht, wie sich die Dinge entwickeln?«

»Nun,« warf der Geheimschreiber ein, »auf dem Kriegstheater steht es doch für unsere Waffen nicht eben schlecht.«

`»Nein. Da kann man noch seine Freude haben. Mein Schwiegersohn hat das Elsaß von den Kaiserlichen so ziemlich gereinigt, und ganz admirabel sind die Sukzesse des Herzogs Bernhard. Sachsen befreit – Franken wiedererobert – den Jan von Werth bei Ohrenbau geschlagen – den Aldringer über die Donau gejagt – nach Bayern eingedrungen – es ist glorios!«

»Schade, daß der Herr kein Schwede ist!« murmelte der Geheimschreiber.

»Ach, wenn er nur wenigstens kein so enragierter Deutscher wäre!« rief der Kanzler. »Die andern deutschen Fürsten fragen bei allen Dingen: Was wird es mir nützen? Er vergißt sich ja auch nicht, aber er fragt auch noch: Was wird es Deutschland nützen? Er kämpft für dreierlei: Für seinen Glauben, für Deutschland und für sich selbst. Schweden ist ihm im Grunde ganz gleichgültig. Daher, so nützlich er uns jetzt ist, mag er wohl noch einmal eine Gefahr werden.«

»Darum hat ihn auch Eure Exzellenz nicht zum Generalissimus aller vier Armeen gemacht, die im Felde stehen,« bemerkte der Geheimschreiber.

»Das könnt' ich auch aus anderen Gründen nicht. Er ist jünger als Horn, mein Schwiegersohn, und jünger als der Landgraf von Hessen und überhaupt der jüngste von allen Befehlshabern. Sie hätten sich alle empört oder die Heere verlassen, wenn ich ihn über sie erhöht hätte. Aber im Vertrauen will ich dir's sagen, lieber Trolle: wäre Herzog Bernhard der Generalissimus unserer vier Armeen, so wären wir übers Jahr in Wien. Und weißt du, wo wir das Jahr darauf wären?«

»Nun?«

»In Stockholm. Denn dann stünde kein Schwedenheer mehr auf deutschem Boden. Fast vier Fünftel unserer Soldaten sind geworbene Deutsche, und die wären wie Wachs in seiner Hand. Sie sind es jetzt schon in dem Hauptheere, das er kommandiert. Gott gnade uns, wenn er allzumächtig würde!« Der Geheimschreiber nickte. »Es mag wohl so sein. Eure Exzellenz haben, wie jeder weiß, einen weiten und sicheren Blick. Aber ich gestehe ein: es tut mir leid, daß es so ist. Denn ich habe den Herzog gern.«

»Ha! Das ist es ja eben, was ihn so gefährlich macht!« rief Oxenstierna lebhaft. »Es ist, als hätte er einen Zauber. Jedermann hat ihn gerne. Und geht mir's denn anders? Neulich, als ich in Altenburg mit ihm verhandelte und er so dicht bei mir saß und redete, ich sage dir, Trolle, da lief mir eine Gänsehaut nach der andern über den Rücken, und ich saß da wie eingesponnen. Denn mir war's mit einem Male, als säße und redete da nicht ein Fremder, sondern unser König, wie er noch jünger war.«

Er versank in tiefes Sinnen, und auch der Greis ihm gegenüber schwieg und schnitt sich eine neue Feder zurecht. Dann sprach der Kanzler bedächtig: »Vorläufig sind uns seine Siege noch von Nutzen, ja wohl noch auf lange hinaus mag er uns gute Dienste leisten. Viel größere Sorge macht mir zurzeit der Kurfürst von Sachsen. Zwischen Dresden und Wien gehen geheime Boten hin und her – ich weiß es ganz sicher. Widerwillig ist er vor zwei Jahren unserm Bunde beigetreten, widerwillig hat er sich unter die Führerschaft unsers Königs gebeugt, und da er nun nach des Königs Tode sieht, daß er das Direktorium des Krieges nicht erhält, so möchte er uns am liebsten ganz los sein. Ist der Kaiser klug genug, ihm unter leidlichen Bedingungen einen Separatfrieden zu bewilligen, so fällt er von uns ab. Das wäre ein böser Schlag für uns. Der Friedländer in Böhmen könnte dann ohne Bedrohung von seinem Rücken her gegen Herzog Bernhard aufbrechen, und schlimm würde das böse Beispiel auf die kleineren deutschen Fürsten wirken. Ihrer viele würden nachfolgen, unter den ersten Herzog Bernhards Bruder Wilhelm, dem ich schon ganz und gar nicht mehr traue. Er horcht mehr als jeder andere nach Dresden, als wenn die alte Erbfeindschaft zwischen Ernestinern und Albertinern nicht mehr bestünde.«

