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Der bayrische Watschenbaum

Georg Queri: Der bayrische Watschenbaum - Kapitel 3
Quellenangabe
typenarrative
booktitleDer bayrische Watschenbaum
authorGeorg Queri
firstpub1917
year1917
publisherUllstein Verlag
addressBerlin und Wien
titleDer bayrische Watschenbaum
created20040822
sendergerd.bouillon
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Der Zunterer schreibt heim

Ich kenne das kleine Anwesen vom Zunterer gut: es nährt drei Küh', und die Zunterin hat noch ihre Geißen und Hennen. Der Zunterer aber ist lang, himmellang, und stark wie ein Roß, und die paar Tagwerk Wiesen und das bissel Ackerland brauchen ihn in der Arbeit nicht auf. So ist er nebenher Holzknecht geblieben und treibt's nach der Eh' so weiter, wie er's vor der Eh' getrieben hat: er geht am Montag in den Holzschlag, und am Samstag muß ihm der Förster das Geld hinlegen, und der Zunterer steigt vom Berg zu Tal zu seiner Zunterin.

Leutl, es ist kein leichtes, geschlagene sechs Tag' im Holz draußen bei den Füchsen zu hausen, zu essen, was Holzknechte gekocht haben, und nach Feierabend in einer stinkigen Holzerhütten ein braver, zufriedener Zunterer zu sein, von Zwangs wegen.

Und drum sind die Samstage zu loben, hoch zu loben.

Und der Schimmelwirt, bei dem die Holzknechte einkehren.

Das ist ein dicker und lieber Mensch und hat die Holzknechte gern. Ihnen zulieb bindet er am Samstag schon um Fünfe einen frischen Schurz vor seinen Bauch und steht bis Sechse an der Tür, um ja seine Holzknechte nicht zu verpassen.

»Jeh, der Zunterer!« (dem Schimmelwirt schwimmt das Gesicht vor lauter Freud' auseinander). »Ja, weil du nur g'rad g'sund wieder vom Berg kommst. Lang ham wir uns net mehr g'sehn, gel, Zunterer!«

Was will der lange Zunterer machen, wenn ihm der Wirt so einen schönen Gruß bringt und so eine Ehr' antut – er sagt sich halt: Meine Zunterin seh ich bei der Nacht auch noch, und eine Maß könnt net schaden.

Und die Händ' hat er in der Taschen, und das Geld brennt ihm in den Fingern und die Markstückl schreien: Laß uns aus, Herr Zunterer, der Wirt muß auch leben!

Da bückt sich der lange Zunterer und geht durchs Tor vom Schimmelwirt in die irdischen Freuden ein.

»Jeh, der Zunterer!« schreit die dicke Resl und watschelt an ihren Banzen. »Grad hab' ich frisch anzapft.« (Du verlogene Resl, du: vor zwei Stund' hat der alte Vierhäuslschneider den gleichen Schwindel schlucken müssen!)

Und da setzt sich der Zunterer an die Bank im Herrgottswinkel, wo die Holzknecht immer sitzen, und die der Bierteufel mit Pech angeschmiert hat, daß sie schön pappen bleiben.

Ein gutes Bier'l, ein feines Bier'l. Duck dich, Seel', es kommt ein Platzregen. Und die Seel' duckt sich, und der Zunterer läßt die Gurgel arbeiten.

Das ist fein, wann einen kein Förster wegpfeifen kann. »Zunterer, tu' aufklaftern, Zunterer, nimm den Schlag auf der Leiten, Zunterer, hilf beim Bäumaufladen« – Zunterer hin, Zunterer her, und nichts wie arbeiten.

Haha, die beiden Ellenbogen brettlbreit auf den Tisch legen, den Kopf stützen, daß er nicht in den Keller fallt, und die Zähn' beieinander lassen, daß die Pfeif' ihren Halt hat.

Reden nix.

Ein bissel hinhören, ein bissel herhören, aber reden nix. Was soll ein Holzknecht reden!

Hin und wieder freilich: »Resl, a Maß!«

Und die Resl schiebt auf und schiebt ab, tut viel in den Krug, tut wenig in den Krug, und der Teufel tut den Rausch dazu hinein. Was helfen die frommen Sprüch' alle, mit denen die Resl die Krüg' hinstellt: »G'segn's Gott!« oder »Gesundheit« oder »Wohl bekomm's« – wenn eine wie die Resl siebzehn Jahr' beim Schimmelwirt dient und noch an diese Wörtl glaubt, dann ist Chrysam und Tauf' verloren an ihr. Tausend Räusch' hat sie gesehn, zum Aussuchen schön, aber sie bleibt bei den Sprücheln vom lieben Gott und von der Gesundheit.

O du liebe Resl! Lange Haar' und kurzer Verstand. Viel Bauch und Schmer und dazu ein Grillenhirn. Der Bierteufel unter der Holzknechtbank muß sich krumm und bucklig lachen.

