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Der Bauer als Millionär

Ferdinand Raimund: Der Bauer als Millionär - Kapitel 11
Quellenangabe
typecomedy
booktitleDer Bauer als Millionär
authorFerdinand Raimund
year1990
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-000120-X
titleDer Bauer als Millionär
pages1-4
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1826
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Achter Auftritt

Wurzel. Lorenz.

Wurzel.
Jawohl gute Nacht. So weit hab ichs gebracht! Lorenz, gib mir einen Spiegel! (Lorenz gibt ihm den Spiegel, er sieht hinein.) Ah, die Positur! jetzt kann ich in der Häßlichkeit Lektion geben. Nein, ich halts nicht aus, ich geh durch! (Will fort.) Es geht nicht, ich hab 's Podagra! (Lacht verzweifelnd.) Haha, nichts mehr hoto!

Lorenz.
Freilich, lieber tschihi ins Bett.

Wurzel.
Was hängt denn da für ein Habersackel? Hab ich denn ein Kropf?

Lorenz.
Nu, und das was für ein, als wenn S' einen Suppentopf gschlückt hätten. Ui je! jetzt haben S' einen buckeligen Hals! (Lacht.)

Wurzel.
Ich glaub, der Kerl lacht mich noch aus?

Lorenz.
Nein, einen Neid werd ich haben, wegen den.

Wurzel (auffahrend).
Der Neid? das ist ein schöner Spitzbub. Ja, der ist an mein Unglück schuld, und jetzt laßt er mich sitzen. Was hab ich jetzt von dem verdammten Geld? Ich kanns ja nicht genießen. Ich wirfs zum Fenster hinaus, vielleicht wird wieder alles wie vorher.

Lorenz.
So sein S' doch gscheid. Wann S' Ihren Reichtum verwünschen, so ist er ja hin. Sie haben mir es ja selbst erzählt.

Wurzel.
Und er soll hin sein, ich will ihn nimmer haben, hab ich meine Schönheit verloren, so will ich auch nimmer reich sein, ich will lieber arm sein und gsund. Hör mich, du verdammter Neid, nimms, dein Geld, ich mags nimmermehr. Oh, wär ich nur, wo ich hingehör, wär ich nur bei die Meinigen!

(Ein Blitzstrahl fährt herab. Schnelle Verwandlung in ein düstres Tal, an der Seite ein Teil der halbverfallnen Hütte Wurzels. Die vordere Gegend ist finster gehalten und herbstlich mit gelben Blättern. Zwischen zwei sehr dunkel sich hereinlegenden Bergen erhebt sich in der Mitte ein hoher Gletscher. Der Sitz von Samt, auf welchen Wurzel nach seiner Verwünschung zurückgesunken ist, verwandelt sich in einen Baumstamm. Er und sein Diener verwandeln sich in arme Bauern. Neben Wurzel liegen ein Paar große Ochsen, worein sich zwei Seitenkredenzen verwandelten, und mehre andere weiden auf dem Berg und perspektivisch in den Wald hinein, daß es das Ansehen einer weidenden Herde hat. Die Musik drückt das Brüllen der Ochsen aus.)

Lorenz.
So, da haben Sies, Sie übermütiger Ding! Jetzt sind S' bei die Ihrigen.

Wurzel.
Die haben doch eine Freud über mich, wenn s' mich sehen. Gelts, meine Kinder? (Ochsengebrüll. Ein Geißbock meckert auf einem Felsen.) Das ist eine rührende Anhänglichkeit. Alle Ochsen weinen über mich!

Lorenz.
Und ich wein doch nicht.

Wurzel.
Hast denn kein Gefühl? Schamst dich denn nicht vor die Ochsen? die werden sich was Schönes denken von dir, du undankbarer Bursch du!

Lorenz.
Was wär das? Kein Geld mehr haben und grob auch noch sein? Ah, jetzt muß ich andre Saiten aufziehen. Was glaubst denn du, grober Mensch? Du hast ja nichts mehr, schau s' an, dein verfallne Hütten. Da steht s' jetzt, dein Palast, wo die Mäus Frau Gvatterin leih mir d' Scher spielen. Z' gut ists ihm gangen, z' übermütig ist er worden, und jetzt ist alles hin, aber alles, sein Sach und mein Sach. (Weinerlich.) Ich bin nur ein armer Dienstbot, und er bringt mich um das Meinige. Ist denn das eine Herrschaft? Jetzt hab ich ihn drei Jahr lang betrogen, und jetzt hab ich nicht einmal was davon.

