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Johann Gottfried Herder: Der Cid - Kapitel 53
Quellenangabe
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typepoem
authorJohann Gottfried Herder
titleDer Cid
publisherInsel-Verlag
editorMatthias Oehme
year1984
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20101231
projectid94d86967
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52

        »Da die Königin des Himmels,
Die gebenedeite Jungfrau,
Uns Valencia zu erobern
Hülfreich beigestanden hat,
Pedro, so geht zu den Mauren,
Schafft den Leidenden Erquickung
Und dem Totenheer ein Grab!

        Sagt den Überwundnen allen,
Männern und den Weibern saget,
Daß, die Stolzesten im Kriege,
Wir die Sanftesten im Frieden,
Menschlich und großmütig sein.

        Regt sie an, zu mir zu kommen,
Daß ich selbst mit ihnen spreche,
Und für ihre Schätz und Weiber
Bleibe keinem eine Furcht.
Denn mir fehlen für die Schätze
Kasten, und für ihre Weiber
Fehlt ein Frauenharem mir.
Eine nur ist meine Gattin,
Eine, meine echte Frau.

        Alvar Fañez, auf! Zu meiner
Armen, leidenden Ximene.
Führt sie her und meine Kinder;
Nehmt auch etwas Gold mit Euch,
Daß sie sich das Nöt'ge kaufen
Und anständig hier erscheinen,
Diese schöne Stadt zu sehen
Und Rodrigo, ihren Freund.

        Ferner dreißig Mark an Golde
Nimm mit dir, dem heil'gen Pedro
Lege sie auf den Altar!
Auch zweitausend Silberstücke
Stelle den ehrhaften Juden
Israel und Benjamin
Bittend zu, mir zu verzeihen
Mein allereinz'ge Lüge,
Die ich lebenslang beging!

        Die verpfändeten zwei Kasten,
Die verschlossen sie annahmen,
Glaubten sie voll guten Goldes,
Und sie waren voller Sand.
Dennoch war es keine Täuschung:
Denn mein Wort war in den Kasten,
Und mein Wort ist gutes Gold.

        Antolinez, Ihr begleitet
Alvar Fañez. Seine Zunge
Ist ein wenig träg; und Eure,
Sie gefällt im Sprechen sich.
Auf! Erzählet der Ximene
Unsre Abenteuer alle!
Helft ihr denn auch im Gesange;
Denn sie liebt in frohen Stunden
Die Gitarr und den Gesang.

        An den Hof des Königs ziehet
Dann auch beide miteinander:
Überreicht ihm die Geschenke
Mit der ehrerbiet'gen Bitte,
Daß er Gattin mir und Kinder
Gnädig lasse mit euch ziehn.

        Was in deiner Kriegersprache
Du zu sagen hast, vergiß nicht,
Alvar Fañez, auch kein Wort!
Wohl, daß einem Held am Hofe,
In der Schule seines Lehrherrn,
Du dabei zu lachen gibst;
Andre werden meine Plane
So wie deine Worte meistern
Und bespötteln. Mach es also,
Daß dem Neide nichts auch bleibe
Als das Gift in seiner Brust!

        Zieht dann, meine Freunde, ziehet!
Wenn hieher zurück ihr kehret,
Findet ihr mich Überwinder
Andrer Mauren, meiner Feinde,
Oder – findet mich nicht mehr.«

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