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Der Bergkönig

Edmond About: Der Bergkönig - Kapitel 9
Quellenangabe
authorEdmond About
titleDer Bergkönig
publisherEngelhorn Verlag
year1962
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Der Ball bei Hofe

Am Donnerstag, dem 15. Mai, brachte mich John Harris in großer Uniform um sechs Uhr abends zu Christodulos zurück. Der Konditor und seine Frau bereiteten mir einen festlichen Empfang, allerdings nicht ohne etliche Seufzer, die an die Adresse des Königs der Berge gerichtet waren. Ich dagegen umarmte sie vorbehaltlos und voller Herzlichkeit. Ich freute mich des Lebens und sah überall nichts als Freunde. Meine Füße waren geheilt, meine Haare geschnitten, mein Magen zufriedengestellt. Dimitri versicherte mir, Mme. Simons, ihre Tochter und ihr Bruder seien zum Hofball eingeladen, und die Büglerin habe soeben eine Robe ins Hôtel des Étrangers gebracht. Ich freute mich schon im voraus über das freudige Staunen Mary-Anns. Christodulos bot mir ein Glas Santorinwein an. In diesem köstlichen Getränk glaubte ich Freiheit, Reichtum und Glück zu trinken. Ich stieg die Treppe zu meinem Zimmer hinauf, glaubte aber, bevor ich bei mir eintrat, erst an Monsieur Mérinays Türe klopfen zu müssen. Er empfing mich inmitten eines Wustes von Büchern und Papieren. »Mein lieber Herr«, sagte er zu mir, »Sie sehen einen Menschen vor sich, der tief in seine Arbeit vergraben ist. Ich habe da oberhalb Castias eine antike Inschrift entdeckt, die mich des Vergnügens beraubte, mich für Sie zu schlagen, und die mich seit zwei Tagen quält. Sie ist bisher, wie ich mich überzeugen konnte, in keiner Weise veröffentlicht. Niemand vor mir hat sie gesehen und die Ehre ihrer Entdeckung fällt mir zu. Der Stein ist ein kleines Monument aus Muschelkalk, 35 Zentimeter hoch und 22 Zentimeter breit, und steht zufällig am Wegrand. Die Buchstaben stammen aus einer guten Zeit und sind untadelig eingehauen. Hier ist die Inschrift, genauso wie ich sie in mein Notizbuch eingetragen habe:

S. T. X. X. I. I.
M. D. C. C. L. I.

Gelingt es mir, ihren Sinn zu erklären, dann bin ich ein gemachter Mann. Ich werde Mitglied der Akademie der schönen Wissenschaften von Pont-Audemer werden! Aber die Aufgabe ist langwierig und schwierig. Die Antike bewahrt ihre Geheimnisse mit eifersüchtiger Sorgfalt. Fast befürchte ich, auf ein Monument gestoßen zu sein, das sich auf die Mysterien von Eleusis bezieht. In diesem Falle könnte man möglicherweise zwei Interpretationen dafür finden, die eine vulgär, die andere aber sakral. Sie müssen mir unbedingt Ihre Meinung dazu sagen.«

»Meine Meinung«, antwortete ich ihm, »ist die eines Ignoranten. Ich denke, Sie haben da einen Meilenstein entdeckt, wie man deren eine Menge längs der Wege sieht, und die Inschrift, die Ihnen so viel Kummer bereitet, kann ohne weitere Umstände folgendermaßen übersetzt werden: ›Stade 22, 1851‹. Eine Stade hat etwa 180 Meter. Guten Abend, Monsieur Mérinay, ich will an meinen Vater schreiben und mein rotes Prachtkostüm anlegen.«

Um drei Viertel neun betrat ich zusammen mit John Harris das Palais. Weder Lobster noch Monsieur Mérinay noch Giacomo waren eingeladen. Mein Dreispitz zeigte einen leisen rötlichen Glanz, aber beim Glanz der Kerzen bemerkte man diesen kleinen Fehler kaum. Mein Degen war sieben oder acht Zentimeter zu kurz. Aber was wollte das bedeuten? Den Mut mißt man nicht nach der Länge des Schwertes, und ich hatte, ohne eitel zu sein, das volle Recht, für einen Helden zu gelten. Der rote Staatsrock saß recht knapp, er zwickte mich unter den Armen, und die Ärmelaufschläge saßen ziemlich weit weg von meinen Handgelenken, doch die Stickerei putzte ungemein, genauso wie Papa es prophezeit hatte.