Der Durst, den der Zunterer vom Holzschlag mitbringt, um den könnt ihm ein Herr Baron neidig sein. Und überhaupt, wie der ganze lange Holzknecht Jakob Zunterer dasitzt in barer Zufriedenheit, von der Maß gelabt und von der Pfeif' beräuchert, gut, wunderfein unterhalten von allem, was die andern für ihn reden müssen, wie er ohne Ausnahm' zu allem nickt, wie er lachen kann, ohne die Pfeif' aus den Zähnen zu verlieren, und wie ihn das ganze Leben rundrund freut – das ist schon was. Es könnt ihm ein jeder Herr Baron gelbneidig darum werden.

Und wie ihm der schöne Durst treu bleibt mitsamt der Gurgl, und wie sie alle beide nie aufbegehren: »Hör' auf, Herr Zunterer, wir mögen nicht mehr, du darfst uns net so strapazieren, Herr Zunterer, und jetzt gehn wir heim, Herr Zunterer« – nein, nein, da schnaufen Durst und Gurgl kein Wörtl und lassen dem Zunterer seine Freud'.

Nur die Resl wird müd, die alte Resl, die die vielen schönen Räusch' gesehn hat in ihrem Leben.

»Gehst heut gar net heim, Zunterer!?«

Und da spinnt der Schimmelwirt mit seiner Resl zusammen und meint: »Wenn ich nur den verflixten Rheumateis net hätt', dann tät ich ja nix sagen – aber mein warmes Bett tät mir halt recht gut, Zunterer!«

Der Zunterer schaut sich um: auweh, schon wieder der letzte. Einer muß halt der letzte sein. Einer muß der Zunterer sein.

Die Resl rechnet, der Wirt rechnet, die Resl zeigt ihre Kreidenstrichel, und der Wirt hat Strichl vom letzten Samstag her noch, die Resl auch, die Resl auch!

Der Zunterer brummelt was vom »scharfen Zusammendividieren«, und daß sie ihm »eine ganze Hypothek wegreißen« wollen.

Der Wirt tut beleidigt.

Die Resl tut beleidigt und hochgeschwollen.

Und der Zunterer zahlt.

Kann man halt nix machen.

Nachschrift: Wenn man bezahlt hat und geht, dann sind die Wirt' nicht mehr so freundlich wie beim Einkehren.

 

Der Zunterer ist von dem Gulden auf den Kreuzer gekommen. Was hat er dafür: den Schnackler im Knie und den Schluckser in der Gurgl, daß die Leut' in ihren Kammern aufwachen, und daß sie alle sagen: Das hat was zu bedeuten, daß der Kuckuck schreit mitten in der Nacht.

Wupperupp.

Das ist nicht schön, wie der Zunterer heimgeht in der Nacht: links hinüber, rechts herüber, zicklzackl, wacklwackl. Er muß die ganze Straßen abmessen, von herenten nach drenten und von drenten nach herenten.

Niemand hat ihm die Arbeit geschafft, und es hilft ihm kein fluchen und Sakramentieren dagegen.

Zicklzackl, wacklwackl. Von drenten nach herenten.

Jetzt ist die Straß' nicht breit genug, und der Mesmer hat seinen Zaun zu weit vorgebaut. Darf das sein? Nein, das darf nicht sein. Der Zunterer kommt mit seinem groben Körper und straft das Unrecht. Der Zaun ächzt und lamentiert, aber das hilft ihm nichts.

Er muß nachgeben und sich eindrücken lassen.

Und dann bringt sich der Zunterer wieder in Schwung – zicklzackl – und kommt wieder auf die andere Seite. Manchmal pfeilgeschwind, manchmal ein bissel stolperig.

Aber nach der andern Seite kommt er.

Dann wieder nach der einen.

Wacklwackl, zicklzackl.

Gel, Zunterer, das ist ein schweres Arbeiten in der Nacht?

Hupp! klagt der Schluckser.

 

Wenn sie endlich ganz abgemessen ist, die Straß', dann sieht der Zunterer was Weißes und ein Dach darüber – aha, aha, was Weißes und ein Dach darüber – und wenn es nicht Zwölf schlagen tät in der Nacht, sondern am Tag, dann ließ sich die Sach' genauer betrachten und wär' ein Haus und tät nicht so zittern und wackeln, sondern ehrlich und aufrecht dastehn und sich auftun und sagen: Grüß Gott, Herr Zunterer, und geh nur herein und leg dich in dein Bett, Herr Zunterer!

Der Zunterer tät jetzt für sein Leben gern zu schlucksen aufhören (weil die Zunterin so nah ist), aber der Schluckser ist ihm vom Bierteufel fest angehext und guckezert aus ihm doppelt so lustig heraus. weil er weiß: Jetzt sind wir alle zwei da, ich und mein Zunterer, und ich darf mit meinem Zunterer ins Bett.

Haha, du angehexter Schluckser du, warten heißt's, warten.

Du hast mit deinem Getu und Gelärm den Herrn Zunterer verraten auf weithin, und die Zunterin ist aus ihrem Bett gestiegen und hat sich an die Haustür hingestellt.

Paß nur auf, du angehexter Schluckser, was die Zunterin sagt, wenn du ihr den Zunterer bringst!

