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Der deutsche Herzog

Paul Schreckenbach: Der deutsche Herzog - Kapitel 17
Quellenangabe
typefiction
authorPaul Schreckenbach
titleDer deutsche Herzog
publisherL. Staackmann, Leipzig
printrunEinundzwanzigstes bis fünfundzwanzigstes Tausend
year1922
firstpub1914
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070920
projectid2d34805b
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IV.

Das Rathaus des festen Städtchens Rheinfelden strahlte im hellen Lichterglanze. Drinnen im Saale saßen an einer großen und breiten Tafel sämtliche Offiziere des kaiserlichen Heeres und feierten beim Becher ihren Sieg, den sie über den Herzog von Weimar erfochten hatten. Der hatte die Feste, die ein wichtiger Rheinpaß war, drei Wochen lang mit aller Macht beschossen und hätte sie um ein Haar genommen. Schon war den Belagerten das Pulver ausgegangen, da hatte sich die tapfere Bürgerschaft noch mit Steinwürfen gewehrt, so daß der erboste Herzog die Stadt mit einem bösen Weibe verglich, das, wenn es nicht mehr schelten kann, mit den Händen seinen Zorn bezeugt. Über die Maßen gern hätte er den festen Ort gehabt, der den Rheinübergang deckte, und in dem ein großer Vorrat an Wein und Korn lag. Aber eben, als er den Generalsturm befehlen wollte, der die Stadt ohne Zweifel in seine Hand gebracht hätte, war das kaiserliche Heer zum Entsatz erschienen. Er war so kühn gewesen, sich mit ihm in eine Schlacht einzulassen, obwohl der eine Teil seiner kleinen Armee jenseits des Rheines stand, aber er hatte nach heldenmütigem Kampfe der gewaltigen Übermacht weichen müssen und war nach Laufenburg zurückgegangen. Es war der erste Sieg, den nach der Nördlinger Schlacht die Kaiserlichen über den Herzog errungen hatten, und der Duca von Sarvelli, ihr Höchstkommandierender, hatte sogleich Kuriere abgehen lassen an den Kaiser, den Papst und den Kurfürsten von Bayern, um die große und höchst erfreuliche Viktoria zu melden. Er war unsäglich stolz darauf, denn der Herzog von Weimar hatte in der letzten Zeit eine Menge kleiner Erfolge errungen, war mit einem Teile seiner Truppen schon über den Rhein gegangen und hatte bereits wieder die schwerste Sorge des Bayernfürsten und des Kaisers erregt. Besonders in Wien betrachtete man seine Fortschritte mit dem größten Argwohn. Dort war der alte Kaiser gestorben, und sein Sohn, Ferdinandus der Dritte, hatte den Thron bestiegen. Der ließ sich zwar von den Höflingen als Sieger von Nördlingen schmeicheln, aber da er ein kluger Herr war, wußte er trotzdem sehr wohl, daß er besser tat, in der Hofburg zu bleiben und nicht, wie weiland Gustav Adolf, seine Kriege selbst zu führen. Er wußte auch, daß keiner seiner Feldherren dem Herzog von Weimar das Wasser reichen konnte, und als er den alten Duca von Savelli zum General-Feldzeugmeister ernannte, da hatte er ihm die größte Vorsicht eingeschärft, und der Duca selber war, obwohl er sich in seiner grenzenlosen Eitelkeit für einen Feldherrn hielt, nicht ohne geheimes Bangen gegen den Herzog ins Feld gezogen. Nun war es ihm gelungen, einen Sieg über ihn zu erringen. Kein Wunder, daß sein Herz in Wonne schwamm und sich vor Übermut nicht zu lassen wußte, und dieser Stimmung seines Gemütes gab er jetzt beim Siegesbankett den ungeschminktesten Ausdruck. Selbst wenn die Geiger und Zinkenisten von der Estrade herab ein lautes Getön erschallen ließen, war seine breite Stimme durch den ganzen Saal hörbar, und er prahlte so unverschämt, daß sogar seine Welschen, die um ihn herumsaßen, zuweilen einander bedenklich anschauten.

