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Der Bauer als Millionär

Ferdinand Raimund: Der Bauer als Millionär - Kapitel 15
Quellenangabe
typecomedy
booktitleDer Bauer als Millionär
authorFerdinand Raimund
year1990
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-000120-X
titleDer Bauer als Millionär
pages1-4
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1826
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Sechster Auftritt

Vorige. Karl, in sehr schönen Reisekleidern, der Haß zur Mitte herein.

Haß.
Es ist alles besorgt!

Karl.
Schweig, sag ich dir! Wer waren die Mädchen, welche hier am Fenster standen? Warum sind sie entflohen? Sprich!

Haß.
Euer Gnaden verzeihen – sie haben sich für höchstdero Verwandte ausgegeben.

Karl.
Du lügst! Ruf sie, ich will sie sehen. (Für sich.) Mir sagt mein Herz, sie ists!

Haß (für sich).
Sollten mich die Weiber doch betrogen haben? (Laut.) Ich werde die Bedienten rufen.

Karl.
Nein, du selbst, und schnell.

Haß.
Ja, ja. Nur erlauben mir Ihro Gnaden vorher, Sie noch einmal zu warnen, diesen Ring ja nicht abzulegen, wenn Sie nicht mit ihm Ihre Geliebte und Ihren Reichtum auf immer verlieren wollen.

Karl.
Besorge es nicht, er macht mich klug. Doch, um die Mädchen fort, und komme nicht ohne sie zurück, das rate ich dir.

Haß.
Ich bringe sie. Nun wartet, ihr verdammten Weiber! (Geht durch die Seitentür ab.)

Karl (allein).
Nein, die Erscheinung hat mich nicht getäuscht. Als ich verzweiflungsvoll den leeren Platz betrachtete, wo gestern Wurzels Haus noch stand, da füllte sich die Luft mit Dampf, und aus einer Rauchwolke von echten Knaster trat, meinen Dienern unsichtbar, ein ungarischer Geist, der mir befahl, ich möchte schnell nach Hause reisen, wo mein Lottchen mich erwartet, um heute noch mein Weib zu werden, und er hat wahr gesprochen, ich habe sie erkannt, es ist mein Lottchen. (Lottchen, Zufriedenheit treten aus dem Alkoven.)

Zufriedenheit.
Ja, sie ist es.

Karl.
Lottchen! (Will ihr in die Arme stürzen.)

Lottchen.
Karl! (Ebenso.)

Zufriedenheit (tritt zwischen beide).
Haltet!

Karl.
Was soll das?

Zufriedenheit.
Karl, aus meiner Hand nur kannst du dein Lottchen erhalten, der Bauer hat sie nur erzogen, ich bin die Bevollmächtigte ihrer Mutter, doch wenn du deinem Reichtum nicht entsagst, wirst du sie nicht erhalten.

Karl.
Wie? Ich sollte wieder ein elender Fischer werden, da ich sie jetzt glücklich machen kann?

Zufriedenheit.
Nie wird sie durch diesen Reichtum glücklich werden, denn ein böser Geist hat ihn geprägt.

Karl.
Du lügst! Mit Gefahr meines Lebens hab ich ihn errungen. Du bist ein böser Geist, der mir mein Glück entreißen will! Fort! ich erkenne dich nicht.

Lottchen.
Karl, sie meint es gut –

Karl.
Glaub es nicht, Sie hat dich nur betört. Lottchen, wenn du mich liebst, so eilst du zur Vermählung. Alles ist bereit. Sieh mich zu deinen Füßen, ich habe jahrelang um dich gelitten. Kannst du mich verlassen?

Lottchen.
Nein, nein, das kann ich nicht! Verzeih mir, teure Freundin, aber mein Karl ist mir das Teuerste auf dieser Welt, ich folge ihm.

Zufriedenheit.
Du gehst in dein Unglück.

Lottchen.
Sei es auch, es geschieht für ihn. (Sie will auf Karl zu.)

Zufriedenheit (die noch immer in der Mitte steht).
Nun denn! Geister, sendet eure Macht. (Sie zerreißt die Perlenschnur. Unter einem Trommelwirbel kommt Bustorius aus der Versenkung.)

Bustorius (mit einer Windbüchse).
Sukkurs ist da! Da hab ich kleine Windbüchsen, sein zwölf Geister drinnen, wie ich losschieß, fahrt einer nach dem andern heraus. Du Paidás, wirst parieren oder nicht? Was ist dir lieber, Geld oder Madel?

Karl.
Ich will beide.

Bustorius.
Ich glaub gern! So Narren gäbs mehr. Nichts da, kannst nur eins haben.

Zufriedenheit (sanft).
Karl, gib mir den Ring, den du am Finger trägst, und ich bürge dir für dein Glück.

Karl.
Ha Betrügerin! Jetzt hast du dich entlarvt. Ich will den Ring und sie. Du fängst mich nicht.