Du kommst ihn nicht aus, hahaha, weil du angehext bist. Du bist ja der Dümmere, du Schluckser!

 

Und die Zunterin steht vor der Tür, und die Tür ist zugemacht, und niemand kann heimlich hineinschlüpfen. Der Zunterer will's auch nicht, und wenn es so aussieht, als ob er an der Zunterin vorbei wie ein Pfeil sausen möcht, so ist das ganz unabsichtlich und geschieht, weil der Zunterer an dem Zaun vom Mesmer sein Gleichgewicht verloren und nicht wieder aufgehoben hat.

(Der Schluckser ist ganz erschrocken, wie er sich so fortgerissen fühlt, und wie er die Zunterin sieht und die eichene Haustür. Er guckezert so laut auf, daß es dem Zunterer einen Riß gibt und ihn zwei Zimmermannsfüß' vor der Gefahr aufhält und festbannt.)

»Bist da?!« höhnt die Zunterin.

Der Schluckser sagt ja, der vorlaute Schluckser. Aber der Zunterer sieht ein, daß das für den Augenblick viel zu wenig ist, und versucht seine Stimme freundlich und schmalzig zu machen: »Weibele, mei Täubele!«

Es scheint, daß ihn die Zunterin nicht verstanden hat. »Hast wieder warten müssen, bis der Vorletzte sein' Hut heimtragen hat?!«

Der Schluckser will widersprechen.

Aber die Zunterin mit hoher Stimme: »Meinst alleweil, wann du net zuguterletzt die Tür zumachst beim Wirt, dann bleibt sie offen?!«

»Weibele, mei Täu – –« (Aber diesmal hat der Zunterer versucht, mit seinem Schluckser zugleich zu sprechen, und das kann natürlich kein Mensch verstehen.)

»Hast was g'sagt!?«

»Weibele – –«

So müd' ist der Zunterer, daß er sein Sprüchlein nicht zu End' bringen kann. Er ist viel schwächer als im Wald beim Holzen und möcht ins Häusl hinein und in die Kammer und schlafen und nichts als schlafen. Wenn nur die Zunterin ein Hirn hätt' und einen Verstand und nicht verlangen tät, daß man ihr in der nachtschlafenden Zeit die schwersten Fragen richtig auslegen soll.

Auch der Schluckser gibt ihm recht. Hupp, wupp, huwupp. Wupp. Hupp, ihm recht. Huwupp.

Ans Haustor, denkt sich der Zunterer, an das tät ich mich gern anlehnen! Wann sie nur grad' Platz machen tät, die Alt', und tät mich am Haustor anlehnen lassen!

Hupp! sagt der Schluckser und gibt seinem Zunterer recht.

Aber die Zunterin bleibt hart. »Muß ich dir halt morgen wieder das Pech von deinem Sitzleder kratzen, das wo dich alleweil so auf die Bank beim Wirt hinpappt. Wann ich nicht so ein gutes Weib wär', müßt ich jetzt gleich anfangen und das Pech hinten wegklopfen, daß du meinst, die Engerl im Himmel singen dir was vor. Hat dir der Wirt wieder seinen schwersten Rausch in den Maßkrug hineingetan?! Deiner Nasen is halt net wohl, wann sie net ins Nasse schaugen darf. Du Malefiz, du!«

»Weibele –,« sagt der Zunterer in einem Ton, als wann er um Hilf' bitten tät. Er steht auf der breiten Straß', aber es geht ihm nicht anders als dem Seiltänzer auf dem schmalen Seil. Es reißt ihn nach rechts und nach links, und die Arm wirft er wild in die Höh' um das Gleichgewicht zu suchen.

Such's! schreit der Schluckser, dem himmelangst dabei wird. Such's!

Und was is dem Zunterer heiß unterm Hut. Aus der letzten Maß Bier sind lauter Schweißtropfen geworden, die über die Wangen rollen. »Schaug', Weibele . . .«

»Ich will net schaugen! Und wann ich schaugen möcht' und die Nacht wär' net so viel finster, dann tät ich einen Rausch sehgen, der für das ganze Dorf g'langt. Was hat er denn kost', der Saurausch?!«

»Wer hat an Rausch?« murmelt der Zunterer.

Schluck. Wupp. Du! sagt der Schluckser.

Der Zunterer greift wieder schwer in die Luft, als wenn er sich am Mondschein festhalten möcht.

»Weibele, was sagst da! Hab' ich einen Rausch??«

Und der Schluckser: Gluckgluck. Hupp.

»Wann ich dich anschau, du wüstes Mannsbild, wie's dich hin und her treibt wie ein Windfahndel, dann weiß ich, wie viel's geschlagen hat. Lump!!«

Der Schluckser gibt seinen Reim dazu: Wumpp. Wumpp.