Mit offenbarem Hohne aber betrachtete ihn der deutsche General, der ihm gerade gegenüber an der langen Tafel saß. Fast beständig lag um seinen Mund ein verächtliches Lächeln, und wenn eins der Prahlworte des Obergenerals bis zu ihm hintönte, so stieß er einen Pfiff aus oder ein scharfes Gelächter.

Savelli bemerkte das wohl, und es wurmte ihn gewaltig. Aber obwohl er halb berauscht war, besaß er noch soviel Besinnung, darüber hinwegzusehen. Denn diesen Mann im schwarzen Wams, dem ein ebenso schwarzer Bart das tiefbraune Gesicht mit den funkelnden Raubvogelaugen umrahmte, fürchtete er wie den Leibhaftigen und ging ihm aus dem Wege, wo er irgend konnte. Er wußte, daß der Schwarze ihn haßte und wütend darüber war, ihm gehorchen zu müssen. Denn Johann von Werth, dessen tollkühne Reiterstückchen von Freund und Feind bewundert wurden, hatte sicher darauf gerechnet, daß er das Heer gegen den verhaßten Herzog von Weimar führen werde. Statt dessen hatte der Kaiser unter dem Einflusse seines Beichtvaters und vornehmer Damen den alten Hofgeneral zum Führer ernannt. Das hatte den wilden Kaudegen über die Maßen erbittert und alle Deutschen gekränkt, die im Heere dienten, und da der schwarze Hans von äußerst reizbarer Gemütsart war, so mußte ihn Savelli behandeln wie ein rohes Ei, sonst war er vor Meuterei und arger Gewalttat nicht sicher. Jan von Werth hatte diese innerliche Unsicherheit und Angst des Alten natürlich längst durchschaut und legte sich deshalb nicht den geringsten Zwang in seiner Gegenwart auf.

Jetzt versetzte er dem neben ihm sitzenden General Sperreuter unter dem Tische einen kleinen Tritt gegen den Stiefelschaft und stieß seinen schweren Silberbecher ingrimmig auf den Tisch, so daß der Wein weithin über die Tafel spritzte.

»Wenn der Kerl so weiter schwatzt,« sagte er laut, »so werfe ich meine Pfeife an seinen Schädel!« Dabei stieß er eine ungeheure Rauchwolke aus seiner kurzen Tonpfeife aus, was seinen Nachbar veranlaßte, den Kopf schnell zurückzuziehen und die Augen zu schließen, damit ihm der beißende Rauch nicht hineindringe.

»Das wäre das Beste, was du mit deinem verdammten Feuerzeuge tun könntest!« brummte er. »Dann hörte doch der Gestank einmal auf.«

»Habe mir das Tabaktrinken in Holland angewöhnt und kann's nicht mehr lassen,« erwiderte Werth. »Aber hörst du, hörst du? Jetzt eben hat er gesagt, binnen vier Wochen werde er den Weimarer nach Paris jagen! Dieser Laffe!«

»Siehst du denn nicht, daß der alle Esel trunken ist?« gab Sperreuter zurück.

»Ja, das ist er!« murrte Werth. »Kläglich, kläglich! Der Mensch hat kaum drei Quart Wein im Leibe und ist schon voll! Du und ich sitzen beim sechsten, und wer merkt's uns an? Nicht einmal das Trinken verstehen sie, diese Welschen, und so ein Kerl will den Weimarer nach Paris jagen! Siehst du, wie er seine runden Ochsenaugen rollt und sich spreizt wie ein Pfau?«

Sperreuter spuckte verächtlich aus. »Und dabei hat er sich, soweit er konnte, vom Schuß gehalten und dich das Beste tun lassen. Ohne deine Attacken hätten wir nicht gesiegt.«

»Gesiegt? Bist du denn auch nicht gescheiter als die andern, daß du von einem Siege sprichst? Gesiegt? Dummes Zeug! Zurückgeworfen haben wir ihn, weiter nichts! Übermorgen ist er wieder auf dem Plane, das wirst du sehen! Den kenne ich. An der Donau und am Main habe ich mich mit ihm herumgeschlagen und habe ihn niemals fassen und ducken können, vielmehr hat er mich oft über den Kopf gehauen. Er ist der schlimmste Feind, der gegen die kaiserliche Majestät im Felde steht, der Erzfeind. Selbst der Banér ist gegen den noch nichts. Der Kerl hat den Teufel im Leibe!«

»Nun, eine tüchtige Schlappe haben wir ihm doch vorgestern beigebracht!« warf Sperreuter dazwischen.

