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Johann Gottfried Herder: Der Cid - Kapitel 18
Quellenangabe
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typepoem
authorJohann Gottfried Herder
titleDer Cid
publisherInsel-Verlag
editorMatthias Oehme
year1984
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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projectid94d86967
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17

        Zu dem hochverehrten Sitze
Pedros, den der Bischof Victor
Damals einnahm, trat der Deutschen
Kaiser, Heinrich war sein Name,
Klagend trat er so vor ihn:

        »Gegen König Don Fernando
Von Leon und von Kastilien,
Heil'ger Vater, klag ich hier.
Jede Christenmacht erkennet
Mich für ihren Herrn und Kaiser;
Er verweigert mir die Ehre,
Er verweigert uns Tribut.

        Zwingt ihn dazu, Heil'ger Vater,
Zu Erhaltung wie des Glaubens
So auch unsrer beider Reich.«

        Drohende Befehle sandte
Victor jetzt zu Don Fernando,
Einen Kreuzzug ihm ankündend,
Wenn er nicht dem Heil'gen Stuhle
Und dem Kaisertum der Deutschen
Ehr und Gaben willigte.

        Lange stand Kastiliens König
In Gedanken, wohl erwägend,
Wenn die Sache fürder schritte,
Die Gefahren seines Reichs.
Alle rieten nachzugeben,
Nachzugeben größrer Macht.

        Nur der Cid – er war abwesend;
In der ersten Zeit der Liebe
Schlummernd an Ximenens Brust –,
Aber als er von der Botschaft
Und von Königs Rat gehöret,
Eilt' er und sprach zu ihm so:

        »Ach, zum Unglück Eures Reiches
Wäret Ihr geboren, König,
Wenn, solang Ihr lebt, ein andrer
Hier geböt in Eurem Reich.

        Nimmermehr soll es geschehen,
Solang Ihr lebt und ich lebe!
Denn, o König, jede Ehre,
Die Euch Gott gab, zu erhalten,
Ist uns, Euren Dienern, Pflicht.
Wer Euch anders riet, o König,
Riet Euch sonder Überlegung
Und vermindert Euren Ruhm.
Fodert sie heraus, die Droher!
Die Ausfodrung ist des Königs,
Die Ausführung ist des Kriegers.
Fodert sie! Ich nehm es auf.

        Denkt, o König, und bedenket,
Wir erwarben Euch Kastilien,
Wir mit Ehre, Gut und Blut;
Eher gäb ich auch mein Leben
Hin, eh diese fremden Wespen
Zehren sollen unsre Beute,
Ernten unsrer Siege Frucht.
Denn, o König, gebt Ihr ihnen
Etwas, oh, so bleibt Euch – nichts.«

        Und so führt der unverzagte
Cid zehntausend wackre Männer
Durch die Alpen hin ins Feld.
Ihm entgegen zog Graf Raimond
Von Savoyn mit vielen Rossen;
Doch der Cid, er schlug den Grafen,
Macht' ihn selber zum Gefangnen,
Und nur gegen seiner Tochter
Geiselschaft gab er ihn los.

        Auf der Welt das schönste Fräulein,
Ward sie Königes Geliebte,
Und der Sohn, den sie erzeugten,
Ward der Kirche Kardinal.

        Auch der König der Franzosen
Sandt dem Cid ein Heer entgegen,
Das er schnell zerstreuete;
Da er dann mit seinen Tapfern
In Italien also waltet,
Daß in Eile Papst und Kaiser,
Beide des Tributs vergessend,
Botschaft senden zu Fernando,
Nur den Cid hinwegzuziehn.

        Und so kehrete der Feldherr
Stolz zurück mit seinen Tapfern.
Seine königliche Rechte
Reicht' ihm dankend Don Fernando.
Oh, wie war der Cid so fröhlich
Über seines Königs Dank!

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