Der Ballsaal, recht geschmackvoll dekoriert und blendend erleuchtet, zerfiel in zwei Lager. Auf der einen Seite standen die für die Damen reservierten Fauteuils hinter dem Thron des Königs und der Königin; auf der anderen befanden sich die für das häßliche Geschlecht bestimmten Stühle. Ungeduldigen Blicks überflog ich den von den Damen besetzten Raum. Mary-Ann war noch nicht da.

Um neun Uhr sah ich den König und die Königin eintreten, denen die Oberkämmerin, der Haushofmeister, die Flügeladjutanten, Hofdamen und Ordonnanzoffiziere voranschritten. Der König war prächtig als Pallikare gekleidet, die Königin trug eine bewundernswürdige Toilette, deren exquisite Eleganz nur aus Paris stammen konnte. Der Luxus der Toiletten, die Pracht der Nationalkostüme blendete mich jedoch nicht bis zu dem Punkt, mich Mary-Ann darüber vergessen zu lassen. Ich hielt die Augen auf die Türe geheftet und wartete.

Die Mitglieder des Diplomatischen Korps und die vornehmsten Gäste scharten sich im Halbkreis um den König und die Königin. Ich stand mit John Harris in der letzten Reihe. Ein vor uns stehender Offizier trat so ungeschickt einen Schritt rückwärts und verletzte meinen Fuß, so daß ich aufschrie. Er wandte den Kopf, und ich erkannte den Kapitän Perikles, frisch mit dem Erlöserorden dekoriert. Er bat um Entschuldigung und erkundigte sich nach meinem Ergehen. Ich konnte mich nicht beherrschen und antwortete ihm, meine Gesundheit gehe ihn nichts an. Harris, der meine Geschichte haargenau kannte, sagte höflich zu dem Hauptmann:

»Habe ich nicht die Ehre, mit Kapitän Perikles zu sprechen?«

»Mit ihm selbst.«

»Ich bin entzückt, Sie zu treffen. Würden Sie bitte so liebenswürdig sein, mich für einen Augenblick in das Spielzimmer zu begleiten? Es ist noch leer, und wir werden dort allein sein.«

Monsieur Perikles, blaß wie ein Soldat, der eben das Hospital verläßt, folgte uns lächelnd. Im Salon angekommen, blieb er John Harris gegenüber stehen und fragte: »Monsieur, was steht zu Ihren Diensten?«

Harris' ganze Antwort bestand darin, daß er ihm das funkelnagelneue Kreuz mitsamt dem Bande abriß, es in die Tasche steckte und sagte:

»Das, Monsieur, ist alles, was ich Ihnen zu sagen habe.«

»Monsieur!« schrie der Kapitän und machte einen Schritt rückwärts.

»Kein Aufsehen, Monsieur, ich bitte Sie darum. Wenn Sie an diesem Spielzeug hängen, lassen Sie es durch zwei Ihrer Freunde bei Mr. John Harris, Kommandanten der Fancy, abholen.«

»Monsieur«, begann Perikles von neuem, »ich verstehe nicht, mit welchem Recht Sie mir ein Kreuz wegnehmen, dessen Wert immerhin fünfzehn Francs beträgt, und das ich aus meiner eigenen Tasche zu ersetzen gezwungen sein werde.«

»Machen Sie sich darüber keine Sorgen, Monsieur. Hier haben Sie einen Sovereign mit dem Bildnis der Königin von England. Fünfzehn Francs für das Kreuz, zehn für das Bändchen. Sollte etwas überbleiben, so vertrinken Sie es bitte auf meine Gesundheit.«

»Monsieur«, sagte der Offizier, indem er das Goldstück in die Tasche gleiten ließ, »es bleibt mir nichts weiter übrig, als Ihnen zu danken.« Er grüßte uns, ohne ein Wort hinzuzufügen, seine Augen jedoch versprachen nichts Gutes.