»Wenn er sie uns nicht heimzahlt! Mir schwant Böses! Unser großer General hat die Truppen auseinandergelegt in verschiedene Quartiere. Erfährt das der Herzog durch seine Spione –«

»Still!« unterbrach ihn Sperreuter. »Der Duca will reden. Hören wir, was der alte Narr zu sagen hat!«

Savelli war aufgestanden. Der Kornett, der neben ihm stand, hatte ihm offenbar eine Botschaft zugetragen, die er der Versammlung verkündigen wollte. Es bedurfte geraumer Zeit, bis er sich Gehör verschaffen konnte und das Stimmengewirr an der langen Tafel sich soweit legte, daß er überall verständlich war.

»Ihr Herren!« rief er in gebrochenem Deutsch, »mir wird eben gemeldet: Der Herzog von Rohan ist an seinen Wunden gestorben.«

Darauf entstand eine tiefe Stille. Allen den Halbberauschten gingen wohl für einige Augenblicke ernste Gedanken durchs Hirn, als sie diese Kunde vernahmen. Herzog Heinrich von Rohan war bei Hofe derartig in Ungnade gefallen, daß er für seine Sicherheit fürchten mußte. Er war deshalb vom Heere nach der Schweiz entwichen und dann als Flüchtling zum Herzog Bernhard gekommen. Der hatte ihn mit offenen Armen aufgenommen, nicht nur, weil er ihn achtete und schätzte, sondern weil er dadurch der Welt zeigen konnte, daß er nicht des Franzosenkönigs Diener, sondern sein unabhängiger Verbündeter war. Rohan hatte in der Umgebung des Herzogs an der unglücklichen Schlacht mit teilgenommen, war schwer verwundet, in Feindes Hand gefallen. Der einst eine Macht gewesen war, mit dem der König von Frankreich hatte rechnen müssen, war den Tod eines gemeinen Reiters gestorben, denn völlig ausgeplündert und halb nackt hatte man ihn vom Schlachtfelde aufgehoben und in dem Hause eines armen Bürgers auf das Lager gelegt, von dem er nicht mehr erstehen sollte.

Den Duca befremdete offenbar der Eindruck, den seine Worte hervorgerufen hatten, denn er rief sie mit einem triumphierenden Lächeln in den Saal und hatte wohl erwartet, ein Beifallsgeschrei zu hören. Er fuhr nun, ohne sich durch das allgemeine Schweigen irre machen zu lassen, mit noch lauterer Stimme fort: »Herren! Ein schlimmer Feind unserer heiligen Kirche hat seine ruchlose Seele ausgehaucht. Ein Haupt der Ketzer ist nicht mehr. Darüber müssen sich alle guten Christen freuen, und wir, ihr Herren, wollen dreimal einen Tusch blasen lassen!«

Wieder ein Schweigen. Die deutschen Herren murrten, die welschen blickten zur Erde nieder.

Aber der fast trunkene Savelli achtete nicht darauf. Er kehrte sich nach der Seite hin, wo die Musikanten saßen, um ihnen ein Zeichen zu geben.

Da brüllte einer mit donnernder Stimme: »Halt!« und noch einmal »Halt!« Jan von Werth hatte sich erhoben und stand da wie ein Panther, der sich eben zum Sprunge ducken will. Seine Augen sprühten.

»Mein Veto!« schrie er. »Mein Veto gegen diese Gemeinheit! Der Herzog von Rohan war ein Ketzer. Mag er dafür im anderen Leben braten und schmoren. Auf Erden aber war er ein tapferer Mann, ein Held, ein Ehrenmann, und so ist er gestorben. Hätte der Kaiser einen solchen General, so könnte er stolz darauf sein. Wenn ein Mann wie der stirbt, so trauert ein braver Soldat und betet ein stilles Paternoster, und wenn's für einen Ketzer ist. So, das wollt' ich Euch sagen, Herr Duca von Savelli! Nehmt's ad notam!«

Wieder folgte eine Stille. Der Duca war bei den unerhört kecken Worten des ihm untergebenen Generals erst blaß, dann blaurot geworden. Er sah jetzt aus, als solle ihn ein Schlagfluß auf der Stelle treffen, und die Worte, die er zunächst hervorstieß, waren fast unverständlich. Er gurgelte etwas, das klang wie »Arrest« und »in Eisen legen«.