»Die b'suffnen Leutl sind dem Wirt sein Beutl. Is dir dein Geldl wieder im Hosensack zu schwer worden!? Hast es net mehr heimtragen können, und hast net damit beim Schimmelwirt vorübergfunden!? Jaja, das is ein schweres Laufen, gel, und da muß man langsam gehn wie beim Wallfahrten, und beten muß man: Hilf, heiliger Herr Wirt, hilf mir von meinem Geldl! Und da muß man aufpassen auf der Straßen, ob nicht wo unser Herrgott einen Arm herausstreckt und einen Maßkrug, und dann muß man hineintorkeln und sich fest am Krug einheben, daß man net fallt. O, du ganz Miserabliger!«

Lump! sagt der Schluckser kreuzfidel.

»Weibele . . .,« fängt der Zunterer wieder bekümmert an – aber es gelingt ihm nicht, zum schönen End' zu kommen.

»Nix Weibele! Dem Teufel seine Großmutter is dein Weibele! Die hat dir die Leber auf die Sonnenseiten geschoben, daß sie allweil ihren schönen Durst hat, und daß der Herr Zunterer weiß, was er mit seinen Markstückeln anfangen muß. Wo hast denn deine Markstückl, Herr Zunterer, du gottsmiserabliger Lump, du verdächtiger!?«

»Markstückl??« sagt der Zunterer und will mit beiden Händen in die Hosentaschen fahren. Aber das geht nicht an, weil das Gleichgewicht am Mesmerzaun liegt, und wenn er's auch könnt: viel Spektakl tät das Geld in seinen Taschen nicht mehr machen, dafür hat der Wirt gesorgt mit seiner Resl.

Hupp! lacht der Schluckser, der angehexte.

Er rüttelt die Zuntnerin auf bis zur Boshaftigkeit. »Wo hast sie denn, deine Markstückl!?«

Da ist es die Angst, die den Zunterer stark macht. Er pflanzt die Füße in den Boden ein, bis sie ihren Halt gefunden haben, und dann senkt er beide Hände bis ellenbogenauf in die zwei ledernen Schatzkammern.

Die Zunterin blinzelt ihn an und jedes Blinzeln geht in seine Fäuste hinein und schüttelt sie. Es klirrt ein bissel, und der Zunterer verliert seine Beklemmungen und stottert selig: »Weibele – einer – einer allein – einer allein singt net. Es müssen – es müssen – es müssen alleweil zwei sein.«

Der Schluckser setzt ein Lachen drauf.

Er tritt breit und unverschämt auf. Es kommt ihm so vor, als ob er jetzt mit seinem Zunterer ins Bett gehen dürft'. Drum will er vorher noch seine Freud' mit dem Mannsbild haben, regieren und blamieren, wie es der Bierteufel unter der Holzknechtbank am liebsten hat.

Tu' dich in der Zunterin nicht täuschen, mein lieber Schluckser! Die Zunterin ist zäh und grausam und meint daneben, eine richtige Kur tät dem Ihrigen gut. »Tu' dein Geld! noch einmal schütteln!« schimpft sie. »Tu's nur recht rebellen lassen, Herr Zunterer, dein vieles Gerstl!«

Da läßt er's halt noch einmal rebellen, in Gotteswillen.

Es geht ihm wüst durch den Sinn, daß das wenig Markstückeln sind, was so singt – der Schimmelwirt ist ein Lump.

Lump! bestätigt der Schluckser.

»Lump!« schreit die Zunterin und kreischt wütig hinterdrein. Jetzt ist ihr die Sach' zu dumm – jetzt will sie – ja, was will sie eigentlich? Sie will sich beherrschen, sie will sich nicht beherrschen – sie will sich an der Tür einhalten – aber sie geht zwei Schritte vorwärts – und dann patscht es – einmal, zweimal.

Der Watschenbaum ist umgefallen.

O weh, o weh, Zunterin!

Der Zunterer will beide Händ' zur Wehr erheben, aber da haben wir wieder die alte Geschicht' vom Mesmerzaun und vom Gleichgewicht, und der ganze lange Holzknecht Jakob Zunterer strauchelt, fällt schwer hin wie einer seiner langen Bäum' und sperrt die schmale Straße, die von Oberzeismaring nach Machtlfing führt.

O weh, o weh, Zunterin.

Und wenn auch die Reu schnellere Füß' hat wie der Blitz – der Zunterer liegt halt schon. Er wälzt sich, aber nur ein ganz klein bissel, und das sieht sich schrecklich an. Aber er will sich das Lager nur ein bissel bequemer machen und in seinen nebeligen Gedanken das Bett richtig walzen. Sein Schluckser spricht noch ein Wörtl, und dann schlafen sie alle beide ein.

O du tiefer, fester Holzknechtschlaf ohne Einleitung und ohne Getu!

Und kein Holzknecht schläft ohne seine lange Säge, und keiner kann die Nacht verbringen ohne das Geräusch der Tagarbeit.

Hch. Rch. Rchch. Hch. Rchchchch.

Du brauchst nicht zu erschrecken, Zunterin. Wenn die Leut' sterben, tun sie anders.

Der Mond geht hinter die Wolken, damit ihn niemand lachen und prusten sieht.

Und die Zunterin steht, elend, voll Jammer, und angeklagt. Ist der Wirt ein schlechter Kerl, und ist der Zunterer ein schlechter Kerl – so ist die Zunterin viel schlechter, weil sie den Ihrigen schlägt.

