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Johann Gottfried Herder: Der Cid - Kapitel 5
Quellenangabe
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typepoem
authorJohann Gottfried Herder
titleDer Cid
publisherInsel-Verlag
editorMatthias Oehme
year1984
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20101231
projectid94d86967
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4

        Tränen rannen, stille Tränen
Rannen auf des Greises Wangen,
Der, an seiner Tafel sitzend,
Alles um sich her vergaß,

        Denkend an des Sohns Gefahren
Denkend an des Sohnes Jugend,
Denkend an des Sohnes Gefahren
Und an seines Feindes Macht.

        Den Entehrten flieht die Freude,
Flieht die Zuversicht und Hoffnung;
Alle kehren mit der Ehre
Froh und jugendlich zurück.

        Noch versenkt in tiefer Sorge,
Sieht er nicht Rodrigo kommen,
Der, den Degen unterm Arme
Und die Hand auf seiner Brust,

        Lang ansieht den guten Vater,
Mitleid tief im Herzen fühlend,
Bis er zutritt, ihm die Rechte
Schüttelnd: »Iß, o guter Greis!«

        Spricht er, weisend auf die Tafel;
Reicher flossen nun Diego
Seine Tränen: »Du, Rodrigo,
Sprachst du, sprichst du mir dies Wort?« –

        »Ja, mein Vater! Und erhebet
Euer edles, wertes Antlitz.« –
»Ist gerettet unsre Ehre?« –
»Edler Vater, er ist tot.«

         »Setze dich, mein Sohn Rodrigo,
Gerne will ich mit dir speisen.
Wer den Mann erlegen konnte,
Ist der Erste seines Stamms.«

        Weinend knieete Rodrigo,
Küssend seines Vaters Hände;
Weinend küßte Don Diego
Seines Sohnes Angesicht.

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