»Mein lieber Hermann«, sagte Harris zu mir, »Sie würden sehr weise handeln, dieses Land mit Ihrer Zukünftigen je eher, desto besser zu verlassen. Dieser Gendarm hat ganz das Aussehen eines vollendeten Banditen. Ich dagegen werde noch acht Tage hierbleiben, um ihm Zeit zu lassen, mir auf mein Goldstück herauszugeben, worauf ich den Befehl befolgen will, der mich in die Japanischen Meere schickt.«

»Es tut mir sehr leid«, antwortete ich ihm, »daß Ihre Heftigkeit Sie soweit fortgerissen hat. Ich wollte doch Griechenland nicht ohne ein oder zwei Exemplare der boryana variabilis verlassen. Ich hatte ein unvollständiges Exemplar, ohne die Wurzeln, und das habe ich da oben mit meiner Weißblechbüchse vergessen.«

»Hinterlassen Sie Lobster oder Giacomo eine Zeichnung Ihrer Pflanze. Die werden Ihretwillen gern eine Wallfahrt ins Gebirge unternehmen. Sie aber, um Gottes willen, beeilen Sie sich, Ihr Glück in Sicherheit zu bringen!«

Trotz allen Wartens aber erschien mein Glück nicht auf dem Ball, und ich verdarb mir rein die Augen, indem ich alle Tänzerinnen scharf ins Auge faßte. Gegen Mitternacht verlor ich alle Hoffnung. Ich verließ den großen Salon und pflanzte mich melancholisch vor einem Whisttische auf, wo vier Spieler die Karten mit staunenswerter Fingerfertigkeit umlaufen ließen. Gerade begann ich mich für dieses Geschicklichkeitsspiel zu interessieren, als ein Ausbruch silbernen Lachens mein Herz vor Freude hüpfen ließ. Mary-Ann stand hinter mir. Ich sah sie nicht und wagte auch nicht, mich nach ihr umzudrehen, doch ich fühlte sie mir nahe, und die Freude schnürte mir die Kehle bis zum Ersticken zu. Nie habe ich erfahren, was ihre Heiterkeit erregt hatte. Vielleicht irgendein lächerliches Kostüm, wie man deren in allen Ländern auf offiziellen Bällen zu sehen bekommt. Da fiel mir ein, daß vor mir ein Spiegel hing. Ich hob die Augen und sah sie, ohne gesehen zu werden, zwischen ihrer Mutter und ihrem Onkel, schöner und strahlender als an dem Tage, an dem sie mir zum ersten Male erschienen war. Ein dreifaches Kollier schmeichelnder Perlen schlang sich weich um ihren Hals und folgte den sanften Kurven ihrer göttlichen Schultern. Ihre schönen Augen funkelten im Schimmer der Kerzen, ihre Zähne lächelten mit unbeschreiblicher Grazie, das Licht spielte im Wald ihrer Haare. Ihre Toilette war die aller jungen Mädchen. Sie trug nicht wie Madame Simons einen Paradiesvogel auf dem Kopfe, war darum aber nur um so schöner. Ihr Rock wurde durch einige Sträußchen natürlicher Blumen gerafft, sie hatte Blumen an der Korsage und in den Haaren. Und welche Blumen wohl, Monsieur? Tausendmal möchte ich es Ihnen sagen. Ich dachte vor Freude zu sterben, als ich die boryana variabilis erkannte. Alles fiel gleichzeitig vom Himmel auf mich hernieder. Gibt es wohl etwas Süßeres, als in Haaren zu botanisieren, die man liebt? Ich war der glücklichste aller Menschen und aller Naturforscher! Das Übermaß an Freude riß mich weit über die Grenzen aller Schicklichkeit hinweg. Ich drehte mich brüsk zu ihr um, streckte ihr die Hände hin und rief: »Mary-Ann! Ich bin's!«