»Jaggl, Jaggl!«

Da tät' ein krankes Kind zu weinen aufhören, so mild ist die Zunterin im Ton.

»Jaggl, steh halt auf, Jaggl!«

Aber mit Reu' und Leid läßt sich der Zunterer noch lang nicht aufwecken. Da müßt' man mit Kochlöffeln auf blecherne Häfen haun, das wär' richtiger wie Reu' und Leid. Nur sein Schluckser sagt noch was Brummeliges, aber auch schon ganz verschlafen.

»Jaggl, steh halt auf!«

Sie weint und er schnarcht, und der Mond geht wieder vor, hört sich die Geschicht' an und verzieht sich wieder, weil sie ihm nicht neu vorkommt.

Und jetzt macht sich die Zunterin mit zwei Seufzern frei vom Elend und greift mit ihren festen Armen zu.

Kopf und Brust und Schluckser kann sie tragen, aber das lange Zunterergehax, das ist zu viel. Es schleift hintennach. Dem Zunterer ist es ja Wurscht, was mit ihm geschieht. Er schläft weiter und sägt weiter.

Er ist wie einer seiner groben Holzklötz' und es geht ihm also auch nicht anders: er wird angerempelt und rempelt an, und das hohle Klopfen am Haustor, das stammt von seinem festen Schädel.

Der Schluckser erschrickt und brummt so was wie: Humm! dumm! – und da ist der Zauber und die ganze Hexerei von ihm genommen. Auf dem Haustor liest du die frommen Zeichen 1 C 9 M 1 B 4 (die heiligen drei Könige haben sich da hingeschrieben), und da muß die Macht des Bierteufels aufhören. Er ist frei und muß den Zunterer verlassen, zehn Schritt vor dem warmen Bett. Er fährt mit einem Fluch – hupp! – ins Schluckserreich.

Der Zunterer aber kommt dem Bett immer näher. Nur einmal legt er die lange Holzknechtsäg' weg und sagt: »Weibele!« Aber dann nimmt er lieber wieder die Säg' und schnarcht weiter, als ob ihn die Sach' nichts anging. Die Zunterin achezt und schnauft, wie sie ihm die Joppen abzieht. Es sieht aus, als ob sie einem Bären das Fell abstreift, und es ist nicht viel leichter. Dann ist sie endlich so weit und hat den Zunterer bis zu den Hüften auf dem Bett. Aber wie sie ihm die Stiefel herunterzieht, rutscht das große Ganze mit, und der Zunterer lallt am Boden: »Weibele«.

Fängt halt die Zunterin noch einmal an und zieht den Mann am Boden aus, die Stiefel, die Lederhose. Dann bringt sie ihn in zwei Teilen zu Bett, den Körper und das lange Gehax.

Und wie er endlich drin liegt, da meinst du die Unschuld selbst zu sehen. Der Rausch liegt wie ein tiefer Frieden auf dem Gesicht. Der Mond schickt einen langen Strahl und läßt ihn vom Zunterer beschnarchen und beblasen.

Die Zunterin steigt auch ins Bett. »Du wüster Lump!« sagt sie traurig und spitzt die Ohren, weil er auch was sagt. Aber er sagt nur: »Resl, noch a Maß!« und die Zunterin weint auf, daß der Mond seinen Strahl erschrocken wieder zurückzieht.

Und dann schläft die Zunterin auch ein, träumt einen schweren Traum, verhaut den Zunterer, küßt ihn und verhaut ihn wieder.

Und in der Früh sagt sie zu ihm (scheinheiligerweis'). »Hast recht hart arbeiten müssen die Woch', Jaggl?«

Der Zunterer (er streckt sich im Bett, daß seine vielen langen Knochen krachen): »Ein schweres Arbeiten ist's gewest. Und alleweil in der Hitz'. Gestern hab' ich wohl leicht ein kleines Räuscherl gehabt von der großen Hitz'??«

»Ein ganz ein kleines,« sagt die Zunterin ganz stad.

Sie ist so froh, daß aus seinem Kopf alles weggeblasen ist, was zwischen dem Schimmelwirt und dem Morgen liegt, und gibt ihm ein Bussl.

»Weibele, mei Täubele!« sagt der lange Holzknecht gerührt.

 

Das ist immer so am Sonntag in der Früh': da is der Zunterer ganz reumütig und die Zunterin voller Gütlichkeit. Sie schluckt alles hinunter, was von der gestrigen Gall' noch aufsteigen will, und halst den armen langen Holzknecht genau so fest: ob jetzt die Markstückl in den Taschen klingen oder ob nur die Kreuzerl scheppern.

Und er sagt: »Weibele, mei Täubele –«. und sie busselt ihn so oft ab, als er mit der Sprach' und Anklag' heraus und sich ein schlechtes Luder, ein versuffenes, heißen will.

