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Der Bauer als Millionär

Ferdinand Raimund: Der Bauer als Millionär - Kapitel 13
Quellenangabe
typecomedy
booktitleDer Bauer als Millionär
authorFerdinand Raimund
year1990
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-000120-X
titleDer Bauer als Millionär
pages1-4
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1826
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Dritter Aufzug

Erster Auftritt

Das Äußere eines herrlichen Palastes aus hellrotem Marmor und mit goldverzierten Säulen. Auf der linken Seite eine Treppe, die zum Portal führt, an jeder Seite ein Sphinx. Der Hof, welchen die Bühne vorstellt, ist mit Blumen geziert und scheint von einem Gitter eingeschlossen zu sein, wozu ein prächtiges Gittertor an der Kulisse den Eingang bildet.
Die Geister des Hasses sind teils in roten Livreen gegenwärtig, teils sieht man sie als Furien gerade den Bau des Palastes beenden.
Die Musik drückt vor dem Aufziehen der Kortine das Hämmern und Schlagen der Arbeiter aus. Beim Aufziehen hört man nur den Schluß des Chors, welcher vor dem Aufziehen schon hörbar war.

Chor.
Jubelt hoch, des Hasses Geister!
Freue dich, erhabner Meister!
(Nach dem Aufziehen der Kortine.)
Fertig ist der Bau!

(Der Haß, modern schwarz gekleidet, Federhut, rote Haare und Backenbart. Er tritt rasch ein. Tophan.)

Haß.
Bravo! das heiß ich Temperament des Hasses! In einer Nacht haben meine Geister dieses Werk vollendet, und ehe noch um den Preis der höhern Röte der Abendstrahl mit den blutigen Streifen dieses Marmors ringt, kann er einziehen in dies glänzende Haus, der Dieb, der aus dem Reiche des Neptuns die floßbewachsenen Bewohner stiehlt. Was ist sonst vorgefallen? Habt ihr den Magier nicht gesehen?

Tophan.
Nein, keinen der verhaßten Brut.

Haß.
Merkt es euch, ich stelle seinen Haushofmeister vor. Was glaubst du wohl, Tophan, wird uns der Streich gelingen?

Tophan.
Die Hölle gibts! Wie benimmt er sich?

Haß.
Sonderbar. Als er gestern abends des Ringes Eigentümer wurde, befahl er den Furien, schnell diesen Palast zu erbauen, um seine Braut heute im Triumphe einzuführen. Wir andern Geister aber mußten am frühesten Morgen mit ihm nach der Stadt, wo er mittags in einer glänzenden Karosse, mit sechs Rappen bespannt, nach dem Hause des stolzen Bauers fuhr und um das Mädchen werben wollte. Doch als man ihm berichtete, das Bauernvolk wäre samt dem Hause verschwunden, sah er lange starr auf einen Fleck, doch wie vom Blitz begeistert fuhr er plötzlich freudig auf und befahl uns, schnell zurückzureisen. Auf halbem Wege schickt er mich voraus, um hier doch alles zur Vermählung zu bereiten, und kraft dieses Ringes muß ich seine Befehle erfüllen. Er scheint verwirrt zu sein, gleichviel, daß er den Ring indessen nicht vom Finger zieht, verhüten die neun Geister als sein Gefolge, und hier will ichs verhüten, bis die Nacht erscheint und der Streich gelungen ist. Jetzt an die Arbeit. Gehorcht ihm, Antipoden der Liebe, denn auch der Haß gehorcht zum Schein, um desto sicherer zu verderben.

(Alle gehen ab.)

Zweiter Auftritt

Amor. Die Zufriedenheit. Lottchen.

Letztere beide sind in modester Kleidung als Bauernmädchen gekleidet. Amor als Bauernjunge. Alle drei schleichen herein.

Amor.
Wir sind am Ziele. Nun seid vorsichtig und verlaßt euch auf Amor und die Geister.