Wurzel.
Weil dich der Himmel bestraft hat dafür!

Lorenz.
Wenn du dich noch einmal unterstehst, und kommst mir unter die Augen, so reiß ich einen Felberbaum aus und wichse dich damit herum, daß d' an mich denken sollst, du verdorbener millionistischer Waldhansel du! (Geht ab.)

Wurzel.
Ist jetzt kein Mensch mehr da, der mir eine Grobheit sagt?

Neunter Auftritt

Wolken fallen vor.

Der Neid kommt auf einer grünen Wolke, die sich an eine rote schließt, worauf der Haß steht, aus der Kulisse gerollt.
Diese Erscheinung muß äußerst schnell vor sich gehen.
Wurzel.
Der Neid ist römisch gekleidet, doch ganz gelb. Das Kleid hat eine Bordüre von gestickten Schlangen, einen Turban mit Nattern umwunden. Der Haß in römischer roter Kleidung mit goldener Stickerei, Brustharnisch und Helm von roter Folio, auf dem Helm eine Spiritusflamme.

Neid (antwortet schnell auf Wurzels Frage).
Ich! Was hast du getan? Schurke! warum hats du das Mädchen nicht schon lange vermählt, wie ichs befahl? Fort aus meinen Augen, Mißgestalt, oder ich schleudre dir eine Natter in deinen hohlen Schädel, daß dir der Wahnsinn zu allen Knopflöchern herausspringen soll.

Wurzel (kann sich vor Zorn kaum fassen, ganz erschöpft).
Gelt, jetzt hast leicht reden mit mir, du gelbzipfeter Ding du. Jetzt kommst erst daher, du – du Eiernschmalzbruder du! (Neid und Haß lachen. Wurzel verzweifelnd.) Ja lachts nur, ihr habt es notwendig! Einer sieht aus wie 's gelbe Fieber und der andere wie ein Gimpel, der den Rotlauf hat. Aber dich will ich rekommandieren, du Galläpfellieferant. Die ganze Welt will ich durchkriechen, überall will ich mein Schicksal erzählen. (Weint heftig.) Drucken laß ich mein Unglück und lauf selber damit herum und schrei: Einen Kreuzer die schöne Beschreibung, die mir erst kriegt haben, von dem armen unglücklichen Mann, (schluchzend) der aus einen jungen Esel ein alter worden ist. (Geht heulend ab.)

Zehnter Auftritt

Neid und Haß.

Neid.
Freund, ich bitte dich, verfolge mir diesen Dummkopf, solang er lebt.

Haß.
Sorg dich nicht, gegen wen der Neid auftritt, der hat auch den Haß gegen sich.

Neid.
Was soll ich jetzt tun? Ich kanns nicht erdulden, daß diese Lakrimosa, die mir einen Korb gegeben hat, nun triumphieren soll. So nahe am Ziel, und nun dies Komplott.

Haß.
Wenn wirs nur früher erfahren hätten!

Neid.
Und wenn ich auch dagegen etwas unternehmen wollte, so kann ich nicht. Es ist nur mehr die heutige Nacht und der morgige Tag übrig, und ich muß nach England, dort ist eine große Kunstausstellung, wo wenigstens fünfhundert Künstler um den Preis kämpfen, und da kann doch der Neid nicht wegbleiben. Ich habe auch schon eilf Zimmer gemietet, damit man sich doch ein bißchen ausbreiten kann.

Haß.
Der Neid ist doch ein erbärmlicher Wicht, da ist der Haß ein anderer Mann. Ich will hier bleiben, ich will ihnen einen Strich durch die Rechnung machen.

Neid.
Bruder, wenn du das imstande wärst

Haß.
Warte, hier kommt mein Spürhund.

Elfter Auftritt

Tophan. Vorige.

Haß.
Hast du etwas erfahren?