Ob Sie es nun glauben wollen oder nicht, Monsieur, statt in meine Arme zu sinken, fuhr sie entsetzt zurück, während Madame Simons ihren Kopf so hoch erhob, daß ihr Paradiesvogel mir zur Decke zu fliegen schien. Der alte Herr aber faßte mich bei der Hand, führte mich etwas abseits, musterte mich wie ein merkwürdiges Tier und sagte zu mir: »Monsieur, sind Sie dieser Dame vorgestellt?«

»Als ob davon die Rede sein könnte, werter Herr Sharper! Mein Onkel! Ich bin doch Hermann Schultz! Der Gefährte ihrer Gefangenschaft! Ihr Retter! Ah! Ich habe schöne Dinge erlebt – was glauben Sie? – seit ihrem Weggang. Ich will Ihnen das alles zu Hause erzählen.«

»Yes, yes«, antwortete er. »Aber die englische Sitte, Monsieur, verlangt unbedingt, daß man den Damen vorgestellt ist, bevor man ihnen Geschichten erzählt!«

»Aber sie kennen mich doch sehr genau, mein guter und vorzüglicher Herr Sharper! Wir haben doch mehr als zehnmal zusammen gegessen! Ich habe ihnen einen Dienst geleistet, der seine 100 000 Francs wert ist. Wissen Sie das nicht? Beim König der Berge?«

»Yes, yes! Aber Sie sind ihnen doch nicht vorgestellt.«

»Ja, wissen Sie denn nicht, daß ich mich für meine liebe Mary-Ann tausendmal in Lebensgefahr begeben habe?«

»Ausgezeichnet! Aber Sie sind ihr doch nicht vorgestellt.«

»Ja, aber schließlich, Monsieur, soll ich sie doch heiraten, ihre Mutter hat zugestimmt. Hat man Ihnen denn nicht gesagt, daß ich sie heiraten soll?«

»Aber doch nicht, bevor Sie ihr vorgestellt sind.«

»Dann stellen Sie mich ihr doch vor!«

»Yes, yes! Aber zunächst müßten Sie doch noch mir vorgestellt werden.«

»Warten Sie!«

Wie ein Irrer rannte ich quer durch den Ballsaal, rempelte mehr als sechs walzende Paare an. Mein Degen geriet mir zwischen die Beine, ich rutschte auf dem Parkett aus und fiel ärgerlicherweise, so lang ich war, zu Boden. John Harris war es, der mich aufhob.

»Was suchen Sie denn?« fragte er.

» Sie sind hier! Ich habe sie gesehen! Ich werde Mary-Ann heiraten! Aber zunächst einmal muß ich ihnen unbedingt vorgestellt werden. Das ist so Sitte in England. Helfen Sie mir! Wo sind sie hingeraten? Haben Sie nicht eine große Frau mit einem Paradiesvogel auf dem Kopfe gesehen?«

»Gewiß doch, soeben hat sie den Ball zusammen mit einem recht hübschen Mädchen verlassen.«

»Den Ball verlassen!?! Aber, lieber Freund, das ist doch die Mutter Mary-Anns.«

»Beruhigen Sie sich, wir werden sie wiederfinden und ich werde Sie durch den Gesandten Nordamerikas vorstellen lassen.«

»Ausgezeichnet! Jetzt will ich Ihnen den Onkel Edward Sharper zeigen. Soeben habe ich ihn hier stehen lassen. Wohin hat er sich, zum Teufel, verzogen? Er kann nicht weit weg sein.«

Onkel Edward war verschwunden. Ich schleppte den armen Harris bis auf den Platz vor dem Palais, vor das Hôtel des Étrangers, wo das Appartement Madame Simons' hellerleuchtet war. Nach etlichen Minuten wurde das Licht gelöscht. Sichtlich war alle Welt zu Bett gegangen.