Jan von Werth wandte sich an die ihm zunächst sitzenden Generale und sagte so laut, daß es im ganzen Saale hörbar war: »Nicht einmal mehr krähen kann der alte Hahn. Zieht ihm einen Unterrock an, daß er sich nicht erkältet, und schafft ihn ins Bett!«

Savellis Augen rollten, als er diese neue Beschimpfung vernahm, und er wollte jetzt allen Ernstes den Befehl geben, den frechen General zu arretieren. Aber er vermochte es nicht. Wenn ein halbtrunkener Mann in Zorn gerät, so macht ihn der meist völlig trunken. So geschah's auch ihm. Er sank auf seinen Stuhl zurück, blickte mit blöden Augen im Kreise umher und grinste.

Bei dem Anblick vermochte niemand sich des Lachens zu enthalten, und der Saal, der eben in Gefahr gestanden hatte, der Schauplatz einer wüsten, vielleicht furchtbaren Szene zu werden, hallte wider von lauter Fröhlichkeit. Selbst der schwarze Jan von Werth lachte aus vollem Halse.

Während dieses Gelächters hatte niemand darauf geachtet, daß unten auf Markt und Straßen ein lautes Rufen und Rennen entstanden war, aber als sich nach einer Weile das Getöse legte, war der Lärm deutlich vernehmbar.

»Herr Gott!« rief der General Enckefort und stürzte an ein Fenster. »Was geht da vor?«

Er schrie herunter, aber nur ein wildes Stimmengewirr war zu vernehmen. Doch jetzt polterte es draußen auf den Stufen, die Tür ward aufgerissen, und ein Kroatenwachtmeister erschien auf der Schwelle.

»Weimar ist da!« erscholl schrill und durchdringend sein Ruf in den Saal hinein.

Alle fuhren empor, nur Savelli blieb sitzen und lächelte ebenso freundlich wie vorher.

»Hab' ich's nicht gesagt? Der Kerl kommt wieder!« rief Jan von Werth.. »Wo steht er?«

»Eine halbe Stunde von hier, vor Nollingen.«

»Herr Duca von Savelli, gebt Befehl, was geschehen soll!« wandte sich Werth mit grimmigem Hohn an den Obergeneral. Der verstand nicht, was Werth sagte. Er nickte und lächelte.

»Ihr Herren!« sprach Jan von Werth. »Der römisch-kaiserlichen Majestät hochgebietender Herr General-Feldzeugmeister ist durch absonderliche Umstände zurzeit behindert, seines Amtes zu walten. So übernehme ich als der im Range nächstälteste General das Kommando, bis er wieder seines Geistes mächtig ist. Wir dürfen uns von dem von Weimar nicht in der Stadt einschließen lassen. Die Regimenter müssen sogleich hinausgeführt und postiert werden, so daß beim Morgengrauen die Schlacht beginnen kann. Der Herzog wird sie annehmen, dessen bin ich sicher.«

»Wird er sich nicht zurückziehen, wenn er sieht, daß ihm der Überfall mißlungen ist?« wandte General Enckefort ein.

»Wer das meint, der kennt ihn schlecht,« versetzte Jan von Werth. »Er hat gewißlich erfahren, daß unser erleuchtetes Haupt ein paar Regimenter disloziert hat, und daß wir also schwächer sind als vor drei Tagen. Schlagen wir nicht, so schließt er uns ein. Also hinaus ins Feld!«

So geschah's, und der kriegserfahrene General stellte noch in der Nacht das Heer so gut auf, wie es in dem ungünstigen Gelände möglich war. Aber in der Morgenfrühe erschien Savelli, der inzwischen leidlich nüchtern geworden war, mäkelte und nörgelte und tadelte und brachte durch Gegenbefehle alles in die größte Unordnung.