Bustorius.
Das ist bockbeiniger Kerl!

Karl.
Laßt sie los, oder ich rufe meine Geister!

Zufriedenheit.
Du opferst ihr den Ring nicht?

Karl.
Nein!

Zufriedenheit (faßt plötzlich einen Gedanken, entreißt Bustorius seinen Zauberstab und berührt damit Lottchens Herz).
So nimm sie hin!

Karl.
Komm, Lottchen!

Lottchen (will freudig auf ihn zu, bleibt plötzlich stehen und sieht ihn ernst an).
Ich kann dir nicht folgen. Fort von mir, ich liebe dich nicht – ich hasse dich!

Karl.
Wie, sprichst du irre? mich, deinen Karl! (Er schlägt mit der rechten Hand, an welcher er den Ring hat, an die Brust. Lottchen erblickt den Ring, stoßt einen Schrei aus und fällt in Ohnmacht. Die Zufriedenheit fängt sie auf.) Was ist das? Hülfe! Hülfe! Zauberei! (Bediente kommen.) Entreißt ihr das Mädchen und schützt mich vor der Macht dieser Zauberer!

Bustorius.
Wie einer kommt her, schieß ich ihm ein paar Geister vor den Schädel.

Karl.
Lottchen, was ist dir geschehen? (Er naht sich ihr.)

Lottchen.
Fort! ich kann den Ring nicht sehen! (Sieht den Ring, schreit und sinkt in Ohnmacht.)

Bustorius.
Nutzt dir nichts, sie liegt schon wieder da.

Karl.
Weh mir! (Er will auf sie zu.) Sie ist bezaubert.

Zufriedenheit.
Ich habe sie bezaubert, ja! Solange sie lebt, wird sie keinen lieben, der auch nur einen Edelstein besitzt, und beim Anblick eines jeden Brillants wird sie ohnmächtig zu Boden stürzen. Wirf den Ring von dir, wenn du sie erhalten willst, oder ich entziehe sie auf immer deinen Augen!

Siebenter Auftritt

Der Haß. Vorige.

Haß.
Was geht hier vor? Zurück von ihm, oder ich vernichte dich! Kennst du den Haß? (Schlägt auf seine Brust.)

Zufriedenheit (fest).
Nein! denn ich bin die Zufriedenheit.

Haß (erschrickt).
Pardon, Mademoiselle! Je suis désarmé.

(Alle ihm Angehörigen ziehen sich demütig zurück.)

Zufriedenheit.
Karl! du siehst unsere Macht, zum letztenmal ruf ich dir zu: Wirf den Ring von dir, oder du siehst sie nie wieder – du zauderst? Wohlan, lebe wohl! (Sie steht mit Lottchen auf der Seitenversenkung. Aus dieser erhebt sich eine schmale Wolke und geht mit ihnen ungefähr vier Schuh hoch in die Höhe, so daß Lottchen ohnmächtig kniet und die Zufriedenheit sie in den Armen hält. Wenn die Wolke zwei Schuh hoch aus der Versenkung sich erhoben bat, springen zwei Nebenwolken oder Nebenteile hervor, so daß die Wolke eine breitere Form erhält und das Ganze ein Tableau bildet.)

Karl (heftig).
Halt ein – Und wenn die Welt am Finger glänzte, ohne sie gilt mir nichts! Fort mit ihm! (Er wirft den Ring weg. Blitzstrahl. Die Furien entfliehn.)

Haß.
Verwünschtes Weibervolk! (Versinkt.)

(Verwandlung in die Gegend der Fischerhütte. Karls Kleid fällt ab, er steht als Fischer da. Wurzel sitzt auf dem Dach der Fischerhütte, in welche sich der Rosenhügel verwandelt. Wenn Lottchen und die Zufriedenheit herab sind, verschwindet die Wolke.)

Lottchen (erwacht).
Karl, ich danke dir!

Karl.
Lottchen, du bist mein!

Wurzel (der eingeschlafen war und durch den Donner erwachte)
Ein Aschen!

Karl und Lottchen (sehen sich um).
Wer ist das?

Zufriedenheit.
Der bestrafte Fortunatus.

Wurzel.
Ich segne euch!

Zufriedenheit.
Und Hymen soll euch verbinden. (Winkt.)

Hymen (kommt aus der Versenkung mit einem kleinen Opferaltar, tritt in ihre Mitte und spricht).
Auf ewig!

Wurzel.
Ein Aschen!

Bustorius.
Feuer!

(Er schießt los. Donnerschlag. Alle Geister der Introduktion kommen auf Seitenwolken und Versenkungen schnell herbei. Lakrimosa sinkt in einem Wolkenwagen nieder, über dem ein Genius schwebt mit der Schrift: Erlösung!)

Lakrimosa.
Dank euch, meine Lieben, ich bin glücklich!

