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Johann Gottfried Herder: Der Cid - Kapitel 42
Quellenangabe
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typepoem
authorJohann Gottfried Herder
titleDer Cid
publisherInsel-Verlag
editorMatthias Oehme
year1984
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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projectid94d86967
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41

        Eines Sonntags in der Kirche
Des San Pedro de Cardeña,
Nach der Messe, sprach Alfonso
Mit dem Cid Campeador.

        Neue Plane der Erobrung
In den Ländern, einst verloren
Durch des Gotenkönigs Schuld,
Den die Liebe scharf anklaget
Und doch auch die Lieb entschuldigt –
Neue Plane der Erobrung
Legt Alfonso seinem Feldherrn
Vor, der dann mit stillem Ernst
So antwortet:

                                »Zu erobern,
König, ist wohl nicht das Hauptwerk;
Das Eroberte erhalten,
Dieses ist das Schwerere.
Ihr seid neu auf Eurem Throne,
Traget noch ein junges Zepter;
Euer Reich Euch zu versichern,
König, sei jetzt Euer Werk!
Nichts gefährlicher war öfters
Fürsten als Abwesenheit.«

        Statt des Königes erwidert
Abt Bermudo: »Seid des Feldziehns,
Edler Cid, Ihr etwa müde,
Daß Ihr itzt so friedlich denkt?
Oder gab Euch die Gemahlin
Solche Lehren? Wohl, so gehet,
Mehr zu lernen, nach Bivar!
Spanien hat zu edlen Kriegen
Mehr Feldherren als den Cid.«

        Cid sprach: »Bruder, Eure Kutte
Steht Euch schief.« – »Die Kutte, Feldherr,
Weiß ich in dem Chor zu tragen
Wie im Feld einst die Standarte.
Hab ich Könige der Mauren
Nicht besiegt, so hab ich Söhne,
Die gar wohl für mich es können;
Auch bin ich, ein Pferd zu spornen,
Manns genug.«

                                »Wohin zu spornen?«
Sprach der Cid; »etwa zur Flucht?«

        »Fast auch glaub ich«, sprach der König,
Unterbrechend diese Reden,
»Daß nicht Furcht zwar, aber Liebe
Euch so friedlich denken macht.« –

        »Weder eines noch das andre,
Mein Monarch! Kein ander Weibsbild
Sah man je an meiner Seite
Als die Tizonada hier.«

        »Cid, Ihr duldet an Euch Fehler,
Die auch Steinen Stimme gäben;
Möchtet Ihr nicht selbst die Kirche
Hier zum blut'gen Felde machen?
Und – um welche Kleinigkeit!«

        »Herr!« antwortete der edle
Feldherr, »mir ist's unerträglich,
Daß ein Mann, der in den Kleidern
Wohl Ölflecken, aber keines
Tropfen Bluts Blutflecken hat,
Daß der Mann vom Feldziehn sprechen
Und dem König und dem Feldherrn
Unverschämt einsprechen darf.
Seine Stell ist vor dem Chorpult,
Seine Pflicht, für die zu beten,
Die im Felde Streiche tun.«

        Besser wär es dir gewesen,
Edler Cid, du hättest allen
Sarazenen Hohn gesprochen
Als der Kutte dieses Abts.

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