»Taupadel,« sagte Herzog Bernhard zu seinem Vertrauten, mit dem er dem Feinde gegenüber auf einer kleinen Anhöhe hielt, »ist das zu glauben? Sieht es nicht aus wie ein Ameisenhaufen, wo alles durcheinander kribbelt? Das müssen wir benutzen, ehe sie in Ordnung sind. Gott der Herr hat sie ersichtlich in unsere Hand gegeben. Reite hinüber zum rechten Flügel und greife in Gottes Namen an!«

»Hie Schwert des Herrn und Gideon!« antwortete der bibelfeste alte General und warf sein Roß herum. Bernhard aber riß seinen Pallasch aus der Scheide, sprengte vor die Front seiner Reiterregimenter und rief mit laut schallender Stimme: »Vorwärts, meine tapferen Reiter! Emanuel! Gott mit uns!« Und aus tausend Kehlen klang das Feldgeschrei wider: »Emanuel! Gott mit uns!«

Damit setzten sich die Massen in Bewegung, und sie kamen nicht mehr zum Stillstand. In kaum einer halben Stunde war alles entschieden, der immer noch übermächtige Feind zersprengt, in die Flucht gejagt, niedergehauen oder gefangen. Es war, als hätte Gott selbst die vorher so Übermütigen und Prahlerischen mit Kleinmut und Verzagtheit geschlagen. Einige Reiter trieben ganze Haufen von Gefangenen zusammen, dort jagten andere mit einer erbeuteten Standarte oder Fahne herbei, alle Generale des kaiserlichen Heeres waren in die Hände der Weimarischen gefallen, der feige Savelli, der auf der Flucht mit dem Pferde gestürzt war, ebenso wie der wilde Jan von Werth, der nach wütender Gegenwehr vom Rosse hinabgeworfen ward.

»Daß wir den haben, Tauvadel,« sagte der Herzog, »ist allein so viel wert als eine gewonnene Schlacht. Er hat mir oft genug warm gemacht, wenn er mit seiner Reiterschar mein Heer umschwärmte.«

»Der von Löwenstein hat ihn gefangen,« erwiderte der General, »geben Sie ihm eine goldene Ehrenkette, Fürstliche Gnaden. Er hat sie verdient.«

»Ihr, Taupadel, noch mehr. Ihr allein habt heftigen Widerstand gefunden und gebrochen. Hier, wo ich stand, war's eigentlich gar keine Schlacht, es war ein Anstürmen und eine Verfolgung. Wie war das möglich? Wie konnten alte Regimenter in solche Verwirrung geraten? Keiner wird's begreifen, der's hört, es wird den Leuten ein Märlein dünken.«

»Manchen ein sehr übles Märlein. Der Bayernkurfürst wird schlottern, wenn er's hört, und der Kaiser wird an einem Gallenfieber erkranken. Die Scharte von Nördlingen ist ausgewetzt.«

»Noch nicht, Taupadel, noch nicht. Aber ein Anfang dazu ist durch Gottes Gnade gemacht. Er hat ein Wunder getan, ihm sei die Ehre!«

»Nun fällt Rheinfelden doch noch," bemerkte Taupadel nach einer kleinen Weile. »Wie wunderlich doch alles wechselt im Kriege!«

»Ich lasse die Stadt nachher durch vier Trompeter anblasen und zur Übergabe auffordern. Ich denke, wir sind noch vor Abend drin. Eine Hoffnung auf Entsatz hat sie nun nicht mehr. Und dann, Taupadel, dann geht's vor Breisach.« »Den Teufel auch, Fürstliche Gnaden! Das wird eine harte und schwere Aktion! Eine stärkere Feste gibt es nicht diesseits und jenseits des Rheins. An ihr hat sich noch jeder die Zähne ausgebissen.«

»Sie muß unser werden, Taupadel! Auf dieser Stadt steht Habsburgs Herrschaft im Elsaß. Ist sie in meiner Hand, so habe ich die ganze Landgrafschaft. Wenn ich Rheinfelden habe, wird alle Welt denken, ich wollte meinen Kopf ins Reich stecken. Ich tue auch so, denn ich marschiere auf Freiburg. Aber dann wende ich mich und ziehe stracks auf die Stadt und schließe Breisach ein, ehe sie genug Munition und Proviant an sich gezogen haben. Dann geht der Tanz mit dieser Jungfer an, und ich denke, sie wird mir ihr Kränzlein lassen müssen. Gott wolle uns dazu verhelfen!«

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