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Johann Gottfried Herder: Der Cid - Kapitel 3
Quellenangabe
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typepoem
authorJohann Gottfried Herder
titleDer Cid
publisherInsel-Verlag
editorMatthias Oehme
year1984
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20101231
projectid94d86967
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2

        Angehört den Schimpf des Hauses,
Geht gedankenvoll Rodrigo,
Denkt an seine jungen Jahre,
Denkt an seines Feindes Macht.

        »In Asturiens Gebürgen
Zählet Gormaz tausend Freunde,
Er, in Königs Rat der Erste,
Er, der Erste in der Schlacht.«

        Aber wenn er die dem Vater
zugefügte Schmach bedenket,
Was bedeutet alles andre?
Recht will er vom Himmel nur.

        Bravheit ist er seiner Ehre
Schuldig; schadet der die Jugend?
Für sie stirbt aus echtem Stamme
Selbst das neugeborne Kind.

        Eilig langet er den Degen
Sich herab, den einst Mudarra
Führte, jener tapfre Bastard.
(Traurig hing der Degen da,

        Als ob er, vor Alter rostend,
Seines Herren Tod betraure.)
Eh er noch ihn an sich gürtet,
Redet er den Degen an:

        »Dir gesagt sei es, du edler
Degen, daß ein Arm dich fasset
Gleich des Bastards Arm! und fühlest
Du, daß ihm noch Stärke fehlt;

        Rückwärts wird er niemals weichen,
Wenn er dich im Kampfe führet;
Edler, du von gutem Stahle,
Doch von besserm ist sein Herz.

        Wert wird dessen, dem du dientest,
Der sein, dem fortan du dienest;
Würd er jemals unwert deiner,
Nun, so dienst du keinem mehr.

        Tief in seine Eingeweide
Birgt er dich – Hinaus ins Freie!«
Rief er, »denn die Stund ist kommen,
Der gerechtsten Rache Zeit.«

        Heimlich, daß es niemand wußte,
Ging er aus des Vaters Hause;
Und noch war es keine Stunde,
Traf er seinen stolzen Feind.

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