Ein scharfes Pochen an der Tür unterbrach ihn. »Geh hinaus, Niels Trolle, und frage, warum man mich stört!« gebot der Kanzler. »Vorher aber gib mir das Schreiben, ich will es noch einmal durchlesen.«

Der Greis beeilte sich, den Willen des Gebieters zu erfüllen, und schritt geräuschlos aus dem Gemache. Sogleich vertiefte sich der Kanzlers in das Geschriebene und blickte dann suchend nach einer Feder umher, um selbst noch einige Randbemerkungen anzufügen. Dabei überhörte er gänzlich, daß die Tür hinter ihm geöffnet wurde, und fuhr erschrocken herum, als ihn von der Schwelle her eine laute Stimme in der Sprache seiner Heimat anrief: »Gott zum Gruße, Herr Vater!«

Er starrte den Eintretenden an, als sähe er ein Gesicht, und in seinen Mienen spiegelte sich die tiefste Bestürzung wieder. »Wie?« rief er endlich, »du bist hier, Gustav Horn? Ich dachte, du zögest nach der Vereinigung eurer Armeen mit dem Herzog auf München oder Regensburg. Was ist geschehen? Habt ihr eine Schlacht verloren? Bist du auf der Flucht? Wann bist du gekommen?«

So überstürzten sich die Fragen im Munde des sonst so ruhigen und gemessenen Mannes.

Feldmarschall Horn trat langsam näher. »Ich bin vor Mitternacht schon hier eingetroffen, wollte Euch aber im Schlafe nicht stören. Eine Schlacht ist nicht verloren, aber ich habe Euch Unwillkommenes zu melden!«

»Mein Gott, was ist geschehen? Setze dich her zu mir!«

Langsam, wie er in allen seinen Bewegungen war, ließ sich, Horn auf einen der breiten Stühle nieder und sagte: »Also mit kurzen Worten: das Heer meutert!«

Dem Kanzler entfuhr ein Schreckensruf. »Jetzt vor dem Feinde? Das ganze Heer?«

»Vornehmlich die Deutschen. Aber auch Finnen und Livländer. Sogar etliche Schweden. Aber nicht der gemeine Mann ist's, der aussteht. Es sind die Herren Offiziere, an ihrer Spitze alle Obristen mit Ausnahme von zweien!«

»Das ist das Schlimmste!« stöhnte der Kanzler. »Was wollen diese Menschen? Sind sie toll geworden, daß sie der Soldateska ein solch erschreckliches Exempel geben und so die Disziplin vollends untergraben?« »Nein, Herr Vater, sie sind nicht toll geworden, vielmehr ist das Ganze ein wohlüberlegter Plan. Und wißt Ihr, wer diesen Plan entworfen hat? Kein anderer als der Abgott des Heeres, den Ihr ja auch so über die Maßen protegiert, der schlaue Fuchs von Weimar!«

Oxenstierna prallte zurück. Er wußte, daß sein Schwiegersohn den Mann haßte, der ihn durch seine glänzenden Taten so tief in den Schatten gestellt hatte. Schon öfter hatte Horn ihn vor dem Herzog gewarnt, aber er hatte dem niemals besonderes Gewicht beigelegt. Diese Beschuldigung jedoch ward in einem so bestimmten Tone ausgesprochen, daß er sie für mehr ansehen mußte als eine vage, vom Neid eingegebene Behauptung. »Hast du dafür Beweise?« fragte er.

Der Feldmarschall lachte kurz auf. »Wenn Ihr damit etwas Schriftliches meint, so ist der Fuchs von Weimar natürlich viel zu klug, als daß er etwas von sich gäbe. Aber ich habe zwei Augen, mit denen ich sehen, und zwei Ohren, mit denen ich hören kann, und was ich gesehen und gehört habe, das will ich Euch erzählen. Dann entscheidet selbst.«

Er strich sich den starken gelben Bart und lehnte sich in den Sessel zurück, aber ehe er zu reden anhub, kam ihm der Kanzler mit einer Frage zuvor. »Zuvörderst sage mir nur eines: Was begehren die Herren? Wollen sie den Herzog mit Gewalt zum Generalissimus machen?«

