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Der Bauer als Millionär

Ferdinand Raimund: Der Bauer als Millionär - Kapitel 9
Quellenangabe
typecomedy
booktitleDer Bauer als Millionär
authorFerdinand Raimund
year1990
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-000120-X
titleDer Bauer als Millionär
pages1-4
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1826
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Vierter Auftritt

Verwandlung

Saal mit Lustern und Wandleuchtern. Punschtableau. Beim Aufziehen der Kortine ein rauschender Tusch von allen Instrumenten. An der rechten Seite eine hohe Glastür, gegenüber die Eingangstür.

Wurzel. Afterling. Musensohn. Schmeichelfeld.

Alle (übermütig schreiend).
Der Hausherr soll leben! hoch – (Ein paar werfen die Gläser an die Wand.)

Wurzel.
Schlagts nicht so viel Gläser zusamm, ich bin ja kein Glasfabrikant –

Schmeichelfeld (etwas angestochen).
Ah was da, man hört so keine Uhr, wenn einmal die Gläser fliegen, so weiß man doch, wieviels gschlagen hat.

Musensohn.
Aber jetzt ists aus, meine Herren, es ist fünf Uhr, und ich muß heute abend noch geschwind den letzten Akt von meinem Trauerspiel schreiben.

Schmeichelfeld.
Was Trauerspiel? Lustig wollen wir von unserm teuern Herrn von Wurzel scheiden, dem aimabelsten Mann in der ganzen Stadt. Singen wollen wir, und dazu machen Sie uns Verse, wenn Sie ein Dichter sein wollen.

Musensohn.
Schön! Wir wollen die Freundschaft besingen.

Afterling (der einen starken Rausch hat).
Ja singen, schön singen wollen wir, und hernach kerzengerade nach Haus. (Er taumelt. Alle lachen.)

Wurzel.
Der hat ihn heute.

Afterling.
Lachen? Ihr Spitzbuben! – Seid nichts nütze – alle sind nichts nutz – Herr von Wurzel, alle, bis auf den (auf den Dichter zeigend) – und der ist auch nichts nutz. Aber Sie, Herr von Wurzel, sind ein großer Mann. Aber sind Sie aufrichtig, Herr von Wurzel! (Beschwörend.) Herr von Wurzel, sind Sie aufrichtig! – Haben Sie – keinen Punsch mehr?

Wurzel.
Nun so gebt ihm noch ein Glas, so fallt er gar hinunter untern Tisch.

Afterling.
Herr von Wurzel! (Fällt ihm um den Hals.) Sie sind unser Vater, und wie Sie sich heute auf mich stützen können, so können Sie sich auf uns alle stützen. Punsch her – Punsch! Der Herr von Wurzel soll leben! (Er taumelt gegen die Tür und fällt vor Rausch in einen Stuhl.)

Wurzel.
Nu, der hats überstanden. Habakuk! (Habakuk tritt vor.) Führts ihn hinüber ins rauschige Zimmer und legts ihn in das Bett, was ich hab herrichten lassen, wenn einem von meinen guten Freunden übel wird.

Habakuk.
Ja es liegen ja so schon drei drinn und einer vor der Tür, man kann gar nimmer hinein.

Wurzel.
So legts ihn ins blaue Zimmer hinüber, wo der große Spiegel ist und 's Porzelain. Aber bindts ihn an, sonst schlagt er uns alles zsamm.

Habakuk (und zwei Bediente tragen Afterling fort).
Nu, das sind schöne Herrschaften!

Musensohn (hat bei einem Tisch mit Bleistift geschrieben und springt auf).
Fertig sind die Verse. Jetzt, meine Herrn, stimmen Sie.

Alle.
Bravo! Bravo!

Musensohn.
Die Phantasie hat mich begeistert. Herr von Wurzel! (schlägt ihn auf die Achsel) wollen Sie ihre Stimme hören?

Wurzel.
Lassen Sie sie los!

Trinklied
Musensohn (singt vor).
Freunde, hört die weise Lehre,
Die zu euch Erfahrung spricht.
Schickt die Freude ihre Heere,
Öffnet alle Tore nicht:
Mann für Mann laßt nur herein,
Wollt ihr lang ihr Feldherr sein.
Chor. Mann für Mann laßt nur herein,
Wollt ihr lang ihr Feldherr sein.
Musensohn. Wenn des Lebens Bajadere
Hält den goldnen Wagen still
Und für ihres Glücks Schimäre
Euren Frieden tauschen will:
Jagt die feile Dirne fort,
Denn Fortuna hält nicht Wort.
Chor. Jagt die feile Dirne fort,
Denn Fortuna hält nicht Wort.
Musensohn. Doch wenn voll der Becher blinket,
Bacchus' Geist den Saal durchrauscht,
Euch die Freundschaft zu sich winket
Und Gefühle mit euch tauscht:
Drückt sie beide an die Brust,
Sie gewähren Götterlust!
Chor. Drückt sie beide an die Brust,
Sie gewähren Götterlust!

(Alle ab.)

Fünfter Auftritt

Wurzel. Lorenz. Habakuk.

Bediente räumen die Tische hinaus.

Wurzel.
Das war ein prächtiges Mittagmahl heut. Ich bin so gut aufgelegt, heut Nacht leg ich mich wieder nicht schlafen. Habakuk, bring einen Champagner herauf. (Habakuk ab.) Lorenz, jetzt trinken wir erst recht.

Lorenz.
Allo! das ist ein Leben! juhe!

Wurzel.
Stoß an, Lorenz! Alle Rauschigen sollen leben –

Lorenz.
Hoch!

(Donnerschlag. Stille. Die Glocke schlägt zwölf.)

Wurzel.
Was ist denn das? Zwölf Uhr? Hat denn die Uhr einen Rausch? Es ist ja erst sechs Uhr und der schönste Abend. Schauts auf die Uhr.

(Alle sehen auf die Uhren, er selbst auch.)

Lorenz.
Was ist denn das? Es geht ja keine.

Wurzel.
Bei mir ists zwölf Uhr.

Alle Bedienten.
Bei mir auch.

Wurzel.
Ich glaube gar, ihr macht euch einen Spaß mit mir? Redet! (Man hört an der Tür stark pochen.) Was ist denn das? Schau hinaus! (Es pocht stärker.) Mir scheint, der schickt die Grobheit voraus, daß sie statt ihm anklopfen soll. (Lorenz geht hinaus.) Jetzt weiß ich nicht, bin ich im Narrenturm oder zu Haus?

Lorenz (kommt zurück).
Euer Gnaden! ein junger Herr ist gfahren kommen in ein goldenen Wagen, der voller Blumen ist, und zwei Rappen vorn, die er kaum erhalten kann, und hintern Wagen tanzen lauter Pagen und rosenfarbe Kammerjungfern her. Er will mit Ihnen reden.

Wurzel.
Wie heißt er denn?

Lorenz.
Das weiß ich nicht, er sagt, er ist die Jugend.

Wurzel.
Ah, ein Jugendfreund wird er gsagt haben. Gleich laßt ihn herein. Das ist a prächtige Visitt. Champagner tragts rauf, ihr verdammten Kerls! Ich bin doch ein glücklicher Mann, die schönsten Leut kommen zu mir. (Lorenz öffnet die Tür.)

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