Bustorius.
Ist gern geschehen! Schaffen Sie ein anders Mal wieder.

Zufriedenheit.
Dies ist deine Mutter.

(Lottchen sinkt zu ihren Füßen.)

Lakrimosa (hebt sie auf).
An mein Herz!

Wurzel.
Ein Aschen!

Lakrimosa (Sieht ihn).
Du hast gebüßt. Sei, was du stets hättest bleiben sollen. (Winkt.)

Wurzel (verwandelt sich auf dem Dach in einen Bauer, springt herab).
Alloh! jetzt bin ich wieder in mein Element! Mein Schönheit war im Versatzamt, jetzt haben s' mir s' ausglöst.

(Ajaxerle, mit ihm der kleine Satyr mit der schwarzen Tafel, worauf Wurzels Schwur steht. Ajaxerle nimmt ihm dieselbe aus der Hand und hält sie Wurzel vor.)

Ajaxerle.
Der Schneckenhändler ist da, was du geschworen hast, ist geschehen. Jetzt sind wir wieder gute Freund. Punktum! (Löscht den Schwur von der Tafel.)

Lakrimosa.
Brillanten darf ich dir nicht zum Brautschatz geben. Aber das schönste Fischergut mit ewig reichem Fang sei dein. (Winkt.)

(Verwandlung in eine romantische Fischergegend an einem reizenden See. In der Ferne blaues Gebirge.
Genien, als Fischer gekleidet, schiffen auf einem Kahn, werfen Netze aus und formieren ein Tableau.)

Lakrimosa.
Stets bleibt euch die Liebe eurer Mutter.

Zufriedenheit.
Und die Freundschaft der Zufriedenheit.

Wurzel.
Sein Sie die Zufriedenheit? Da lassen wir Ihnen heut nicht mehr aus.

Zufriedenheit.
Dies sei mein Brautgeschenk.

(Sie winkt, ein kleiner Wasserfall entsteht, worüber sich die Worte befinden: 'Quelle der Vergessenheit des Üblen'. Ein Genius sitzt an der Quelle und reicht allen Becher.)

Wurzel.
Da trinken wir gleich jetzt auf Ihre Gesundheit den zufriedensten Rausch.

Schlußgesang

Vergessen ist schön, und es ist gar nicht schwer,
Denn was man vergißt, von dem weiß man nichts mehr.
Und wer uns ein Geld leiht, den führt man schön an,
Man laßt ihn nur trinken, er weiß nichts davon.

Chor.
Und wer uns ein Geld leiht, den führt man schön an,
Man laßt ihn nur trinken, er weiß nichts davon.

Wurzel.
Vergessenheit trinket dem Haß und dem Neid,
Damit uns das Leben bloß liebend erfreut.
Doch bringt man den Gönnern der Dankbarkeit Zoll,
Da senkt man den Becher, das Herz ist nur voll.

Chor.
Doch bringt man den Gönnern der Dankbarkeit Zoll,
Da senkt man die Becher, das Herz ist nur voll.
(Alle senken ihre Becher.)

Wurzel.
Hier ist der Zufriedenheit herrlichste Perl,
Ich hab s' bei der Falten, ich glücklicher Kerl.
Doch kommts mir allein nicht zu, glücklich zu sein,
Wir nehmen s' in d' Mitten und schließen sie ein.

(Er stellt die Zufriedenheit in die Mitte. Auf beiden Seiten schließt sich alles an sie an, umschlingt sich und bildet einen Halbzirkel.)

Chor.
Doch kömmts ihm allein nicht zu, glücklich zu sein,
Wir nehmen s' in d' Mitten und schließen sie ein.

Wurzel.
Sie dürfen auf keinen Fall mehr von dem Ort,
Man läßt die Zufriedenheit nicht so leicht fort!
Und eine Gnad bitt ich mir heute noch aus:
Begleiten S' voll Achtung das Publikum z' Haus!

Chor.
Und eine Gnad bitt er sich heute noch aus:
Begleiten S' voll Achtung das Publikum z' Haus!

Repetition

Wurzel.
Wir lebn doch wahrhaftig in herrlichen Zeiten,
Jetzt kommt die Zufriedenheit von allen Seiten.
Hier steht noch die unsre, sie ist uns noch treu,
(an das Publikum)
Und Sie schenkn uns Ihre, jetzt habn wir gar zwei.

Chor.
Hier steht noch die unsre, sie ist uns noch treu,
Und Sie schenkn uns Ihre, jetzt habn wir gar zwei.

Wurzel.
Erlaubn S' nur, daß beide jetzt Hand in Hand gehn,
Denn unsre kann ja nur durch Ihre bestehn.
Und dies Kapital ist ein ewiger Kauf,
Denn Sie sind zu gütig, Sie kündens nie auf.

Chor.
Und dies Kapital ist ein ewiger Kauf,
Denn Sie sind zu gütig, Sie kündens nie auf.

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