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Johann Gottfried Herder: Der Cid - Kapitel 40
Quellenangabe
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typepoem
authorJohann Gottfried Herder
titleDer Cid
publisherInsel-Verlag
editorMatthias Oehme
year1984
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20101231
projectid94d86967
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39

        »Künftig rat ich Euch mehr Vorsicht
– Euch betrifft jetzt meine Rede,
Don Rodrigo von Bivar! –,
Zittert über jenen Eidschwur,
Den mit Schimpf Ihr von mir nahmt!
Jenes Schloß und jene Leimrut,
Zeugen meines Schwures, waren
Zeugen meiner tiefen Schmach.
Künftig rat ich Euch zu wissen,
Daß ich Euer König bin.

        Seid Ihr tapfer – wohl, so zeiget
Euch auch ohne Leidenschaften!
Unterwürfigkeit gebühret
Dem Vasallen auch im Recht.
Zeiget Ihr im Felde Kühnheit,
Kopf und Herz, so zeigt an Hofe
Höfliche Bescheidenheit!
Mit den Worten nimmt die Zunge
Weg die Hälfte des Verdienstes,
Das der Arm sich kühn erwarb.

        Viel zuviel habt Ihr gesprochen,
Viel zuviel Euch angemaßet;
Doch – Ihr dientet meinem Vater;
Sonst – Und dann, was sagt der Eid?

        Durch die Hand des schlechtsten Menschen
Sterben? Nur des schlechtsten Menschen –
Nie die Hand des Edelmanns
Waget an den König sich.

        Kurz, des Unbenehmens halben
Und Bescheidenheit zu lernen,
Weis ich Euch aus meinen Landen,
Don Rodrigo, auf ein Jahr.«

        »Und ich nehme vier der Jahre«,
Sprach der Cid, »um soviel lieber,
Da von Hofe die Entfernung
Mir der König selbst gebeut.«

        Ohne ihm die Hand zu küssen,
Ging Rodrigo von Alfonso;
Seine dreimalhundert Männer
Mit gespitzten, scharfen Lanzen,
Mit Wolfsrachen auf den Schilden,
Alle zogen sie mit ihm.

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