Nix weiß sie mehr von der gestrigen Nacht. Sie ist nicht an der Tür gestanden und hat dem Zunterer und seinem Schluckser nicht den Weg versperrt. Sie hat durchaus die Hand nicht aufgehoben gegen ihren Jaggl und weiß überhaupt nicht, wann er heimgekommen ist. So fest hat sie geschlafen, die Zunterin.

»Weibele,« sagt der Zunterer gerührt.

Und sie: »Bist halt mein Jaggl. Wie ich dich g'heirat' hab', muß ich dich haben. Und ich mag dich, wie du bist. Kannst net einmal beim Schimmelwirt vorbeifinden? Wo die Roß von die Bräuknecht von selbst stehn bleiben, da mußt es nicht auch tun, Jaggl.«

»Hast recht, Alte,« sagt der Jaggl mit Reu' und Leid. »und am Samstag über die Wochen . . .«

Aber am Samstag über die Wochen ist's halt die gleiche G'schicht'. Nur der Mesmerzaun kommt nicht so schlecht weg wie's letztemal, und das Gartentor beim Fuierlesmann kriegt einen Knack, so breit als der Zunterer ist.

Und es wär' wieder die Rede von was Weißem und einem Dach drauf – Schwamm drüber. Der Mond scheint nicht, und man sieht nichts von den Dingen am Haustor, und der Wind brummt föhnig daher, und man hört nichts von der Zwiesprach' am Tor.

Nur ein, zwei, dreimal den Schluckser, den angehexten.

Und es wird wieder Sonntagfrüh' in der Zunterischen Kammer.

Der Zunterer steckt den Kopf aus der Bettdeck' und schaut ängstlich nach der Seinigen hinüber. Schlaft sie oder tut sie nur so?

Erst als er glaubt, daß sie wirklich schlaft, tut er, was er im Traum schon immer hat tun wollen: er betupft seine Nasen. Betupft sie wieder, reißt die Augen weit auf und schaut in der Kammer umeinand. Gottlob, daß sie schlaft, die Alte. Gottlob.

Und er betupft die Nasen wieder und sagt sich: Nasen, Nasen, du gefallst mir net!

Wenn er jetzt die Augen richtig offen hätt', tät er sehen, daß die Finger seiner Alten sich in die Bettdecke krallen und ein bissel zittern dabei.

Und wenn er der Zunterin im Gehirnkastl umblättern könnt', die Seiten von gestern nacht (fünfe, sechse, sieben Seiten!), dann tät er halt auch wissen, wieso und warum und z'wegen was ihm die Nasen net gefallen kann

Die Zunterin zittert jetzt am ganzen Leib, so sehr sie sich auch zusammennehmen will.

Der Zunterer erschrickt: jetzt hat sie einen schweren Traum, und die Trud sitzt auf ihr. Man müßt' sie aufwecken, daß ihr leichter wird.

Man müßt' – nein, noch net. Er muß sich erst ins reine kommen mit dem gestrigen Tag und mit der gestrigen Nacht und mit der Nasen. Aber der Weg führt nur bis zum Schimmelwirt und bis zum Zahlen, dann noch ein bissel an ein Gartentor – und dann ist alles Nebel und verschwommenes Zeugs bis zu dem Augenblick, da er sich die Nasen betupfen muß, die ihm nicht g'fallt.

Er schleicht sich aus dem Bett wie der Fuchs aus dem Bau und geht an den kleinen Wandspiegel hin: o du grundschlechte Nasen, wie schaust denn aus!? Es is eine Schand', mit deiner herumzulaufen, du blutrünstige Nasen, du grausame. Du dummer Teufelsriecher, du hast gerauft! Du Schmecker, du wüster, hast du die Hauswänd' geschliffen?

Die Zunterin hat ein halbets Aug' aus der Bettdeck' hervorgebracht und schaut sich ihren Zunterer an. Aber sie schließt auch dieses halbete Aug' wieder, wie der Zunterer in seiner Angst sich dem Bett zudreht und immer noch die Lug' nicht weiß, die er für die nächste Viertelstund' und für die Sonntagmorgenbeicht' in der Kammer braucht.

Was soll ich ihr denn sagen, der Alten?! Wann ich wissen tät (er steckt den Kopf zwischen beide Hände und zermartert sein Gehirn), wann ich wissen tät, ob der Mesmerzaun noch steht oder der Gattern beim Fuierlesmann?! Wann man halt net weiß, woaus die Füß' marschiert sind!

Er achzet wehleidig und laut, wie halt die Holzknechtseufzer so tun.

Vom Bett her achzet's auch.

Verschreckt fährt er um.

»Weibele, hast was g'sagt?«

Die Zunterin tut ganz traumdappig. »Ich, Jaggl, hab' ich was g'sagt!?«

»Ich mein', ich hab' ein bissel achezen g'hört.«

»Ich? Warum sollt ich denn achezen, Jaggl?«

»Freilich. Warum sollst du achezen?« Und jetzt achezt er wieder, weil er die Lug' und die Beicht' noch nicht fertig hat.

»Jaggl! Wie schaugst denn aus!?«

Er dreht sich voller Angst ab. Eine Lug', eine Lug'! Ein schöner Schwindel muß her!