»Davon war nicht die Rede.« Die Brust des Kanzlers hob ein tiefer Atemzug. »Und da meinst du, er habe sie angestiftet? Schwerlich ist das so, sage ich dir. Denn stäke er dahinter, so müßten sie vor allem andern das begehren! Nichts liegt ihm so am Kerzen. Er ist nicht zufrieden mit der Führung der Hauptarmes, er will über alles kommandieren, wie einst der König.«

»Wem sagt Ihr das, Herr Vater?! Niemand weiß das besser als ich, den er unter sich kriegen will wie den Pfalzgrafen und seinen Bruder Wilhelm und wen sonst noch! Und doch steckt er dahinter. Laßt Euch erzählen: Also ich sitze mit Lohusen und Bulach zu Neuburg beim Wein, heute abend werden's fünf Tage, Wir sprachen über den Zug nach Baiern, denn wir wollten am nächsten Morgen in der Frühe über die Donau gehen. Da entsteht vor dem Sause ein groß Lärmen und Geschrei, und als Lohusen ans Fenster tritt, sieht er unten den ganzen Platz voll Offiziere. Da poltert's auch schon die Treppe herauf und ins Zimmer hinein. Der lange Waldau war's, der kleine Pfuel und der verschmitzte Schuft, der Mitzlav. Die Kerle verneigten sich vor dem Herzog, mich sahen sie gar nicht. Darauf fingen sie eine lange Lamentation an, sagten, sie hätten seit drei Monden keinen Sold gesehen und ihre Leute würden schwierig. Sie hätten viele tausend Dukaten für die Krone Schweden ausgelegt, und nun müßten sie hören, daß hier in Heilbronn wohl viel davon geredet worden wäre zwischen Euch und den deutschen Ständen, wie man die Disziplin wolle im Heer wieder hochbringen, aber kein Mensch rede davon, daß sie ihr Geld sollten kriegen. Das Geld käme an solche, die in der Stube hinter dem Ofen gesessen und mit der Feder gefochten hätten, sie aber, die Schweiß und Blut vergössen, sie erhielten nichts!«

»Herr Gott!« rief Oxenstierna und schlug die Hände zusammen, »wie gerne gäb' ich's ihnen, wenn ich's nur hätte!« Aber von Stockholm läuft nichts ein, da heißt es: Der Krieg soll den Krieg ernähren! Und die oberdeutschen Herren und Städte, die ich hier in Heilbronn geeinigt habe zu einem Bündnis mit uns – du lieber Himmel! Die wollen alle recht gern geschützt werden vor ihrem Kaiser und seinen Spaniern und Wallonen, aber zahlen wollen sie so wenig wie möglich.«

»Schlimm!« erwiderte Horn. »Sehr schlimm. Denn wenn die Forderungen der Meuterer nicht binnen vier Wochen befriedigt sind, so wollen sie sich nicht mehr gegen den Feind gebrauchen lassen, wollen die eroberten Länder für sich und ihre Soldateska als eine Hypothek behalten, sich nicht auseinander führen noch irgendwie separieren lassen und die andern Armeen zu gleichem Tun aufrufen.«

»Das haben sie gesagt?« fuhr der Kanzler auf.

»Wie ich es Euch erzähle!«

»Und was tatet ihr, du und der Herzog?«

»Ich stand auf und rief mit lauter Stimme: Ihr Herren, besinnt Euch! Das ist Felonie vor dem Feinde, das ist Verrat und Eidbruch! Da wandte mir der lange Waldau den Rücken und sagte höhnisch: Was der schwedische Marschall sagt, kann uns hier nichts gelten. Wir wenden uns an den deutschen Herzog!«

»Und wie benahm sich der?«

»Auch er tadelte es, daß sie Bedingungen stellten im Felde, aber er tat es mit milden, sanften Worten, und ich bemerkte wohl die Blicke des Einverständnisses, die er mit den Halunken wechselte. In der Sache selbst seien sie im Rechte. Er wisse aber, daß es nicht an Eurem guten Willen läge, wenn sie bisher mit Worten abgespeist worden seien, denn Eure Truhen wären leer. Er wollte den Herren einen Vorschlag machen: Sie sollten sich damit genügen lassen, wenn ihnen in den nächsten Wochen ein Viertel der Summen gezahlt werde, die sie dem gemeinen Manne schuldig seien. Damit könne man vor der Hand die Soldateska beruhigen. Und was die Forderungen der Herren selbst angehe, so solle sie die Krone Schweden ihnen nicht in Geld, sondern in Land geben. Die eroberten Pfaffengebiete sollten unter sie verteilt werden. Das sei sein Rat. Sofort fielen ihm die Obristen bei und lobten ihn über die Maßen. Daraus ersah ich, daß die ganze Geschichte vorher abgekartet war.«