Zufriedenheit.
Ich sehe den Magier auch hier nicht.

Amor.
Er muß hier sein. Ich will ihn suchen, vielleicht hat ihn sein Mut hinter eine Hecke getrieben. (Geht ab.)

Lottchen.
Himmel, wie soll das enden? Gestern abends versprachst du mir, daß mein Karl an des schwäbischen Kaufmanns Hand mich zur Vermählung holen würde. Den ganzen Abend und die lange Nacht warten wir vergebens, erst heute Mittag kömmt der kleine Knabe geflogen, bringt dir einen Brief, und ohne ein Wort zu sagen, verkleidest du dich und ziehst an der Hand des Knaben mit mir bis hieher. Ich kenne die Gegend, doch stand hier seine Fischerhütte, und kein Palast. Was ist aus ihm geworden? Wo ist er?

Zufriedenheit.
Behutsam! Sei nur ruhig. Ich will dir den Brief lesen, den die Geister mir durch Amor gesendet haben. (Liest.) »Hochzuverehrendes Wesen! Beneidenswerte Zufriedenheit! In größter Eile berichten wir Ihnen: der Magier Ajaxerle hat durch Unvorsichtigkeit unsern Plan vernichtet, indem er die Zeit versäumte, Sie und den Fischer abzuholen. Wir müssen nun zu einem neuen schreiten. Der Fischer befindet sich in der Gewalt des Hasses, der seine Hütte in einen Palast umzauberte. Reisen Sie daher schnell in Verkleidung an Amors Hand nach seiner neuen Wohnung. Vor dem Hause wird der Magier Sie erwarten und Ihnen alles aufklären. Den Fischer werden wir sogleich nach Hause expedieren. Wir Geister dürfen uns dem Haß nicht nähern, sonst entzweit er uns, und wir kommen nicht zum Zweck, darum halten wir uns verborgen und verlassen uns ganz auf Ihre Klugheit, denn nur die Zufriedenheit kanns mit dem Haß aufnehmen. Bis Mitternacht muß die Sache beendet sein. Mit ausgezeichneter Achtung und namenloser Verwirrung Dero ergebenster Geisterverein auf dem Scheckel.« Jawohl Verwirrung! So viele Geister, und ein so geistloser Plan. Welche Unsicherheit? Der Magier ist ja wieder nicht hier. Arme Lakrimosa, warum besitze ich keine Zauberkräfte? Was für armseligen Geistern hast du dein Glück vertraut! Doch stille, hier kömmt ein Diener. Wenn ich nur Karl sprechen könnt, dann würde ich mich schon in die Sache finden. (Tophan geht über die Bühne.) Pst, Freund, ist der Herr des Hauses nicht zu sprechen?

Tophan (trotzig).
Nein! Er kömmt erst heute abend an.

Zufriedenheit.
Wo ist er denn?

Tophan.
Er holt seine künftige Frau, es ist schon alles zur Vermählung bereitet.

Lottchen.
Himmel!

Zufriedenheit.
So führ uns zu dem Hausinspektor.

Lottchen.
Ach ja, wenn du deinen Herrn liebst, so –

Tophan (wild).
Schweigt! Ich liebe niemand, ich kann mich selbst nicht leiden, und mein Handwerk ist der Haß.

Zufriedenheit.
So melde uns aus Haß.

Tophan.
Das will ich tun, aus Mißgunst meld ich an, aus Liebe nicht. (Ärgerlich.) Wenn es nur keine Frauenzimmer auf der Welt gäbe. (Ab.)

Lottchen.
Er hat mich vergessen und heiratet vielleicht jetzt eine Königstochter.

Zufriedenheit.
Nur ruhig, daß man uns nicht erkennt.

(Der Haß aus dem Palast. Tophan. Diener.)

Haß.
Wo sind die Mädchen?

Tophan.
Hier! Sie scheinen mir verdächtig.