»Wie ich ausschaug'?« Aber er dreht ihr das Gesicht immer noch nicht zu. Wann er nur die Lug' fertigbringen tät!

Die Zunterin (mit der zittrigsten Stimme, die aus einem ganz schlechten Gewissen herauskriecht): »Wird dir wohl nix passiert sein im Holz draußen!?«

O du grundverlogene Zunterin! Wo dem Zunterer sein rauschiges Hirn aufhört zu denken, da fangt das deine an: An der Haustür, an der Haustür! Kein Mondlicht bei der Nacht, sonst hätt' das Holzscheitl in deiner Hand aufgeblitzt, ganz weiß. O du grundverlogene Zunterin, wie is die Geschicht mit der Nasen??

Aber der arme Zunterer: »Im Holz draußen? Nix passiert im Holz draußen? O Weibele,« schreit er ganz glücklich, »du meinst, daß mir dasselbige mit der Nasen im Holz draußen passiert is? Freilich, Weibele, freilich!« Und da patscht er sich auf die Knie und sagt noch einmal: »Freilich, freilich.«

Muß man da nicht die ganze Höll' lachen hören, wann die Menschen eine solche Freud' zum Lügen haben? Du bist schon aufgeschrieben, du langer Holzknecht Jakob Zunterer, in dem heiligen Sankt Peterl seinem himmlischen Büchl, mit einer Lug', faustdick und hundskalt. Das wird einmal was haben!

Und du, Barbara Zunterin, du stehst eine Zeil höher und mit drei Kreuzl hinter dem Namen, weil du mit der Lug' angefangen hast, und weil du in der Sünd' voraus bist und in der Verführung wie die Eva selig. Barbara Zunterer, mach dich gefaßt auf die Himmelfahrt – die wird schief gehn!

»Im Holz draußen,« sagt der Zunterer tapfer und glücklich, »weißt, Weibele, da sein die hochen Bäum', die sein so viel hoch« (er hebt den langen Arm und will mit dem Zeigefinger schier ein Loch in die Stubendecken bohren), »die sein oft so arg hoch, daß es ein Graus is. Wann wir sie angeschnitten haben, dann fallen sie um.« (Der Arm sinkt heftig herab, und der Zunterer macht einen Sprung auf die Seite, daß ihn der Arm, der Baum quasi, nicht trifft.) »Und da wann einer nicht schnell genug auf die Seiten hupft, dann derwischt's ihn und haut ihm den Riecher halbert ab – als wie mir.«

So, jetzt wär' die ganze lange Lug' heraus. Der Zunterer stellt sich erleichtert vor den Spiegel und beschaut sich seine Nase fast fröhlich. Sie ist so dick wie eine drittelte Holzknechtfaust, blau-schwarz-rot, zerschunden und durchaus nichts Schönes für einen Sonntag.

Die Zunterin tät sich die Nasen gern ganz genau anschauen, aber sie traut sich nicht. Sie hat immer nur einen ganz schnellen Blick, aber ein paar Dutzend solche Blick' tun auch einen ganzen, und am End ist ihr wüst ums Herz, und sie macht sich harte Vorwürf' wegen der Nasen.

»Schaug' sie dir nur richtig an!« schreit der Zunterer voller Freud' über die schöne Lug'. »schaug sie dir nur an, wie sie die Farben spielt, Herz und Grasen und Schell und Eichel. Mit der kann man tarocken und in alle Farben stechen, so viel hat sie. Wann mir der Baum – –«

»Zunterer!« schreit die Zunterin, »hör' auf, ich kann die gruseligen Sachen gar net hören. Wann ich denk' –«

»Wann mir der Baum«, fährt der Zunterer fröhlich fort, »das Köpfl ein bissel mehr nach dem Hirn zu derwischt hätt' – – – was hast denn, Weibele!?«

Sie ist ganz wachsern geworden im Gesicht vor lauten Schreck und denkt an das weiße Holzscheitel und an den Gift und Gall' von gestern nacht, und wann das Holzscheitel woanders hin troffen hätt', ein bissel mehr nach dem Hirn zu – »Jaggl,« schreit sie auf und fallt ihm um den Hals, »Jaggl!«

»Weibele, Weibele!«

Und die Zunterin und der Zunterer: wie sie sich busseln, tut ein jedes Reu' und Leid, die Zunterin wegen dem Holzscheitel und der Lug', der Zunterer wegen dem Schimmelwirt und der Lug'.

Dann schwört ein jedes einen heiligen Eid in sich hinein aufs Anderswerden und die Besserung. Der Zunterer will am Samstag über die Woch' am Schimmelwirt vorbeifinden, ohne einzukehren, die Zunterin will ihren Zunterer nicht mehr an der Haustür abfangen.

Wenn alle geschworenen und festen Eid' auf der ganzem Welt richtig gehalten würden!

 

Für den Rausch am nächsten Samstag darf man dem Zunterer nicht die ganze Schuld in die Schuh schieben.

