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Johann Gottfried Herder: Der Cid - Kapitel 14
Quellenangabe
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typepoem
authorJohann Gottfried Herder
titleDer Cid
publisherInsel-Verlag
editorMatthias Oehme
year1984
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20101231
projectid94d86967
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13

        An dem Rand der Silberquelle,
Als der König ausgesprochen,
Nahm der Cid also das Wort:

        »Freilich bin ich jung, o König,
Für die Regeln alter Weisheit;
Aber, das Gesetz der Ehre
Zu verstehen, nicht zu jung.

         Denn aus gutem Blut erzeuget
Und genährt in guter Schule,
Spricht die Ehre mir: Erhalten
Muß ein Edler sein Geschlecht;

        Muß dem Vaterlande dienen,
Muß in Rat und Tat dem Herren
Hold und treu sein und gewärtig,
Muß ihm beistehn mit Gewicht;

        Dazu also einen Namen,
Einen hohen Baum sich pflanzen,
In des Schatten auch der Fremde
Ruh und Schutz und Rettung sucht.

        Muß der Kirche, muß dem Staate
Kinder geben, die ihm gleichen;
Dies ist mein Gesetz der Ehre,
Das Vermählung mir gebeut.

        Wer das heil'ge Band der Ehe
Flieht, o König, der verleugnet
Feige, wie ein Überläufer,
Väter und Religion.

        Er zerreißt den Zaum der Ehre,
Trennt das Band, das ihn an Menschen,
Das an sein Geschlecht ihn knüpfet
Und an andere Geschlechter;
Dafür wird er hart gestraft.

        Den entlaufenen Verächter
Straft Verachtung aller Edeln;
Jedermann erscheint er nutzlos
Und unwürdig seines Stamms. –

         Was das Regiment der Frauen
Anbetrifft, o großer König,
So ist meine Meinung dies:

        Sie regieren wie die Diener
Über fehlerhafte Herren.
Wer zur Decke seiner Mängel
Ihrer nicht vonnöten hat,
Gegen eine Welt von Feinden
Ist er stark und stehet sicher.
Sonderlich im Punkt der Ehre
Gab kein Weib dem Mann Gesetze;
Durft auch nie ihm solche geben;
Das Vergnügen ist ihr Feld.

        Und da mögen sie regieren;
Sie verstehn darauf sich besser,
Besser, dünkt mich, als die Männer –
Dies ist meine Meinung, Herr.

        Und was anlangt ihre Gleichheit,
Unterwerf ich mich der Meinung
Meines Lehnherrn. Alle taugen
Nicht, sobald der Mann nicht taugt.

        Also nehm ich's gegen alle
Auf, zu Roß und auch zu Fuße;
Nur behaupt ich, jedes Weibes
Fehler ist des Mannes Schuld.

        Eine Bitte noch, o König,
Vor dem Ende des Gespräches:
Zur Vermählung mit Ximenen,
Waise jetzt des Grafen Gormaz,
Bitt aus königlicher Gnade
Ich mir die Bewilligung.«

        An dem Rand der Silberquelle
Gingen jetzt sie auseinander,
Don Fernando und der Cid.

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