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Johann Gottfried Herder: Der Cid - Kapitel 31
Quellenangabe
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typepoem
authorJohann Gottfried Herder
titleDer Cid
publisherInsel-Verlag
editorMatthias Oehme
year1984
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20101231
projectid94d86967
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30

        Ein Geräusch von Waffenrüstung!
Pferdetritt, Galopp, Galoppe!
Zween Zamoraner Ritter
Sind es, von der ersten Bravheit.

        Längs dem Ufer des Duero
Reiten sie mit grünen Schilden;
Füchse reiten sie, die Degen
Sind von braunem, scharfen Stahl.

        Wohlgewaffnet, auf dem Sattel
Fest und leicht; wie Hasen sprengen
Sie hinauf dort jenen Hügel,
Und im Augenblicke stehn sie
Vor den Kastilianerfahnen
Also nah, daß man sich hört.

        Einer ist ein alter Ritter,
Arias Gonzalo sein Name,
Weitbekannt. Zwei Gegner sind ihm
Wie ein Haar aus seinem Bart.
Neben ihm der junge Ritter
Ist sein jüngster Sohn; er scheute
Wohl auch nicht den dritten Mann.
Unverzagt, sobald sie hörbar
Reden konnten, rufen sie:

        »Sind im königlichen Lager
Zwei der Ritter, die mit zweien
Zamoranern ihre Lanzen
Brechen wollen, sind wir da,
Sie zu lehren, König Sancho
Sei kein Edelmann, indem er
Seiner Schwester das zu rauben
Kommt, was ihr der Vater gab.

        Tun dabei Verzicht auf jede
Ritterehr und Königsladung,
Nie zu sitzen einem Edeln
An der Seite, nie von Frauen
Zu empfangen Lieb und Gunst;
Tun Verzicht auf dieses alles,
Wenn mit zweien Lanzenstößen
Wir den Platz von unsern Gegnern
Nicht geleert. Wenn zwei sich fürchten,
Mögen drei und vier und zwanzig,
Selbst auch mit dem Teufel kommen,
Nur mit einem nicht – dem Cid!«

        Als zwei Kastilianergrafen
Hörten diese kühne Fodrung,
Wie die Löwen brüllten sie:
»Wartet, Ritter, zwei Minuten,
Anzulegen uns die Waffen!«

        Indes sie sich also rüsten,
Sprach der alte Zamoraner,
So sprach er zu seinem Sohn:

        »Rückwärts sieh dich um, o Jüngling!
Auf den Mauern, auf den Türmen
Von Zamora sehen Frauen
Und Jungfrauen auf uns her;
Nicht auf mich, der alt und grau ist,
Aber auf den jungen Ritter,
Den mannhaften, schauen sie.
Führest du dich wohl, so gäb ich
Für mein Landgut nicht die Bänder,
Die man dir verehren wird.
Gegenteiles stürb ich lieber,
Als die Spötterein zu hören,
Die sich rüsten deinem Ohr.

        Fest im Bügel! Halt die Lanze
Grade vor dich, auch den Schild!
Halt dein Roß zum Angriff fertig!
Wer im Kampf den ersten Stoß tut,
Hat das halbe Werk getan.
Sieh, da kommen sie! Wohlauf dann!
Siegen oder sterben, Sohn!«

        Sieg war Ausgang ihres Kampfes.
Allen Damen in Zamora
Hoch zur Freude wirft der Jüngling
Seinen Feind mit einem Stoß
Um und um; des Alten Gegner
Flog vor seiner starken Lanze
Zehn Schuh weit von seinem Roß.

        In die edle Stadt Zamora
Zogen jetzt die Überwinder
Ein der Vater und der Sohn.

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