Der Kanzler war in seinen Stuhl zurückgesunken und hatte die schweren Lider über die Augen herabsinken lassen. So pflegte er zu tun, wenn er in Gegenwart eines andern eine wichtige Angelegenheit erwog. Es konnte dann niemand in seinem Anlitz lesen. Er saß eine Zeitlang ganz unbeweglich, dann fragte er in verändertem, ruhigem Tone: »Warum hast du gerade die Mission übernommen? Warum kam nicht einer der Obristen?«

»Sie haben mich geradezu gezwungen, weil ich Euer Eidam sei und mein Wort sicher bei Euch eine gute Stätte fände. Die Wahrheit war: sie wollten mich forthaben!«

»Und du ließest dich zwingen?«

»Nicht aus Furcht, Herr Vater, sondern weil ich Euch die Wahrheit sagen wollte, die Euch vielleicht sonst keiner sagen würde. Sie ist bitter genug, denn sie lautet: Ihr müßt nachgeben, nachgeben um jeden Preis! Unser Hauptheer haben wir nicht mehr in der Hand. Es ruft vielleicht in vier Wochen den von Weimar zum König aus, wenn wir nicht nachgeben! Er ist für uns, was der Friedländer für den Kaiser ist. Ja, er kann uns noch gefährlicher werden!«

Wieder saß der Kanzler eine Weile in tiefem Schweigen da. Dann sagte er kurz und bestimmt: »Könnt' ich, so ließe ich die schuldigsten Obristen infam kassieren und jagte sie zum Teufel. Könnt' ich, so schickte ich den Herzog heim in sein Fürstentum, so nützlich er uns ist. Aber ich kann's nicht. So muß ich sie beide befriedigen und bei gutem Willen erhalten. Die Kerle finde ich ab mit Kloster- und Pfaffengut, und er mag haben, was ihm, wie er sagt, der König versprochen hat und was er schon zu Altenburg von mir begehrte: Bamberg und Würzburg als ein Herzogtum Franken unter schwedischer Oberhoheit.«

»Ja, tut das, Herr Vater!« rief Horn und stand gegen seine Art sehr lebhaft auf. »Das mag ihn vom Heere abziehen, und nichts wünsche ich sehnlicher. Seit zehn Tagen hab' ich meine Truppen mit den seinigen vereint, und schon gelte ich bei meinen Leuten neben ihm nichts mehr. Der gemeine Mann bricht in ein Vivat über das andere aus, wo er sich nur zeigt, die Offiziere hängen an ihm wie die Kletten, tun, was er befiehlt, und mißachten meine Befehle. Der Teufel mag mit ihm zusammen in einem Korps befehligen, ich nicht! Ich bin von unserm großen Könige zum Marschall ernannt worden und habe stets selbständige Kommandos geführt. Ich kann mich nicht unter den jungen Mann ducken, und wenn er zehnmal ein Reichsfürst ist. Gebt ihm andere Sorgen und Geschäfte, damit er womöglich das Heer verläßt.«

Noch redete er, da wurde wieder an die Tür gepocht und der Geheimschreiber trat eilfertig mit einem versiegelten Schreiben herein. »Ein Brief an Eure Exzellenz vom Herzog von Weimar.«

Oxenstierna nahm das Schreiben, erbrach und las es. Dann ließ er es sinken und sah seinem Schwiegersohn voll ratlosen Staunens ins Gesicht. »Weißt du, was dieser Brief meldet? Der Herzog hat Eichstätt überfallen, Burg und Stadt genommen und den Bischof verjagt. Und das mit einer Armee, die meutert!«

Horns Antlitz lief purpurrot an. »Da seht Ihr, Herr Vater, was dahinter steckt! Gegen ihn meutern sie nicht. Ihm folgen sie. Und mich hat er von der Aktion fernhalten wollen.«

Der Kanzler nickte. »Er ist ein dämonischer Mensch. Wir müssen ihm den Willen tun, wir mögen wollen oder nicht. Mag er denn Herzog in Franken werden!«

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