Haß.
Was wollt ihr?

Lottchen.
Ach! (Zur Zufriedenheit ängstlich.) Was wollen wir denn?

Zufriedenheit.
Euer Gnaden verzeihen, wir sind zwei arme Verwandte des Herrn vom Hause, die zu ihm gereist sind, ohne von seinem Reichtum noch unterrichtet zu sein. Unser Bruder ist im nächsten Dorfe zurückgeblieben und wird gleich nachkommen.

Haß.
Das ist Betrug! Ergreift sie schnell!

Lottchen.
O Himmel! Wer beschützet uns jetzt?

Amor (springt aus dem Blumengebüsche und tupft schnell den Haß mit seinem Pfeile ans Herz, schalkhaft).
Still, still! Ich hab ihn schon verletzt! (Läuft ab.)

Haß (zu den Dienern).
Haltet! Ich war zu rasch! Hm! Ein hübsches Mädchen. (Kneipt sie in die Wange.) Ich vergesse beinahe, daß ich der Haß bin! Nun, womit kann ich euch dienen?

Zufriedenheit.
Wenn Sie uns nur ein kleines Plätzchen gönnen wollten, um dort die Ankunft des Herrn abzuwarten.

Lottchen.
Wir bitten recht schön!

Haß.
Nein! zum Fortjagen sind sie zu hübsch und zum Betrug zu unschuldsvoll. (Zu den Dienern.) Zeigt ihnen das Domestikengebäude, dort können sie ihn erwarten. Wo kommt ihr her?

Zufriedenheit.
Aus dem Salzburgischen.

Haß.
Wirklich? glückliches Salzburg, ein zweites Sachsen, wo die hübschen Mädchen wachsen. (Für sich.) Das ist ein Kapitalmädchen! Wenn ich nur der Haß nicht wär – das ist doch fatal! die könnte mich glücklich machen. Denn wenn sie mich alle Tage mit ihren schönen Augen nur hundertmal anblickt, so habe ich die Woche hindurch siebenhundert schöne Augenblicke. (Nachdenkend.) Das ist doch fatal, daß ich der Haß bin, jetzt wär ich viel lieber ein Salzburger. Adieu! schöne Salzburgerin. (Geht ab und wirft ihr im Abgehen Küsse zu.)

Zufriedenheit (macht ihm einen Knicks nach).
Adieu, schöner Salzburger! Vielleicht gelingt es uns, dir die Suppe zu versalzen. (Zu Lottchen.) Komm! (Geht mit ihr in das Nebengebäude ab. – Die Bühne ist leer.)

Dritter Auftritt

Ajaxerle im Zauberhabit sieht zum Gitter herein, tritt furchtsam ein und sieht sich vorsichtig überall um, schleicht sich dann auf den Zehen bis zur Stiege des Palastes. Plötzlich hört man: 'Halt! wer da?' rufen. Er sieht in die Kulisse, erschrickt, schreit: 'Gut Freund!' und springt mehre Stufen zusammennehmend über die Stiege in den Palast. Nachdem er darin ist, springt gleich eine Furie, mit einer Keule, die ihn bemerkt hat, in größter Eile ihm nach und auf die nämliche Weise wie Ajaxerle über die Stiege und ins Tor.

Man hört in der Kulisse Wurzels Stimme: 'Ein Aschen! Ein Aschen!' Wurzel tritt ein als Aschenmann mit einer Butte auf dem Rücken und einer Aschenkrücke in der Hand.

Wurzel.
Ein Aschen! Au weh! (Stützt sich auf die Krücke.) Was bin ich für ein miserabler Mensch! Ein Aschen! Was war ich, und was bin ich jetzt? Ein Aschen! Hört denn kein Mensch? Die Köchin hat gwiß ein Amanten bei ihr, weil s' nicht hört. (Schreit aus vollem Halse.) Ein Aschen!

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