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Johann Gottfried Herder: Der Cid - Kapitel 44
Quellenangabe
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typepoem
authorJohann Gottfried Herder
titleDer Cid
publisherInsel-Verlag
editorMatthias Oehme
year1984
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20101231
projectid94d86967
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43

        »Euch antworten muß ich, König,
Denn ich hab Euch zu antworten,
Und ich kenne, wer die Antwort
Mir verbieten darf, nur einen,
Und der Ein' ist nicht auf Erden:
Gott! – Kein Braver darf sich fürchten;
Aber Unschuld geht zugrunde
Durch unzeitig Schweigen, Herr.

        Hätten, Ehre zu zerstören,
Worte Macht, so war es besser,
Einen Dolch auf mich zu zücken,
Als zu reden, wie Ihr spracht.
Aber das Gesetz entehret,
Nicht der König. Ihr vermöget
Mich so wenig zu entehren,
König, als der schlechtste Mann.

        Ich auf Knieen vor Euch liegen?
Als ein Sklav? – Und mich zu heben,
Eures Arms bedarf ich nicht;
Keines Menschen Arms als dieses,
Und der ist der meinige.

        Laßt sich die vor Euch bedecken,
Die Euch schmeicheln! Sie tun wohl.
Ich auch werde mich bedecken,
Ich, der nie Euch schmeichelte.

        Daß ich nicht bei Hof erschienen,
Und was ich beim Friedensbündnis
Für Euch tat zu Alcala,
Hievon schweig ich. Wer die Guttat
Nicht empfand, die ihn verbindet,
Dem wird sie umsonst erklärt.
Des Wohltäters Rede löschte,
Gleich dem Schwamm, die Wohltat aus.

        Es erfreu Euch, Don Alfonso,
Daß den Cid die Mauren achten!
Wenn sie ihn nicht mehr verehren,
Fürchten sie Euch schwerlich mehr.

        Euer gutes Herz, o König,
Bring Euch lieber in Gedanken,
Was ich Guts für Euch getan!
Hätt ich Euch, o König, wollen
Mit dem Flecken der Verachtung
Vor mir sehen auf dem Thron,
Wahrlich, ich hätt Eure Ehre
Durch den Schwur nicht hergestellt.

        Wer mir von Bellido redet,
Kann mich wahrlich tief betrüben,
Aber nicht beleidigen;
Freilich hätt ich ihn ergriffen,
Fehleten mir nicht die Sporen –
Ach, in solchen Fällen seufzet
Jedes edle, brave Herz;
Indem es den Fehl gestehet,
Fühlt es schmerzlicher die Schuld.

        Endlich, da ich mein Vermögen,
König, Eurem Dienst geopfert,
Da ich, was durch meine Waffen
Ich erworben, Euch verehret,
Was wollt Ihr mir nehmen, Herr?
Weder Ihr noch Eure Räte
Können finden, wo nichts ist.

        Aber von nun an, o König,
Von nun an will ich erwerben,
Ich für mich und nicht für Euch.
Nicht, weil Ihr's befahlet, König,
Frei entfern ich mich, beleidigt,
Weil Ihr also zu mir spracht.
Ehrenlos, wer von dem König
Solche Reden duldete!

        Sei mit Euch des Himmels Jungfrau,
Eure Waffen zu beglücken,
Daß Ihr nie vermißt, o König,
Einen Degen, der Euch fehlt!«

        Also sprach der Cid zum König;
Dies sind seine echten Worte,
Eh er in die Bannung zog.

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