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Johann Gottfried Herder: Der Cid - Kapitel 52
Quellenangabe
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typepoem
authorJohann Gottfried Herder
titleDer Cid
publisherInsel-Verlag
editorMatthias Oehme
year1984
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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projectid94d86967
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51

        Von der Tafel seiner Tapfern
Rief der Cid, doch unvermerket,
Einen Krieger, der im letzten
Treffen übel sich erzeigt,
Martin Pelaëz; er rief ihn
Seitwärts und sprach so ihm zu:

        »Essen beide wir zusammen
Heut an dieser sondern Tafel!
Denn das Mahl mit jenen Tapfern,
Die mit hohem Ruhm dort sitzen,
Steht für heute uns nicht zu.
Esset Ihr von Eurem Schemel,
Ich von diesem; Beide werden
Wir hier wohl beisammen sein.«

        Fort fuhr er in dem Gespräche:
»Jene, die an hoher Tafel
Dort mit Alvar Fañez speisen,
Sind Dämonen, leiden keinen
Neben sich, der seine Ehre
Nur im mindesten befleckt.
Ehre duldet keine Flecken,
Jeder Fehl an ihr ist Brandmal,
Brandmal auf der schönsten Stirn.
Diesen Makel und sein Elend
Wegzutilgen, das vermögen
Spaniens reiche Schätze nicht.«

        Und sprach weiter: »Eine Quelle,
Abzuwaschen solchen Flecken,
Quillet in des Feindes Brust.
Feindes Blut tilgt die Schande
Des Verzagten. Lieber sterben,
Junger Mann, als scheun sich müssen
Und sich nicht erkühnen dürfen,
Mit den Braven umzugehn!

        An die Taten Eures Vaters,
Meines guten Freundes Pedro
Pelaëz, laßt uns gedenken;
Ha, wie spaltete sein Schwert!
Die Beispiele solcher Männer
Sollen uns aufmuntern, Jüngling,
Das zu tun, was jeder brave
Mann gehalten ist zu tun.
Bitten dürfen wir denn jene
Alte Teufel, daß sie wieder
Uns an ihre Tafel nehmen.
Sprecht mir, junger Mann, die Worte
Mir mit Mund und Herzen nach:

        ›Lieber unterm Fuß der Heidenrosse
Sterben und zerquetscht, zertreten werden,
Als daß einer der lebend'gen Christen
Ehrlos uns vertreib aus der Gesellschaft!‹

        Setzt Euch fest auf diese Worte, Jüngling,
Daß, wenn wir auf jene Ebne kommen,
Sie der Wind nicht etwa Euch entnehme.
Auf, zum Schwert! Eur Pferd habt Ihr verloren.
Sorget nicht; ich geb Euch gleich ein andres.«

        Leise sprach er diese und andre Worte
Zu dem Jüngling. Es ward aufgestanden;
Da ergriff er bei der Hand ihn, rufend,
Rufend aus mit seiner Eisenstimme:
»Lieber unterm Fuß der Heidenrosse
Sich zertreten lassen, als bei Christen
Leben und entehrt sein!« Also rief er.
Indem tönten die Drommeten,
Klarinetten, Zimbeln klangen;
Auf, ins Feld! Es geht zum Siege,
Krieger, gen Valencia!

        Von den Reden Cids entflammet,
Tat an diesem Tage Wunder
Pelaëz vorm Auge Cids.

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