Wahr ist: daß der Zunterer am Schimmelwirt nicht vorbeigefunden hat. Er ist mitten auf dem Marsch stehen blieben wie der alte Gaul vom rauschigen Pentenrieder, der seit zwölf Jahren bei jedem Wirtshaus seinen Halt macht.

»Grüaß di Good, Zunterer!« sagt der Schimmelwirt – da soll einer ohne Gruß und Wort weitergeht

»Resl, a Maß,« sagt der Zunterer.

Und raucht sein Pfeiferl, hat den Kopf auf den Händen, die Ellenbogen auf dem Tisch, und ist ihm pudelwohl.

»Was hast denn du für eine Nasen?!« fragt der Kraigadern Wastl in aller Ruh'.

»Was ich für eine Nasen hab'?« gibt der Zunterer zurück.

»Ja, was für eine Nasen?«

»Gefallt sie dir am End net?«

»G'fallt mir schon. Aber warum daß sie so färbig is und so glanzet?«

»Weil's dich nix angeht, is sie so färbig, und weil du mir auf den Buckel hinaufsteigen kannst, drum is sie so glanzet. Und noch ein Wörtl, daß dir die Nasen net g'fallt, und ich schmeiß dich naus.«

Mehr sagt der Zunterer nicht, und der Kraigadern Wastl ist ja auch mit dem bissel schon zufrieden. Er ruckt sein Hütl hin und her, hätt' ein paar Wörtl auf der Zung', spuckt sie aber nicht heraus. Er geht lieber. An der Tür ein bissel brummeln – –

»Bist noch net draußen!?« droht der Zunterer.

Aber der Wastl schiebt ab und schimpft sich lieber auf der Straßen richtig aus. »Der mit seiner Nasen,« droht er und macht eine Faust zu dem kleinen Kramerbübl hin, das ihm in den Weg läuft, »der mit seiner Nasen!!«

Das kleine Kramerbübl lauft heulend zu der Mutter.

Der Zunterer hat die Ellenbogen wieder aufgestützt, aber es ist ihm nicht mehr so bequem wie vorher. Er muß heftig rauchen und schnell trinken, die Wut in Wolken wegblasen, die wie dicke Holzknechtfäust' aussehen und den Zorn hinunterwaschen.

Zum erstenmal hört er die Resl warnen: »Du tust ein bissel schnell, Zunterer!«

»A Maß!« schreit der Zunterer dagegen.

Man kann ihm für diesen Samstagrausch die Schuld nicht ganz in die Schuh schieben: was gehn den Wastl ander Leut' Nasen an?

Was braucht der Wirt vor seiner Tür stehn und die Leut' mit einem »Grüß Gott« einfangen wie mit einer Drahtschling'?

Was braucht der Wastl von einer Nasen reden, die ihm nicht gehört, und die ihn nix angeht?

Schreib' den Rausch gut dreiviertelt dem Wastl aufs Gewissen!

Und schreib' die Markstückl dazu, die er kostet hat.

Und für hernach die eingedrückte Holzleg' vom Kreuzwegschuster. (Wär' sie nicht so miserabel 'baut gewesen, so hätt' sie der Zunterer nicht gleich beim ersten Anstoßen eindrückt.)

Schreib' einen mordsmäßigen Schluckser dazu, der die vier kleinen Kinder der Saamerbäurin aufgeweckt hat mitten in der Nacht! Und daß die Saamerbäurin darum geflucht und sakramentiert hat, das muß auch auf dem Wastl sein Gewissen.

Ditto der Wegweiser am Dürrnhausener Gäßl, der nach Dürrnhausen, Schönberg und Martersleiten zeigt. Er ist alt und schwach gewesen und zermürbt im Holz und hat dem Zunterer nicht widerstehn können.

Schreib' das Apfelbäumerl vor dem Sagschneiderhäusl dazu – das is ganz kaputt.

Und nicht zu vergessen die Torpredigt der Zunterin (eine geschlagene Stund' lang), dann eine ausgerutschte Hand und ein festes Patschen, zwei Püff' noch, eine lange Bierleich' und der Jammer hinterher.

Und hinterher auch der verweinte Schurz der Zuntnerin.

Und das ganze Elend vom Sonntag früh mußt du dem Wastl aufs Gewissen schreiben. Zwei scheue Augen vom Zunterer, zwei reumütige von der Zunterin. Und zwei feste Eid', die nicht gehalten haben und in der Mitt' auseinandergebrochen sind. Und zwei Häuferl Unglück zum Abrunden: den Zunterer und die Seinige.

Wastl, das ist eine scharfe Rechnung.

Jetzt ziehen wir was davon ab, der Zunterer sagt: »Weibele, mei Täubele!«

(Das macht wieder viel gut.)

»Jaggl, Jaggl!«

(Da darf man auch hübsch was abziehen.)

Und dann aber: zwei Bussel kommen noch von der ganzen Schuld weg.

Was übrigbleibt, das muß der Kraigadern Wastl einmal verantworten drüben in der Ewigkeit.

Sollen sie ihn sieden oder braten in der Höll' – hätt' der Lump halt ander Leut' Nasen in Ruh' gelassen!

 

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