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Johann Gottfried Herder: Der Cid - Kapitel 27
Quellenangabe
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typepoem
authorJohann Gottfried Herder
titleDer Cid
publisherInsel-Verlag
editorMatthias Oehme
year1984
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20101231
projectid94d86967
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26

        Auf Zamora geht der Feldzug,
Auf die feste Stadt Zamora!
Zahllos ist das Heer der Krieger,
Zahllos Königes Entwürfe.
Tapfrer Cid, du edler Feldherr,
Vor Zamora ziehest du?

        Unterweges spricht der König
Zu ihm: »Freilich! ausgehauen
Ist die Stadt wie aus dem Felsen,
Der ihr anliegt wie ein Panzer.
Dick wie eines Mannes Länge
Ist die Dicke ihrer Mauern;
Und die Türme dieser Mauern,
Ihre Festen aufzuzählen,
Foderte wohl einen Tag.
Abzuleiten den Duero,
Der sie einschließt wie ein Mädchen,
Ist ganz über Menschenmacht.
Übergäbe mir Zamora
Meine Schwester, Cid, so hätt ich
Eine Festung, in ganz Spanien
Wär ihr keine Feste gleich.
Guter Cid, von meinem Vater
Als ein Kleinod mir vererbet,
Eidlich mußten wir versprechen,
Lebenslang Euch hoch zu ehren
Und zu folgen Eurem Rat;
Guter Cid, du unsres Hauses
Säule, tu es mir zuliebe,
Bringe Botschaft nach Zamora,
Fodre es von meiner Schwester,
Fodre es zum Tausch um alles –
Doch vergiß nicht beizufügen,
Wenn sie mir die Bitte weigert,
Daß ich nehme, was ich bat!«

        »Freilich weiß ich nicht«, antwortet
Ihm der Cid, »je mehr die Mauren
Von Zamora ich betrachte,
Desto kühner, desto stolzer
Scheinen sie mir dazustehn.«

        »Recht«, spricht Sancho, »recht geredet!
Dieses sind die ersten Mauern,
Die nicht deinem Anblick zittern.« –

        Und je näher Cid der Stadt kam,
Ging sein muntres Roß Babieça
Langsam und hing seinen Kopf.

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