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Der Bauer als Millionär

Ferdinand Raimund: Der Bauer als Millionär - Kapitel 12
Quellenangabe
typecomedy
booktitleDer Bauer als Millionär
authorFerdinand Raimund
year1990
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-000120-X
titleDer Bauer als Millionär
pages1-4
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1826
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Zwölfter Auftritt

Verwandlung

Der Zaubergarten.

Auf der Kortine ist ein großes Lusthaus gemalt. Quer über die Bühne eine ideale Kegelbahn, mit Gold sehr verziert. Neun kleine ausgeschnitzte Büsten von Geistern, die auf Hermen stehn, sieht man statt der Kegel. Den Kopf der Büste ziert ein Helm, auf welchem wie bei den Geistern eine verhältnismäßige kleine Spiritusflamme brennt. Der mitterste Kegel hat eine kleine Krone auf dem Helm. Eine goldne Kugel. Der Stand für die Scheiber ist auch ideal pompös und eine Art Rosenlaube. An beiden Seiten des Theaters stehen weiße Denksteine mit schwarzer Schrift: »Anton Prey traf nur drei« – »Gottlieb Pracht, alle acht« – »Philipp Thier schob nur vier« – »Michael Koch, ein Loch«.

Nigowitz.

Nigowitz.
Kein schlechters Brot kanns schon nimmer geben als ein Genius, der als Buchhalter bei einer Kegelstatt angstellt ist. Das Passen, und 's kommt niemand. Da werden die Leut Narren sein und werden bei der Lotterie das Leben einsetzen, ist oft um zehn Gulden schad. Keiner hats troffen, so viel noch gschoben haben. Um den letzten war mir gar leid, das war ein Tischlergsell, der hat mir noch vorher seine letzten zwei Gulden gschenkt, hat sich angstellt, scheibt ein Loch, pums! gar wars. Da steht er aufgschrieben: Michael Koch, ein Loch. – Sapperment, dort kommt einer, und unser Paperl, der die Leut herlockt, voraus. Wer muß denn das sein? (Zieht sich zurück.)

Dreizehnter Auftritt

Voriger. Karl. Der Papagei.

Papagei (fliegt vor Karl und schreit).
Bist schon da! Bist schon da! (Fliegt ab.)

Karl.
So warte doch, kleiner Spitzbube! Ist schon fort! Sonderbares Tier, kömmt zu meiner Hütte geflogen, verspricht mir Lottchens Hand, lockt mich hieher und fliegt mir jetzt vor der Nase davon. Wo bin ich denn? Ist vielleicht hier ein Schatz vergraben?

Nigowitz (tritt vor).
Nun, wenn der Herr was gspannt. Wer auf der Pudel alle neun scheibt, wird ein wilder Millioneur.

Karl.
Ein Millioneur? Himmel, da kann ich mein Lottchen heiraten! Her mit der Kugel!

Nigowitz.
Nur langsam, nicht so gschwind! Gib mir der Herr zuerst mein Neunegulden.

Karl.
Wenn ich gekegelt habe, Freund!

Nigowitz.
Nichts! da ist der Herr schon lang hin. Da krieg ich nichts mehr.

Karl.
Was?

Nigowitz.
Freilich. Da muß man ja nicht so gäh sein. Da les der Herr zuerst. (Bringt ein großes Buch.)

Karl (liest).
Wem der große Wurf gelungen,
Hier zu treffen alle neun,
Hat den Zauberring errungen,
Tritt zum Saal des Reichtums ein.
Doch der Freche, dems mißlungen,
Daß das Glück er neunfach zwingt,
Wird von einem Reif umschlungen,
Den der Tod ums Leben schlingt.

Nigowitz.
Das heißt: der Herr ist hin. Also will der Herr oder nicht?

Karl.
Was liegt mir an dem Leben, wenn ich mein Lottchen nicht habe. Ich habe ja auf jedem Kirchtag die neun getroffen. Her mit der Kugel!

Nigowitz.
Schreib sich der Herr ein.

Karl (schreibt schnell sich in das Buch ein).
So! und nun Brillant, du sollst ihr Brautring sein.

(Er stellt sich zum Scheiben und Nigowitz zu den Kegeln. Die Kortine geht auf, man sieht einen Wolkensaal. Neun rote Geister stehen auf einer Stiege mit vier breiten Stufen, sie sind mit Pfeilen bewaffnet, und das Haupt deckt ein Helm mit einer Spiritusflamme. Auf einem Postamente steht das Wort: Zauberring geschrieben, dieses bewachen sie und drohen auf Karl herab. Auf jeder Seite stehen vier, der Kegelkönig auf dem Postamente.)

Chor.
Laß ab! Laß ab!
Die Kugel rollt ins Grab!
Laß ab!

Karl.
Lottchen heißt die Schnur, mein muß sie sein!

(Er scheibt hinaus, die Kegel fallen alle um.)

Nigowitz (schreit aus vollem Halse).
Alle neune!

(Heftiger Donnerschlag. Pudel und Kegel verschwinden. Zwei Blitze fahren auf die Geister, welche von den Stufen stürzen, weh rufen und in dieser Gruppe verbleiben. Die Denksteine verwandeln sich in goldne Vasen mit Blumen. Hinter dem Postament steigt ein ungeheurer blauer Adler auf mit goldgesäumtem Gefieder, welcher den Ring im Schnabel hält und jetzt auf dem Postament sitzt.)

Karl (steigt die Stufen hinan, nimmt ihm den Ring aus dem Schnabel und ruft).
Mein ist der Ring!

(Der Adler breitet die Flügel aus, welche halb so breit als das ganze Theater sind, schwingt sich über Karl auf und reißt einen idealen Thron in seinen Krallen mit, dessen Breite sich nach der Breite der Stiege richtet und Karln, der auf dem Postament, welches sich jetzt in den Thronstuhl verwandelt, sitzt und dessen Kleid sich in ein glänzendes changierte, überschattet. Die Geister huldigen ihm durch ein Tableau. Genien machen die Gruppe voll, und so fällt der Vorhang langsam zu.)

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