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Johann Gottfried Herder: Der Cid - Kapitel 8
Quellenangabe
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typepoem
authorJohann Gottfried Herder
titleDer Cid
publisherInsel-Verlag
editorMatthias Oehme
year1984
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20101231
projectid94d86967
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7

        An der Tafel saß Fernando,
Zu Burgos im Königspalast,
Als Ximene tief in Trauer
Und in Tränen vor ihm kniete.

        Mit bescheidener Gebärde
Sprach sie jammernd diese Worte:
»König, eine arme Waise,
Komm ich, suchend Euren Schutz.

         Eben starb auch meine Mutter
Gramvoll, die mir unsres Hauses
Schmähung nachließ; denn der Mörder
Unsres Hauses lebet noch.

        Täglich darf er sich mir zeigen,
Der großsinnig-stolze Laiñez,
Reitet täglich mir vor Augen,
Seinen Falken auf der Hand,

        Der mir meine Tauben würget,
Alt und jung. Schau her, o König,
Sieh das Blut auf meiner Schürze,
Meiner jüngsten Taube Blut!

        Oft hab ich's ihm untersaget;
Und was gab er mir für Antwort?
Lies, o König! Diese Zeilen
Sandt er heute mir zum Hohn«:

        »An Dona Ximena.
Du klagest, einzige, verehrte, schöne
Ximene,
Daß täglich Dir mein Falk die Tauben
Komme zu rauben.
Sein Herr begleitet ihn –
Oh, dürft er kühn
Die einmal sehn, der auf so harte Art
Vom Schicksal und vom Falk er angemeldet ward!«

        Als der König dies gelesen,
Stand er auf von seiner Tafel,
Schrieb sofort an Don Diego;
Heimlich sandt er ihm den Brief.

         Wissen will den vollen Inhalt
Don Rodrigo. »Nein! bei Gott nicht!
Und bei seiner heil'gen Mutter!«
Sprach er, »laß ich Euch, o Vater,
Euch allein nach Hofe ziehn.«

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