Tophan (geheimnisvoll).
Alles! Die Geister haben heute mittags auf der Spitze des Geisterscheckels folgendes beschlossen: Sie werden sich an dem Bauer durch die Erfüllung seines frechen Schwures rächen. Er hat das Mädchen aus dem Hause gejagt, doch die Nacht hat sie in Schutz genommen und sie in die Arme der Zufriedenheit geführt. Den Fischer hat der Magier Ajaxerle über sich, der bestellte auf heute abend eine geflügelte Wurst, damit wird er den Fischer und die beiden Weiber aus ihrer Wohnung abholen, und alle vier werden nach dem Scheckel fliegen, wo die Geister ihrer harren und Hymen sie um Mitternacht verbinden wird. Dies alles habe ich durch meine Geliebte erfahren, die Kammerjungfer bei der Fee Antimonia ist.

Neid.
Das ist ein schändlicher Plan, so wahr ich Neid heiße und ein rechtschaffener Mann bin.

Tophan.
Doch der Magier muß dem Fischer noch nichts davon entdeckt haben. Der Tag ist bald vorüber, und er sitzt noch vor seiner Hütte und verzweifelt.

Haß.
Ha! Nun ists gewonnen. Hurtig, lege dich auf die Lauer und suche den Magier abzuhalten.

Neid.
Halt! Du hast reichen Lohn verdient, hier hast du zwei Vipern für deine Nachricht.

Tophan.
Ich küß die abgezehrte Hand dafür. (Küßt ihm die Hand, dann im Abgehen für sich.) Vergiften könnt ich ihn damit! (Geht ab.)

Haß (fährt aus einem kurzen Nachdenken empor).
Triumph! fertig ist der Plan. Seine Liebe ist zu heftig, er muß durch List in meine Hände fallen, sonst vermag ich nichts über ihn. (Schwingt seine Fackel.) Erscheine, Zauberhain! (Donnerschlag. Der Haß deutet in die Kulisse.) Was siehst du dort?

Neid.
Einen herrlichen Garten mitten im See, mit einem Lusthause und einer Kegelbahn.

Haß.
Den laß ich oft erscheinen in der Welt, er ist ein Geschenk des bösen Dämons, dem wir beide dienen. In dem Lusthause dieses Gartens wird ein Brillantring, der unermessene Reichtümer gewährt, von neun bösen Geistern bewacht. Ihre Büsten aber sind als Kegel aufgestellt. Wer diese neun Kegel trifft, stürzt dadurch die neun Geister und gewinnt den Ring, den ihm keine Zaubergewalt entreißen darf. Doch trifft er weniger als neun, stürzt er tot zur Erde nieder. Wenn er aber diesen Ring neun Tage besitzt, erfüllen ihn die Geister mit dem höchsten Menschenhaß, und er ruhet nicht, bis er sich und Tausende zugrunde richtet. Nur wenn er ihn vor dieser Zeit freiwillig von sich wirft, ist er gerettet, doch Macht und Reichtum ziehen als Nebel fort. Nun höre meinen Plan. Lakrimosens Tochter muß bis morgen um Mitternacht mit diesem armen Fischer vermählt sein, sonst bleibt ihre Mutter ewig verbannt. Wir locken also den Fischer nach der Kegelbahn, fehlt er die Kegel, ist er verloren, und Lakrimosa mit ihm. Trifft er sie, ist er von dem Augenblick, als er meinen Ring am Finger trägt, ein reicher Mann und kein armer mehr, selbst die Geister haben ihre Gewalt über ihn verloren, und dann werd ich schon Mittel anwenden, daß er entweder im Besitz seines Reichtums sich mit ihr vermählt, oder die Vermählung zu verhindern suchen. In beiden Fällen ist Lakrimosa gestürzt.

Neid (fällt ihm um den Hals).
Bruder, ich beneide dich um diesen Plan, das ist der einzige Dank, den ich dir dafür geben kann.

Haß.
So komm, du ohnmächtiges Ungeheuer, ich will dich mit der Rache vermählen! Du bist ein seltner Bräutigam, dich führt der Haß ins Brautgemach. (Beide Arm in Arm ab.)

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