»Machen wir es wie sie«, sagte Harris. Der Schlaf wird Sie beruhigen. Morgen, zwischen eins und zwei, werde ich Ihre Angelegenheiten erledigen.«

Ich verbrachte eine Nacht, eine Nacht, schlimmer als alle Nächte meiner Gefangenschaft. Harris schlief mit mir, will sagen, er schlief ebenfalls nicht. Wir hörten die Wagen, die mit ihren Ladungen an Toiletten und Uniformen die Hermes-Straße entlangfuhren. Um fünf Uhr etwa schloß die Übermüdung mir die Augen. Drei Stunden später betrat Dimitri mein Zimmer mit den Worten: »Große Neuigkeiten!«

»Was?«

»Ihre Engländerinnen sind soeben abgereist.«

»Wohin?«

»Nach Triest.«

»Unglückseliger! Bist du dessen sicher?«

»Ich selbst habe sie ja aufs Schiff gebracht.«

»Armer Freund«, sagte Harris und drückte mir dabei die Hände, »Dankbarkeit ist eine Pflicht, aber Liebe läßt sich nicht befehlen.«

»Hélas!« seufzte Dimitri, denn im Herzen dieses Burschen erklang ein Echo.

Seit jenem Tage, Monsieur, habe ich wie ein Vieh gelebt! Ich trank, ich aß, ich atmete. Meine Sammlungen habe ich nach Hamburg geschickt, allerdings ohne eine einzige Blume der boryana variabilis. Meine Freunde haben mich einen Tag nach dem Balle auf ein französisches Schiff begleitet, denn sie fanden es ratsam für mich, die Reise nachts zu machen, aus Furcht, auf die Soldaten des Monsieur Perikles zu stoßen. Wir sind ohne Unfall im Piräus eingetroffen, aber als wir zwanzig Faden vom Ufer entfernt waren, da pfiffen die Kugeln aus einem halben Dutzend unsichtbarer Gewehre ganz dicht an unseren Ohren ihr Lied. Das war der Abschiedsgruß des hübschen Kapitäns und seines schönen Landes.

Ich habe die Berge Maltas, Siziliens und Italiens durchstreift, und mein Herbarium bereicherte sich dabei mehr als ich. Mein Vater hat mir nach Messina mitgeteilt, daß meine Sendungen in Hamburg gefallen haben. Vielleicht finde ich eine Anstellung bei meiner Rückkehr vor, doch habe ich es mir zum Gesetz gemacht, auf nichts mehr zu rechnen.

Harris ist auf dem Wege nach Japan, und ich hoffe, in ein oder zwei Jahren Nachrichten von ihm zu haben. Der kleine Lobster hat mir nach Rom geschrieben, er übt sich immer noch im Pistolenschießen. Giacomo fährt fort, tagsüber Briefe zu siegeln und abends seine Nüsse zu knacken. Monsieur Mérinay hat für seinen Stein eine neue Interpretation gefunden, die viel geschickter ersonnen ist als meine. Seine große Arbeit über Demisthenes muß in diesen Tagen gedruckt werden. Der König der Berge hat seinen Frieden mit der Autorität gemacht. Er baut an der Straße zum Pentelikon ein großes Haus mit einem besonderen Flügel für die Wache, um dort zwanzig treuergebene Pallikaren unterzubringen. Für die Wartezeit hat er ein kleines Hotel in der modernen Stadt gemietet, am Ufer des großen Baches. Er empfängt alle Welt und rührt sich tüchtig, um ins Justizministerium zu kommen. Doch das braucht seine Zeit. Photini führt ihm den Haushalt. Dimitri geht zuweilen zum Abendessen hin, um in der Küche zu seufzen.

Von Madame Simons habe ich, ebensowenig wie von Monsieur Sharper oder Mary-Ann, nie mehr sprechen hören. Sollte dieses Schweigen andauern, so werde ich auch sie bald vergessen haben. Zuweilen allerdings, mitten in der Nacht, träume ich davon, ich säße vor ihr, und mein langes, mageres Gesicht spiegele sich in ihren Augen. Dann wache ich auf, vergieße heiße Tränen, und wütend beiße ich in mein Kopfkissen.

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