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Johann Gottfried Herder: Der Cid - Kapitel 16
Quellenangabe
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typepoem
authorJohann Gottfried Herder
titleDer Cid
publisherInsel-Verlag
editorMatthias Oehme
year1984
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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projectid94d86967
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15

        Als der König Don Fernando
Von Rodrigo und Ximenen
Beider Wort und Treu empfangen,
Zu vergessen allen Haß

        Und deshalb sich vor dem guten
Frommen Bischof Luyn Calvo
Zu vermählen – denn die Liebe,
Sie allein verzeihet ganz –,

        Gab er, um den Cid Ximenen
Gleichzumachen an Vermögen,
Valduerna und Saldaña,
Belforado und San Pedro
De Cardeña gab er ihm.

        Herrlich ging am Hochzeittage
Auf die Sonne. Don Rodrigo,
Abgelegt die Waffenrüstung,
Kleidet sich mit seinen Brüdern
Hochzeitlich und fröhlich an.

        Echt walloner Pantalone,
Mit Scharlach gezackte Schuhe,
Fein an Leder; zween Stifte
Hefteten sie fest und enge
An den kleinen, netten Fuß.

        Jetzo zog er an die Weste,
Eng anliegend, ohne Borten,
Dann die schwarze Atlasjacke,
Wohlgepufft, mit weiten Ärmeln.
(Wenig hatte sie sein Vater
Nur getragen.) Auf den Atlas
Fiel von ausgezacktem Leder
Breit anständig das Kollet.

        Und ein Netz von goldnen Fäden,
Eingewirkt in grüne Seide,
Schloß sein Haar ein. Auf dem Hute
Von Cortrayer feinem Tuche
Hob sich eine Hahnenfeder
Wunderbarlich hoch und rot.

        Schön befranst bis auf die Hüfte
Reichet ihm die Jazerine;
Und um seine Schultern spielet
Ausgeplüscht ein Hermelin.

        Und der unverzagte Degen,
Tizonada war sein Name.
Er, das Schrecken aller Mauren,
Hängt in schwarzen Sammetbändern
An dem festen, tapfern Gurt.
Ausgezackt, gefaßt mit Silber
War der Gurt; ein feines Schnupftuch
Wohlgefaltet hing an ihm.

        So gekleidet ging der edle
Cid, begleitet von den Brüdern,
Hin zum weiten Kirchenplatz,
Wo der König und der Bischof
Und die Herrn des Hofes alle
Mit Ximenen ihn erwarten,
Mit Ximenen, seiner Braut.

        Sittsam stand sie da, Ximene;
Von elastisch feiner Leinwand
Puffte ihre Flügelhaube;
Von dem feinsten Londner Tuche,
Wohl garniert war ihre Kleidung,
Die von Schultern zu den Füßen
Barg und zeigte ihren Wuchs.
Auf zwei rosigen Pantoffeln
Stand als Königin sie da.

        Ihren Hals umschlang ein Halsband;
An ihm hingen acht Medaillen,
Einer Stadt an Werte gleich;
Und die reichste unter ihnen,
Den Sankt Michael darstellend,
Schwer von Perlen und Juwelen,
Hing Ximenen an der Brust.

        So begaben die Verlobten
Zum Altar sich; vorm Altare,
Eh der Braut die Hand er reichte,
Sah er mit dem Blick der Liebe
Und sprach zu ihr, tief beschämt:

        »Fräulein, einen Mann von Ehre
Leider hab ich Euch getötet;
Denn es wollt es Ehr und Pflicht.
Diesen Mann geb ich Euch wieder,
Und was Ihr mit ihm verloret,
Vater, Freund, Verwandter, Diener,
Alles geb ich Euch, mit allem
Mich Euch, Euren Ehgemahl.«
Aus zog er den kühnen Degen
Vorm Altare, kehrt' zum Himmel
Seine Spitze: »Mich zu strafen«,
Sprach er, »diene dieser da,
Wenn mein Leben lang den Eidschwur
Ich verletze, Euch zu lieben
Und Euch alles zu ersetzen,
Wie ich Euch vor Gott gelobt. –
Und nun auf, mein guter Onkel,
Luyn Calvo, segnet uns!«

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